Dienstag, 19. März 2013

MADHOUSE - PARTY DES SCHRECKENS (There Was A Little Girl 1980 Ovidio G. Assonitis)


Eine Frau wurde jahrelang von ihrer Zwillingsschwester gequält. An ihrem Geburtstag war es stets am schlimmsten. Nun sind beide erwachsen, der Geburtstag steht bevor und die böse Schwester entkommt aus der Nervenheilanstalt...


Wer braucht da noch Scary Movie...

Was war denn das für ein blöder Film? Ganz ehrlich, es vergehen keine 2 Minuten, ohne dass etwas Dummes passiert. Mal sind es Filmunlogiken, mal nicht verzeihliches, unlogisches Verhalten der Protagonisten.

Das in „Scream“ so herrlich parodierte, klassische Manko bei Gefahr die Treppe herauf zu rennen, wird hier besonders dämlich zelebriert. Warum man eine Geisel erst Ewigkeiten aus ihren Fesseln befreit, anstatt auf den Killer zu achten, der sich in direkter (!!!) Nähe befindet, bleibt ebenfalls ein Rätsel. Ein Mädchen fügt ihrer Schwester so extreme Leiden zu, die selbst blinde Eltern bemerken müssten, aber das einzige worauf das Drehbuch diesbezüglich eingeht, ist das Schweigen der Misshandelten. Ein Mann muss aus Notwehr einen Hund töten (der in „Shining“-Position auf ihn lauert), und trotz mehrerer Möglichkeiten der Gegenwehr ist das einzige was dem Bedrohten einfällt, den Hund mit dem dazu passenden Elektrogerät in den Kopf zu bohren. Ein Junge ist blöd genug einem sehr böse aussehendem Hund die Frisbeescheibe unter den Pfoten wegziehen zu wollen (seine letzte Tat), und eine Pädagogin ist dumm genug offiziell von einem Lieblingskind zu sprechen.

Das sind nur ganz grob die ersten idiotischen Punkte, die mir spontan einfallen. Sie sind aber nur ein Hauch verglichen mit der Flut an weiteren Beispielen die möglich wären. Das ist sehr schade, so kann der Film auf Horrorebene schon einmal nicht funktionieren. Wie soll bei so viel Schwachsinn Spannung aufkommen? Und auch spannungsloser Psychoterror würde unter solchen Bedingungen nur noch wie ein peinliches Kasperletheater wirken.

„Madhouse“ funktioniert nur auf einer einzigen Ebene: auf Trash-Niveau. An unfreiwilliger Komik mangelt es nicht, und so wird dieses Stück Filmmüll auch niemals langweilig. Dem guten Beobachter fällt dennoch auf, dass ein solches Ergebnis eigentlich schade zu nennen ist.

Denn auf der anderen Seite wären Möglichkeiten vorhanden gewesen. Die Locations sind sehr düster gehalten, ohnehin versteht es der Regisseur bedrohliche Momente aufkommen zu lassen. Sowieso meine ich beobachtet zu haben, dass Assonitis im Stil versucht bei Argento abzugucken (der im hier verwendeten Subgenre schließlich auch zu Hause ist). Im Gegensatz zu dem was im Italo-Horror eigentlich üblich ist, wird auch auf Sex, geschweige denn nackte Haut, komplett verzichtet. Kurzfristig funktioniert auch die Musik, nervt auf Dauer allerdings mit ihren immergleichen Gruseltönen zu nichtgruseligen Szenen. Die Darsteller gehen für einen solchen Italostreifen in Ordnung, sind alles keine Talente, aber o.k. zu nennen. Die Morde wirken und sind nicht zu dominant eingebracht. Zudem wird pro Mord nicht auf Fulci-Art 3 Minuten draufgehalten. Und die grobe Geschichte ist grundlegend erst einmal nett zu nennen, zwar nicht die große Idee, aber eine brauchbare.

Diese mal mehr mal weniger guten Elemente kämpfen leider nicht nur gegen die unfreiwillige Komik an. Im deutschen ist zudem die Synchronisation etwas unangenehm, und dies nicht erst, wenn der Pfarrer mit seinem Singsang nervt. Ein überraschender Zusatztäter (den man allerdings längst vermutet hat) lässt alle Fragen den Grund seiner Taten betreffend offen. 

Die Drehzeit schien knapp zu sein, das sieht man beispielsweise an einer Taxiszene. Dort legt der Ehemann der Heldin Dokumente auf das Autodach, der Wind weht sie weg, und nun sollen sie eigentlich so dreckig und unbrauchbar sein, dass der Mann wieder nach Hause umkehren muss. Die Papiere bleiben jedoch wunderbar sauber, dennoch wird die Rückkehr eingeleitet (anbei baut diese Szene erneut auf eine kleine Idiotie auf: Den Koffer legt der Mann bei Wind durchs offene Fenster IN das Auto, die Dokumente jedoch AUF das Fahrzeug. Das ist kleinlich, aber irgendwann war ich einfach sensibilisiert wirklich auf jeden Blödsinn zu achten).

Die sauberen Papiere erinnern mich auch gleich an ein anderes Manko: Stichwerkzeuge bleiben blitzblank sauber. Gerade noch frisch in einen Körper gestochen, und dennoch ist nicht ein Tropfen Blut an der Klinge zu sehen. Im Gegenteil, sie glänzt als wäre sie neu. Zudem erschweren auch lächerliche Charaktere, wie die Esoterik-Nachbarin, den Aufbau stimmiger Atmosphäre.

Bei so viel Untalent wundert es einen am Schluss, dass man nicht noch hundert mal das Mikro im Bild gesehen hat. Würde Dummheit weh tun, jeder Charakter und die komplette Filmcrew würde laut aufschreien. Dies tut dafür der Trashfan vor lachen. „Madhouse“ hat wirklich Spaß gemacht, wenn auch nur als Komödie, statt als Giallo-Horror. Freunde ernstgemeinter Beiträge dieses Subgenres sollten also lieber einen Bogen um dieses Werk machen.



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