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Montag, 23. Januar 2017

Gastkommentar: DR. LAMB (Gao yang yi sheng 1992 Billy Tang u.a.)


Autor: Frau Vulkan

Bei dem Begriff CAT III, stellvertretend für Filme die beim Ratingsystem in Hong Kong keine Jugendfreigabe bekamen, horchen viele Fans von Extremkost auf. Manche halten es gar für eine Garantie dafür außergewöhnlich Hartes oder zumindest Außergewöhnliches geboten zu bekommen. Natürlich bekamen tatsächlich sehr interessante („Story Of Ricky“), besonders harte („Guinea Pig: Flowers Of Flesh And Blood“), richtig verrückte („Chinese Torture Chamber Story“) und auch Filme mit wirklich großartigen Stories („Dumplings“) dieses Siegel. Trotzdem ist es immer noch nur eine Freigabeart des asiatischen FSK-Äquivalentes. Man kann sich davon eigentlich weder vom Kauf abschrecken, noch dazu animieren lassen.

„Dr. Lamb“ ist ein Werk von und mit Danny Lee, der wenige Jahre später mit seinem brillanten „The Untold Story“ berechtigt zu Ruhm kommen sollte. Hier übernahm der einigen vielleicht von „Red To Kill“ bekannte Billy Tang die Regie zusammen an seiner Seite.  Die Story ist schnell erzählt. In einem Fotolgeschäft in Hong Kong tauchen Bilder von nackten, toten Frauen auf, offenbar wurden sie ermordet. Die Spur führt die Polizei zu dem jungen Hobbyfotografen Lam Gor-Yue (Simon Yam) und seiner Familie. Inspektor Lee (Danny Lee) ist von der Schuld Lams derart überzeugt, dass er und sein Team nicht nur herkömmliche Verhörmethoden anwenden, um an ein Geständnis zu kommen. Schließlich gilt es auch einige unaufgeklärte Vermisstenfälle von jungen Frauen in den letzten Jahren endlich abgeschlossen zu den Akten legen zu können...

Anfangs wirkt „Dr. Lamb“ allenfalls wie eine „Tatort“-Folge aus Hong Kong. Durch die lustlose Polizei, die auch mal gerne im Auto Karten spielt, um die Zeit bis Feierabend herum zu bekommen, wirkt das Ganze manchmal gewollt bis unfreiwillig komisch. Letzteres vor allem, wenn die Ermittler Lam mit Hammer, Telefonbuch und Knüppel prügeln, und dieser regungslos sitzen bleibt und kein Wort verliert. Das wirkt auf beiden Seiten übertrieben, und man kann nur darüber schmunzeln, wie die Beamten den Fall um jeden Preis und schnellstmöglich abschließen wollen, um sich wieder „wichtigeren“ Dingen wie dem Pokern widmen zu können. Auch die Reaktionen auf manche Nacktfotos sorgen für leicht alberne Lacher.

Dann aber dreht sich der Film, und es wird atmosphärisch düster, allerdings, das vorweg, leider nicht besonders spannend. Nachdem der Fall vor Mitte des Films geklärt ist, und zwar genau so wie der Zuschauer es sich ungefähr seit der 5. Minute schon denken konnte, gibt es nur noch detailierte Rückblenden auf die scheußlichen Taten des schuldigen Fotofetischisten. Von den Effekten her ist das grundsolide - sie halten sich aber von der Anzahl her in Grenzen. Es werden zwar einige wenige Tabus gebrochen, allerdings dürften diese heutzutage nur Horror-Anfänger noch von den Socken hauen. Alte Hasen können selbst die Tabubrüche vorhersehen, wie auch leider den Rest des Films. Bis zum Ende gibt es nicht eine einzige Überraschung.

Zudem besteht „Dr. Lamb“ von vorneherein mehr aus Längen als aus interessanten Momenten, was dazu führen kann, dass man ab der Mitte gelangweilt im Sessel sitzt und nur auf den nächsten Effekt wartet, weil die Story leider nicht sonderlich fesseln kann. Zu Gute halten kann man zwar die durchgehend unbequeme Atmosphäre, sowie in der letzten Hälfte auch die Glaubwürdigkeit der Story; jedoch reicht dies nicht dafür aus, dass ich hier eine Empfehlung aussprechen würde. Die Opfer und Nebencharaktere, selbst die Hauptrollen sind eher flach gezeichnet, so dass „Dr. Lamb“ keine nennenswerten Emotionen in mir hervorrufen konnte. CAT III Komplettisten wird dies wahrscheinlich dennoch nicht abschrecken, allerdings sei somit abschließend gesagt, dass es sich hier weder um ein Effektspektakel sondersgleichen noch um eine außergewöhnliche Geschichte, noch um fantastische Schauspieler oder sonstige Innovationen handelt. 

Autor: Frau Vulkan


Trailer,    OFDb

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