WENN ICH BLEIBE (If I Stay 2014 R.J. Cutler)


Die junge Cellistin Mia verliebt sich in den Rockmusiker Adam. Die beiden verbringen eine wunderbare Zeit miteinander, aber ihre aufkommenden Karrieren stehen zwischen ihnen. Als Mia durch einen Autounfall ins Koma fällt und dabei Vater, Mutter und Bruder verliert, zieht sie, die Ereignisse im Krankenhaus unsichtbar beobachten könnend, in einer Art Zwischenwelt Bilanz und muss sich entscheiden, ob sie wieder aufwachen möchte, oder doch lieber gehen...


Man bringt Opfer für seine Lieben...

Es würde mich nicht wundern, wenn manch einem die Ereignisse in "Wenn ich bleibe" am Arsch vorbei gehen und man das dort erzählte als innovationsloses Gefühlsgedusel empfinden würde. Man braucht schon Zugang zu den Personen und Situationen, um in die theoretisch austauschbar klingende Liebesgeschichte unter vielen eintauchen zu können. Doch obwohl der Film auf manch zu sicher gesetzte Knöpfe drückt und auch mehr als einmal in den Kitschbereich abrutscht, mich hat er gefangen genommen in seiner weit weniger dem Jugendpublikum zugeordneten Art, wie man aufgrund der Jungstars und dem Träumen davon in diesem Alter ein berühmter Musiker zu werden meinen könnte.

Cutler inszeniert die Geschichte sehr sensibel, frei von pubertären Träumen, vielleicht deswegen so stark darauf verzichtend, weil die zwei im Zentrum stehenden Jugendlichen recht reife Menschen sind und sich, soweit es ihre geringe Lebenserfahrung erlaubt, keinen Illusionen hingeben. Sie genießen den Moment, wissentlich dass ihr Glück nicht von Dauer sein wird. Letztendlich besitzt die Love Story zwischen den beiden Hauptpersonen schon genug Potential um zu funktionieren, noch bevor der eigentliche Kniff um das Erwachen im Zwischenzustand während des Komas auftritt.

Und doch könnte "If I Stay" (Originaltitel) ohne diesen Aspekt nie so tief greifen und derart emotional gut funktionieren, macht dieser Aspekt aus einem oberflächlich betrachteten Stück leichtem Liebesdrama doch einen reflektierenden Film - vielleicht nicht so anspruchsvoll ausgefallen wie von den Verantwortlichen erhofft, das zeigt besagtes Abrutschen in den Kitsch, aber doch ein tiefsinnigeres Stück Film damit abliefernd als manch anderer daraus gebastelt hätte. Seine intensivsten Momente hat der Mix aus Fantasy, Romantik und Drama immer dann, wenn Menschen zu Mia am Krankenbett sprechen. Spätestens wenn der Großvater zu Wort kommt, bleibt kein Auge trocken, Cutler schafft es mehr als einmal, dass man als Zuschauer todtraurig wird und eine tiefe Verbundenheit zu den Protagonisten empfindet.

Mit Chloë Grace Moretz in der Hauptrolle besetzt war diese Empathie zur Hauptfigur ohnehin eine Leichtigkeit für mich, bewundere ich doch das Talent dieser mir liebsten Jungdarstellerin und schaut sie doch bezaubernd wie eh und je aus, eingetaucht in einem sensiblen, liebenswerten Charakter. Das Umfeld Mias schließt man ebenfalls schnell in seine Arme, lediglich mit dem austauschbar wirkenden Adam wurde ich nie wirklich warm. Nicht dass er mir auf den Senkel ging oder schlecht spielte, aber ich habe mich in ihn und seinen Softrock nicht einfühlen können, und das macht das Ergebnis des Streifens nur noch erstaunlicher, muss ich in der Regel doch beide Menschen einer Beziehung mögen, um mich in einem Romantikthema vollends wohl zu fühlen. Vielleicht macht dieser Aspekt nur um so mehr deutlich wie gut Moretz nun einmal spielt. Vielleicht ist es auch der Beweis dafür, wie intensiv mich die Geschichte, warum auch immer, gepackt hat.

An sich setzt der leicht esoterisch angehauchte Film auf ein naives, leicht zu beeinflussendes Publikum. Zwar können sich Cutler und Autorin Shauna Cross sensibel in die Figuren einfühlen, aber "Wenn ich bleibe" bekommt nie einen authentischen Touch beschert. Er ist Kino und wird dies in seiner verträumten und theatralischen Art nicht erst durch die realitätsentrückte Idee eines Bewusstseins innerhalb einer Zwischenwelt. Ein aufgeschlossenes oder gar intellektuelles Publikum wird nur gelegentlich angesprochen und herausgefordert, vom Großteil des Filmes wird es sich jedoch eher abwenden. Ich hingegen, habe mich von den Gefühlen einfangen lassen, ja sogar von den Kitschmomenten, die ich ebenso mochte wie die greifbareren emotionalen Momente. Wahrscheinlich wird man mit einigen Tagen Abstand nicht fair auf den Film zurückblicken und sich nicht eingestehen, wie sehr er einen aufgewühlt hat. Vielleicht wird er beim nächsten Mal auch nicht so gut funktionieren. Heute passte die Stimmung bei mir aufgrund gestern privat aufgewühlter Gefühle perfekt, da ist man offener für diese Art Thematik. Zur Zeit kann ich nur urteilen wie ich den Film frisch gesehen empfinde, und da kommt er für einen nicht authentischen, gefühlseinlullenden Film in Kinorealität überraschend gut weg.


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1 Kommentar:

  1. Kann ich eigentlich komplett so unterschreiben. Auch ich habe ab und an diese ins Kitsch rutschende Geschichte bemerkt, die aber immer noch rechtzeitig den Dreh rauskriegt. Was und da stimme ich auch zu, vor allem durch die Hauptdarstellerin so gut funktioniert.

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