2010 - DAS JAHR, IN DEM WIR KONTAKT AUFNEHMEN (2010 1984 Peter Hyams)


Neun Jahre nach der missglückten Jupiterexpedition fliegen trotz des kalten Krieges zwischen den Russen und den US-Amerikanern Astronauten beider Länder zur Discovery, um offenen Fragen des Scheiterns zu klären. Noch ahnt niemand, dass bald etwas alles Veränderndes geschehen wird...


Versöhnung mit Hal...

Stanley Kubricks "2001 - Odyssee im Weltraum" war ein weitblickendes, durchdachtes und philosophisches Werk mit der Eigenschaft zur Demut, zur Reflexion und dem Mut inszenatorische Schritte zu gehen, die einem finanziellen Erfolg eventuell im Weg hätten stehen können, so sehr wie sich der 1968 veröffentlichte Film den massentauglichen Sehgewohnheiten verweigerte. Eine Fortsetzung hätte er nie nötig gehabt, so wundervoll wie offene Fragen nach der Sichtung im Raum schwebten, tiefgründigere Individuen dazu veranlassend über das Gesehene nachzugrübeln und der Fantasie freien Lauf zu lassen. Für derartige Interpretationen ist in Peter Hyams eigens verfasstem Teil 2 kein Platz. Er wurde gedreht um Fragen zu beantworten. Und besaß der Vorgänger noch den Mut zur Langsamkeit, bzw. war sich Kubrick dessen zwingender Notwendigkeit bewusst, um Ehrfurcht vor möglichen Errungenschaften zu erlangen und auch vor dem was die Geschichte über unseren Ursprung offenbart, die Fortsetzung pfeift drauf und beschleunigt ihre Geschichte wo es nur geht.

Hyams geht es in "2010 - Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen" aber auch nicht um wirklich tiefgründige, philosophische Dinge, er möchte in Zeiten des kalten Krieges einen Friedensappell an die Menschheit richten, ein ehrenwertes Vorhaben. Warum man dafür jedoch einen Film fortsetzt, der die heute scheinbar verloren gegangene Eigenschaft besaß losgelöst vom Entstehungszeitpunkt einen Blick in eine fremde Zukunft zu werfen, und dabei eine Welt präsentierte, in der so etwas wie der kalte Krieg kein Thema mehr war, darf zurecht als Frage im Raum stehen, zumal der Streifen eine komplett andere Mentalität ausstrahlt als sein Vorgänger. Schließlich ist Hyams als Mittel zum Zweck auch der Griff zur Esoterik als Ersatz für mangelndes Wissenschaftsverständnis recht, einen größeren Unterschied zum Vorgänger kann man wohl kaum ausmachen. Das passt zwar zum geistig schlichteren Zustand des 80er Jahre-US-Kinos, das im Gegensatz zu den 70er Jahren  in der Regel weit weniger durchdachte Filme zu großen Events hochschaukelte, verärgert aber insofern, als dass man den Respekt zu Kubricks Werk dadurch vermisst.

Gewöhnt man sich erst einmal an den Gedanken ein weit weniger geistreiches Werk in anderer Mentalität und Zielsetzung zu sichten, weiß "2010" (Originaltitel) zumindest zu unterhalten, gibt es technisch von der Inszenierung her doch nichts zu beklagen und sind doch professionelle Mimen mit an Bord, die das komplette Treiben so glaubwürdig wie möglich umgesetzt bekommen. Zwar setzt die Geschichte des Streifens stets auf eine penetrante Neugierde, die mir in diesem plumpen Zustand nicht innewohnte, so dass ich in dem reißerischen Versuch stets eine enorme Erwartungshaltung aufzubauen nicht vollends einsteigen konnte, aber spätestens am Schluss war auch ich neugierig was da Wundervolles auf die Menschheit zukommen sollte, prophezeit vom Geist des einstigen Kommandanten der Discovery. 

Wenn der für seine schlichten Stoffe berühmte Hyams, der sich mit "Unternehmen Capricorn" sieben Jahre zuvor bereits schon einmal mit kritischem Blick auf die Regierenden mit dem Denken von Astronauten auseinandersetzen durfte, seine Geschichte zu Ende erzählt hat, begeht er mittels eines schließenden Off-Kommentars die letzten Fehler der Geschichte, deutet der eigentlich für rationales Denken ausgebildete Wissenschaftler doch Dinge ins Geschehen hinein, die weder bewiesen noch naheliegend sind, was erneut beweist, dass der Film sich an ein Publikum orientiert, das aufnehmen soll anstatt mitzudenken. Da "2010" nicht vollends naiv umgesetzt ist, sondern einige interessante clevere Ansätze zu bieten hat, ist dieser Zustand etwas schade zu nennen, ändert aber nichts an der Tatsache, dass Hyams weit weniger visionäre Vision wundervoll zu unterhalten weiß - dank der Beantwortung der wichtigsten Fragen aber kein nachdenkliches Echo hinterlässt, wie das großartige Science Fiction-Werk auf dem er aufbaut.


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