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Montag, 1. Februar 2016

HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN (The Hills Have Eyes 1977 Wes Craven)


Weil sie eine Silbermine als Sehenswürdigkeit aufsuchen wollen, fährt eine Familie in ein abseits gelegenes Wüstengebiet. Nach einer Autopanne werden sie von einer Gruppe wild lebender, Menschenfleisch fressender Rednecks überfallen...


Kampf um ein Baby...

Obwohl ich mir bewusst war, dass meine DVD von „Hügel der blutigen Augen“ mit einer neuen Synchronisation versehen war, durch welche uns der wahre Inhalt der Geschichte erzählt wird, im Gegensatz zur ursprünglichen Deutschvertonung, in welcher aus wild lebender Menschen Außerirdische gemacht wurden, entschied ich mich mir den Film im Originalton anzusehen. Und nach der Sichtung kann ich nun allen Filmfreunden ans Herz legen dies ebenso zu tun. Ebenso wie der Film selbst, so weiß auch der rohe und direkte Ton der Originalsprecher zu gefallen. Selten wurde so perfekt gekreischt, so qualvoll gelitten und so wutentbrannt gebrüllt wie hier, authentisch, nahe gehend, qualvoll.

Ebenso direkt ist der Film selbst ausgefallen, der anfangs nicht den Eindruck macht mehr zu sein als einer von vielen schnell und kostengünstig heruntergedrehten Horrorfilmen zur Zeit der ersten Terrorwelle in den 70er Jahren. Warum weiht uns Craven so schnell in das Geheimnis ein? Warum lässt er uns nicht im Ungewissen? Fragen die ich mir ein wenig enttäuscht stellte, und die ich nun beantwortet weiß, spielt Craven doch von Anfang an mit offenen Karten, um den Konflikt um so früher und roher zulassen zu können inmitten der staubigen und steinigen Gegend, die dem Film zum Funktionieren zu seinem Vorteil gereicht.

Die Ausgangslage ist so gnadenlos wie der Kampf ums Überleben später selbst. Eine alte Frau, ihr herzkranker Ehemann, zwei vom Leben ahnungslose Jugendliche und ein junges Paar mit Baby, welch ein schwaches Trüppchen welches da den geübten Jägern und Kannibalen gegenüber gestellt wird. Da tut es zunächst gut sie in der Obhut zweier großer Hunde zu wissen. Aber als Craven den ersten früh sterben lässt, geht die Hoffnung für den Zuschauer schnell vorüber, dass diese harmlose Familie, welche den Umweg Richtung Silbermine lediglich aufgrund eines kleinen Wortwitzes aufgrund der bevorstehenden Silberhochzeit nahm, nicht zu viel über sich ergehen lassen muss.

„Hügel der blutigen Augen mag künstlerisch gesehen nicht so wertvoll abgefilmt sein wie es Hoopers „Blutgericht in Texas“ war, aber das macht er mit seiner staubigen Location und der Gnadenlosigkeit seiner Erzählung wieder wett. Die Überlebenden am Schluss bekommen ihr Leben von Drehbuchautor und Regisseur Wes Craven nicht gnädigst geschenkt. Sie müssen es sich knallhart durch Tücke und Unmenschlichkeit verdienen, und eines sehr plötzlichen Schlusses wegen werden wir nie erfahren ob es das wert war, so psychisch kaputt nun jeder einzelne von ihnen sein wird.

Auch wenn die Gewalttaten nicht explizit im Detail gezeigt werden, wie es im heutigen Horrorfilm der Fall ist, so ist „The Hills Have Eyes“ (Originaltitel) doch wesentlich gnadenloser ausgefallen als es der Hochglanzfilm von heute überhaupt sein kann. Der Zuschauer wird nicht in Watte gepackt und auf nichts was kommt vorbereitet. Er muss ebenso wie die Protagonisten durch, durch eine atemberaubende Schlacht, auf der beide Seiten knallhart zu leiden haben. Craven lässt die Leute im Film auf übelste Weise leiden, bluten und sterben, umgeht in dieser Radikalität jedoch glücklicher Weise den Bereich des Folterfilms. Der Tod kommt brutalst aber relativ schnell. Es wird sich am Elend der anderen nie aufgegeilt. Das bestialische Töten dient lediglich dem Faustschlag ins Gesicht für den Zuschauer, der zur Entstehungszeit nur wenige solcher direkten und schonungslos mit dem Publikum umgehenden Filme gesichtet haben wird. Leid wird als Leid dargestellt, nicht als coole Spezialeffekt-Orgie für Schaulustige.

Selbst heute noch ist „Hügel der blutigen Augen“ aufgrund seiner direkten Konfrontation schwer zu ertragen. Schocks werden nicht vorbereitet, es gibt keinen auflockernden Humor, keine gesellschaftlichen Tabus die eingehalten werden. Der Zuschauer ist sich aufgrund der rohen Erzählung nicht einmal im Klaren, ob das Baby des jungen Paares überleben wird oder nicht, ein Punkt der im amerikanischen Horrorfilm, egal in welchem Jahrzehnt, stets ein geschützter Bereich war. Der Hitze der Wüste ausgesetzt, als zarter Sonntagsbraten für die Kannibalen gedacht, selbst in den Händen der Guten weiß man nie ob es überleben wird, geschweige denn jener der es beim Rennen trägt, in solch steiniger Umgebung, die stets Unfälle verursachen kann.

Zwar schafft es Craven nicht in der ruhigen Anfangsphase einen dichten Spannungsbogen aufzubauen, obwohl das allein durch die unheimliche Umgebung in der Nacht sicherlich nicht schwierig umzusetzen gewesen wäre, aber er erschafft zumindest von Anfang an eine Atmosphäre der Bedrohlichkeit, die jedoch im ersten Drittel nie so hoch ist wie danach, weil man erst dann versteht wie direkt und schonungslos „Hügel der blutigen Augen“ tatsächlich erzählt ist, und zu was die Bande ehemaliger Wolfskinder, die nie wahre Menschlichkeit kennen gelernt haben, im Stande ist.

Der politische Konsenz der Geschichte blitzt immer wieder durch, wird allein durch die Vergangenheit der Gegend in der sich alles abspielt deutlich, dennoch arbeitet Craven nie mit einem erhobenen Zeigefinger. Eine Familie wie die hier Gezeigte ist nur passiv Schuld innerhalb einer Gesellschaft, die ihre Bürger über viele Dinge nicht aufklärt. Und trotzdem kommen die Verbrechen der Regierung eines Tages ans Licht, und dann muss man sich mit ihnen auseinander setzen. Eine intelligente Geschichte erzählt Craven allein schon aufgrund der Reduzierung auf das Wesentliche nicht, aber dieses fast Nichts an Handlung wird zumindest intelligent erzählt, frei von Widersprüchen oder psychologischer Unstimmigkeiten. Gefallen wird es trotzdem nur jener Art Film-Fan, der sich nicht nur im bürgerlich sicheren Mainstream versteckt.


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