Freitag, 8. Februar 2013

LIZENZ ZUM HEIRATEN (License To Wed 2007 Ken Kwapis)


Ben und Sadie wollen in jener Kirche heiraten, die in Sadies Familie Tradition ist. Reverend Frank traut jedoch nur Pärchen, die zuvor an seinem Kurs zur Vorbereitung auf die Hochzeit teilgenommen haben. Mit unkonventionellen Methoden bringt er das Paar an die Grenzen ihrer Liebe, Regeln, Geduld und Selbstbeherrschung...


Synthetikkot und Dankbarkeit nach Erniedrigung...

Schon die Kinovorschau bescherte mir damals einen Schauer auf den Rücken. Kann das witzig sein? Wurden wie so oft die schlechten Witze in den Trailer gepackt, und der Film selbst entpuppt sich dann als herrlich alberne Komödie? Sehr unwahrscheinlich, aber neugierig wie ich bin musste ich mir irgendwann die Antwort holen. Da es diese nur durch Selbstsichtung gibt, und mir der Film nicht einmal den Euro in der Videothek wert war, musste es erst zur Fernsehpremiere kommen, um Gewissheit zu erlangen.

Ich war vorbereitet auf jegliche Art von Peinlichkeiten, und ich sollte sie auch so ziemlich alle vor die Nase gesetzt bekommen: Fäkalhumor, Realitätsferne, Wohlstandshumor, Klischees (insbesondere Männer- und Frauenklischees), fehlendes Humorverständnis, berechenbare Geschichte und Charakterentwicklung, fragwürdiges Menschenbild, Phantasielosigkeit, der Glaube an die Berechenbarkeit des Menschen und nicht zuletzt der Dank an den Unterdrücker.

Deutschland sucht den Superstar“ wurde vom Autor Thomas Wieczorek mal mit dem alten Rom verglichen, wo Peiniger ihre Opfer erniedrigten, und auf dem Nullpunkt der Selbstachtung und des Selbstbewusstseins angekommen freuen sich die Gedemütigten später über jede Form von Hilfe des Peinigers. Das lässt sich auch auf „Lizenz zum Heiraten“ anwenden. Ich verrate bei einem derart berechenbaren Drehbuch sicherlich nicht zu viel, wenn ich erwähne, dass der Film ein Happy End hat.

Romantikkomödien, die es wagen dies nicht zu haben, haben nie sonderlich hohe Erfolge erzielen können. Zum Happy End einer solchen „Komödie“ gehört es dazu, dass der schrullige Trainer mit seinen ungewöhnlichen Methoden am Ende recht behält. Das funktionierte bei „Karate Kid“, das ging gerade noch gut bei dem sehr realitätsfernen „Die Wutprobe“, und es scheitert komplett bei „Lizenz zum Heiraten“.

Denn neben fehlender Sympathie-Charaktere sind es in erster Linie die Methoden des Reverend, die unverzeihlich sind. Manipulation, Verunsicherung, Eingriff in die Privatsphäre und Rufmord sind nur ein kleiner Auszug einer ellenlangen Liste, die für eine schwarze Komödie nach einem Leckerbissen klingen würden. Kwapis Werk ist jedoch eine Romantikkomödie, und da sollen am Ende alle Menschen und ihre Absichten lieb gewesen sein, Fehler eingesehen werden und der Wert der Familie und Treue hochgehalten werden. Für diese Art Film bedeutet die kleine Auflistung den Untergang.

Nicht dass Kwapi nicht versuchen würde eine schwarze Komödie zu drehen, aber den Stempel dieses Subgenres erlangt man nicht, wenn man ein paar fiese Momente in eine heile Welt einbaut, eine Welt die zudem mit ihren Ritualen, ihrem Menschenbild und den erforderlichen Finanzgrundlagen mehr als fragwürdig erscheint. Mag sein dass man Teil der Wohlstandsgesellschaft sein muss, um über diesen lebensfernen Wohlstandshumor lachen zu können, mich kitzelt da jedoch nichts.

Viel mehr bekomme ich auf verschiedenen Ebenen das Kotzen. Das Bild von Mann und Frau in solchen amerikanischen Filmen ist mir zu faschistisch, da zu angeglichen. Wie oben erwähnt darf man jegliche Erniedrigung erdulden, wenn das Ergebnis und die Absicht stimmt. Ein talentierter Robin Williams sucht sich, wie so oft, einen völlig idiotischen Stoff aus. Und mit das schlimmste: weder Drehbuchautor noch Regie schienen irgendeine Form von Humorverständnis zu besitzen.

Nicht nur das Setzen falscher Pointen zum falschen Zeitpunkt und das Anbiedern an den Massengeschmack machen den Verantwortlichen hier einen Strich durch die Rechnung. Auch will die komplett konstruierte Grundsituation, die Möglichkeiten zum positiven Ergebnis gehabt hätte, überhaupt nicht funktionieren. Zu unsympathisch ist wirklich jede Figur und jedes verkörperte Ideal, zu peinlich sind die Witze über die höchstens Grundschüler zu lachen wüssten (Tiefpunkt ist mitunter das Pinkeln ins Gesicht von der kackenden Roboter-Babypuppe).

Eine solche Geschichte funktioniert nicht nach dem angepassten Mainstream-Rezept üblicher Romantikkomödien. Für einen solchen Stoff braucht man Mut zur Provokation und den Drang gelebten Alltag kritisch in Frage zu stellen, so wie es „Der Rosenkrieg“ vorgemacht hat. Heißt man jedoch alles gut, was die Masse treibt, oder wie in diesem Fall was das Mainstream-Klischee für vorgefertigte Drehbücher vorschreibt, dann kann auch der radikale Grundgedanke, auf den alles aufbaut, nur noch Perlen vor die Säue sein.

Schwarzer Humor kann ein Mittel sein, um auf Missstände hinzuweisen. Er kann aber auch zur schlichten Schadenfreude funktionieren. Dann muss man aber auch über sich selber lachen können und mögliche Rufschädigungen riskieren, so wie es Bruce Campbell mit „My Name Is Bruce“ wagte, oder Cameron Diaz in ihrer Rolle im sehr umstrittenen „Very Bad Things“. Die Figuren von „Lizenz zum Heiraten“ sind jedoch nur Sympathieträger, die auf politisch korrekte Art Grenzen einreißen dürfen, um diesen Schaden direkt wieder reparieren zu dürfen. Die nächste Rolle im nächsten massentauglichen Film wartet schon, und da muss man sich verkaufen können, um morgen nicht arbeitslos zu sein oder noch schlimmer: noch Filme drehen zu können aber kein Star mehr sein zu dürfen. Ich glaub ich muss schon wieder kotzen.


Trailer,   OFDb

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