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Montag, 11. April 2016

NACKT ÜBER LEICHEN (Una sull'altra 1969 Lucio Fulci)


Dr. George Dummurrier erbt durch den Tod seiner Frau überraschend zwei Millionen Dollar. Als er durch den Hinweis eines unbekannten Anrufers jedoch auf eine Stripperin aufmerksam gemacht wird, die seiner verstorbenen Gattin zum verwechseln ähnlich sieht, vermutet die Versicherungsagentur einen Betrug. Für die Polizei hingegen wird Dummurrier zum Mörder seiner Frau erklärt...


Meine Frau, die Stripperin...

Hinter dem reißerischen Titel „Nackt über Leichen“ verbirgt sich ein eigentlich recht routiniert erzählter Kriminalfilm, der gerne raffinierter wäre als er eigentlich ist, was spätestens das Ereignis deutlich macht, welches das Schicksal Dr. Dummurrier am Ende besiegelt. Dies wird zwar unauffällig in der Reststory eingebettet vorbereitet, dennoch wirkt der finale Twist zu zufällig, als dass man ihn als akzeptablen Schluss anerkennen könnte.

Wirklich schaden tut dies Lucio Fulcis Film nicht, ist diesem unangenehmen Twist doch kein großer Film voraus gegangen. Aber solide ist die in Italien gedrehte Geschichte, die in Amerika spielt, durchaus inszeniert. Mit ruhiger Hand lässt sich Fulci genau jene Zeit welche die Geschichte braucht um sich zu entwickeln ohne gehetzt zu wirken oder zu langweilen. Eine Besetzung, die weder zum Überagieren neigt noch hochgradig gekonnt schauspielert, bietet eine überzeugende Vorstellung innerhalb eines Plots der nicht all zu konstruiert ausgefallen ist. Zwar benötigt die Täteraufdeckung einige Minuten der Erklärung, aber das ist in diesem Falle sogar hilfreich, um als Zuschauer überprüfen zu können ob man auch alle Zusammenhänge richtig verstanden hat.

Zwar erzählt „Perversion Story“ (Alternativtitel) nichts was es nicht spätestens durch Hitchcock bereits schon einmal gegeben hätte, aber mir gefällt der trockene Stil in welchen die Kriminalstory gekleidet wurde, deren wirklich gekonnter Kniff darin liegt, dass zunächst der Doktor und dessen unterkühlte Freundin recherchieren, später der Blickwinkel auf die ermittelnde Polizei jedoch wichtiger wird. Bis es zur Auflösung kommt, die eine recht naheliegende Überraschung mit einer unverhofften mischt, baut Fulci die ein oder andere falsche Fährte mit ein, so dass der Zuschauer tatsächlich Interesse für die eigentlich recht routinierte Story entwickeln kann.

Wer aufgrund der verschiedensten Titel unter denen der Film in den unterschiedlichsten Ländern vermarktet wurde glaubt einen für Italien typisch amourös angehauchten Thriller vorliegen zu haben, der täuscht sich, ist „Una historia perversa“ (Alternativtitel) trotz seiner inhaltlichen Abstecher in die Stripperszene doch recht züchtig ausgefallen. Auch mit Horroreinlagen braucht man aufgrund des für seine harten Horrorbeiträge bekannten Regisseurs nicht zu rechnen. Der Verzicht auf beides sorgt dafür, dass „Nackt über Leichen“ nie in irgendeiner Art sleazy wirkt. Nie streift der Film den Bereich des Schundfilmes.

Vielleicht wirkt er auch deshalb trotz seiner handwerklich ordentlichen Umsetzung ein wenig austauschbar und innovationslos. Trotzdem weiß Lucio Fulcis kurzweiliges Werk schlichte Gemüter gut zu unterhalten, gerade wenn man Freund des 60er und 70er Jahre-Italien-Kinos ist. "Nackt über Leichen“ erfindet weder das Genre neu, noch wird er als besondere Filmerfahrung im Gedächtnis haften bleiben. Aber für eine einmalige Sichtung ist er in seiner nüchternen und lobenswert sachlichen Art zumindest atmosphärisch dicht genug ausgefallen um recht gut zu unterhalten. Manch optisch reizvolle Idee wertet das Ganze zudem noch ein wenig auf.


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