Sonntag, 3. Februar 2013

THE COLLECTOR (2009 Marcus Dunstan)


Aus einer Notsituation heraus bricht Arkin in ein Haus ein, welches er von seiner Arbeit haargenau kennt und von welchem er weiß, dass es in besagter Nacht menschenleer sein wird. Doch falsch gedacht, kaum drin erkennt er, dass er nicht alleine ist. Ein Psychopath hat sich die hier wohnende Familie geschnappt und foltert sie. Das Haus hat er mit tödlichen Fallen versehen, und ein Weg nach draußen scheint unmöglich...


Arkin in da House...

Kompromisslos kommt er daher, dieser Horror-Thriller, den man entfernt eventuell als den „Kevin - Allein zu Haus“ unter den Horrorfilmen bezeichnen könnte, zumindest wenn es in den 80er Jahren nicht „Deadly Games“ gegeben hätte, auf den diese Bezeichnung besser passt. Der Gedanke kommt dennoch auf, wenn man dabei zusehen darf wie ein Einbrecher vergeblich versucht aus einem Haus heraus zu kommen, das mit allerhand todbringender oder zumindest starke Verletzungen verursachender Fallen ausgestattet ist. „Cube“ lächelt einen dabei ebenso an wie diverse Teile der „Saw“-Reihe, und letztgenannte weiß er auch locker zu toppen.

Regisseur Marcus Dunstan, für den „The Collector“ sein Regie-Debut darstellt, umgeht keine harten Bilder, zelebriert sie teilweise sogar regelrecht, rutscht dabei aber niemals in den sensationsgeilen Bereich ab, sondern unterstreicht mit diesen harten Bildern den Spannungsbogen, der nach etwa 10 Minuten Film startet und von da an fast konstant erhalten bleibt. Gewalt, sicherlich auch ein wenig zum Selbstzweck, das kann man nicht vollends abstreiten, aber hauptsächlich als Stilmittel um das positive Ergebnis um etwas mehr Grauen zu bereichern.

Dass weder die Bewegungen der Hauptfigur nach etlichen zugefügten Wunden realistisch erscheinen, noch der viel zu plötzliche Aufbau der Fallen und das zu flotte Verbarrikadieren der Ausgänge, ist ein Makel, das man in „The Collector“ einfach zu schlucken hat, wenn man Gefallen am Film finden will. Meiner Meinung nach macht da die stimmige Atmosphäre und der hohe Spannungsbogen einiges wieder dran wett, ärgerlich bleiben so unnötige Fehler dennoch zurück.

Hat man die bitteren Pillen einmal geschluckt, steht einem gelungenen Sehvergnügen jedoch nichts mehr im Weg. Gerade erfahrene Freunde des Genres Horror bekommen hiermit endlich mal wieder einen Leckerbissen serviert, da er nie den Kompromiss zu zartbesaiteten Neueinsteigern ins Genre, noch zum Mainstream sucht. „The Collector“ ist Terrorkino und widersteht der unnötigen Versuchung den zur Entstehungszeit noch immer so beliebten Folterfilm zu imitieren.

„The Collector“ gefällt in seinen einzelnen Ideen: dem Vorteil, dass der Psychopath nicht weiß dass da noch wer im Haus ist, sowie der nervenzerrenden Versuche diesen Zustand möglichst lange aufrecht zu erhalten, die innere Zerrissenheit des Protagonisten zwischen Leben retten und sein eigenes in Sicherheit zu bringen, die einfallsreichen Fallen, das Katz- und Mausspiel mit dem Irren, der Verrat am Arbeitgeber und die dem vorrausgehende private Situation Arkins, und noch so vieles mehr. Lediglich die Idee des Menschensammelns hätte man sich sparen können, beschäftigt sich der Film mit diesem eigentlichen Aufhänger doch ohnehin viel zu wenig.

Als besonders gelungen ist hervorzuheben wie Dunstan den Killer in Szene setzt. An den klassischen Slasher-Vorbildern wie „Halloween“ und „Freitag der 13.“ orientiert schweigt der Psychopath, über dessen Motive wir nie etwas erfahren. Seine obligatorische Gesichtsbekleidung ist schlicht aber wirksam, was jedoch weniger an der Bekleidung, als viel mehr an den düster funkelnden Augen liegt, die mich unweigerlich an die bedrohlichen Augen Yul Brynners in „Westworld“ erinnerten. Selten durfte ein Bösewicht in Filmen so düster und kalt gucken, wie in diesen beiden Werken.

Aber auch die ernsthaft und glaubwürdig angelegte Rolle des Einbrechers Arkin macht viel am Gesamtergebnis aus, baut er doch keine unnötigen Idiotien, handelt er doch meist clever und nachvollziehbar, und ist er doch eine geglückte Identifikationsfigur, zumal der Schritt ihn trotz seiner kriminellen Tätigkeit als liebenswürdige Person darzustellen als gelungen betrachtet werden kann, auch wenn kleine Klischees, wie das gemeinsame Tee trinken mit einem Kind und seinen Puppen, nie komplett umschifft werden.

Drei Jahre später drehte Dunstan die Fortsetzung „The Collection“. Ich kenne sie noch nicht, aber hier darf der gute Mann nun beweisen ob er zufällig etwas so Gekonntes gedreht hat (wäre nicht der erste Regisseur, bei dem das der Fall wäre, da braucht man nur auf Tobe Hooper schielen), oder ob er sein Fach tatsächlich versteht und uns nun des öfteren mit solch tollen Horrorfilmen beglücken wird. In Zeiten von Hochglanz-Teenie-Horrorfilmen, den ollen Folterfilmen und zu viel Mainstream in unser aller Lieblings-Genre wäre es dem alteingesessenen Horror-Fan zu wünschen, guckt sich „The Collector“ doch als wunderbarer Mix aus damaligem, stimmigen Slasher und heutigem bluttriefenden Folterfilm.

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