Dienstag, 5. März 2013

TEENAGE CAVEMAN (1958 Roger Corman)


Als eines Tages ein Monster im Revier eines Urstammes auftaucht ist Aufregung angesagt. Sonst hörte man stets auf die alten Weisen, nun herrscht Unstimmigkeit unter den Menschen. Nichts ist wie es scheint, weder das Monster, noch die Lebensart... 


Wo zum Teufel sind die Teenager geblieben?

Wenn sich die beiden Billigfilmer Roger Corman und Samuel Z. Arkoff zusammentun, ist Vorsicht geboten. Es ist nicht so, dass beide nicht auch tolle Filmchen gedreht hätten, aber beiden haben wir auch jede Menge Mist zu verdanken. Beispiel gefällig? „Teenage Caveman!“

Oh weh, was haben meine Trashfilm-Freunde und ich gelitten, als wir ihn uns Samstags antaten. Eine Laufzeit von 65 Minuten kann unglaublich lang sein. Erst recht wenn kaum etwas passiert. Ewig beobachtet man Steinzeitmenschen, die über verschiedene Ansichten diskutieren, wie man zu leben hat. Simple Ethik-Diskussionen, für die einen ist das Gesetz Pflicht, die Regeln, die ein Leben angenehm gestalten, andere wollen die Gewalt. Als eine ominöse Kreatur das ein oder andere Mal auftaucht wird die Gruppe derer, die Gewalt wollen größer. Das Böse könne man nur mit etwas Bösem bekämpfen!

Dass bei diesem grausigen Laientheater das ganze stumpfsinnige, aber höchst anspruchsvoll wollende, Gebrabbel ernsthaft Sinn macht, erfährt man erst am Schluss, zu einem Zeitpunkt wo es kaum noch interessiert. Betrachtet man den Film nicht als Trashfan sondern als Filmfreund, der ernsthaft hoffte einen guten Film auszubuddeln, entdeckt man nur am Ende eine Idee, die gar nicht so verkehrt ist, dafür aber völlig verkehrt umgesetzt wurde.

Letztendlich existiert dieser Film nur, weil irgendwer ein Propaganda-Forum brauchte, um christliche Lebensansichten an das dumme Volk zu bringen. Der Mensch soll belehrt werden, und da er das nicht mag, muss es als Unterhaltung getarnt werden. Aber Ami-Land ist ja gerade in diesem Bereich trauriger Experte.

Der Trashfan hat übrigens auch nicht viel Freude, aber wenigstens ein wenig. Erster großer Lacher (und Dauerlacher während der kompletten Laufzeit) sind die schnieken Frisuren aller Beteiligten. Da wird gegelt, gefönt, Löckchen gemacht und Bärte werden getrimmt. Andere Darsteller sind wiederum sauberst rasiert, dreckig ist ohnehin kaum wer, und ich meine für einen kurzen Augenblick bei einer der Darstellerinnen eine Haarspange gesichtet zu haben. Das ging allerdings so schnell, dass ich mich auch geirrt haben könnte.

Dass sich unsere Steinzeit-Heinis die Erde mit Dinosauriern teilen ist Unfug, den man ja bereits gewohnt ist. Ohne die Dinos gäbe es auch nicht den Hauch einer Aktion, also danke schön für den typischsten Filmfehler der Filmgeschichte. Die Dinos sind dann, ebenso wie andere Monster und Sequenzen, anderen Filmen entliehen. Wozu neu drehen, wenn man Material auch doppelt und dreifach verwenden kann? Funkelnde Augen bekommt der Freund von Trash, wenn er ein Krokodil sichten darf, dem man irgendetwas auf den Rücken gepappt hat, damit es als Dinosaurier durchgeht. Solche Momente sind lustig, aber von kurzer Dauer.

Das Ende ist Irrsinn pur, zwar eine nette Idee, aber vollkommen idiotisch und nur typisch dafür, dass Amis einfach keine Konsequenzen aus ihrem Tun ziehen. Amis glauben in allem an zweite Chancen und daran, dass alles wieder rückgängig zu machen ist. Das macht den Schluss immerhin lustig, erklärt vielleicht sogar die unsinnigen Frisuren.

„Teenage Caveman“ zeigt uns übrigens keine Teenager. Die jüngsten Figuren sind nicht einmal so jung wie die Twens, die sonst meist als Teenager durchgehen sollen. Der Titel ist also Verarsche und reicht somit dem kompletten Film kumpelhaft die Hand. Man muss schon ein unglaublich geduldiger Trashfan sein um diese unerträglich lahmen 65 Minuten zu überstehen ohne frühzeitig auszuschalten, vorzuspulen oder einzuschlafen. Die pseudointellektuellen Dialoge könnten höchstens darauf schließen lassen, dass Freunde der späten „Star Trek“-Serien und Bewunderer von „Matrix 2“ und 3 glücklich werden könnten, jedoch nur dann, wenn es auch einmal ein Film mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum sein darf.

Es dürfte schwer sein ein Publikum für „Teenage Caveman“ zu finden, was die Tatsache um so erstaunlicher macht, dass Arkoff 2001 tatsächlich eine Neuverfilmung drehte. Ist dieser Bockmist in Amerika etwa ernsthaft ein bekannter Kultfilm?


Trailer,   OFDb

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