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Mittwoch, 7. September 2016

GRIZZLY (1976 William Girdler)


In einem Nationalpark geht ein übergroßer Grizzly um, der es auf Menschenfleisch abgesehen hat...


Fisch oder Fleisch?...

So ganz will sich „Grizzly“ den typischen Tier-Horror-Regeln nicht unterordnen. Zwar ist durchaus erkennbar, dass er ein Jahr nach „Der weiße Hai“, den es fortan zu kopieren galt, von diesem beeinflusst ist, z.B. im Machtstreit besorgter Ranger gegen geldgeiler Park-Besitzer, so richtig entscheiden ob man im Horror- oder im Abenteuerfilm zu Hause ist kann sich William Girdlers Film trotzdem nicht. Die Hin- und Hergerissenheit zeigt sich auch inhaltlich in vielerlei Form. Besagte Übereinstimmung mit Spielbergs Kino-Hit verkommt zu einer Nebensache, die nie wirklich Einfluss auf das Geschehen hat, die wichtigste weibliche Rolle wird für das Finale nach einem Streit der Geschlechter schlichtweg ignoriert, und ob man nun von einem normal intelligenten oder besonders schlauen Grizzly erzählen will, ist  nie ganz sicher.

Somit verkommt vieles zum Kompromiss, was auch besagtes Genre-Hüpfen betrifft, so dass „Claws“ (Alternativtitel) sich häufig eher Episoden-haft anstatt als Ganzes guckt. Das verleiht ihm auch die ein oder andere kurzfristige Länge, so sehr man darauf bedacht ist den Streifen unbedingt auf Spielfilmlänge zu strecken. Vom Ergebnis her schafft es „Killer Grizzly“ (Alternativtitel) trotz dieser Negativpunkte jedoch ganz knapp der belanglosen Routine zu entkommen und recht anständig zu unterhalten, was mitunter daran liegt dass man stets mit den eigentlich oberflächlich gezeichneten Charakteren mitfiebern kann. Das hat nichts mit überraschend intensiver Sympathie zu tun, sondern einzig damit, dass wir Zuschauer stets in die Strategien der Ranger eingeweiht werden, die erst mit der Zeit erkennen mit welch hartem Brocken Bär sie es hier zu tun haben.

Denkende Protagonisten, ein solidarisches Miteinander und eine gute Portion Abenteuer-Flair lassen die an sich innovationsarme Geschichte angenehm gucken. Zwar besitzt „Grizzly - Eine Bestie läuft Amok“ (Alternativtitel) selbiges Problem wie seine missglückten Nachfolger a la „Grizzly Rage“, die Tatsache dass ohne vorhandene Tierattrappe keine körperliche Interaktion mit den Opfern stattfinden kann, im Vergleich zu den Streifen die spätestens daran scheitern weiß der hier besprochene Film dieses Makel jedoch recht gut zu kaschieren. Die Morde geschehen für einen biederen Horrorfilm der 70er Jahre recht blutig, die Aufnahmen des brüllenden Bären wissen meist zu gefallen, und eine messerscharfe Bärenkralle sorgt dafür, dass des öfteren Körperteile durch die Luft fliegen, einmal sogar ein ganzer Pferdekopf, was dank gekonnter Schnitt-Technik alles nicht ganz so billig rüberkommt wie die üblichen Versuche von Schundfilmern über das Fehlen einer Attrappe hinwegzutäuschen.

Natürlich funktioniert diese Methode nur als Kompromiss, aber das betrifft ohnehin den kompletten Streifen, der manch einem zu langweilig und altbacken erscheinen wird. Man muss schon mit viel Wohlwollen und Geduld an „Grizzly - Tödliche Klauen“ (Alternativtitel) herangehen um seinen Spaß mit ihm zu haben. Mag man aber von Grund auf die ruhigeren, fast schon familientauglichen Horrorfilme der 70er Jahre, frei von Humor und immer mit einem biederen Grund-Ton versehen, so kann man auch mit Gridlers Vorgänger seines besseren „Panik in der Sierra Nova“ etwas anfangen, zumal er gelegentlich auf Überraschungen zurückgreift mit denen man aufgrund seines massenkompatiblen Erscheinungsbildes zunächst nicht rechnen würde.


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