Montag, 11. Februar 2013

THE DESCENT - ABGRUND DES GRAUENS (The Descent 2005 Neil Marshall)


Eine Gruppe junger Frauen geht auf Kletter-Tour in einer Höhle. Juno verheimlicht dem Rest, dass sie sich in einer bisher unentdeckten Höhle befinden. So kommt wie es kommen muss: Der Weg zurück wird verschüttet, und da keine Hoffnung auf Rettung besteht müssen die Damen einen anderen Weg hinaus finden. Zu dumm, dass sie nicht alleine hier unten sind...


Hier bekommt jeder Klaustrophobie...

Manchmal kommt es einem beim zweiten Sichten eines Filmes so vor, als hätte man zuvor einen anderen Streifen gesehen. Sicherlich ist es auch tagesformabhängig wie ein Film beim Zuschauer ankommt, rückblickend muss ich aber auch gestehen, dass ich mit „The Descent“ viel zu streng umgesprungen bin. Denn was ich nach dem ersten Sichten als „ganz nett“ titulierte, und wo ich damals noch äußerte die Spannung würde mit dem Auftauchen der Kreaturen zu arg zurückgeschraubt werden, kann ich all dies nach dem zweiten Gucken nicht mehr nachvollziehen. „The Descent“ ist spannend, und er bleibt es bis zum verstörenden Schluss.

Damals fand ich die Figuren recht uninteressant. Sie sind meiner Meinung nach auch heute noch nicht das Gelbe vom Ei, aber man kann mit ihnen mitfiebern, und sie folgen bekannten weiblichen Verhaltensmustern, wie man es aus dem Leben kennt. Ausgeschlossen sind dabei freilich die beiden Extremcharaktere, die auch das Finale erleben werden. Diese sind zu überzeichnet um realistisch zu wirken, müssen dies aber auch gar nicht, da wir uns in einem Horrorfilm befinden, und da kann man sicher über das ein oder andere Klischee hinwegsehen. Immerhin schwimmt „The Descent“ nicht in einem Meer aus Klischees, also was soll's.

Wie erwähnt ist die Spannung recht hoch, und sie ist es gerade dann, wenn es darum geht das eingesperrt sein zu verdeutlichen. Wenn ausgesprochen wird, dass man sich nicht in der eigentlich geplanten Höhle befindet, oder wenn unsere Heldin in einem ganz engen Schacht hängen bleibt, dann sind das richtig spannende Kinomomente. Auch die ersten Auftritte der Monster, die stark an „Tunnel der lebenden Leichen“ erinnern, sind sehr gut eingefangen. Da muss man schon starke Nerven haben, um nicht zusammenzuzucken, gerade wenn sich eines der Viecher mit einem mal im Kreis der Betroffenen befindet, wohl die beste Szene des Films.

Von da an lässt die Spannung zwar nicht nach, wie ich nach dem ersten Gucken noch behauptete, aber sie muss aufgrund der Drehbuchlogik einige Prüfungen bestehen. So ist es zwar nachvollziehbar, dass die in den Tiefen der Höhle hausenden Wesen aufgrund der Dunkelheit ihrer Umgebung das Sehorgan nicht mehr verwenden, warum sie allerdings nur ihr Hörorgan nutzen ist mir vollkommen unklar. Der Tastsinn wird bedingt genutzt, aber selbst der ist kaum ausgereift, wenn er den warmen Kopf eines lebenden Menschen nicht als solchen erkennen kann. Der Geruchssinn versagt bei den Viechern sogar völlig. Das ist biologisch unlogisch, auch in einem Horrorfilm, der in diesem Fall immerhin bemüht ist, möglichst realistisch zu sein. Die Bedrohung innerhalb der Höhle wäre wesentlich größer, wenn die Viecher riechen könnten. Es ist eine Leistung für sich, dass „The Descent“ dennoch keinen Spannungseinbruch erlebt.

Es stößt ebenfalls sauer auf, dass der Autor die Viecher immer in den Momenten und der Menge erscheinen lässt, wie es ihm gerade passt. Mal ist da einer, dann urplötzlich wieder ganz viele, dann wieder gar keiner. Nachvollziehbar ist das für den Zuschauer nicht, sonst ginge es ja in Ordnung. Man hat sich einfach den Gesetzmäßigkeiten des Autors zu fügen, auch wenn man dafür keine Erklärungen erntet. Gute Dialoge und nachvollziehbare Handlungsweisen der Protagonisten machen da auf der anderen Seite so einiges wieder wett, so dass der Zuschauer dennoch weiter mitfiebern kann.

Die Viecher sind nett animiert, wissen großteils zu gruseln und zu erschrecken, interessanter Weise war der Film allerdings schon vor ihrem Auftreten unglaublich fesselnd. Ich denke mal dass „The Descent“ auch ohne sie wunderbar funktioniert hätte, quasi schlicht als schiefgelaufener Extremsport-Trip. Das Zeug mit dieser simplen Idee einen kompletten Film zu füllen, hätte „The Descent“ bei seiner guten Umsetzung gehabt. Ich erwähne dies, um zu betonen wie spannend und gut erzählt das Werk bereits in dieser Phase ist. Natürlich war ich als Horrorfan sehr glücklich über die Anwesenheit der Monster, also bitte nicht falsch verstehen.

Die Bilder, die von der Kamera eingefangen werden sind großes Kino. Hier beweist der Film wirklich Klasse, sei es bei den großartigen Naturaufnahmen vor dem Höhleneinstieg oder bei den düsteren, labyrinthartigen Innenaufnahmen in der Höhle. Auch die Farbwahl ist höchst effektiv, ganz besonders bei den mit der Laufzeit zunehmend schmutziger werdenden Hauptakteurinnen. Gegen Ende passen Bild und Farbe auch wunderbar zur Psychologie des Filmes. Ein Lob muss man auch Richtung Regie aussprechen, man merkt dass Neil Marshall ein Talent darin besitzt, seine Schauspieler an die Hand zu nehmen und ihnen Charakter und Situation zu verdeutlichen.

Also, kleine Schönheitsfehler sind vorhanden, ganz gravierend in den Verhaltensweisen der Viecher. Aber „The Descent“ ist dennoch ein kurzweiliger, sehr spannender Film geworden, der zu Recht genügend Beachtung genießt. Optisch weiß das Werk einiges zu bieten. Ein Fehlgriff ist dieser Horrorfilm sicherlich nicht.


Trailer,   OFDb

1 Kommentar:

  1. Einer meiner Lieblingshorrorfilme der jüngsten Zeit. Krass dass er nun schon wieder 8 Jahre auf dem Buckel hat. An die Kinosichtung kann ich mich noch erinnern, als wäre es gestern gewesen. Was bin ich aus dem Sessel gesprungen!

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