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Sonntag, 17. April 2016

DAS NETZ (1975 Manfred Purzer)


In Italien wird eine Prostituierte umgebracht. Der Reporter Emilio Bossi weiß dass der Schriftsteller Aurelio Morelli der Täter ist, geht mit diesem Wissen jedoch nicht zur Polizei sondern zu Morelli selbst, um ihn zu bitten den Mord in Form seiner Memoiren für jene Zeitung niederzuschreiben, für die Bossi tätig ist. Morelli willigt ein und schreibt wie er zum Mörder wurde...


Tagebuch eines Frauenmörders...

Der fast komplett in Italien gedrehte, hauptsächlich deutsch produzierte, Film „Das Netz“ versucht gar nicht erst ein Geheimnis daraus zu machen dass Morelli der Mörder ist. Da man die Tat selbst nicht sieht hätte Bossi auch Opfer seiner eigenen Sensationsgier werden können. Die Gesellschaftskritik diesbezüglich mündet jedoch in einem andersartigen finalen Kniff, der zwar recht reizvoll ausgefallen ist, der Weg dorthin jedoch leider nicht. Zwar weiß Regisseur Manfred Purzer die auf einem Roman basierende Geschichte zunächst recht interessant zu inszenieren, im Laufe der Zeit bemerkt man als Zuschauer jedoch, dass sich hinter dem intellektuellen Blickwinkel der Erzählung eine wesentlich dünnere Geschichte befindet, als es das Ego des Autors zulässt.

So gerne wäre „Das Netz“ hintergründig vielschichtig, mag sein dass es der Roman auch ist, wenn wird dies jedoch kaum in die Verfilmung transferiert, die zwar gekonnt die Zwielichtigkeit aufdeckt die sich so gerne hinter Moral verbirgt, sich jedoch nie wirklich entscheiden kann ob man einen modernen Kriminalfilm dreht oder ein sensibles Psycho-Drama. Am intensivsten schaut sich „Das Netz“ immer dann, wenn wir Morellis Rückblicke während des Schreibens begleitet von Off-Kommentaren erzählt bekommen. Die Parallelen im Jetzt hingegen plätschern zu sanft, vorhersehbar und uninteressant dahin, als dass sie den Stoff bereichern oder die Rückblicke wertvoll ergänzen könnten.

Zumindest Kinski spielt den agilen Fatzke von Reporter angenehm lässig. Mag er auch nicht sein volles Potential in die Rolle investieren, was nachvollziehbar ist bei einem solch selbstverliebten Stoff, so liebt die Kamera doch trotzdem sein Gesicht und seine ruppige Art, die auch Co-Star Elke Sommer rückblickend beklagte, als Kinski ihr in einer Szene einen Büschel Haare ausgerissen haben soll.

„Das Netz“ versteht sich als anspruchsvolle poetische Kost, streift aufgrund der nüchternen und verkopften Herangehensweise auch sicherlich dieses Ziel, letztendlich ist die Geschichte aber nicht gehaltvoll, intelligent und subtil genug um die Ansprüche an sich selbst zu erreichen. Ein wenig zu langweilig ist Purzers Werk ausgefallen, als dass er zumindest als unterhaltsame Zwischendurchkost bezeichnet werden könnte. Bei genügend Gehalt kann eine nüchterne Umsetzung Wunder bewirken. Es ist jedoch fatal einen Film mit so viel Leerlauf wie hier in einem solch unaufgeregten Stil zu kleiden.


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