Mittwoch, 20. März 2013

EVIL INSIDE - DU BIST WAS ES ISST (Scourge 2008 Jonas Quastel)


Nachdem eine Kirche durch einen Brandanschlag teilweise niedergebrannt wurde, kann sich etwas befreien, das an diesem Ort Gottes etwa ein Jahrhundert gefangen gehalten werden konnte: ein Parasit, der seinem Wirt Heißhunger beschert, bevor dieser sich blutig erbricht und das Vieh an den nächsten weiter gibt. Jesse und Scott versuchen das Ungetüm aufzuhalten. Dummerweise sieht der zwielichtige Sheriff in Scott den Hauptverdächtigen...


Das große Fressen...

Auf dem Cover schaut „Evil Inside“ halbwegs innovativ aus. Beim Sichten merkt man jedoch recht schnell, dass der Film Durchschnittsware in Reinform ist.

Ein Parasit, der Menschen Amok laufen lässt, gab es schon des öfteren (z.B. in „The Hidden“), der Zwist Sheriff und jugendliche Hauptfigur war schon lange vor „Der Blob“ ein häufig gewähltes Storyelement, und gleiches gilt für den Plot, dass die Hauptfigur unter Verdacht steht. Der Körperwechsel wurde außerhalb des Parasiten-Subgenres bereits in „Dämon“, „Shocker“ und Co verwendet.

Auch die Inszenierung ist Durchschnitt. Hier muss man allerdings betonen, dass es die gute Art Routine ist. Die Farbwahl ist ausgezeichnet, der Kameramann fängt teilweise großartige Bilder ein, und der Verzicht auf schnelle Schnitte kann mittlerweile bei modernen B-Produktionen auch auf der Positivseite dazugezählt werden.

Weniger gelungen ist die Logik, die einem den ein oder anderen Kopfschüttler beschert. Nicht gesehen werden wollen und ab in ein öffentliches Lokal, zu glauben die Seuche sei kein Virus weil noch nicht jeder angesteckt ist (wenn es danach ginge wäre die ganze Menschheit bereits Anfang der 80er Jahre an AIDS gestorben) und viele andere Unsinnigkeiten schwächen das Bild von „Scourge“ (Originaltitel) erheblich.

Klar ist man Unsinn im Genre Horror gewöhnt. Aber wenn eine Geschichte derart durchschnittlich erzählt ist, wie Quastels kleiner Genrebeitrag, dann fällt die Idiotie um so mehr auf.

„Evil Inside“ wird nie langweilig, aber er beschert einem diesen einen Schritt vor der Langeweile. Es gibt keinerlei Überraschungen, außer vielleicht den ein oder anderen Goreeffekt. Aber selbst der beste dieser Art ist geklaut von „The Grudge – Der Fluch“. Trotzdem ist es gerade der Bereich des blutigen Treibens, der zumindest Horrorbegeisterten das Herz höher schlagen lassen könnte. Jonas Quastels Film ist sehr blutig, und die Pause zwischen den einzelnen Goreeinlagen ist nie all zu groß.

Positiv hervorzuheben ist der sympathische Cast. Große Talente gibt es hier nicht zu entdecken, aber die Figuren wurden brauchbar besetzt, und trotz fehlender Charaktertiefe sind einem die Protagonisten nicht völlig egal.

Letztendlich guckt sich der Film viel zu comichaft, um sich zu sehr über ihn zu ärgern. Ansonsten würde spätestens jener Moment wurmen, in dem ausgerechnet der Sheriff vom Parasit befallen wird und sich sein Erzfeind, die Rolle des Scott, um ihn kümmern muss. Erst durch die lockere Umsetzung wird ein solches Klischee sogar zum Pluspunkt.

Erleichternd kommt solchen Szenen auch der humoristische Unterton zugute. „Evil Inside“ ist keine Horror-Komödie (das ist er höchstens im unfreiwillig komischen Sinne durch seine Dummheit), aber man merkt wie augenzwinkernd Quastel mit seinem Horrorfilm umgeht, z.B. in jener Szene, in der Scott seine Gefängniszelle ausgerechnet mit der Person teilen darf, welche die Letztinfizierte zuletzt traf. Wer den Parasit nun in sich trägt dürfte klar sein...

Schade dass Quastel der Mut zur echten Provokation fehlte. „Evil Inside“ ist ein etwas müdes Produkt, das nur brav die Regeln des modernen Horrorfilms befolgt ohne neue Akzente zu setzen. Warum wurde nicht wenigstens Religionskritik angegangen, in dem sich der Parasit als ein Lebewesen herausstellt und die Kirche seinerzeit etwas Natürliches dämonisierte? Nein, stattdessen ist das Vieh wirklich ein Höllenwesen, und da es den Schreibern an jeglicher Phantasie fehlte, wird sein exakter Hintergrund auch nie gelüftet.

„Evil Inside“ wird Vielsehern des Genres gefallen. Ich habe schon jede Menge schlechtere Filme auf diesem Produktionsniveau gesichtet. Letztendlich ist der Streifen aber einfach zu gewöhnlich, um wenigstens als kleiner Tipp für zwischendurch in Frage zu kommen.

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