Samstag, 2. Februar 2013

PLANET 51 (2009 Jorge Blanco u.a.)


Auf dem Planet 51 geht alles seiner friedfertigen Routine nach, bis eines Tages ein Raumschiff von der Erde landet und die Panik vor einer Invasion ausbricht...


Mehr als nur Steine...

Wenn der Bösewicht am Ende des hier besprochenen Streifens zum Guten bekehrt werden soll, packt „Planet 51“ seine Botschaft ganz offen aus: Habe keine Angst vor dem Unbekannten! Aber wie will man eine Botschaft glaubwürdig verkaufen, wenn man sie selber nicht vertritt? Die Verantwortlichen dieses Zeichentrickfilmes schienen ebenfalls Angst vor dem Unbekannten zu haben und scheuen sich jeder eigenständigen, neuartigen Idee und paddeln brav im stillen Wasser des US-Familien-Erfolgsrezepts der letzten 20 Jahre mit. So wie seinerzeit „Robots“ mit seiner Warnung vor bösen Konzernen unterging, da er selber nur ein kühl kalkuliertes Produkt eines solchen war, so wird „Planet 51“ aufgrund seiner Mutlosigkeit in Vergessenheit geraten.

Im Gegensatz zum Vergleichsfilm weiß er zumindest routiniert zu unterhalten, aber das ist schon recht wenig für eine solch nette, verdrehte Filmidee, in welcher der Mensch zum Außerirdischen wird, da er einen bewohnten Planeten besucht. Mit seinem Auftauchen löst er eine Panik unter den Einheimischen aus, die, wie sie es vom Kino gewohnt sind, an die Bösartigkeit der fremden Kreatur glauben. Mit dieser Idee endet auch bereits die Kreativität der Verantwortlichen.

Alles weitere ist bekannt: die Mentalität der Außerirdischen ist jene des US-TV-Niveaus der 50er Jahre, Verweise auf Filme ähnlicher Thematik gehen nur Richtung Blockbuster a la „E.T.“ und „Krieg der Welten“ (selbst der ebenfalls recht durchschnittliche „Megamind“ bewies mehr Fachwissen mit einer Anspielung auf „Robot Monster“), und die Geschichte ist so vorhersehbar, dass es fast schon wundert, dass man beim Zuschauen nicht rammdösig wird.

Am schlimmsten sind jedoch die Figuren ausgefallen. Ihre Charaktere sind billige Abziehbilder ohne einen Hauch Individualität. Am schlimmsten getroffen hat es die Teenagerin im Bunde, die auf langweilige Art nur das Mädchen sein darf und den menschlichen Astronauten, bei dem man sich nicht sicher war ob er nun gut oder böse charakterisiert werden soll, also versuchte man beides zugleich, was die Figur vollends gegen die Wand fährt.

Zeichnerisch sieht es nicht besser aus. Zwar ist „Planet 51“ eine professionelle Produktion (wenn auch nicht ansatzweise mit so detailfreudigen Hintergrundwitzchen versehen wie Werke von Pixar und Dreamworks), aber die Figuren selbst sind so einfallslos konzipiert wie die Geschichte selbst. Mit nur leichten und all zu klassischen Veränderungen wirken die Bewohner des Planeten wie Menschen, was dringend hätte verhindert werden müssen, da ja bereits die Mentalität ein Spiegelbild der Amerikaner ist.

Großkotzig darf der Astronaut sich noch verabschieden mit den Worten, dass der wahre Spaß erst in den 60er Jahren losgehen würde und hievt die hilfsbereite Bevölkerung damit unter das Niveau des fortgeschrittenen Amis. Der klassische US-Größenwahn ist also durchaus vertreten, allerdings nicht in Form von Satire, sondern in der üblen Variante der Selbstherrlichkeit.

Satire ist da trotz aller vorhandener Möglichkeiten ohnehin kaum vorhanden, werden die 50er Jahre doch derart gut geheißen und zelebriert, dass eine Kritik an der Vergangenheit Amerikas ebenso wenig auftaucht wie jene an der Gegenwart.

Dass „Planet 51“ nicht untergeht, verdankt er der netten Figur eines kleinen Steine-sammelnden Roboters, der schrillen Wissenschaftler-Rolle, welche John Cleese sprechen durfte, und dem kleinen, stillen Humor am Rande (meist nett eingefädelte Missverständnisse), der zwar nie hervorhebenswert zu nennen ist, den Film aber auf 90 Minuten nie langweilig werden lässt trotz bewährter Rezeptur. Erstaunlich ist, dass bei all den Fehlern die gemacht wurden, nicht auch die Kitsch- und Pathosschraube zu eng angezogen wurde. Damit sind die wirklich unangenehmsten Eigenschaften heutiger US-Familienproduktionen wenigstens nicht mit an Bord.

Der Vorspann, der wie heutzutage häufig angewendet erst vor dem Abspann erscheint, ist eigentlich das sympathischste am ganzen Film, darf man hier doch Kreaturen in einem Zeichenstil sichten, der geradezu typisch für die Popkultur der 50er Jahre war. Warum konnte man einen Film nicht mutig in diesem Stil kleiden? Es ist schon schade, dass ein Produkt hier und in seinen außerirdischen Kinoszenen sich diesbezüglich am originellsten gibt.

Wer anbei moderne Stoffe eingekleidet in der Kultur der 50er Jahre auf die amüsante Art sichten will, sollte entweder zur Horror-Komödie „Fido“ greifen, zur Komödie „Pleasantville“ oder, wenn es denn unbedingt Zeichentrick und Science Fiction sein soll, zu „Der Gigant aus dem All“. „Planet 51“ ist guckbar, aber bei so ziemlich jedem über 14 wird er keine überwältigende Begeisterung entfachen.

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