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Sonntag, 24. April 2016

CHAPPIE (2015 Neill Blomkamp)


Im gewalttätigen Johannesburg werden Roboter bereits einige Zeit erfolgreich für den Polizeidienst eingesetzt. Der Erfinder dieser hat kürzlich eine künstliche Intelligenz programmiert, bekommt offiziell von der Firma für die er arbeitet aber nicht die Erlaubnis sie an einem der Roboter zu testen. Also stiehlt er sich ein Modell welches geschrottet werden soll. Bevor er die K.I. einsetzen kann wird er von einer Gangsterbande entführt. Als die Entführer erkennen welch doppelten Fang sie gemacht haben und dass sie den Roboter für ihre Zwecke nutzen können, zwingen sie den Programmierer die K.I. zu starten. Zunächst enttäuscht darüber dass auch der Maschinenmensch alles zunächst wie ein Kind lernen muss, bringen sie dem gutmütigen, ohne Lebenserfahrung versehenen Chappie schließlich mit linken Tricks bei ein Gangster zu werden. Als Chappie erfährt dass sein Körper in nur wenigen Tagen sterben wird, setzt er alles daran diesem Schicksal irgendwie zu entgehen...


Nummer 22 lebt...

Der neben „her“ und „Ex Machina“ nunmehr dritte kürzlich erschienende Science Fiction um das Thema künstliche Intelligenz setzt nach Komödie und Thriller nun auf den Actionbereich seines Genres, und dass dies zunächst wie eine neue Version von „RoboCop“ klingt, gibt Regisseur Blomkamp augenzwinkernd bereits zu Beginn offen zu, wenn uns als Verbeugung vor dem Original eine Nachrichtensendung über die aktuelle Lage in Johannesburg informiert, womit Blomkamp ein erzählerisches Stilmittel von Paul Verhoeven übernimmt. Doch auch wenn „Chappie“ zunächst nach einem Klon dieses schon öfter verfilmten cineastischen Erfolges klingen mag, und diesen Eindruck mit einer neuen Generation Polizeiroboter, der jenem aus „RoboCop 2" ähnelt, sogar noch verstärkt, so distanziert sich die Geschichte doch spätetestens mit dem Erwecken der künstlichen Intelligenz von der Vorlage, allein aufgrund der Tatsache dass der Roboter zunächst ein Kind ist.

Das verändert so ziemlich alles, klingt interessant, ist dies quasi auch, aber diese für das Action-Genre recht experimentelle Geschichte will nicht so ganz eins werden mit dem harten Stil den man hierfür als Grundlage setzt. Die Geschichte, die fast mehr nach Komödie klingt als nach einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Thema künstliche Intelligenz, vielleicht auch weil der naive Touch Chappies und seine Stimme ein wenig stark an „Nummer 5 lebt“ und noch mehr an „Nummer 5 gibt nicht auf“ erinnern, wirkt nicht richtig durchdacht. Zwar setzt Regisseur Neill Blomkamp die Geschichte konsequent um ohne sich von Zuschauererwartungen beirren zu lassen, aber einiges ist doch recht unglaubwürdig ausgefallen, so z.B. die wichtigen Kernsequenzen warum der Programmierer mit den Gangstern kooperiert und wie die harte Gangsterbraut innerhalb nur weniger Minuten zur liebevollen Robo-Mama mutiert.

Dass die Taten Chappies infantil ausfallen, gehört zum Konzept der Geschichte, schaut sich im ernsten SF-Action-Gewand zwar etwas merkwürdig, aber macht Sinn. Jedoch tut es „Chappie“ keinesfalls gut, dass sich auch nicht beabsichtigte infantile Elemente in den fertigen Film mit eingeschlichen haben. Das Aussehen der wichtigsten Gangster ist derart überzogen, ohne dabei das Gefühl von poppigem Cyberpunk-Style zu vermitteln, dass diese Figuren in ihrem bescheuerten Outfit einfach nur lächerlich wirken, und je mehr sie unglaubwürdig Gefühle für den Roboter entwickeln, um so peinlicher wirken sie. Leider bleiben sie bis zum Ende wichtig für die Handlung, und so schadet die optische Fehlentscheidung gepaart mit manch inhaltlicher Unsinnigkeit dem kompletten Film, der mit seiner experimentellen Kreuzung aus Science Fiction-Action und Kinderfilm ohnehin schon gemischte Gefühle hinterlässt.

„Chappie“ bleibt bis zum Schluss interessant und ist in seiner Art kaum mit einem anderen Film seines Genres zu vergleichen, aber wirklich gelungen ist der Film nicht. Da hat Blomkamp mit „District 9“ ein wesentlich besseres Werk abgeliefert. Zwar widersteht der Regisseur der Versuchung all zu sehr in den Coming-of-Age-Bereich abzurutschen, so dass sein erst kindlicher und später jugendlicher mechanischer Protagonist eher für das Erleben einer unterdrückten, von Brutalitäten überwucherten Kindheit eingesetzt wird, um sich hauptsächlich auf den Leidensweg des Roboters zu konzentrieren, aber merkwürdiger Weise fällt das alles wesentlich ärmer an Gesellschaftskritik und philosophischen Einfällen aus als man bei dieser Geschichte und diesem Regisseur meinen sollte. Tiefsinn ist vorhanden, wird vom gefühlsorientierten, den Seifenoperbereich streifenden Hauptaugenmerk jedoch dominiert. Ein wenig zu sehr für meinen Geschmack.

Andererseits wurde ich aber auch nicht warm mit dem Gegenspieler des Programmierers, ist er mir doch selbst für diesen etwas kindlich ausgefallen Actionfilm ein wenig zu bösartig gezeichnet und will dargestellt von Hugh Jackman auch so gar nicht funktionieren. Mag sein dass sich „Chappie“ insgesamt eher an ein jüngeres Publikum richtet, auf jeden Fall aber an eines mit anderen Sehgewohnheiten als ich sie habe. Durch „District 9“ mag ich auch mit anderen Erwartungen an den Film herangegangen sein, aber auf jeden Fall wusste mich „Chappie“ nicht sonderlich zu überzeugen.

Allerdings respektiere ich Blomkamp für diesen interessanten, den Kurs konsequent einhaltenden, Versuch. Wie bereits erwähnt fand ich den Film bis zum Schluss interessant erzählt, das ist schon viel mehr als mir andere Blockbuster bieten. Letztendlich konnte ich jedoch nie wirklich in die Geschichte eintauchen. Aufgrund des mir zu infantil und unausgegoren wirkenden Mixes aus Kinderfilm und Science Fiction-Action fehlte mir einfach der Zugang um in Chappie mehr zu sehen als ein Experiment, welches man mit Interesse theoretisch bis zum Schluss verfolgen kann. Ich würde auch nicht von einem wirklich missglückten Versuch sprechen, „Chappie“ besitzt durchaus seine Qualitäten, allein der Schluss des Streifens ist äußerst einfallsreich ausgefallen. Aber dieser ungewöhnliche Genre-Mix will einfach nicht miteinander harmonieren. Andere mögen vielleicht gerade darin den Reiz von „Chappie“ sehen.


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