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Samstag, 21. Januar 2017

POULTRYGEIST - NIGHT OF THE CHICKEN DEAD (2006 Lloyd Kaufman)


Da seine Ex-Freundin sich lieber dem eigenen Geschlecht zugewendet hat, rächt sich Arbie, indem er in jenem Laden arbeitet, gegen den die Studentin aktuell rebelliert. Dabei handelt es sich um eine Fast Food-Kette, die auf einem ehemaligen Indianerfriedhof eröffnet hat, was auch der Grund dafür ist, dass ausgerechnet an Arbies erstem Arbeitstag das Essen und damit auch die Gäste zu Monstern mutieren...


Hähnchen From Hell...

Als ich mich immer mehr von „Poultrygeist“ genervt fühlte, fragte ich mich kurzfristig, ob ich zu alt für diese Art Film geworden bin. Hatte ich mich derart verändert, dass mich solch ein hemmungsloses Herumgealber nicht mehr reizt? Oder lag es an Troma, von dessen extremeren Klamaukfilmen ich schon immer genervt wurde? Letzteres haut schon eher hin, obwohl ich mich noch vor Jahren von „Terror Firmer“ bestens unterhalten fühlte und ich darauf schwören würde, dass mir der Film auch heute noch gefallen würde. Aber es stimmt, es liegt an der Filmfirma Troma, deren Betreiber leider nicht wissen was ihre besseren Werke ausmacht. Aber das war eigentlich schon immer so, sank doch z.B. die Qualität des herrlich absurden „Class of Nuke ‘em High“ zum nervig albernen „Class of Nuke ‘em High 2“ rapide. Allerdings konnte ich den noch mit viel Geduld und gelegentlichem Lächeln zu Ende sichten, während ich „Night of the Chicken Dead“, wie der hier besprochene Streifen sympathisch mit Beititel heißt, irgendwann den Rücken kehren musste. Ich war einfach zu genervt.

Anhand der englischsprachigen Gesangsszenen merkte ich aber auch, dass am nervigen Ergebnis stark die Deutschvertonung mit Schuld war, war diese zwar nicht so penetrant ausgefallen wie im völlig unterirdischen „Isle of the Damned“, aber trotzdem wesentlich verblödeter gesprochen als das in diesem Punkt zum Szenario passendere Original. Doch den Verantwortlichen der Synchronisation allein die Schuld am üblen Ergebnis des so faszinierend lustig klingenden „Poultrygeist“ zu geben, wäre ein Fehler, begeht doch Troma-Chef Lloyd Kaufman, der für den hier besprochenen Beitrag seiner Filmfirma höchstpersönlich Platz auf dem Regiestuhl genommen hat, viele eigene, womit sich das Ergebnis von der Klasse gute Troma-Stoffe distanziert.

Provo-Komik ist einfach kein funktionierendes Anti-Hollywood mehr, wenn es so stillos zelebriert wird wie im unter Cineasten gar nicht mal so unbeliebten „Poultrygeist - Attack of the Chicken Zombies“ (Alternativtitel), erntet man doch eigentlich keine Provokation mehr mit sicher gesetzten Sexwitzchen, selbst dann wenn sie ins Extremste überspannt werden. Hollywood hat sich Dank „Scary Movie“ und „American Pie“ vom biederen Grundton der zuvor herrschte erholt. Da gibt es nur dann noch etwas abzugrasen, wenn man so verspielt daher kommt wie ein Seth Rogen-Film a la „Shopping Center King“. Was ein entblösster Pillermann dort für viel mehr Gelächter sorgt, als all die Bemühungen Tromas in „Poultrygeist“ die Grenzen bereits eingerissener Grenzen des schlechten Geschmacks noch weiter einzureißen, beweist dass auch zu scheinbar geistlosem Herumgeblödel und zur Provokation ein unauffällig mitschwingendes Niveau herrschen muss, welches weder Tunnelblick-Kultivierte, noch Mitläufer des schlechten Geschmacks bemerken, solange sie nicht mit vorurteilsfreiem, mitdenkendem Geist solche Filme verfolgen und vergleichen.

„Poultrygeist" besitzt abgesehen von seiner Grundidee her wenig gute Ideen. Die meisten habe ich im Meer an ungourtierbaren Stumpfsinn längst wieder vergessen, aber eine davon ist auf jeden Fall jene den Film in Musicalform umzusetzen, wobei man jedoch erwähnen sollte, dass „Poultrygeist“ nicht das erste Zombie-Musical ist. Der Amateurfilmer Mark Pirro ging dieser Idee bereits 1991 mit „Nudist Colony of the Dead“ nach, und dessen Werk gefällt mir auch gleich wesentlich besser als der viel zu gewollte Troma-Beitrag, eben weil Pirro übertreibt ohne zu dick aufzutragen. „Poultrygeist“ hat in der Gesamtzahl die besseren Lieder auf Lager, neben den tollen handgemachten Effekten der einzig wahre Trumpf des Streifens, und doch kommt keiner der Songs an die Komik des Inky Dinky Morning-Liedes heran, welches Brady-fröhliche Katholiken vor der Zombieattacke im Vergleichsfilm beim Camping singen.

Klar, Freunde von „Chillerama“ und Co werden auch hier glücklich werden, aber ich persönlich kann mit dieser Extemkomik frei von ansprechenden Rahmenbedingungen, wie sie beispielsweise die kaputten Splatterfilme aus Japan bieten, nichts anfangen. Und mit den Anfängen von Troma hat dies in der hier vorgeführten Extreme auch nichts mehr zu tun. Das hier Gezeigte ist nur noch Herumalbern zum Selbstzweck, frei jedwedem kritischen Blick auf den Mainstream oder anderweitiger Modeerscheinungen. „Poultrygeist“ ist nicht mehr verspielt und experimentell, wie frühe Vertreter besagter Filmfirma, sondern setzt ausgeruht sicher auf den Geschmack des selbst herangezüchteten Publikums, dass selbst dann über rülpsende und Durchfall kackende Fettsäcke lacht, wenn dies in keinem Bezug zu einem satirischen Hintergedanken steht. Auf die Art wie hier entstanden, besteht vom Humorgehalt her kein Unterschied mehr zu solchem Schund wie „Ghost Movie“ und „Supernatural Activity“. Troma ist mit seinen noch immer absurd wirkenden Filmen längst alternativer Mainstream für Menschen geworden, die unbedingt anders sein wollen als die Masse.


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Kommentare:

  1. Ich finde es immer wieder bemerkenswert, das die Filmtitel mitunter so einfallsreich sind und die Filme an sich dann immer so unglaublich lustlos und langweilig erzählt. Wird da immer die ganze 'Kreativität' bereits im Filmtitel verbraucht? Scheint zumindest meist so...

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    1. Die Storyidee selbst finde ich in diesem Fall aber ebenfalls gelungen. Das macht es nur um so ärgerlicher, dass "Poultrygeist" so ein plumpes Ergebnis ist.

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