Montag, 11. Februar 2013

ZOMBIES AND CIGARETTES (2009 Rafa Martinez u.a.)


Mitten in der Hektik eines Einkaufszentrums stößt ein junger Mann auf seine heimliche Flamme. Doch zum Flirten bleibt keine Zeit. Sie ist im Einkaufsstress, er donnert gegen die Ware eines Parfum-Lieferanten, und schon Sekunden später findet sich der gute Mann in einem Chaos wieder. Überraschend wird der Ort des Konsums von Zombies belagert. Als Teil eines aus der Not entstandenen Grüppchens versucht der Mann in den hinteren Räumen des Kaufhauses zu überleben...


Zombies im Kaufhaus...

Lebende Tote sind ebenso schwer aufzuhalten wie die momentane, schon recht lang anhaltende, Zombiefilm-Welle, die auch Kurzfilmer in vielen Ländern der Welt dazu inspiriert mitzumachen. Der hier besprochene Beitrag kommt aus Spanien, ein Land das uns schon den gelungenen „[Rec]“ beschert hat. „Zombies And Cigarettes“ ist im Gegensatz zu dem in klassischer Optik gehalten und außerdem nur 17 Minuten lang.

Das war auch eine gute Entscheidung, denn nur die wenigsten Beiträge zur Zombie-Thematik wissen dem Gebiet Neues zu bescheren, und so gucken sich manche Produktionen auf Spielfilmlänge auch sehr unangenehm. Das müssen nicht gleich solche Nieten wie „Infekt“ sein. Auch halbwegs taugliche Filme wie „Last Of The Living“, ja selbst nette Beiträge wie „Dead Meat“ sind ein wenig anstrengend zu gucken, da ohnehin im groben das selbe passiert wie bei den 20 zuletzt gesehenen Zombiewerken zuvor.

Auch das Werk der Regisseure Martinez und Román überhäuft den Cineasten nicht mit Innovationen, guckt sich jedoch recht angenehm. Das liegt, wie gerade herausgearbeitet, an der kurzen (und gleichzeitig nicht ZU kurzen) Laufzeit, aber auch an der sehr professionellen Umsetzung. Über die Schauspieler gibt es nichts zu schimpfen, die Effekte wirken und sind im richtigen Mix eingebracht (nicht zu dominant, nicht zu selten und nie zum Selbstzweck), mancher Dialog weist auflockernden Witz auf (Zombies? Hier in Spanien?) ohne dass der Film gleich zur Komödie verkommt. Dennoch hat er in diesem zweitrangigen Bereich seine besten Momente, z.B. wenn es um das gut riechende Parfum im Fahrstuhl geht.

Tiefsinn mag ich in dem für Fans gut umgesetzten Film nicht entdecken. Das Kaufhaus als Ort des Konsums ist eine Verbeugung vor Romeros zweiten Zombie-Streich „Zombie“. Dadurch dass der Alltag zunächst noch intakt ist, können die beiden Regisseure dieses Kurzfilmes zusätzlich noch mit dem Egoismus der Personen spielen, die sich im Einkaufszentrum aufhalten. Einzig die Hauptrolle und der Eisverkäufer wirken mit ihrer Selbstlosigkeit wie aus einer anderen Zeit, was durch die im Titel aufgegriffene Zigarette symbolisiert wird.

Der Moment, in welchem der Streifen zum Zombiefilm wird, ist einer seiner Höhepunkte. Das Grauen bricht aus dem Nichts herein. Ohne den verräterischen Filmtitel wäre man komplett überrascht. Genau so stelle ich mir die erste Begegnung mit der fatalen, neuen Situation vor, wenn sie wirklich aufkommen würde. Leider ist dieser großartige Moment dann auch gleich der einzige, der mich zum mitfiebern ermutigen konnte. Der Rest läuft so sehr nach 08-15-Muster ab, dass ein im Geschehen-Fühlen einfach nicht weiter möglich ist. Schade auch, dass die Parfum-Idee später einem weiteren Zweck dient. Als reinen Running Gag für zwischendurch hätte ich sie besser gefunden.

„Zombies And Cigarettes“ kann man sehen oder es bleiben lassen. Man verpasst nicht viel, da nichts Neues erzählt wird. Aber Freunde des Subgenres Zombie-Horror werden sicherlich Spaß mit dem 17-Minüter haben.


OFDb

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