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Dienstag, 12. April 2016

DER SCHÖNE KÖRPER DER DEBORAH (Il dolce corpo di Deborah 1968 Romolo Guerrieri)


In den USA haben sie sich kennengelernt, und auf der Hochzeitsreise möchte Marcel nun seiner Braut Deborah gerne seine Heimat in der Schweiz zeigen. Hier trifft Marcel auf seinen alten Kumpel Philip, der nicht gut auf ihn zu sprechen ist. Marcel sei Schuld am Tod Suzannes, jener Frau mit der Deborahs Gatte zusammen war bevor er in die USA ausgereist ist. Von nun an erhält Deborah telefonisch Morddrohungen, und als Marcel in Erfahrung bringen will ob er tatsächlich Schuld am Tod seiner Ex-Freundin sein könnte, ereignen sich mysteriöse Vorfälle. Als Marcel eines Tages beobachtet wie Deborah sich heimlich mit Philip trifft, weiß er nicht mehr was er glauben soll...


Auf der Mauer, auf der Lauer, sitzt ein kleiner Künstler...

„Der schöne Körper der Deborah“ ist ein Verwirrspiel voll von Täuschungen und Intrigen, bei welchem der Zuschauer niemandem traut und alles gleichzeitig vermutet bis er im Finale die Gewissheit erhält was tatsächlich passiert ist. Gekonnt zieht Regisseur Romolo Guerrieri die Fäden, um selbst den sich noch so in Sicherheit wiegenden Zuschauer zum zweifeln zu bringen. Mag man mit seinen Vermutungen auch richtig liegen, die Art wie die Wahrheit ans Tageslicht gelangt ist schon hervorragend herausgearbeitet von einem wahrlich guten Drehbuch. Manches Mal lässt es die ein oder andere Figur zwar arg unsensibel erscheinen, im Nachhinein ergibt jedoch alles Sinn, da ist dieser Thriller doch wesentlich logischer ausgefallen als die übliche Ware aus Italien.

Manches Mal tritt der nicht immer spannend umgesetzte Film auf der Stelle, gerade im Mittelteil gibt es eine Phase des Stillstands die nach so vielen packenden und mühevoll inszenierten Momenten verwundert, zumal es nach dieser Pause, die trotz des atmosphärischen Tiefpunktes ebenfalls voller wundervoll anzuschauender Szenen steckt, ebenso packend und einfallsreich weiter geht wie zuvor. Guerrieri streut einige nervenkitzelnde Momente in einen ansonsten eher gemütlich spannend ausgefallenen Streifen und inszeniert dies alles trocken und ruhig, wie man es von den besseren Werken dieses Landes aus dieser Entstehungszeit gewohnt ist.

Neben der gekonnten Fotografie, die sich über den kompletten Streifen zieht, kommt dem Film die Methode des Regisseurs zu Gute nicht all zu oft mit Hintergrundmusik zu arbeiten. Ertönt sie ist sie stets treffsicher für die jeweilige Szene ausgewählt. Aber die Momente der Stille und noch mehr das intensive Arbeiten mit Geräuschen, kitzeln eine wesentlich intensivere Atmosphäre hervor als es ein typischer Soundtrack je könnte. Guerrieri verzichtet für dieses Stilmittel trotzdem nicht auf Musik, allerdings findet diese nicht als technische, filmische Ausdruckskraft statt, sondern als aktiver Teil der jeweiligen Szene. Eine Schallplatte die überraschend läuft, das Spielen auf dem Klavier, diese Melodien gehören alle mit zum besagten Arbeiten mit Geräuschen, und das weiß mir unglaublich gut zu gefallen.

Szenen, die mit der eigentlichen Story wenig zu tun haben und unnötig erscheinen mögen, bereichern den Film, weil sie einem die Personen auch außerhalb ihres Traumatas nahe bringen, was dem fertigen Werk jedoch trotzdem die ein oder andere Länge beschert. Ich wüsste keine Szene die man hätte kürzen oder entfernen können, sie alle sind toll gedreht und machen aus „The Body“ (Alternativtitel) das was er geworden ist. Und doch, und da klage ich jetzt auf hohem Niveau, hätte „Der schöne Körper der Deborah“ ruhig eine Spur spannungsintensiver ausfallen können, um seine Karten und seine professionelle Umsetzung vollends auskosten zu können.

Gefallen hat mir dieser für seine Zeit sehr einfallsreich ausgefallene Film dennoch. Er ist ein Liebhaberstück für Freunde einer viel ruhigeren und psychologisch stimmigeren Filmepoche als jene die wir zur Zeit erleben. Mögen die Schauspieler auch keine großen Talente sein, sie spielen glaubwürdig und souverän. Das Spiel von Jean Sorel unterscheidet sich beispielsweise kaum von seiner Rolle des erst kürzlich von mir gesichteten „Nackt über Leichen“, und doch weiß er in beiden Werken zu überzeugen, eben weil er wie ein Jedermann wirkt, ohne die große Ausstrahlung zu besitzen welche die meisten Stars besitzen müssen um über mangelndes Schauspieltalent hinwegtäuschen zu können.

„The Sweet Body of Deborah“ (Alternativtitel) ist für einen Film aus Italien ein zahm ausgefallener Thriller. Sowohl in Sachen Nacktheit als auch von seinem Blutgehalt her gibt es wenig zu sehen. Guerrieri interessiert sich nicht für quantitative Schaueffekte. Ihm war es wichtig eine gute Geschichte atmosphärisch dicht und technisch einfallsreich zu erzählen, und das Ergebnis spricht für sich, vermisst man die Quantitäten, die sonst typische Zutaten des morbiden Italofilms sind, hier doch überhaupt nicht, eben weil Guerriri genau wusste was er mit „Der schöne Körper der Deborah“ erzählen wollte und wie.

Einzig der letzte Finale Kniff hat mir inhaltlich nicht zugesagt, da wäre weniger mehr gewesen. Aber da auch dieser im besagten trockenen Stil inszenatorisch so großartig herausgearbeitet wurde, gibt es diesbezüglich nicht wirklich Grund zum klagen, zumal nur wenige Sekunden später der Schriftzug des Filmendes erfolgt. Wer sich für den ernsten Italofilm der 60er und 70er Jahre auch dann interessiert, wenn nicht all zu sehr mit Blut und nackter Haut gearbeitet wird, der sollte sich „Il dolce corpo di Deborah“ (Originaltitel) nicht entgehen lassen.


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