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Freitag, 3. Februar 2017

NO PANIC - GUTE GEISELN SIND SELTEN (The Ref 1994 Ted Demme)


Als ein Bruch schief geht nimmt ein Einbrecher ein zerstrittenes Ehepaar als Geiseln und bereut dies sehr schnell...


Adventskränze als Kopfbekleidung...

Wer auf der Suche nach einem richtigen Anti-Weihnachtsfilm ist, ohne dass gleich die komplette Anarchie in Form von Provokomik ausbrechen muss, und in dem ein versöhnliches Ende durchaus vorhanden sein darf, dem sei zu „No Panic - Gute Geiseln sind selten“ geraten. Nicht nur dass er jegliche Feststimmung in Form entladender Gefühle völlig verdreht und das Fest der Liebe somit zum Aufdecken von Wahrheiten auf den Kopf stellt, auch das erweiterte Familienleben bekommt sein Fett weg, wenn die komplett grauenhafte Verwandschaft zum Essen kommt und der Entführer spontan den Eheberater der beiden Streithähne spielen muss - freilich auf völlig unkonventionelle Art.

Das Chaos hält sich Grenzen. Worauf alles hinauslaufen wird steht von Anfang an fest. Und die Konflikte sind nicht sonderlich innovativ. Aber es ist der Wortwitz einer gelungenen deutschen Synchronisation, die gekonnte Situationskomik und das Spiel der Akteure, insbesondere das der drei Hauptfiguren, was „The Ref“ (Originaltitel) zu solch einem angenehmen Vertreter des Anti-Weihnachtsfilms werden lässt. Da verzweifeln selbst professionelle Eheberater, da verwandelt sich der freundliche Nachbar im Weihnachtsmannkostüm zum versoffenen Lästerer der in den Vorgarten pinkelt, da entpuppt sich eine Großmutter als Kredithai der eigenen Familie, und eingeladene Gäste essen vor dem traditionellen Weihnachtsbesuch noch schnell etwas in der Imbissbude.

„Don‘t Panic“ (Alternativtitel) geht nicht immer den einfachsten Weg, macht Abstecher in Rahmengeschichten, die nicht zwingend sein müssten, wenn er von Machtspielchen bei der Polizei berichtet, von dem verzweifelten Versuch ein Fluchtschiff zu ergattern und wenn es um besagten Weihnachtsmann-Nachbarn geht. Das bereichert „Hostile Hostages“ (Alternativtitel) jedoch humoristisch, auch wenn die Hauptstory davon immer wieder unterbrochen wird. Einzig die Randidee um den kriminellen Sohn ist zu viel des Guten, kommt sie über das armer reicher Sohn-Geschwätz doch nicht hinaus und beschert der ansonsten entspannt liebenswert-gehässigen Komödie eine leichte Theatralik, die nicht zum Restgeschehen passen möchte.

Da dieser Wermutstropfen aber wenig Zeit in Anspruch nimmt und der Rest mittels Entfremdung, Versöhnung und Zusammenhalt eine schöne Geschichte erzählt, ohne dabei all zu gefühlvoll zu werden, braucht man auch gar nicht erst die Nase rümpfen. „No Panic“ ist schlichtweg die familienfreundliche Anti-Weihnachtskomödie, wie es sie viel öfter geben sollte, bei all den üblen Kitschprodukten die sich sonst mit der besinnlich-verlogenen Zeit auseinander setzen.


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