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Samstag, 10. Dezember 2016

DAS MÄDCHEN VON HONGKONG (1973 Jürgen Roland)


Da ihr die Einreise nach Hongkong verweigert wird, bürgt der neu angekommene Außenseiter Frank Boyd für Mai Li, was ihn allerhand Geld kostet, welches er von seinem hier lebenden, reichen, guten Freund Edward Collins erhofft wieder zurück zu bekommen. Dieser wurde jedoch vor kurzem erschossen. Nun will Frank herausfinden wer der Mörder ist und stößt bei seinen Nachforschungen auf einen geheimen Drogenring, der Heroin in die ganze Welt schmuggelt...


Unbewaffnet aus Leidenschaft...

Unter der Regie des für die Edgar Wallace-Filme „Der rote Kreis“ und „Der grüne Bogenschütze“ verantwortlichen Jürgen Roland wurde ein Abenteuer-Action-Mix auf Kriminalfilmbasis erstellt, verfasst von „Derrick“-Autor Herbert Reinecker und in der Hauptrolle besetzt mit Joachim Fuchsberger, wie er auch nur in den bunten 60er und 70er Jahre entstehen konnte. Der Held ist ein harter, aber souveräner, verschmitzter Sunnyboy, für den nur die eigenen Regeln gelten, und der sich stets mit seinen Fäusten zur Wehr setzt. Seine Mission ist ein unter wirren Umständen entstandener Kriminalfall, der sich während der Ermittlungen irgendwie von selbst gestaltet, während Frank Boyd selbst keinerlei Befugnis besitzt zu ermitteln, man eigentlich ohnehin nichts von ihm weiß, außer dass er laufend überall aneckt, von der Polizei aber trotzdem tatkräftig unterstützt wird.

„Das Mädchen von Hongkong“ funktioniert dabei wie ein Comicstrip, lieben die Verantwortlichen es doch sich jeglicher Klischees aus Fernost und aus der Agenten- und Krimi-Literatur zu bedienen, was mit einer augenzwinkernden Leichtigkeit angegangen wird, wie man sie in heutigen Projekten kaum noch vorfindet. Nur verbohrte Ignoranten würden bei dem lockeren Treiben auf die Idee kommen dem Film in seiner absichtlich verspielten Art besagter Klischees Rassismus vorzuwerfen oder im Umgang mit dem schwachen Geschlecht Frauenfeindlichkeit, was diverse Stimmen tatsächlich tun, was einer Arroganz gleicht der vergangenen Generation in Sachen Ethik und Moral nicht zuzutrauen Spaß von Ernst trennen zu können und zu erkennen, dass die Sichtweise auf diese Dinge eine andere, aber keinesfalls eine ignorante, war. Damals konnte man noch trivialen Unsinn von ernsthaften Beleidigungen trennen, was in einem solch herrlich verspieltem Werk, wie dem hier besprochenem, schließlich auch Sinn macht.

„From Hong Kong with Love“ (Alternativtitel) ist mitten in seiner Zeit stehen geblieben, nicht nur von seinem Lebensgefühl her, auch von der technischen Herangehensweise einen Film zu drehen. Kunterbunt, von lockerer Hand umgesetzt, sich allein durch das damals gar nicht verpönte Anwenden von Kamerazooms manchmal wie ein selbstgedrehter Film anfühlend, auf der anderen Seite aber auch sehr professionell umgesetzt, wenn man nur einmal manch gekonnt eingefangenen Kameraschwenk beachtet. Mit seiner Musik, die so bereits 10 Jahre zuvor einen Edgar Wallace-Film der Rialto-Reihe hätte schmücken können, seinem Heldenbild, welches deutlich an James Bond orientiert ist und heute nicht mehr als Identifikationsfigur verwendet werden würde und der schlagfertigen Action, die weitestgehends auf Schießereien verzichtet, ist Jürgen Rolands wilder Genre-Mix das zu Fleisch gewordene 60er und 70er Jahrzehnt, eben die Art alternatives Kino, wofür man diese vergangene Dekade des Filmemachens als Cineast liebt.

Dass dies Joachim Fuchsbergers letzte Rolle seiner Paradefigur sein sollte, liegt nicht daran, dass er langsam zu alt für derlei Filme wurde. „Das Mädchen von Hong Kong“ beweist ebenso wie der ein Jahr zuvor entstandene „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“, dass er noch genügend Charisma besaß, um in Kriminalfilmstoffen als im Vordergrund agierender Held zu wirken. Seine verschmitzte Altherren-Art, der man keinen Flirt krumm nimmt und von der man nie weiß zu welcher Dame das Herz denn nun schlägt, weiß nach wie vor zu wirken, und seine schlagfertige Haltung in Actionszenen war bereits in den Wallace-Filmen augenzwinkernd gemeint, so dass man dem guten Mann auch hier nie eine Rentenbescheinigung aussprechen würde. Freilich belustigen diese Momente in einem in Hongkong spielenden Streifen mehr denn je, weiß man doch schließlich welche Handkantenkunst in derlei Regionen dieser Welt praktiziert und zelebriert wird, das Grundprinzip, solche Schlägereien nur als Gimmick innerhalb eines pulpig angelegten Stoffes zu sehen, bleibt dennoch das selbe.

„Das Mädchen von Hongkong“ wirbelt seine Ereignisse und Zutaten wild umher. Der Zuschauer weiß nie wie ihm geschieht, wird immer mit neuen Wendungen einer eigentlich nicht vorhandenen Geschichte konfrontiert, und das sorgt in der hier angegangenen Leichtigkeit für einen hohen Sehspaß, so dass nie der Hauch von Langeweile oder Stillstand aufkommt, was bei solch dünner Handlung durchaus vorkommen kann, siehe „Sechs Pistolen jagen Professor Z“. Schämte man sich dort bei fehlendem Plot dafür, dass sich erwachsene Männer wie Kinder benehmen, so unterstützt das Infantile im hier besprochenen Film sogar den Charme des Streifens, von dem er mehr als genug besitzt.

Etwas ungewöhnlich fühlt sich der Schluss an, der an dieser Stelle freilich nicht verraten werden soll, besitzt er doch eine Ernsthaftigkeit, die man im restlichen Film selbst dann suchen kann, wenn Ereignisse eigentlich bestens dafür geeignet gewesen wären. Die Schluss-Szene wirkt fast wie die konsequente, dem Helden servierte Rechnung für dessen Gedankenlosigkeit, die dieser den kompletten Film über an den Tag legt. Allerdings kann der durch seine Unwissenheit der Ereignisse mit besagter Rechnung nichts anfangen, so dass er auch in Zukunft weiterhin gedankenlos durchs Leben gehen wird.

Der Schluss ist schwer einzuordnen, weiß in seiner Konsequenz aber zu gefallen, zumal er den ohnehin schon geforderten Zuschauer mehr denn je überrumpelt. Die Schluss-Ereignisse konnte dieser einfach nicht vorhersehen, eben weil sie nicht dem Geist des Restfilmes entsprechen. Umso erstaunlicher ist es, dass sich diese Wende trotzdem nicht wie ein Fremdkörper anfühlt. Vielleicht kommt es mir auch nur so vor, weil ich den Schluss mag, allein schon wegen der Tragik einer Figur, deren Innenleben der Egomane Frank Boyd ohnehin nie verstanden hat und in Zukunft nie verstehen würde. Der Schluss ist das einzige Geheimnis, welches Boyd nicht aufdeckt und welches Roland und Reinecker nur mit dem Zuschauer teilen.


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