Schlombies Filmbesprechungen auf Facebook:

Sonntag, 27. November 2016

WENN MEIN SCHÄTZCHEN AUF DIE PAUKE HAUT (1971 Peter Weck)


Kristian hat für die Firma seines Vaters wertvolle Steine organisiert, die er nun, verfolgt von der kriminellen Konkurrenz, zu ihm bringen möchte. Am Treffpunkt angekommen verliebt er sich in die Nichte eines Schuldirektors, der mit der Gründung einer geheimen Kinderorganisation vor Ort für allerhand Chaos sorgt, da er endlich pensioniert werden möchte...


Viel Handlung um wenig Handlung...

„Wenn mein Schätzchen auf die Pauke haut“ erobert mit seinem verspielten Charme schnell die Herzen des Zuschauers, zumindest wenn dieser weiß worauf er sich einlässt, wenn er eine deutsche Heimat-Schlager-Komödie, besetzt mit den damals dafür üblichen Stars, sichtet. Peter Weck präsentiert uns allerhand kunterbunte Charaktere und Situationen, schenkt sich selbst eine herrlich alberne und überzogen Klischee-hafte Rolle, so als dürfte er so gegen den Strich besetzt erst agieren, wenn er selbst auf dem Regiestuhl sitzt. Sicherlich wird mit den Running Gags auf 90 Minuten etwas zu sehr übertrieben, aber das Herz sitzt am rechten Fleck innerhalb einer Geschichte, die eigentlich keine ist.

Eigentlich erzählt Weck diverse Parallelhandlungen und vereint diese irgendwann gekonnt, eigentlich sogar zu professionell für solch konstruierte Grundszenarien, die so gar keinen Sinn ergeben wollen. Aber auf jede lässt man sich nur all zu gerne ein, sind doch alle Beteiligten mit sichtbarer Spielfreude dabei und lässt sich der Film doch Zeit seine „Geschichte“ in Ruhe zu entfalten. Dementsprechend darf es verwundern, dass die, laut Vorspann, zweite Hauptrolle Uschi Glas erst nach etwa 20 Minuten in Erscheinung tritt und besser denn je ins Geschehen integriert wird, dauert es in dieser anspruchslosen Rolle doch einige Zeit, bis sie sich als schauspielerisch untalentiert outet, was in anderen Filmen stets früher klar wurde. Dass es dann ausgerechnet eine der wenig lebensnahen Situationen ist, die sie als Stümper ihres Fachs auffliegen lässt, eine Szene in der sie eigentlich nur schadenfroh hätte lachen müssen, beweist um so mehr wie schnell die Frau, deren Frisur diesmal nicht so penetrant geraten ist wie sonst, schauspielerisch überfordert ist.

Ein schelmischer Theo Lingen, ein schurkischer Peter Weck, ein überraschend sympathischer Roy Black, ein wunderbar alberner Paul Löwinger und ein positiv routiniert agierender Gunther Philipp halten dagegen, lediglich Ilja Richter kommt trotz größerer Präsenz zu kurz, hat er doch eine ziemlich langweilige Rolle erwicht, die sich ziemlich schnell abnutzt. Freilich ist auch er sich, wie alle anderen Beteiligten, für nichts zu schade. Mag so mancher lustig gemeinter Unfall auch eher für Fremdschämen als für einen echten Lacher sorgen, so stellt sich die unbekümmerte Comic-Art des Streifens diesem Nachteil doch mutig gegenüber und präsentiert uns realitätsferne Spinnereien, wie sie auch nur beim hemmungslosen, fast wie selbstgedreht wirkenden, Herumalbern funktionieren können.

Wenn Löwinger als über dem Wasser schwimmender Fisch von einem Angler verfolgt wird, Anitas Papa stets seinen Wohnwagen verliert ohne es zu merken oder Löwinger in an Sherlock Holmes angelehnten Anziehsachen einen Kriminalfall löst, der keiner ist, dann ist die Stimmung auf einem Hoch, zugegeben auf höchst naiver Ebene, aber durch den Charme, welcher den Film vollzieht, eben doch nicht nur von einem Sympathisanten dieser filmschaffenden Zeit gönnerhaft gnädigst mit einem Augezudrücken zugesprochen, sondern tatsächlich vorhanden.

Dass das eigentliche Rezept des Streifens ziemlich simpler Natur ist, ist kein Geheimnis. Allein wie unverschämt man versucht den Erfolg der Pennälerkomödien mit in eine Heimatkomödie zu integrieren, zeigt wie sehr man von jedem Erfolgskuchen ein Stückchen ab haben wollte. Allerdings gelingt es „Wenn mein Schätzchen auf die Pauke haut“ sehr gut, eben weil er eigentlich keine wirkliche Geschichte besitzt, all die verschiedenen Schwerpunkte unter einen Hut zu bringen, so dass man am Ende fast glaubt, tatsächlich einer Geschichte beigewohnt zu haben. Dass es der Streifen zudem schafft, die Instrumentalversion des höchst nervigen Songs „Schön ist es auf der Welt zu sein“, atmosphärisch stimmig einzubauen, ist ein weiteres heile Welt-Kunststück für sich das hier vollbracht wird.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen