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Donnerstag, 7. Mai 2015

AMULETT DES BÖSEN (L' Occhio del male 1982 Lucio Fulci)


Während ein Archäologe eine unbekannte ägyptische Grabkammer entdeckt, bekommt dessen Tochter von einer unheimlichen Frau ein Amulett geschenkt. Zurück in der Heimat ergreift das Amulett Besitz von dem Mädchen und weitere seltsame Dinge ereignen sich...


Mit einem blauen Auge davon gekommen...

Wer die berühmten Werke Lucio Fulcis kennt und sie womöglich auch aufgrund ihrer Andersartigkeit mag, wird von „Amulett des Bösen“ wohl eher enttäuscht werden, ist er doch arg konservativ erzählt und soll im Gegensatz zu den sonst so bizarren Welten Fulcis ein geradezu klassischer Genre-Beitrag sein. Wieso eigentlich nicht? Es klingt doch gut wenn jemand aus seinem Schatten heraustreten will, in welchen der Ruf ihn gefangen hat. Nur leider gelingt es dem Vielfilmer nicht mit der x-ten Verfilmung um die unbekannte Grabkammer eines bösartigen ägyptischen Herrschers einen interessanten Film abzuliefern.

Lag die Stärke in Werken wie „Geisterstadt der Zombies“ und „Ein Zombie hing am Glockenseil“ darin eine surreale Story atmosphärisch dicht zu präsentieren und damit eine wirre Erzählweise in etwas Faszinierendes zu verwandeln, so lässt ein Blick auf „Manhattan Baby“ (Alternativtitel) vermuten, dass Fulci gar nicht erst Horror entwickeln kann ohne wirr und sprunghaft zu wirken. Wo ein surrealer Stoff über Schwächen hinwegtäuschen kann, da fallen sie in einer regulär erzählten Geschichte um so mehr auf. „Amulett des Bösen“ ist sprunghaft erzählt. Er zeigt uns etwas, nimmt es wieder zurück, überspringt Informationen oder lässt sie dem Zuschauer zu spät zukommen, als dass Überraschungen zum Vorteil für die Erzählung werden könnten.

Der rote Faden ist sehr dünn. Zu merkwürdig sind die Ereignisse, als dass sie noch zur vollen Zufriedenheit erklärt werden könnten, und da Fulci auf ein ruhiges Tempo setzt, ist es einem irgendwann auch egal was „Evil Eye“ (Alternativtitel) eigentlich wirklich erzählen möchte. Ist man am Ende eingeweiht, ist des Rätsels Lösung lediglich über Dritte zu erreichen. Warum sich gegen Ende dann jene Person opfert, damit die Familie des Archäologen seine Ruhe hat, wird ebenso wenig klar wie die Frage warum vermisste Personen lediglich von den Hauptfiguren vermisst werden.

„Amulett des Bösen“ ist arg langatmig ausgefallen, zudem zu gewöhnlich präsentiert, als dass seine wenig feinfühlige Umsetzung als Alibi eines gewollten Stilmittels herhalten könnte, sodass er sich letztendlich wie ein Scheitern Fulcis schaut bei dem Versuch klassisches Kino abzuliefern. Ein Zugeständnis an seine Fans gegen Ende in Form einer brutalen Effektorgie wirkt völlig deplatziert, aber das macht zu diesem Zeitpunkt den Kohl auch nicht mehr fett.

Sicherlich gibt es im Bereich des Horrorfilms wesentlich schlechteres zu sichten, „L‘ Occhio del male“ (Originaltitel) lässt sich auf etwas zähe Art durchaus gucken, letztendlich ist er aber eigentlich eher auf theoretische Art interessant anzusehen, wenn man einen Film wie diesen mit den geglückten Werken des umstrittenen Meisters italienischen Horrors vergleicht. Sein ein Jahr zuvor abgedrehter Versuch mit „Das Haus an der Friedhofsmauer“ auf klassische Erzählmethoden zu setzen, weiß wesentlich besser zu funktionieren, da er nicht völlig konservativ ausgefallen ist wie der hier besprochene Streifen. Guckt also lieber den!


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