11.10.2020

STREET TRASH (1987)

Ein Spirituosenhändler stößt im Keller seines Ladens auf eine alte Kiste Fusel und verkauft diese günstig an die Obdachlosen seiner Gegend, nichts ahnend dass all jene, die davon trinken, qualvoll dahin schmelzen...

Ein Drink zum Dahinschmelzen... 

Die einzige Regie-Arbeit von Kameramann J. Michael Murro kommt ohne große Umschweife schnell zu seinem Hauptanliegen, den schmerzlich schmelzend sterbenden Menschen, und setzt ihr schwarzhumorig dargebotenes Ableben in sympathisch trashigen Farbmatsch-Effekten in Szene. Der erste Tote bekommt gar jenen knuffig-fiesen Kreatureneffekt auf der Toilette beschert, der zum Aushängeschild des kostengünstigen Independentfilms wurde, der innerhalb des Horror-Genres zu einer Semi-Berühmtheit wurde. Abgesehen von "Slime City" bietet das Sub-Genre der schmelzenden Menschen meiner Meinung nach keine guten Beiträge. "Der Planet Saturn lässt schön grüßen" strotzt nur so vor Langeweile, und "Body Melt" kommt unerträglich in seinem überzogenen Umgang mit Rednecks daher. "Street Trash" hingegen hinterlässt zunächst einen sympathischen Eindruck, weiß mit Charakterzeichnung, Darstellerwahl und Kostüm zu gefallen und gewinnt an Substanz und Rahmen durch seinen kreierten Mikrokosmos innerhalb der Obdachlosen-Szene. Liebevoll zeigt man den Umgang untereinander, die Wohnverhältnisse, das Einkaufsverhalten, die Taktik seine Defizite halbwegs professionell beim Beschiss einsetzen zu können und ähnliches. Man erzählt von Schichten innerhalb dieser untersten Schicht, von Freundschaft, Betrug (auch innerhalb von Freundschaften) und lässt selbst den Sex auf anarchistisch freche Art nicht zu kurz kommen und pfeift in all diesen Punkten auf Korrektheit. 

Das Anecken an Seh- und Denkgewohnheiten gehört zum Hauptkonzept. Doch irgendwann verliert sich diese als Rahmen dienliche Vertiefung in immer intensiver verfolgte Nebenszenarien. Das Hauptaugenmerk verliert sich zu sehr in diesen, und die Erzählkraft verliert ihre Stärke. Hinzu gesellt sich ein immer stärker durchschallender Ton zunächst strategisch gut portionierter alberner Komik, der fast schon den unangenehmen Gehalt der schlechteren Troma-Werke erreicht, zwar meist immer noch die Kurve kriegt, dem bislang erreichten charmanten Ergebnis jedoch trotzdem schadet. Somit rutscht "Street Trash" mit der Zeit immer mehr in die Austauschbarkeit ab, sofern man das bei diesem Querschläger von Film überhaupt so nennen kann. Die Geduld des Zuschauers schwindet dahin, es wächst immer mehr der Eindruck, dass "Street Trash" als Kurzfilm, oder zumindest 30 Minuten kürzer umgesetzt, besser ausgefallen wäre, als in dem leider auf über 90 Minuten aufgeblähten Zustand, in welchem er schließlich abgeliefert wurde. Immer mehr wird er zum Achselzucken, bis er schließlich in meiner Erinnerung vergessen sein wird.  OFDb

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