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Dienstag, 26. Mai 2015

SCHREIE IN DER NACHT (Contranatura 1969 Antonio Margheriti)


Eine Gruppe zwielichtiger Gestalten landet bei einem Unwetter in dem Haus eines Mannes, der sie zu einer Seance überredet. In dieser Nacht werden Wahrheiten ans Tageslicht geraten, von denen die Anwesenden keine Ahnung hatten...


Gerechtigkeit nach zehn Jahren...

Das Grundkonzept des Films klingt zunächst einmal interessant. Eine Gruppe von Menschen, die alle Dreck am Stecken haben, veranstaltet nachts im Haus eines Unbekannten, der ihnen bei einem Unwetter Zuflucht gewährt, eine Seance, bei welcher ein jeder der glaubte die Wahrheit eines vor zehn Jahren vergangenen Verbrechens zu kennen, die kompletten Ereignisse besagter schicksalhafter Nacht erfährt. Hierfür wird viel mit Rückblicken gearbeitet, die nach und nach für Klarheit sorgen. Schicht für Schicht wird die Wahrheit freigelegt. Währenddessen müssen sich die Gäste fragen ob die Mutter des Gastgebers wirklich ein Medium ist, oder ob das alles nur ein linkes Spiel zufällig Eingeweihter ist.

Allein aufgrund dieses Rätsels pendelt der Film zwischen Horror und Thriller hin und her, wird dabei jedoch nicht, wie das Cover von X-Rated dreist behauptet, ein Giallo oder ein Kriminalfilm im Edgar Wallace-Stil. Es verkauft sich halt gut in einer deutsch-italienischen Zusammenarbeit selbiges zu behaupten, zumal Spätwerke der Rialto-Wallace-Reihe eine Symbiose aus beiden Filmrichtungen präsentierten. Mit Joachim Fuchsberger an Bord war die Neugierde für das deutsche Publikum 1969 sicherlich geweckt, und wäre der Film so deutsch wie in der OFDb behauptet, könnte er sicherlich auch wie gewollt funktionieren.

Aber leider ist „Schreie in der Nacht“ ein sehr italienischer Film. Und das italienische Schundkino, zu welchem der Streifen zählt, hat nun einmal keinen Zugang zu psychologischer Glaubwürdigkeit, und Regisseur Antonio Margheriti, der so reißerischen Trash inszenierte wie „Asphalt-Kannibalen“, „Einer gegen das Imperium“ und „Das Alien aus der Tiefe“, besitzt einen Zugang dazu erst recht nicht. Er liefert das ab was er beherrscht: eine Billigproduktion angereichert mit quantitativen Elementen wie nackter Haut, Verschwörungen und spirituellem Hokuspokus.

Dieser quantitative Schund mag im Italo-Kino ja oftmals funktionieren, allein was es an sehenswerten Giallos zu erleben gibt, denen ebenfalls eine glaubwürdige Psychologie fehlt, zeigt wie gut das italienische Kino jenseits des Mainstreams sein kann. Aber wenn man bedenkt was „Contronatura“ (Originaltitel) möchte, übernimmt sich Margheriti mit seinen geringen Fähigkeiten auf übelste Weise, und serviert statt einem packendem Psychogramm einen lächerlichen Langeweiler, der so penetrant reißerisch erzählt ist, dass man sich für Fuchsberger für sein Mitwirken fremdschämt.

Glaubwürdig ist hier nichts, weder die Zufälligkeit wie die Gesellschaft zusammenfindet, noch die Rückblicke in welchen uns keine jüngeren Figuren als zehn Jahre später begegnen. Die Bereitschaft zur Seance widerspricht den Grundcharakteren, die nicht gerade sehr tief gehen, und der Weg zum Ziel ist gespiekt mit reißerichsten, auf niedere Instinkte des Zuschauers abzielenden Elementen, anstatt mit interessanten Informationen, die bislang Gezeigtes intelligente Wendungen bescheren.

„The Innaturals“ (Alternativtitel) war leider der falsche Stoff für banalstes Trivialkino im Italo-Stil. Deswegen funktioniert er auch nicht alternativ auf schlichterer Ebene. So schön die Kulisse des verlassenen Hotels auch ist, sie ist auf Dauer zu monoton. Die Musikuntermalung nervt mehr, als dass sie eine stimmige Atmosphäre heraufbeschwören könnte, die Schauspieler verkörpern ihre eindimensionalen Charaktere sichtlich mit Müh und Not, und auf Dauer ist man auch die Rückblicke und das Geschwafel des Mediums leid, die als einziges die viel zu langweilige Geschichte vorwärts bringen, die Margheriti krampfhaft mit lesbischer Erotik versucht aufzupeppen.

Das Konzept klingt gut, sogar noch in der reißerischen Trash-Variante, und als Kurzfilm innerhalb eines Episoden-Horrors hätte die Geschichte bei besserer Charakterisierung und dem Verstehen der Figuren sogar gut funktionieren können, aber in einem Langfilm bei gleichen Schwächen führte das leider zu einem Totalversagen. Das überrascht mich schon ein wenig bei Billigfilmer Margheriti, hat er mich auf Routineebene doch sonst meist schlicht unterhalten. Seinem „Schreie in der Nacht“ kann ich in seiner peinlichst reißerischen Inszenierung, die wohl nur ein echter Macho nachvollziehen kann, jedoch nichts, aber auch wirklich gar nichts abgewinnen.


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