Schlombies Filmbesprechungen auf Facebook:

Dienstag, 19. April 2016

IMMER BEI ANBRUCH DER NACHT (The Vampire 1957 Paul Landres)


Als Dr. Paul Beecher zu einem kranken Wissenschaftler gerufen wird, liegt dieser bereits im Sterben. Der Patient drückt ihm selbstentwickelte Tabletten in die Hand, und noch bevor er etwas dazu sagen kann, ist er tot. Als Beecher zu Hause ankommt leidet er unter starken Kopfschmerzen. Seine Tochter verwechselt die Migränetabletten mit denen des verstorbenen Forschers und Beecher verwandelt sich durch die Einnahme dieser rätselhaften Pillen in ein Monstrum das Menschen tötet...


Dr. Jekyll und Vampir Hyde...

„Immer bei Anbruch der Nacht“ folgt stark der berühmten Geschichte um „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“. In beiden Fällen führt eine Chemikalie zu einem monströsen Ur-Ich, und in beiden Geschichten verselbstständigt sich der Prozess irgendwann unabhängig von der alles auslösenden Chemikalie. Am ehesten erinnert der Film mit seiner monströsen, nicht minder so einfallsreich ausgefallenen und liebevoll umgesetzten, Maskerade an die berühmte 30er Jahre Jekyll und Hyde-Version mit Frederick March. Regisseur Paul Landres Werk wird inhaltlich lediglich durch einen leichten vampiristischen Zusatz ergänzt, was eventuell damit zu tun haben mag, dass der gute Mann kurz darauf auch „Draculas Blutnacht“ gedreht hat.

Was auch immer der Grund war, Sinn macht es nicht. Da wurde 10 Jahre später mit „Dracula in Pakistan“ die Idee eines Mannes, der durch eine Chemikalie zum Vampir wird, halbwegs sinnvoller umgesetzt. Im hier besprochenen Film konzentriert sich der deshalb auf DVD umbenannte „Dracula - Immer bei Anbruch der Nacht“ eigentlich gar nicht auf den Vampiranteil der Geschichte. Da wird zwar von einem Fledermausanteil im experimentellen Medikament gesprochen und die Opfer weisen zwei Bissspuren am Hals auf, das Monster selbst besitzt jedoch nie spitze Vampirzähne, im Gegensatz zu seinem Abbild auf dem Plakatmotiv. Gebissene zerfallen anstatt aufzuerstehen, und dürfen wir recht spät Morden beiwohnen, so erwürgt der Doktor dort stets seine Opfer, nie werden sie gebissen.

Es kann sein dass die Idee erst später ins Projekt eingeflossen ist, vielleicht um Rechtsstreitigkeiten mit der berühmteren verwandten Geschichte aus dem Weg zu gehen. Aber Sinn macht diese inkonsequente Erweiterung nicht wirklich. Da ist es das Glück dieses kleinen Streifens, dass solche naiven Filmchen auch im üblichen, weniger unsinnigen Bereich, nicht gerade sinnvoll ausfallen und von allem anderen als von einer logisch nachvollziehbaren Handlung leben. Das mag auf die besseren Werke des Genres zutreffen, „Mark of the Vampire“ (Alternativtitel) ist jedoch simpelste Trivialunterhaltung, und die benötigt so etwas nicht um charmant zu unterhalten.

Vielleicht ist manch einem „The Vampire“ (Originaltitel) selbst für seine Zeit etwas zu theoretisch ausgefallen. Auch wenn die Geschichte sehr schnell zur Sache kommt, so wird doch eher über das Grauenhafte geredet, als dass wir es zu sichten bekommen. Mir persönlich gefällt solch ein trockener, dialoglastiger Stil jedoch recht gut, zumal „Immer bei Anbruch der Nacht“ den Bonus besitzt einen mitdenkenden Protagonisten zu besitzen, der ebenso wie der Zuschauer eins und eins zusammengezählt bekommt. Dadurch dass er als alleinerziehender Vater eine Tochter zu versorgen hat, wird der dramatische Aspekt der Geschichte kurzfristig auf mitfühlende Art ergänzt, auch wenn sich die Geschichte nach der Verabschiedung der Tochter um diesen Aspekt in den letzten 15 bis 20 Minuten nicht mehr kümmert.

All zu ernst kann man den Streifen jedoch ohnehin nicht nehmen, musste man doch sicherlich auch schon damals schmunzeln, wenn der verwandelte Dr. Beecher grummelnd durch die nächtlichen Straßen huscht. Wahrer Grusel kommt da wie an anderer Stelle nicht auf, sehrwohl aber der nötige Charme um in „It‘s Always Darkest Before the Dawn“ (Alternativtitel) mehr zu erkennen als reinen unfreiwillig komischen Spott. Sicherlich bedient er sich nur recht plump bei allem was das Gruselkino zu dieser Zeit und Jahrzehnte vorher zu bieten hatte, aber das geschieht auf solch unterhaltsame Art, dass zumindest der Stammzuschauer klassischer Monsterstreifen definitiv auf seine Kosten kommt, zumal der Film recht kurzweilig ausgefallen ist.

Sicherlich wird man mit „Immer bei Anbruch der Nacht“ nichts Innovatives erleben. Aber eine gute Portion Nostalgie und die liebevoll gemeinte Umsetzung bereiten definitiv Freude mit einem Horror-Drama, von dem ich glaube dass es damals auch ohne Retrocharme charmant genug ausgegfallen ist um seinen Spaß mit ihm zu haben. Ob er besonders naive Persönchen zum Gruseln bringt, bleibt jedoch fraglich.


Weitere Reviews zum Film: 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen