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Donnerstag, 4. Mai 2017

A GOD WITHOUT A UNIVERSE (Gudsforladt 2015 Kasper Juhl)


Mia freut sich ungemein. Ihr großer Bruder Anders kommt endlich aus dem Knast heraus. Seit er sie vor ihrem Vater gerettet hat, indem er diesen tötete, hat sie sich in ihn als Heldenfigur verrannt. Nun begehrt sie ihn und möchte ihn nicht mit anderen Frauen teilen, ein Seelenzustand der ihr nicht gut bekommt. Anders, der wieder in sein kriminelles Muster zurückfällt, geht es in der gewaltbereiten Umgebungen mit der er es wieder zu tun bekommt nicht anders...


Unwohlsein in einer Welt voller Misshandlung...

Kasper Juhl packt sein Publikum nicht mit Samthandschuhen an. „A God Without a Universe“ ist rau und ungeschönt erzählt, berichtet von den unangenehmsten Ecken unserer Gesellschaft, die wir emotional zu Recht gerne ausblenden, um uns wohler zu fühlen, und zeigt uns jene Personen, die mitten in diesem sozialen Dreck leben, teils mitverantwortlich an der Situation, teils nur überfordert aus diesem Milieu heraus zu kommen. Gewalt erzeugt Gewalt. Mia ist durch die problematische Vergangenheit ihrer Familie seelisch kaputt, flüchtet sich in ihrer Vorstellung und später auch real in Zärtlichkeiten mit ihrem Bruder, ist aus Eifersucht aber auch zur Gewalt bereit, so abgestumpft wie sie geistig durch den Tag geht.

Inzest, Vergewaltigung, Mädchenhandel, Juhl will keine wirkliche Sozialstudie abliefern, letztendlich will er nur provozieren, und das ist das störende am Ergebnis des hervorragend geschauspielerten „A.G.W.A.U.“ (Alternativtitel). Da man dies nach einiger Zeit merkt, versteht man auch nicht, warum man sich die Abscheulichkeiten, die er einem vorsetzt, antun soll. Es kommt wederzu einem Augenblick der Entladung, die den Zuschauer irgendwann aus diesen asozialen Bildern befreit, noch nutzt es was das Gesicht in die soziale Scheiße gesteckt zu bekommen, da „A God Without a Universe“ nicht aufklärt oder zum nachdenken anregt. Er zeigt lediglich eine asoziale Welt. Punkt und aus.

Das ist sehr schade, denn Juhl versteht es durchaus stimmige Bilder einzufangen und die dreckige Atmosphäre ebenso greifbar zu machen, wie die wenigen sensiblen Momente, die den Protagonisten wiederfährt. Von mangelndem Talent kann man da eigentlich nicht reden. Es ist wohl mehr der Drang unbedingt das Underground-Publikum befriedigen zu wollen, anstatt einen ausgereiften Film zu präsentieren, der dem fertigen Werk, dem ich keinesfalls sympathiefrei gegenüberstehe, ein Beinchen stellt.


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