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Mittwoch, 28. Dezember 2016

CYBER TRACKER (1994 Richard Pepin)


In der Zukunft exekutieren Robotereinheiten, sogenannte Core-Tracker, flüchtige von Computern zu Tode verurteilte Mörder. Eric, die Leibwache jenes Senators, der das Gesetz durchgebracht hat, wechselt auf die Seite der Widerstandskämpfer, als ihm ein Mord angehangen wird, den er nicht begangen hat...


Operation Echo...

„Cyber-Tracker“ ist genau jene Portion Sinnlos-Actionunterhaltung, die ich mir bei meinem Durchstöbern diverser Cyborg-Filme in dem Werk „Nemesis“ erhoffte, welches mich jedoch arg enttäuschte. In dem weit weniger beliebten Film von Richard Pepin stimmt der Mix aus Kurzweile und Unsinn wesentlich mehr, zum einen weil er seine Story nicht unnötig verkompliziert wie es Albert Pyuns Werk tat, zum anderen weil er die interessantere Geschichte in einem Mix aus "RoboCop", "Judge Dredd" und "Terminator" erzählt. „Cyber Tracker“ ist sehr technologiekritisch ausgefallen, ermahnt den Menschen im selben Atemzug sich keiner willkürlichen Regierung unterzuordnen. Sein Herz schlägt am rechten Fleck. Und der naive wie tapfere Held im Zentrum wird dieser Mentalität gerecht, u.a. auch weil er viel sanfter agiert als sein reißerischer Darstellername Don „The Dragon“ Wilson vermuten lässt.

Wer sich wundert, dass die Core-Tracker weit weniger schwer zu besiegen sind als die Konkurrenz „Terminator“ und Co, der wird überrascht sein, dass der Film die Schwäche der Roboter zum Ende hin ganz von selbst thematisieret. Ein menschlicher Konkurrent Erics erweist sich beabsichtigt als wesentlich erfolgreicher Eric Leid zuzufügen, als es einer der Maschinenmenschen je geschafft hätte. Wenn aus einem Handkantenkampf ein Boxkampf a la „Rocky“ wird, dann klaut „Cyber Tracker“ ein letztes Mal woanders als beim Science Fiction-Genre, den Finalkampf darf dann aber trotz aller Technologiekritik doch wieder eine Maschine gegen Eric führen.

Ein Widerspruch? Ach, da fragt man gegen Ende des Filmes nicht mehr nach, kann man doch nicht gerade behaupten zuvor eine sonderlich sinnige Geschichte erlebt zu haben. Sie steht auf wackeligen Beinen, wenn sie Schritt für Schritt bemüht ist diverse Vorbilder zu kopieren. Aber auf B-Film-Basis macht der Streifen das recht gut, vorausgesetzt man erwartet kein Meer geglückter Spezialeffekte, die sind tatsächlich schlicht und rar ausgefallen und keineswegs das was der Genre-Fan von einem Cyborg-Streifen erwartet.

Mich hat das nicht gestört, ebenso wenig die ungehetzte Balance von Actionszenen und Atempausen, ohne dass dabei Erstgenanntes zu kurz käme. Richard Pepin mixt Ballerszenen mit Handkantenkämpfen, lässt es gerne ordentlich rumsen und liebt es jegliches Fahrzeug zur Explosion zu bringen. Jim Maniaci spielt die jeweiligen Tracker, und man sieht ihm sein Vorbild Schwarzenegger regelrecht an. Nur leider fehlt ihm das Charisma diesen Mannes, so dass er in seiner absichtlich unbeweglichen Art zu schießen nicht wirklich zu wirken weiß. Wenn er dann noch trotz etlicher Schüsse nicht einmal denjenigen trifft, der ohne in Deckung zu gehen dauerhaft gegen ihn hält, dann besitzt das schon eine unfreiwillige Lustigkeit.

Aber die kann man dem viel zu ernst abgedrehten Produkt ohnehin nicht absprechen. Zur reinen Ulk-Nummer verkommt „Cyber Tracker“ trotzdem nicht, dafür ist er wiederum zu bemüht auf B-Film-Basis alles richtig zu machen, zumal mancher Gewaltmoment gnadenlos ausgekostet wird. Am deutlichsten fällt dies in jener Szene auf, in welcher fast der komplette Untergrund unerwartet dahingerafft wird. Eine solche Härte hätte man dem Film zu solch spätem Zeitpunkt gar nicht zugetraut, was ich nicht der Gore-Effekte wegen meine. Die sind auch in der Uncut-Fassung recht schlicht ausgefallen und ebenfalls rar gesät. Aber die konsequente Durchführung besagter Core-Tracker-Aktion, ohne das Mitspiel von Kompromissen, weiß in seiner Art zu gefallen.

Wer Fehler finden will, muss diese nicht lange suchen. Da ist die holprig durchdachte Schnellschuss-Produktion ein leichtes Opfer. Man kann solch einem schlichten Trivialprodukt aber auch wohlwollender und als Schundfilm-Fan aufrichtig begegnen, und da weiß ein solch solides und vor allen Dingen kurzweiliges Produkt sehr wohl zu punkten, eben auch weil man trotz der oberflächlichen Charaktere einen Zugang zu den Figuren gewinnt. Und da die Gegenseite so wunderbar schurkisch und skrupellos ausgefallen ist, wie man es sonst nur im Comic-Bereich vorfindet, weiß der übliche Kampf Gut gegen Böse auch dementsprechend zu funktionieren.


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