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Samstag, 22. August 2015

PATRICKS HÖLLENTRIP (Patrick 1978 Richard Franklin)


Der seit drei Jahren im Koma liegende Patrick wird von der neu eingestellten Krankenschwester Kathy betreut. Im Gegensatz zu allen anderen glaubt sie, dass in Patrick durchaus noch Hirnfunktionen vorhanden sind. Merkwürdige Vorkommnisse bestärken sie in diesem Glauben. Eines Tages findet sie einen Weg mit Patrick zu kommunizieren...


Das war also Patrick...

Ehrlich gesagt bin ich ohne große Erwartungen an „Patricks Höllentrip“ herangegangen, einfach mal naiv hineinschnuppernd ob er etwas taugt oder nicht. Und siehe da, Regisseur Richard Franklin, der später auch den großartigen „Psycho 2“ abliefern sollte, hat einen stimmungsvollen Horrorbeitrag gezaubert, der zu packen weiß. Von einer unnötig mörderischen Einleitung einmal abgesehen weiß der Film vom Bewerbungsgespräch Kathys bis hin zur Überraschung am Schluss durchweg zu interessieren. Und ein stimmiger Grundton verleiht dem trocken inszenierten Film eine Dichte, die in ihren besten Momenten ein immenses Spannungshoch erzeugt.

Kathy reagiert sachlich auf das was passiert. Sie ist keine hysterische Nervensäge mit Vorahnungen wie die Heldinnen vieler anderer Horrorfilme, welche meist zufällig recht haben. „Patrick“ (Alternativ- und Originaltitel) ist trotz seiner übernatürlichen Thematik, deren Hintergrund glücklicher Weise nie erklärt wird, rational erzählt. Kathy hat einen Grund an ein Innenleben von Patrick zu glauben und ist damit die einzige Person im Film die sinnig handelt. Die Oberschwester hat eine grundlegende, irrationale Angst vor Patrick. Für den Arzt ist er nur Spielball für Versuche. Auch er hat keinen Grund an ein Mehr hinter den Dingen zu glauben. Diese bodenständige Positionierung Kathys ist für das Genre außergewöhnlich zu nennen und verleiht dem Streifen eine gesellschaftskritische Aussage, die ihn von oberflächlichen Unterhaltungsfilmen trennt.

Im selben Jahr wie „Der Schrecken der Medusa“ erschienen, geht er das Thema eines Komapatienten, der mit Hilfe von Telekinese handelt, völlig anders an. Schaukelt sich die Situation im Vergleichsfilm immer weiter hoch bis er gar zum Karastrophenfilm wird, so bleibt der Grundton bei „Patrick‘s Höllentrip“ doch immer bei gleichem Level. Wenn gegen Ende die Attacken auf Kathy und den Arzt ausschreiten, dann geht ein bisschen mehr die Post ab als zuvor, aber die trockene Grundatmosphäre bleibt erhalten. Franklin inszeniert stilsicher und voller Vertrauen in den Stoff.

Patrick ist Täter und Opfer in einem, und dem Zuschauer bleibt es selbst überlassen was für ihn überwiegt. Sicherlich ist Patrick ein Egomane, der bockig auf die Männer reagiert die an Kathy interessiert sind. Zudem ist er ein Mörder, der nach seiner begangenen Tat ins Koma gefallen ist. Er ist aber auch eine körperlich wehrlose Person, welche den Begebenheiten des Krankenhauses ausgeliefert ist, ein Mensch dem keine Nettigkeit entgegen gebracht wird, ein Mensch der als Versuchsobjekt betrachtet wird.

Dass die Bedrohung jedoch in ihm lauert, irrational brodelnd vor Eifersucht, gibt der Geschichte neben all der Geheimnisse die sie umgibt den nötigen Stoff um immer angespannt den Erlebnissen Kathys zu folgen. Dass sie liebevoll jenen Mann pflegt, der ihr Ärger bereitet und noch viel Ärger bereiten wird, ist ihr zunächst nicht klar. Aber sie wird nicht naiv gezeichnet. Wie erwähnt ist sie die einzige, die rational ihren Beobachtungen nachgeht. Und die Tatsache dass sie einen Mörder pflegt, ist ihr bewusst und beeinflusst sie keineswegs in ihrer sozialen Art - ein weiterer Unterschied zu den restlichen Angestellten, allen voran ihren Vorgesetzten.

„Patricks Höllentrip“ ist ein spannungsgeladener Horrorfilm der ruhigen 70er Jahre Art, der nie auch nur einen Anflug an Langeweile versprüht, fortlaufend zu packen weiß und immer dann am effektivsten ist, wenn Kathy forscht und man nicht weiß welche Tür sie damit als nächstes aufstößt. Die Forschung mit dem Unbekannten und Rätselhaften, wissend in einem Horrorfilm zu sitzen und die Quelle des Bösen, Patrick, bereits kennend, sind für den Zuschauer wunderbare Grundlagen für einen funktionierenden Genre-Beitrag. Kathys Unternehmungen, auch wenn sie sozial gesteuert sind, sind ein Spiel mit dem Feuer. Und das Publikum darf hilflos zuschauen ohne eingreifen zu können, immer nah an Kathys Beweggründen gebunden. So weiß Horror zu funktionieren.


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