Montag, 4. Februar 2013

HÄGAR DER SCHRECKLICHE (Hägar The Horrible 1989 Ray Patterson)


Der Wikingerhäuptling Hägar kommt nach einer langen Geschäftsreise nach Hause und muss schockiert feststellen, dass seit seiner Abwesenheit alles aus den Rudern gelaufen ist. Sein Sohn ist ein braver Junge, der sich nicht für Krieg und Kampf interessiert, seine Tochter ist noch nicht verlobt, will Kriegerin werden und ist in einen Versager verliebt. So kann es nicht weiter gehen. Hägar beschließt von nun an die Erziehung selbst in die Hand zu nehmen und macht damit die ganze Familie unglücklich...


Zu Ehren von Dik...

Die „Hägar“-Comics von Dik Brown sind legendär, waren sie doch eine toll beobachtete Gesellschaftssatire, die in ihrer Cleverness gemixt wurde mit herrlichen Albernheiten. Zumindest bis Chris Brown das Ruder übernahm und in lieblosen Zeichnungen die Witze seines Vorgängers, sicher des Vaters, kopierte.

Laut Wikipedia wurde der hier besprochene Kurzfilm anlässlich des Todes Dik Browns gedreht. Das ist eine liebevoll gemeinte Sache, leider wird der Kurzfilm den Comics nicht gerecht, zumindest den Comicstrips. Denn der Zeichentrick „Hägar, der Schreckliche“ orientiert sich mehr an den eher unbekannten Langcomics des Wikingers für Kinder, als an den cleveren kurzen Cartoons für Erwachsene. Die Geschichte ist so konzipiert, dass sie dem Neuling die Figuren näher bringt.

Die Geschichte klingt an sich sehr lustig und ist auch halbwegs brauchbar umgesetzt. Langeweile kann bei 25 Minuten ohnehin nicht auftreten. Insgesamt ist der Film aber viel zu brav ausgefallen. Die Elemente, welche die Comics letztendlich so kultig werden ließen, fehlen fast komplett. In erster Linie fällt das plumpe Verfeuern des Charakters Sven Glückspilz auf, der so gut wie nichts mehr von seiner trotteligen, unbeholfenen Witzigkeit hat. Wo Snoopy den Peanuts den letzten Schliff gab, war es in den „Hägar“-Comics Sven Glückspilz, die rechte Hand von Hägar, dummer Weise Linkshänder. Diese Figur ist einfach Kult und wurde einer Kindersendung geopfert.

Der fertige Kurzfilm ist eine brave Familiengeschichte mit leichter Lustigkeit und dem elementarsten an Gesellschaftssatire, sprich den Kampf modernem Lebens aus Wikingersicht erlebt. Da die Figuren so großartig sind, sowohl von Charakter als auch rein optisch, funktioniert das brave Produkt auf Routinebasis.

Wesentlich erträglicher wäre das ganze allerdings noch mit einer besseren Animation geworden. Aber wo in ersten Verfilmungen schon „Asterix“, „Clever & Smart“ und „Lucky Luke“ leiden mussten, ist es bei Hägar leider nicht anders. Allerdings entstand dessen Filmchen auch in einem späteren Jahrzehnt, so dass die schnell dahingeschluderte Art unverschämter und unverständlicher ist.

„Hägar, der Schreckliche“ ist ein kleines Schnellprodukt geworden, das höchstens nützlich für den schnellen Dollar war. Das Grundkonzept ist immerhin gut genug um das eigentlich halbherzige Werk auf den Status annehmbarer Routine zu retten. Wenn man aber bedenkt zu welchem Anlass das ganze Projekt gestartet wurde, ist man allerdings enttäuschter als ohnehin schon. Ich zumindest! 


OFDb

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