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Samstag, 15. April 2017

HATCHET FOR THE HONEYMOON (Il rosso segno della follia 1970 Mario Bava)


Nach außen ist John Harrington Ehemann und Besitzer eines Brautmodesalons. Sein wahres Ich drängt es jedoch danach junge Frauen in Brautkleidern zu töten. Das hilft ihm dabei das Puzzle seiner Kindheit zu lüften, wer seine Mutter einst umgebracht hat. Keiner weiß von dem Doppelleben des Psychopathen, auch nicht seine Ehefrau Mildred. Einzig Inspektor Russell ahnt etwas, kann John jedoch nichts beweisen. Während John sich nach einer Scheidung sehnt, lehnt Mildred eine Trennung regelrecht ab und klammert sich geradezu gehässig an ihren Mann. Als ihr Gatte daraufhin zum Beil greift, um das Problem auf seine ihm bekannte Art zu lösen, sucht Mildred, besitzergreifend wie sie ist, John selbst nach ihrem Tod heim...


Schreie wie aus einem Horrorfilm...

Dass „Hatchet for the Honeymoon“ ein Herzensprojekt für Mario Bava gewesen sein muss, sieht man dem ungewöhnlichen Horror-Thriller, der ein wenig an die Thematik um „Dexter“ erinnert, in jeder seiner Poren an. Bereits die Geschichte ist kein Durchschnitt, reflektiert Hauptfigur John doch recht gut was er ist, und würde man die Geschichte doch durch die Rückkehr der toten Mildred instinktiv der Komödie zuordnen, während Bava jedoch einen ernsten Genre-Beitrag abgeliefert hat, der lediglich einen augenzwinkernden Unterton besitzt. Eben aufgrund dieser gegen die Erwartungen arbeitenden Geschichte tut es ungemein gut, dass Bava den Film so konsequent gut erzählt und dabei in künstlerisch wertvolle Bilder taucht, die seinesgleichen suchen.

Jegliche Kameraperspektive, jeder Zoom, jede Kamerafahrt, jede Farbsetzung, jegliches Spiel mit Schatten und Blickwinkeln ist wohlüberlegt gewählt, soll optisch brillant wirken, meist sogar psychologisch, oder unterschwellig etwas aussagen. Bei diesen hübsch anzuschauenden Bildern wäre „Red Wedding Night“ (Alternativtitel) selbst bei mauer Geschichte noch ein Seherlebnis, aber das auf einem Roman basierende Drehbuch von Santiago Moncada liefert zusätzlich eine würdige Grundlage, satirisch bissig geschrieben und von Bava spannend und hochinteressant inszeniert, einen Stoff abliefernd, der einen packt und nicht mehr loslässt.

Weit vor dem Höhepunkt der grotesken Wendung nach einer Stunde, wenn Mildred zurückkehrt, weiß einem die Geschichte bereits zu packen. Bereits hier weiß alles zu wirken: das Katz- und Mausspiel mit der Polizei, der Wahn bezogen auf die Kindheit, das harmlose Ich nach Außen, die Bestie im Inneren - meiner Meinung nach am besten dann verkörpert, wenn John einer naiven Mitarbeiterin nach ihrer Kündigung für die bevorstehende Hochzeit ein Brautkleid schenkt, nur um sie daraufhin zu töten. Die Schauspielerin spielt das Opfer derart glücklich und naiv, dass es einem tatsächlich im Herzen weh tut, dass sie in die Falle des Psychopathen geraten ist - obwohl eigentlich er die Identifikationsfigur ist und uns dazu verleitet gegen unsere Natur eigentlich zu ihm zu halten. Nicht aber in dieser Szene, in der wir tatsächlich mit dem Opfer mitleiden.

Mir persönlich hat es als Nichtkenner der Buchvorlage gut gefallen, dass Moncada sich nicht dazu verleiten ließ, Mildreds Rückkehr nach ihrem Tod als offene Frage im Raum darüber stehen zu lassen, ob sie tatsächlich zurückgekehrt ist, oder ob John Wahnvorstellungen hat. Ganz im Gegenteil verweisen viele Elemente von Anfang an darauf, dass wir es wirklich mit einer Geistererscheinung zu tun haben. Und der verdrehte Kniff, dass andere Mildred sehen, John jedoch nicht, bereitet nicht nur die großartige Schluss-Pointe des Filmes vor, sie besitzt auch ansonsten ihren Reiz, erneut die humoristisch angehauchte Bissigkeit des Drehbuchs aufweisend, eingepackt in die augenzwinkernde, ansonsten ernste Erzählweise, die Bava wählte.

„An Axe for the Honeymoon“ (Alternativtitel) ist klassisches Kino, das noch etwas erzählen möchte, eingepackt in eine moderne Geschichte, die sich selbst heute noch innovativ und anders guckt. Die Charaktere werden intensiv beleuchtet, die Psychologie ist fehlerfrei durchdacht, die erzählte Geschichte interessant gewählt und vielschichtig ausgefallen, und der Zuschauer kann sich mit den Problemen der Hauptfigur identifizieren, spätestens in der letzten halben Stunde. Wer hat schließlich noch keine zu enge Bindung, ob aktiv oder als enger Beobachter eines Bekannten, miterleben müssen, sei es nun in der Partnerschaft, oder durch Freunde und Familie?

Laura Betti schafft es in ihrer Rolle der Mildred mal absichtlich aufgesetzt, mal ganz subtil, sämtliche Facetten ihres Charakters glaubwürdig zu verkörpern. In der Szene, in der sie weiß, dass sie sterben wird, zeichnen sich die freilich nicht hörbaren Gedanken, die in Mildred sekündlich wechseln, in Bettis Gesicht deutlich ab, ohne dass Betti zur Grimassenschneiderin wird oder ihr Gesicht zu einem zuckenden Etwas werden lässt. Die Darbietung des Hauptdarstellers Stephen Forsyth weiß hingegen nicht immer zu wirken. Zwar spielt er John in den meisten Szenen recht gut, wobei ihm seine ungewöhnliche Augenfarbe hilfreich zur Seite steht, wenn er vom unterschwellig bösem Charakter jedoch zum böse dreinblickenden Täter wird, verliert die Figur leider ihre Glaubwürdigkeit, was dann auch zum einzigen Schwachpunkt eines ansonsten tadellos inszenierten Filmes wird.

Das ändert freilich nichts mehr am hoch brillanten Ergebnis. „Blood Brides“ (Alternativtitel) ist ein wahres Liebhaberstück, einer von Bavas besten Werken, wenn nicht sogar das beste überhaupt, den Intellekt ebenso fütternd wie den Durst nach guter Unterhaltung. Jede Kameraeinstellung weiß zu begeistern, jede Phase der Geschichte weiß zu packen, und dies nicht nur aufgrund des zurückhaltenden Humors, aber gerade auch wegen dem subtilem Umgang mit diesem. „The Red Mark of Madness“ (Alternativtitel) ist Drama, Thriller, Horror und einen Hauch Komödie in einem, einen manches Mal mitleiden lassend, ein anderes Mal schadenfreudig daneben stehend. Und für all diese Phasen liebt man diesen verspielten Film.


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