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Montag, 3. Oktober 2016

CAPTAIN AMERICA - THE FIRST AVENGER (2011 Joe Johnston)


Der schmächtige Steve möchte in den 40er Jahren auch in den Krieg ziehen, um Nazis zu erschießen, aufgrund seines Asthma ist er jedoch nicht diensttauglich. Durch die Hilfe eines Wissenschaftlers bekommt er schließlich doch noch seine Chance. Der führt mit Steve ein Experiment durch, welches den Schwächling zum überstarken Supersoldaten macht. Dieser legt sich im Auftrag Amerikas schließlich mit einer Esoterik-Sekte an, die einst von den Nazis finanziell gefördert wurde...


Kick-Nazi-Ass...

Manchmal findet man ansprechende Filme dort wo man sie nie vermuten würde. Bis auf „Spider-Man“ und „Iron Man“ konnte ich mit den Heldenfiguren Marvels nie viel anfangen. Wo die „X-Men“ und  ein „Ant-Man“ für mich nur ganz nett ausfielen, da waren mir die „Fantastic Four“ und die „Guardians of the Galaxy“ zu kindisch und der „Hulk“ einfach nur zu blöde und unmystisch. Die Superhelden aus besagtem Hause sind mir einfach zu sehr in den Fantasybereich entrückt und besitzen nur selten die Klasse eines Batman, Spawn oder Hit-Girl. Auch der Figur des Captain America fehlt deren Klasse. Ganz im Gegenteil ist er sogar eine recht unangenehme Gestalt, mit seinem widerlichen Wunsch Nazis erschießen zu wollen und seinem unreflektiertem Patriotismus, der sogar noch den von Superman übersteigt.

Aber was soll man sagen? Obwohl er in seinen Eigenschaften, seinem Aussehen, seinem Auftrag und seiner Mystik zu den plumpesten Helden überhaupt gehört, die Marvel je geschaffen hat, ist sein Film der ihm 2011 beschert wurde ein wahrer Hingucker, ein verspieltes Stück Popkorn-Kino, mit schräger Story, wundervoll finsterer Comic-Gegner und einem Hauch süßer Love Story und ehrfürchtigem Heldentum. Dass „Captain America - The First Avenger“ gerade in letztem Punkt eher infantil ausgefallen ist und auch sonst nur großen Kindern gefallen wird, ist nicht von der Hand zu weisen. Trotzdem kommt mir der Umgang mit seiner Figur leicht ironisiert vor, und der Film in welchem der kindisch patriotische Kasper herumhampelt nimmt sich weniger ernst als ein „Fantastic Four“, der uns gleich noch pseudo-philosophische Erziehungs-Tipps mit auf den Weg gab.

„Captain America - The First Avenger“ will nichts weiter als unterhalten. Und dank der völlig überdrehten Gegner, die optisch stilvoll in düstere Kulissen, Maschinen und Kostüme gekleidet wurden und mit ihrem Esoterik-Touch und ihrem Eigenbrödlertum, mit dem sie sich selbst ihrem Förderer Adolf Hitler zum Feind gemacht haben, wunderbar Comic-typisch überzogen wurden, wird der Film um ein kriegsgeiles Muskelpaket, dem seine Fan-Gemeinde zum vereinten Kampf hirnlos hinterher rennt, völlig überraschend zu einer gar nicht unangenehmen Popkorn-Erfahrung, obwohl jegliche hier negativ aufgezählte Eigenschaft eigentlich dagegen sprechen müsste.

An „Captain America“ sieht man einfach mal wieder, wie selbst ein schlechter Stoff mit dem richtigen Gespür für Tempo, Atmosphäre und Charaktere trotzdem noch zu einem sehenswerten Film werden kann, ohne dass man sich sein Muster nun zunutze machen könnte um dieses Ergebnis mechanisch kalkuliert zu wiederholen. Dann würde jene seelenlose Kacke aus dem ohnehin schon erbärmlichen Grundkonzept werden, die ich eigentlich erwartet hatte. Was soll man sagen? Ich wiederhole mich gerne. Manchmal findet man ansprechende Filme dort wo man sie nie vermuten würde.


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