THE NIGHT BEFORE HALLOWEEN (Mischief Night 2013 Richard Schenkman)


In der Nacht vor Halloween wird eine blinde Teenagerin in dem großen Haus, in dem sie wohnt, von einem maskierten Unbekannten bedroht...


Sie blickt stets ganz woanders hin...

Im Meer der Slasher kann ein Beitrag meist seine Nähe zu "Halloween" und/oder "Freitag der 13." nicht leugnen, warum also nicht gleich mit offenen Karten spielen wenn es um die Titelgebung geht? In Deutschland sagt einem die "Mischief Night", wie der Titel im Original lautet, ohnehin nichts, da kommt dessen Erklärung im Deutschtitel um so näher an John Carpenters Original heran. Sich dem Vorbild derart stark zu bekennen, lässt jedoch auch eine unfaire Erwartungshaltung entstehen, die ein x-ter Aufguss einer stets ähnlich variierten Geschichte freilich nicht einhalten kann. "Man From Earth"- und "Abraham Lincoln vs. Zombies"-Regisseur Richard Schenkman beachtet jedoch die zwei wichtigsten Faktoren zum Gelingen eines solchen Genre-Beitrags: er gönnt dem Werk Stille und Langsamkeit zum Entfachen eines funktionierenden Spanungsbogen, und er legt als Drehbuchautor die Charaktere interessant genug an, damit eine tatsächliche Identifikation mit den Figuren entstehen kann.

"The Night Before Halloween" ist abhängig vom Funktionieren der zentralen Figur, und die recht gut spielende Noell Coet, die scheinbar mit "Die Angst in meinem Haus" drei Jahre später wieder in einem ähnlichen Projekt gelandet ist, weiß als Blickfang und Identifikation tatsächlich zu funktionieren, ruht man sich doch nicht einzig auf ihre Eigenschaft der Blindheit aus (die für eine speziellere Verarbeitung der Slasher-Thematik erstaunlich wenig genutzt wird), sondern beschert dem jungen Ding noch zusätzlich eine taffe, wie auch verletzliche Ader, die psychologisch zu ihrem Leiden passt. Einem Mädchen eine Opferrolle zuzuschreiben, die es leid ist in eine Opferrolle gesteckt zu werden, erweist sich als die wahre Raffinesse zum Funktionieren dieser Figur, dauert es doch bis die fast wehrlose Teenagerin akzeptiert tatsächlich in Gefahr zu sein. Schenkman orientiert sich passend zu diesem Prozess glücklicher Weise auch nicht an dem Hepburn-Film "Warte bis es dunkel ist", sprich er lässt bis auf winzige Ausnahmen die Blindheit ein Defizit sein, anstatt einen Vorteil, so dass die Geschichte halbwegs realistisch vonstatten gehen kann.

Freilich werden trotzdem noch Heldentaten mit Schusswunden begangen, und der Eindringling kann trotz des besseren Hörvermögens des erblindeten Mädchens derart leise neben ihr durchs Haus schleichen, dass sie es erst viel zu spät bemerkt. Aber letztendlich vergleicht man zum Thema Realismus Slasher mit Slasher, und da geht die Realitätsnähe im hier besprochenen Werk schon in Ordnung. Zudem zeigt bereits das zweitgenannte Beispiel, welches sich stark an die besten Momente aus "The Strangers" orientiert, dass zur Förderung des Spannungsbogens auch gerne mal auf Glaubwürdigkeit verzichtet werden kann. Das starke Beachten einer spürbaren Bedrohung bedeutet freilich zeitgleich eine weniger starke Zuwendung zu dem Bereich der Brutalität, die in dieser Gattung Horrorbeitrag für viele Filmfreunde immerhin ein wichtiger Faktor ist. Zwar scheut Schenkman auch keine harten Bilder, aber sie treten selten in Erscheinung und sind verglichen mit den Blutbädern der Konkurrenz kaum der Rede wert.

Umso mehr erfreut es, dass mal wieder wer den Kurs eines "Cold Prey" einschlägt, sprich sich auf die Stärken von Carpenters "Halloween" konzentriert und somit auf den Spannungsbogen anstatt auf ein plumpes Schlachtfest abzielt, immerhin sind diese Beiträge in der Masse an Slashern rar gesät. Warum man erzähltechnisch auch bei solchen Ausnahmen trotzdem immer wieder auf die unnötigen Einführungsszenen baut, die eine parallele Tat der Hauptereignisse im Schnellverfahren abliefern, meist um den ungeduldigen Zuschauerpart zu befriedigen, will ich in einem Film wie dem hier besprochenen nicht verstehen, der doch einzig auf die hier erzählte Nacht baut, keinen persönlichen Zusammenhang zwischen beiden Szenarien aufbaut und letztendlich für Freunde ruhig erzählter Stoffe gedacht ist. 

Aber was soll man bei solch sympathischen, wenn auch nicht bedeutendem, Ergebnis, über derartige Kleinigkeiten meckern? So charmant "The Night Before Halloween" auch ausgefallen ist, er ist schließlich kein Geheim-Tipp geworden, da er immer wieder mal kleine unnötige Ausrutscher bereit hält, wie z.B. die Frage warum man sich nach einer solch starken Orientierung an der blinden Teenagerin im letzten Drittel Phasen gönnt, in denen der Vater die Szenen dominiert und zur Identifikationsfigur wird. Konsequenter umgesetzt hätte der nett anzuschauende Film, eben wegen des vorhandenen Spannungsbogens, ein kleiner Leckerbissen werden können. Knapp vorbei bedeutet aber zumindest noch ein angenehmes Filmerlebnis.


Weitere Besprechungen zu The Night Before Halloween: 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen