Mittwoch, 20. März 2013

IRRGARTEN DES SCHRECKENS (Asylum 1972 Roy Ward Baker)


Der junge Arzt Dr. Martin möchte gern Leiter eines Sanatoriums für Geisteskranke werden. Er kann diesen Posten unter einer Bedingung bekommen: er muss unter den Patienten nach dem ehemaligen Direktor suchen, der selber geisteskrank geworden ist. Dr. Martin hört sich die Geschichten der Patienten an...


Verrückt auf einen Chefposten...

Der deutsche Titel "Irrgarten des Schreckens" klingt ein bischen blödsinnig, den Film dahinter fand ich jedoch ganz nett, auch wenn ich mehr erwartet hatte. Dies lag an der Hintergrund-Geschichte. Viele Episoden-Horrorfilme haben keine Rahmengeschichte, das finde ich immer etwas lieblos, da die Storys dann sinnloser zusammengewürfelt wirken, als sie es ohnehin schon sind. Wenn sie dann doch welche besitzen, sind sie meist arg dünn, wie in "Geschichten aus der Schattenwelt", in der ein Junge lediglich einer Hexe, die ihn gefangen hält, aus einem Buch die Kurzfilme vorliest. "Irrgarten des Schreckens" hingegen punktet mit einer hervorragenden Grundidee.

Sie ist sogar so grandios, dass ich mir gewünscht hätte, sie wäre als richtiger Horrorfilm umgesetzt worden und nicht als Rahmenhandlung eines Episodenwerks. Ich bin kein Freund von Episodenfilmen, denn gerade im Horrorgenre kranken Kurzfilme, so wie hier, an typischen Punkten: der Kern der Geschichte ist atmosphärisch eingefangen, das Drumherum bleibt blass, da nicht erklärt/vertieft. Die Geschichten haben durchaus gruselige Momente, das Gruselgefühl verpufft jedoch schnell, hier u.a. weil klar ist wer überlebt um sie zu erzählen. In Horror-Kurzgeschichten müssen keine Begründungen abgeben werden. Der Horror steht als solches im Mittelpunkt, wackelige Logik oder Erklärungen zur Zuschauerorientierung finden nicht statt.

So wird z.B. in der 1. Episode eine zerstückelte Leiche wieder zum Leben erweckt wegen eines mystischen Armbandes. Das ist als Auslöser o.k., in einem abendfüllenden Film zu dieser Geschichte hätte man aber sicherlich noch die Hintergründe erfahren, die der leeren Story zu etwas mehr Substanz verholfen hätten. Immerhin macht man sich zumindest in dieser Episode die Mühe etwas Licht in die Sache zu bringen. Dafür opferte man etwas Zeit der ohnehin kurzen Geschichte, was meiner Meinung nach aber auch o.k. ist. Trotz des Entgegenkommens bleibt auch diese Story aufgrund ihrer Straffung halbgar.

"Irrgarten des Schreckens" punktet weniger inhaltlich als viel mehr inszenatorisch. Die Besetzung ist sehr gut gewählt, sowohl Rahmenstory als auch die einzelnen Geschichten verbreitet das klassisch, typisch naive Gruselfilm-Feeling durch düstere Bilder, gelungene Tricks, geglückte Settings und der Spielerei mit klassischen Horrorelementen. Wie in vielen anderen Filmen mit Genre-Star Peter Cushing nimmt das Werk seinen Reiz mitunter auch darin, dass es nicht zur Entstehungszeit spielt, womit auch der Reiz des Vergangenen im Raum schwebt. Das macht die sonst so blasse Wirkung der Kurzgeschichten attraktiver und gibt der Kurzweile zumindest mehr Anspruch.

Unverzeihlich finde ich hingegen die plumpe Auflösung der Grundgeschichte. Natürlich hat auch sie Witz und ist sogar ganz nett,. Aber wenn man schon so eine hervorragende Grundidee hat, erwarte ich als Zuschauer auch ein Ende, das dieser Idee ebenbürtig ist, und das ist hier im Finale leider nicht der Fall. So ist die dennoch nette Schlussidee wegen der großen Erwartungshaltung lediglich ein Trostpflaster.

Der Film schließt mit einer Pointe, die ganz typisch für die augenzwinkernde Erzählweise seiner Zeit ist, und heute im Meer an entweder todernst gemeinter Horrorfilme oder solcher, die mit Albernheiten aufgepeppt werden, nicht mehr denkbar ist.

Wer mit wenig Erwartung an diesen kleinen Klassiker herangeht, wird sich unterhalten fühlen, einige bekannte Gesichter sichten und simplen Gruselspaß für zwischendurch erleben. Für ein Werk das besser in Erinnerung bleibt oder Kultstatus genießen darf wurden die Geschichten allerdings zu bequem nach früherer Routine runtergedreht.


Trailer,   OFDb

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