25.01.2020

SPIDER-MAN (2002)

Teenager Peter Parker wird während eines Schulausflugs von einer von der Wissenschaft neu kreierten Spinnenart gebissen und hat von da an diverse Fähigkeiten, die auch eine Spinne besitzt. Nachdem durch sein Mitverschulden Onkel Ben stirbt, der für Peter wie ein Vater war, beschließt er seine übernatürliche Kraft für das Gute einzusetzen. Als maskierter Verbrecherjäger schwingt er sich mit seinen Netzen durch die Stadt und klettert Häuserwände hoch. Der Sinneswandel kommt zum richtigen Zeitpunkt, denn ein nach einem Selbstversuch durchgedrehter Großunternehmer macht mit einem selbstentwickelten Fluggerät und diversen Waffen als grüner Kobold verkleidet die Stadt unsicher. Nur Spider-Man kann ihn aufhalten...

Über Kraft und Verantwortung...

Hätte man mich gefragt, aus dem Kopf heraus hätte ich das Erscheinen des ersten für das Kino produzierten "Spider-Man" auf zwei Jahre zuvor geschätzt. Kein Wunder dass es einem länger vorkommt, folgten ihm doch nach zwei Fortsetzung bereits zwei weitere Neuansätze der Reihe mit bislang vier weiteren Filmen. Ich mag sie fast alle, und auch Sam Raimis Erstling halte ich für eine sehenswerte Angelegenheit. Man mag dem Film vielleicht vorwerfen, dass er nicht gerade mit einer ausgetüftelten Geschichte daher kommt, sondern stattdessen sehr klassisch strukturiert erzählt ist. Das ist meiner Meinung nach jedoch kein Schwachpunkt des Filmes, sondern ganz im Gegenteil die richtige Entscheidung, lebt dieser erste Teil der Trilogie doch u.a. davon überhaupt erstmals ausgereift zeigen zu können, wofür die Kraft Spider-Mans steht. Wie er sich über die Hochhausschluchten schwungvoll hinweg bewegt, gefolgt von einer ebensolch schwungvoll scheinenden Kameraführung, war seinerzeit eine wahre Wucht und weiß noch heute zu gefallen, trotz manch offensichtlicher Computeranimation. Die Schnelligkeit, mit welcher der Held loslegen kann, ist revolutionär genug als Innovation, ordnet sie sich doch nicht den Sehgewohnheiten des Zuschauers unter, stattdessen muss dieser mit dem Tempo und der Fortbewegungsart Spider-Mans optisch mithalten können. Da dient eine inhaltliche klassische Erzählung als eine Art angenehmer Ruhepol und als Möglichkeit trotz aufwändiger neuer Technik klassische Kino-Magie auszustrahlen.

Dass "Spider-Man" auch dies einzufangen vermag, liegt mitunter an einer sympathischen Besetzung in den wichtigsten Rollen und daran, dass es das Drehbuch schafft die vielen Ansätze innerer Zerissenheit des Protagonisten für den Zuschauer mitempfindbar einzubauen, zumal dieser an der Entstehung dieser Gefühlsdilemmas teilnimmt. Peter Parker ist kein hohles Gefäß, wie uns die klassische Strukturierung der Figuren innerhalb der Durchschnitts-Geschichte zunächst vermuten lässt. Sein Doppelleben findet innen, wie außen statt. Freunden und Familie kann er nicht die Wahrheit sagen, Schuld und Verrat lassen ihn leiden. Und seine große Liebe zur Mitschülerin Mary Jane kann er nicht ausleben, da er sein Geheimnis hüten muss, um sie zu schützen. Klassisches Helden-Ehrempfinden trifft auf jugendliche Flappsigkeit, in einer Inszenierung, die Raimi ohnehin nicht frei von Humor umsetzt. So werden Leichtfüßigkeit, nachvollziehbare Emotionen und tolle Spezialeffekte zu einem gut funktionierenden Motor üblicher Geschichtenerzählung, so dass ein aufregender und aufwühlender Wohlfühlfilm entstanden ist, der gerade deshalb so gut ist, weil er Kino nicht neu erfindet, sondern klassisch lebt.

Aufgrund einer recht ausführlichen Durchleuchtung der neuen Fähigkeiten und der damit einhergehenden neuen Lebenssituation Parkers, tut es zudem gut, dass dem Bösewicht nicht übermäßig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Verglichen mit anderen Gegnern Spider-Mans und seiner Konkurrenz, ist der grüne Kobold gar ein richtiger Waschlappen, ein weinerlicher Rächer mit geisteskranker Neigung für Gewaltmomente. Er ist somit ein perfekter Gegner für den Anfang, als Übung für kommende Superschurken. Wirksam ist er jedoch, als einzig nennenswerter Schwachpunkt des Streifens, nicht eingesetzt. Sein Herumgehampel im blöde ausschauenden Anzug erinnert eher an die ollen "Power Rangers" und ihre japanischen Vorbilder, und Willem Dafoes Overacting fand ich auch eher lästig, anstatt den Comic-Charakter des Filmes unterstützend. Zumindest sind die Kampfsequenzen zwischen beiden recht ordentlich umgesetzt, und die soziale Dynamik, die ihre Feindschaft in die Gänge bringt, unterstützt "Spider-Man" wieder an der richtigen Stelle, nämlich im Herzen des Streifens, in der Gefühlswelt der Figuren. So darf der Film auch in den schwächeren Momenten von dieser zehren. Der Herzschmerzbereich und die Komik des Entdeckens der neuen Fähigkeiten, sowie das abenteuerliche Verbrecherjagen, gehören ohnehin zu den wahren Höhepunkten und Wichtigkeiten der Geschichte, nicht der Konflikt mit dem Gegner. Der wird eingebaut, weil sich das so gehört und weil er uns aufregende Momente beschert. Am Ende bleiben jedoch eher Momente, wie der legendäre Kopfüber-Kuss, in Erinnerung, oder die unglaublich traurige und mitreißende Schluss-Szene am Friedhof - eben die großen Gefühle, anstatt die Action - im besten Fall bei genügend kindlichem Gemüt aber auch beides.  OFDb

2 Kommentare:

  1. Der erste Spiderman ist mir immer noch der liebste...

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    1. Schön, dass Du das auch so siehst. Die meisten im Netz scheinen ja Teil 2 zu bevorzugen.

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