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Freitag, 15. April 2016

DIE NACHT DER BLANKEN MESSER (Nude per l'assassino 1975 Andrea Bianchi)


Ein Unbekannter ermordet Mitarbeiter einer bestimmten Fotoagentur. Die Polizei tappt im Dunkeln...


Der Tod trägt schwarzes Leder...

Es sind Filme wie „Die Nacht der blanken Messer“ und „Torso“, die Schuld am schlechten Ruf der italienischen Giallos haben, peppen sie doch ganz plump mit Sex und Gewalt eine völlig dämliche, da undurchdachte Geschichte auf, um sich einzig mit niedrigen Schauwerten über Wasser zu halten. Aber ganz ehrlich, so primitiv und frauen- wie auch männerverachtend der Streifen auch ausgefallen ist, auf irgend eine seltame Art weiß dieser Pulp Charme zu versprühen, ist er doch keineswegs langweilig ausgefallen und sind die Tabubrüche ebenso wie die arg schräge Weltsicht doch Elemente, die den Streifen, der ein ewig wiederholendes Thema des Giallos erzählt, interessant machen.

Oliver Nöding vom Blog „Remember it for later“ hat es ganz gut erkannt und vergleicht das völlig realitätsferne Verhalten aller Figuren mit Aliens die das Menschsein ausprobieren. Da winseln Frauen geradezu danach unterdrückt zu werden, Männer ficken alles was ihnen in die Quere kommt, der ruppigste und asozialste von allen wird gar zum Helden der Geschichte erklärt, und ein angedeuteter Analsex auf Zwang wird zu einer lustig gemeinten Täuschung, über die beide Sexualpartner nach der Aufdeckung dass er nur als Scherz gemeint war, herzlich lachen können. Beide Geschlechter werden von ihrer übelsten Seite gezeigt, hineingesetzt in wunderlichste Szenen.

Dass sich dies so amüsant schaut ist reiner Zufall und bescheinigt dem Regisseur keineswegs besonderes Talent. Bianchi besitzt einfach nicht die Gabe das was er in seinen Filmen aus besseren Werken immitieren will, halbwegs gekonnt und sinnvoll umzusetzen. So bescherte er uns u.a. auch den herrlich dümmlichen „Die Rückkehr der Zombies“. Beides sind theoretisch gesehen ziemlich schlecht umgesetzte Filme, dennoch wissen sie recht gut zu unterhalten, zumindest für den Freund alternativem Kinos.

Der Kriminalfall wird bei all den vielen skurrilen Nackedeiszenen trotz sympathisch blutiger Messermorde zur Nebensache. Das Geschlecht des Killers erkennt man sofort, auch wenn Bianchi das scheinbar nicht wirklich gewollt hat. Die Mörderauflösung ist ziemlich egal, präsentiert aber zumindest nicht wie so viele künstlerisch besser ausgefallene Werke jemand Vorhersehbares. Und die Polizei ermittelt so wenig wie in den meisten anderen Giallos. Nach wahren Kombinationgenies braucht da keiner suchen. Aber zumindest sind die Polizei und der Staatsanwalt die einzigen Figuren in „Nackt für den Killer“ (Alternativtitel), die neutral anstatt primitiv ausgefallen sind. Sympathiefiguren sucht man allerdings vergeblich.

Kaum zu glauben, aber inmitten dieses wahnwitzigen Irrsinns verläuft sich hin und wieder auch mal eine überraschend spannend umgesetzte Szene. Gerade jene, in welcher eine Fotografin mit ihrem männlichen Kollegen am Telefon Kontakt hält, während ein Fremder im Haus zu sein scheint, hat es mir besonders angetan, zumal sie anders verläuft als man vermutet hätte. Doch das sind Ausnahmen inmitten eines Filmes der lediglich auf billigste Art versucht in einer finanziell lukrativen Modewelle mitzuschwimmen, dementsprechend sind auch die Kameraarbeit und der Soundtrack nicht so gekonnt ausgefallen wie beispielsweise in „Profondo Rosso“ oder im in Deutschland so dämlich betitelten „Frauen bis zum Wahnsinn gequält“. Wie gesagt: Spaß macht „Der geheimnisvolle Killer“ (Alternativtitel) trotzdem, zumindest wenn man nicht all zu bierernst mit Kino und gesellschaftlichen Vorurteilen umgeht.


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