Donnerstag, 18. Oktober 2012

DEAD EYES OPEN (2007 Ralf Möllenhoff)


Urlaub ohne elektronische Geräte und solange fahren bis der Sprit alle ist. Nach diesem Motto fährt eine Gruppe Teenager zum Campen ins Grüne, nichts ahnend dass auf dem Land Tote Menschen auferstehen und die Lebenden verspeisen. Die Gruppe trennt sich, man findet an verschiedenen Orten Zuflucht, oft auch den Tod...


Das Landleben macht Tote munter...

Hört man das Subgenre Zombiefilm in Zusammenhang mit den Worten Amateurfilm und Deutschland, so ist meist Vorsicht geboten, darf man doch meist an Gedärm kauende Monster sichten, die in billigen Tricks zu Hardrockmusik ihre Opfer verspeisen. Aber es gibt Lichtblicke aus deutschen Landen, und ein solcher scheint Regisseur Ralf Möllenhoff zu sein, zumindest ist es seine zweite Regiearbeit „Dead Eyes Open“.

Es ist nicht so, dass man hier um die nervigen Innereienfressereien umhin käme. Sie werden jedoch nicht zum Mittelpunkt des Streifens. Dennoch muss man Möllenhoff vorwerfen, dass er manches mal die Kamera zu lange auf den Untoten-Imbiss drauf hält.

Die Spezialeffekte sind schnell durchschaubar, ohne professionell zu wirken jedoch brauchbar. Das Zombiedesign schwankt zwischen viel zu weiß angemalten wandelnden Toten (Clowns?) und manchen recht gut zurecht gemachten Zombies. Meist treten sie ohnehin im Dunkeln auf. Das mag ein Trick sein um optisches Unvermögen zu verstecken, da Möllenhoff den Bereich des Gruselns jedoch nicht vernachlässigt, kann man nicht schimpfen.

Nur wenige male wird es selbst für meinen Geschmack zu düster, aber die Beleuchtung ist ohnehin immer ein schwerer Bereich im Amateurfilm. Wo es am Licht noch hin und wieder hapern mag, da weiß Möllenhoff zumindest auf anderen Wegen zu punkten. Wie gerade erwähnt wäre da der Gruselgehalt zu nennen, ein Bereich der eigentlich immer im deutschen Amateurfilm vernachlässigt wird (der Kurzfilm „Evil Puppets“ war eine gelungene Ausnahme). Hier zieht der Regisseur alle Register.

Mal darf die Musik aussetzen (Stille ist immer ein Pluspunkt beim Spannungsaufbau), mal wird rhythmisch getrommelt, ohnehin ist der Film mit stimmiger Musik unterlegt. Die auf dem Cover erwähnte Band Abwärts spielt kurz den Vorspann ein und darf im Abspann mit einem tollen Punksong den Film abschließen, innerhalb des Streifens belässt es Möllenhoff jedoch bei passenderer Musikuntermalung, denn die Atmosphäre und der Spannungsgehalt sind ihm ebenso wichtig wie die Nähe zum Zuschauer, der sich in die Situationen hineinfühlen soll.

Damit dem Horrorfan gruselig wird, wird auch gerne mit plötzlichen Geräuschen geschockt. Auch optisch gibt es im Gruselbereich manchen Leckerbissen, beispielsweise die durch das Schweinwerferlicht des Autos angelockten Zombies, die aus dem Dunkeln in das Licht treten, wobei man einen Übergang beobachten darf, wie die Untoten immer besser zu erkennen sind. Im leicht erhellten Zustand wissen sie am besten zu wirken.

Manch einer mag gegen seinen Fernseher hauen, wenn sich das Bild verändert. Möllenhoff setzt nicht nur inhaltlich auf Old School-Horror, sondern drehte sein Werk auch auf Super 8. Hierbei arbeitet er mit verschiedenen Super 8-Kameras, mit dabei ist auch ein altes Modell, das ohne Ton drehte. Möllenhoff legt den Sound jedoch drüber, und da gibt es nichts zu meckern, der Ton passt zu den Szenen wie in jeder anderen Sequenz auch.

Negativ wirkt akustisch lediglich die Gastszene mit Regisseur George A. Romero, der für ein paar Sätze als Wissenschaftler in einer Nachrichtensendung auftreten darf. Er musste als Mann der englischen Worte natürlich synchronisiert werden, und da wurde recht unmotiviert und schlecht betont geplappert. Wirklich gravierend ist das ganze ohnehin nicht, denn die Nachrichtenszene wirkt nicht echt und George A. Romero erweist sich als der untalentierteste Schauspieler von allen Laien. Auf mich wirkte er auch ein wenig senil, mag sein dass er auch nicht mit Herzblut dabei war. Aber scheiß egal, für Möllenhoff muss es eine große Ehre gewesen sein, dass der Vater des modernen Zombiefilms überhaupt mitgemacht hat. Seinen Stolz wird ihm jeder Horrorfan nachfühlen können.

Bleibt nur zu sagen, dass „Dead Eyes Open“ endlich mal ein toller Zombiestreifen aus dem deutschen Amateursektor ist, der sich besonders durch zwei Punkte sympathisch macht: er weiß Gruselstimmung aufzubauen und er möchte eine Geschichte erzählen. An letzterem muss Möllenhoff jedoch noch arbeiten, denn manchmal gibt es Sprünge in der Handlung, bei denen es schwer fällt sich neu zu orientieren.

Auch logisch gibt es manches Manko, dass mal eben nicht so unter den Teppich gekehrt werden kann wie manch verzeihliche Logiklücke. So klingt es in den Nachrichten so, als sei die Epidemie auch bis zu den Städten vorgedrungen, dann wird sie wieder aufs Landleben reduziert, da habe es die Untotenplage schon länger gegeben. Mal verändert sich die Welt innerhalb von zwei Tagen, mal scheint es so, als ob die Sache noch locker einzugrenzen wäre. Warum man in Ruhe zombiebezogene Gesetze auf dem Land verordnet, wenn die Situation doch langsam über die Dorfgrenzen hinaus überhand nimmt wurde zumindest mir nicht klar. Mag sein dass ich da etwas nicht kapiert habe, ich habe aber den Eindruck dass da im Film selbst der Wurm drin ist.

Aber auch das ist mir egal. Denn „Dead Eyes Open“ ist ein Amateurfilm, und Amateure dürfen nicht nur fleißig üben, sie dürfen auch Fehler machen. So lange die nicht am Unterhaltungswert oder an der Aussage knabbern, die ein Film machen will, ist es mir halbwegs egal. Ich war von Möllenhoffs Film auf jeden Fall angenehm überrascht und freue mich auf eventuelle zukünftige Projekte.


Trailer,   OFDb

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