03.01.2019

DON'T BREATHE (2016 Fede Alvarez)


Drei junge Einbrecher sehen ihre Chance an das große Geld zu kommen, als sie von einem reichen, blinden Mann erfahren, der ganz allein in einer Geisterstadt-artigen Siedlung wohnt. Sein Hund ist schnell ausgeschaltet, aber kaum drin wird der Blinde selbst zur Gefahr. Der ist nämlich ein hartgesottener Kriegsveteran und hat das Haus derart gekonnt abgeriegelt, dass ein Entkommen kaum möglich ist. Mit Heimvorteil für den Hausbesitzer und bei wenig Licht bleibt den Eindringlingen nichts anderes übrig, als sich möglichst leise zu verhalten, denn der alte Mann geht mit aller Härte gegen seine Feinde vor...


Stinkeschuhe ja, Stinkefüße nein...

Eine interessante Ausgangslage weiß "Don't Breathe" zu bieten, jedoch auch eine solche, die einen Regisseur benötigt, der es weiß gekonnt die Spannungsschraube anzuziehen und möglichst subtil vorzugehen. Und nach dem Sichten des dauerhaft monoton blutigen Langeweilers "Evil Dead" darf man zunächst zurecht daran zweifeln, ob Regisseur Fede Alvarez der richtige Mann für das erneut von Sam Raimi produzierte Projekt ist. Recht schnell sind beim Sichten des Streifens jedoch sämtliche Sorgen über Bord, weiß der Erzählstil doch von Anfang an zu gefallen. In einer Situation, in der es weder Gut noch Böse gibt, wird der Blinde in seinen ersten Auftritten hervorragend umgesetzt und weiß tatsächlich zu beängstigen. Aufgrund seiner brachialen Vorgehensweise und einiger gelüfteter Geheimnisse um seine Person wird er zwar zu einer etwas arg Comic-artigen Bedrohung, quasi zum typischen Aggressor eines Horrorfilmes, aber das geht in Ordnung. Denn die erhoffte Subtilität ist in "A Man in the Dark" (Alternativtitel) ohnehin nicht vorhanden. Im Gegenzug wird der Streifen jedoch auch nicht zum Schlachtfest, auch in seinen härteren Szenen, so dass man das Ergebnis als gut gewähltem Mittelweg zwischen Stimmung und Mainstream bezeichnen kann.

Der Plot erinnert ein wenig an Cravens umstrittenen "Das Haus der Vergessenen" und einer Umkehrung der Idee aus dem zwei Jahre zuvor erschienenen "Late Phases", in welchem ein blinder Veteran sich der Gefahr eines Werwolfes stellen musste. Glücklicher Weise ertränkt man die Charaktere nicht in all zu viele Klischees, so dass die Frage nach der Ehre eines Soldaten nicht umrissen wird. "Don't Breathe" ist weder idealistisch, noch moralisch und will einfach seine etwas arg konstruierte Ausgangssituation bestmöglich nutzen. Wie gut sich wer Blindes in seinem eigenen Heim zur Wehr setzen kann, bewies bereits Audrey Hepburn fünf Jahrzehnte zuvor in "Warte, bis es dunkel ist", und Alvarez' Film treibt dessen Finale in Umkehrung der Identifikationsfigur auf die Spitze, gekonnt wie ich finde, ist der Film doch trotz mangelndem Gespürs für wahren Nervenkitzel durch Stille, angenehm spannend umgesetzt, auch wenn das Drehbuch stets um Action bemüht ist, anstatt dem Plot auch gelegentlich wahre Ruhephasen zu gönnen.

Freilich kann man negativ anmerken, dass die Verantwortlichen des Streifens etwas zu viel Wert auf das gute Gehör des Blinden gelegt haben und seine anderen Sinne, insbesondere den Geruchssinn, vernachlässigen. Hier kommt dem Film dann doch der hohe Grad an Ereignissen zu Gute, stiller umgesetzt hätte dieses Makel wahrlich kontraproduktiv gewirkt. Gut fotografiert, stimmig und spannend erzählt und von den Darstellern ordentlich genug verkörpert, um die jeweiligen Rollen als glaubwürdig anzunehmen, lässt sich "Don't Breathe" angenehm und wirksam zugleich schauen. Aufgrund der Kontaktlinsen für den Erblindungseffekt des Hausbesitzers und aufgrund dessen wie er teilweise phantomhaft wie Michael Myers, dann wieder brachial wie Jason in Szene gesetzt wird, wird aus einem Mann, ohne übernatürliche Elemente einzusetzen, ein wahres Filmmonster. Das wird mancher Moralist sicher wieder als behindertenbeleidigend empfinden, so wie es bei Werken wie "Das Kabinett des Schreckens" einst der Fall war, aber solchen Leuten darf man ohnehin kein Gehör schenken.


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