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Mittwoch, 26. August 2015

UNGEHEUER OHNE GESICHT (Fiend Without a Face 1958 Arthur Crabtree)


In der Nähe eines Atomkraftwerkes kommt es immer wieder zu mysteriösen Todesfällen. Den Leichen wurde durch zwei Öffnungen am Kopf das Gehirn entnommen. Das Militär versucht hinter das Geheimnis der scheinbar unsichtbaren Gehirnvampire zu kommen...


Grüner Hund an Pyramide...

Schaut man sich einen dieser 50er Jahre Monsterfilme an, stößt man meist auf Produktionen von Roger Corman und/oder Samuel Z. Arkoff. Freilich wurde auch ohne besagte Prominenz der Markt des damals so beliebten übernatürlichen Autokino-Films mit Beiträgen überschüttet, aber nur die wenigsten davon sind so liebevoll ausgefallen wie der britische „Ungeheuer ohne Gesicht“, der eigentlich als Anhängsel zu einem Karloff-Film produziert wurde und schlußendlich aufgrund der Spezialeffekte teurer ausfiel als das eigentliche Haupt-Event.

Die Idee der Gehirnvampire ist selbst für die damalige Zeit recht bizarr zu nennen, so gewalttätig wie ihre Taten zu nennen sind. Und die fast schon groteske Auflösung wie sie auf unsere Welt kamen, gehört auch nicht gerade zum Standard vergleichbarer Werke, hat Robert Zemeckis aber sicher für seine „Zurück in die Zukunft“-Szene inspiriert, in welcher Marty in den 50er Jahren das erste Mal auf Dr. Brown stößt.

Eigentlich ist „Fiend Without a Face“ (Originaltitel) ziemlich geschwätzig ausgefallen. Lange Zeit passiert optisch recht wenig, erst nach einiger Zeit dürfen Spezialeffekte auf die Unsichtbarkeit des Angreifers verweisen. Im Finale werden diese dann sichtbar und sind ein wahrer Augenschmauß, wissen die Stop Motion-Effekte, die seinerzeit in Deutschland ausgetüftelt wurden, doch noch immer zu gefallen und sind in ihrer Professionalität nicht weit entfernt von der Knetgummi-Stop Motion eines „Tanz der Teufel“, der immerhin erst ein viertel Jahrhundert später auf der Bildfläche erschien.

Regisseur Crabtree drehte Filme seit der 40er Jahre, war in den verschiedensten Genres zu Hause und inszenierte mit „Ungeheuer ohne Gesicht“ seinen vorletzten Film. Mit dem ein Jahr später folgenden „Das schwarze Museum“ endete seine Regietätigkeit für das Medium Film, ein Streifen der ebenfalls dem Horror-Genre angehört. Was den hier besprochenen Streifen um die Monster betrifft, die man optisch als Gehirnschnecken bezeichnen könnte, so hat er routinierte Arbeit geleistet, jene Art Durchschnitt die nicht langweilt, da sie charmant genug umgesetzt ist.

Denn mag die erste Hälfte auch recht Dialog-lastig sein, die Bedrohung steht zumindest immer im Raum, und der Umgang mit der damaligen Atom-Thematik weiß dem Film seinen kleinen Hauch unfreiwilliger Komik zu bescheren. Ihn aufgrund dessen den Bereich des Trashs zuzuordnen wäre jedoch unfair, so treffsicher wie er seine Nische auszufüllen weiß und so einfallsreich wie die Geschichte ausgefallen ist dafür, dass sie eigentlich dem üblichen Erzählmuster folgt.

Ist man ganz ehrlich so entschädigt das ereignisreiche und toll getrickste Finale für viel unaufgeregtes Herumgeplänkel im Restfilm. Der Schluss, der in der damaligen Super 8-Fassung aufgrund der für dieses Medium üblichen starken Kürzungen zum Mittelpunkt des Steifens wurde, bereitet so viel Freude, dass man manches Makel vom Restfilm verzeiht. Aber „Ungeheuer ohne Gesicht“ tritt zuvor zumindest nie auf der Stelle. Immer gibt es Ereignisse, welche die Geschichte vorwärts bringen, was wohl auch der Hauptgrund dafür ist, dass er sich im Gegensatz zu vielen anderen Monsterfilmen dieser Zeit nicht langweilig guckt.

Die Darsteller sind freilich austauschbar und ohne wahres erkennbares Talent gesegnet, so wie üblich in einer Autokino-Produktion. Stolz schien man jedoch auf die Freizügigkeit des Streifens zu sein, denn die in einer Szene lediglich mit einem Handtuch bekleidete weibliche Hauptrolle wird nicht nur zur Hauptattraktion diverser Plakatmotive, sondern auch zu einem Highlight der Trailer. Heutzutage schaut sich das zahm und bieder, aber damals hat man mit dieser Erotikszene scheinbar noch einen reißen können.

„Fiend Without a Face“ ist ein typisches Produkt seiner Zeit geworden, glücklicher Weise eines der charmanten und sympathischen Art, das zwar einige ungewöhnliche Ideen mit an Bord bringt, prinzipiell aber eigentlich dem üblichen Erzählmuster folgt. Mit dem veralteten Blick auf die Atomkraft im Zentrum besitzt er zwar ein unfreiwillig komisches Element, in seiner liebevollen Art und mit seinen sehenswerten Spezialeffekten ist er jedoch ein wertvoller Beitrag dieser vergangenen Filmepoche geworden und keineswegs eine nicht ernstzunehmende Lachnummer.


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