Montag, 4. Februar 2013

GORGO (1961 Eugene Lourie)


Eine Riesenechse wird an einem irischen Fischerdorf gesichtet. Seemänner fangen es ein und verfrachten es nach London. Dort entpuppt sich die große Attraktion als Jungtier, und die übergroße Mama ist schon auf dem Weg ihr Kind zu befreien...


Godzilla an der Themse...

1953 ging alles los. Da wurde in Amerika unter der Regie von Eugene Lourie ein Film über eine Riesenechse gedreht, die eine Großstadt niedertrampelte. Der Name des Films war „Panik in New York“. Gerade mal ein Jahr später bedienten sich die Japaner dieses Stoffes, drehten „Godzilla“ und landeten damit einen Welthit, obwohl ihre „Monsteranimation“ wesentlich plumper war. Wurde die Ami-Echse noch mittels Stop Motion zum Leben erweckt, so steckte hier lediglich ein Mann in einem Gummikostüm.

Wie schon „King Kong“, so löste auch „Godzilla“ eine Welle der Nachahmer aus, obwohl er eigentlich selbst einer war. „Gorgo“ orientiert sich deutlich am Namen des Vorbildes, und diesmal drehte Eugene Lourie ebenfalls mit Mann im Gummikostüm, diesmal jedoch in England statt in den Vereinigten Staaten. Vorher ließ er 1959 noch einmal eine Stop Motion-Echse auf die Kinozuschauer los in dem Film „Das Ungeheuer von Loch Ness“, der im Original eigentlich „Behemoth The Sea Monster“ hieß und mit dem schottischen Ungetüm eigentlich nichts zu tun hatte.

Nun aber wurde vom eigenen Konzept ziemlich losgelassen und sich deutlicher an „Godzilla“ orientiert. Und was soll man sagen? Das Ergebnis ist selbst für Freunde solcher Trivialunterhaltung ziemlich mager ausgefallen. Das fängt bereits beim Monster an, das nicht nur arg unbeweglich ist, sondern auch recht wirkungslos aussieht. O.k., es ist eine Riesenechse wie alle anderen auch, aber da weht einen kein Hauch von Charme an, da wirken leuchtende Augen nur lächerlich und es dauert bis zur Finalschlacht, bis das Vieh endlich einmal zu wirken weiß (wobei es dort ja eigentlich auch die Mutter ist).

Das immer wieder Fehler zu den Größenverhältnissen der Kreatur auftauchen, gehört zum Monsterfilm eigentlich dazu, was soll man da meckern! Ulkig bleibt es dennoch. Kämpfe gegen die Bestie(n) gibt es auch genug zu sehen, oft im Flammenmeer, an Action mangelt es nicht. Und auch die Zerstörungsorgien sind billig aber nett getrickst, daran hapert es auch nicht.

Neben dem wirkungslosen Monsterkostüm, das in seiner peinlichsten Szene, dem Transport durch London, wegen seiner Bewegungslosigkeit nicht anders aussieht als das Schmuckwerk eines Karnevalszuges, wissen auch die menschlichen Darsteller nicht zu überzeugen. Das Drehbuch lässt keine Annäherung an Charaktere zu. Einzig einen kleinen Jungen lernen wir etwas besser kennen, aber der nervt wie es Kinder im Horrorfilm so häufig tun. Er möchte gerne das Tier befreien, und wer Louries zweiten Film „Der Koloss von New York“ kennt, der könnte nun befürchten dass sich hier wie dort eine Freundschaft zwischen Kind und Monster entwickelt. Aber wenigstens das bleibt uns erspart.

Dennoch, die mangelnde Identifikation mit irgendeiner Figur macht die Pausen zwischen den Monsterszenen arg zäh und langweilig, auch weil die Geschichte sonst nach Schema F funktioniert und so gar keine Innovationen bietet. Da die Monsterszenen aber nun auch nicht das Gelbe vom Ei sind, wird nie genug Wind in die Segel geblasen, „Gorgo“ steht still, egal wie zerstörerisch sich die titelgebende Echse auch gibt.

Im Finale kommt endlich ordentlich Schwung in die Bude. Massenfluchten a la „Kampf der Welten“, niedergetrampelte und kaputt geschlagene Gebäude, teilweise berühmte Bauwerke, hier darf das Vieh nun wüten, als gäbe es kein Morgen. England zieht erfolglos alle militärischen Register, und am Ende beweist der Film seine europäische Herkunft, denn er bietet einen Schluss den die Amerikaner so nie zugelassen hätten. Obligatorisch zur Entstehungszeit schließt der Film mit einem moralischen und zum Denken anstimmen wollenden Kommentar a la „Formicula“.

„Gorgo“ scheitert trotz gelungenem Finale, und das liegt in erster Linie am fehlenden Charme der Echse und an ihrer Bewegungslosigkeit. Filme wie „Godzilla“ und „Reptilicus“ boten dem Fan solch filmischer Schlichtheit mehr, nicht viel mehr, aber immerhin die Dosis die ein solcher Film zum Funktionieren nun einmal benötigt. Mancher Fan des Genres mag das anders sehen, aber ich war schon ziemlich enttäuscht.


Trailer,   OFDb

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen