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09.05.2024

EXTREMELY WICKED, SHOCKINGLY EVIL AND VILE (2019)

Der neue Freund der alleinerziehenden Liz, scheint ein echter Glücksfall zu sein. Als er jedoch ins Visier einer landesweiten Suche nach einem Mehrfachmörder gerät und es der Anschuldigungen und Indizien immer mehr gibt, beginnt sie an der Unschuld von ihm zu zweifeln...

15 Jahre Selbstvorwürfe...

Filme über Serienkiller, die wirklich existierten, sind für mich immer so eine Sache für sich, wird man doch meist zum Voyeur von etwas Abscheulichen, während die Produkte, die sich als informativ verkaufen wollen, eher reißerischer Natur sind. Joe Berlinger, der schon mit "Blair Witch 2" einen unerwarteten Kurs bewies, schafft mit "Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile" ein Werk über den seiner Zeit zum Popkultur-Phänomen gewordenen Massenmörder Ted Bundy, das nicht nur reflektiert und frei von reißerischen Elementen erzählt ist, sondern auch mit dem was er will eine Existenzberechtigung besitzt, einen Mehrwert, so dass dessen Sichtung zu etwas Nützlichem wird, anstatt einfach nur zur geistfreien Unterhaltung oder Mutprobe, wie so oft bei Werken zu wahren, äußerst brutalen Taten. Ted Bundy kennt man, selbst wenn man sich mit dem Thema Serienkiller nicht beschäftigt. Ich wusste wenig über ihn, nicht einmal wie extrem abscheulich seine Taten waren, und dass sein Fall seinerzeit medial sogar im Gerichtssaal übertragen wurde, er sich selbst immer wieder vor laufenden Kameras äußerte, und dass junge Frauen den Mann, aufgrund seines Charmes und seiner sexuell aufreizenden Erscheinung, selbst in der Spätphase vor der Verurteilung anhimmelten, für unschuldig hielten und/oder das Spiel mit dem Feuer, dem Verbotenen mochten. Es bildeten sich Gruppen verliebter Mädels vor und im Gerichtssaal, der Narzisst lebte seine Tarnung mit den Kameras über das direkte Umfeld hinaus aus. 

Und genau um diese Maskerade, diese Erscheinung, die Ahnungslose immer wieder um den Finger wickelt, geht es. Der Clou an dem nach einem Richterzitat benannten Drama ist der, dass wir, abgesehen von einer ganz kurzen Sequenz gegen Ende, nie die Taten des berüchtigten Serienkillers sehen, sondern nur sein angeblich braves Ich, welches er seinem privaten Umfeld, sowie den Polizisten, Richtern und medial der ganzen Welt, als unschuldig verkaufte. "Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile" macht, gerade durch den Umstand, hier einem realen Fall beizuwohnen, das zur Praxis, was Werke wie "Summer of 84" nur in der Theorie, in ihrem Schlussfazit äußern können: du kannst das Böse nicht erkennen, es gibt sich nach Außen harmlos. Es kann dein Nachbar sein, dein Lebenspartner, er ist nach Außen nicht die Bestie, wie uns "Der Untergang" selbst am Beispiel Hitlers deutlich machte. Gerade der Narzisst unter den Psychopathen ist hervorragend getarnt, die Unschuld vom Lande, und deshalb gibt es derart viele Fälle, Fälle die nicht immer so mörderisch und extrem ausfallen wie am Beispiel Bundys zu erleben, aber dennoch Opfer hervorbringend, die in Therapie müssen. Der hier besprochene Film ruht sich jedoch nicht nur damit aus uns lediglich der Tarnung Bundys beizuwohnen, mit seinem Stilmittel der flotten Inszenierung, die regelrecht unterhält und kurzfristig auch belustigende Momente beinhaltet, verführt er zudem den Zuschauer. Man kennt den Namen Bundy, weiß er ist ein Killer, aber wer sich nicht gerade sehr gut in der Materie dessen Taten auskennt, könnte in einigen Momenten einen Justizirrtum vermuten, trotz all des Wissens zum Namen Ted Bundy vor dem Film sitzend. Wir können Zweifel bekommen, denn wir erleben weder Taten noch direkte Beweise, stets nur Anschuldigungen und Indizien. Dennoch ist es da, das ungute Gefühl, so wie wir meinen etwas Verdächtiges im Tun und der Art Bundys wahrzunehmen. Wer exakt hinschaut (wenn nicht, dann intuitiv anmutend) kann winzige Augenblicke wahrnehmen, in welchen man einen Blick hinter die Maske werfen darf. Ich selbst habe solche, wenige Momente erst beim zweiten Sichten bemerkt. 

Kurzum ist Berlingers Film ein Film der Warnung, ein Beweis für die perfekte Maskerade, die tückische Täuschung, und durch den Blickwinkel von Liz (nach deren Buchvorlage das Ganze verfilmt wurde) für das erschreckende Erwachen, dem man als Opfer ausgesetzt ist, selbst wenn man glimpflich davon kommt, eben weil das Monster neben einem, nicht wie ein solches aussah. Im Falle von Bundy war es ein verständnisvoller Liebhaber, ein intelligenter Jurastudent und ein Mann mit einem Herzen für Kinder. Dass man über den hier so fantastisch angewandten Filmstil der Verführung nicht nur fragwürdige Personen schmackhaft machen kann, sondern auch ein komplett fragwürdiges System, bewies anbei der völlig unterschätzte "Die Welle" von 2008. Wie nah "Extremely Wicked, Shockingly Evil und Vile" an den Tatsachen dran ist, zeigt ein Blick auf den Abspann, der uns die wirklichen medialen Aufnahmen auszugsweise von einst zeigt. Dennoch gibt es freilich interpretierte Momente, sowie angebliche Fakten, die nur durch Liz bezeugt werden können. Ob ihre Behauptung stimmt, Ted hätte ihr gegenüber, auf einer Glasscheibe geschrieben, Jahre später einen Mord gestanden, darf aber wohl angezweifelt werden, zumindest wenn die Situation wie hier im Film dargeboten stattfand. Sie wirkt, ist ein stark emotionaler Moment in diesem sehr geglückten Film, aber psychologisch will ein derartiges Verhalten nicht ins Muster eines Narzissten passen. Mit dieser wackeligen Szene hätten wir aber auch den einzigen Schwachpunkt des Filmes benannt - vielleicht noch mit Ausnahme der Besetzung des Staatsanwaltes Simpson, in welchem ich aufgrund des Mangels an optischer Entfremdung leider immer wieder nur Sheldon Cooper wahrnahm.  Wiki

03.12.2016

BEING JOHN MALKOVICH (1999)

Wer die Filme Spike Jonzes und Charlie Kaufmans kennt, der wird wissen, dass der kleinen Inhltsangabe ein Meer an Ideen folgt, ist es doch geradezu typisch für ihre Filme, dass sie Stoffe für etliche enthalten, nicht etwa weil sie ihre Werke überstrapazieren und ihnen keine Luft zum Atmen geben, sondern weil sie voller wundervoller und verrückter Ideen stecken, mit denen sie ihren Filmen Leben einhauchen. Für den Zuschauer werden diese Werke zu wahren Erlebnissen, und der geistreiche Zuschauer darf sich zudem daran erfreuen, dass die Autoren über eine analytische Beobachtungsgabe und über psychologische Kenntnisse verfügen, so dass jedes noch so groteske Szenario aus einem intellektuellen Verständnis und einem empathischen Mitgefühl geboren und begleitet wird.

Während Jonzes und Kaufmans reifere Werke „Her“ und „Vergiss mein nicht“ gefühlvoll erzählt sind, so dass der Zuschauer sich geradezu in ihnen verlieren kann, da orientiert sich der früher entstandene „Being John Malkovich“ noch hauptsächlich an seinem bizarren Grundszenario und die Wechselwirkung der Macht zwischen den Protagonisten. Angefangen mit kleinen Gimmicks, wie dem 7 1/2. Stockwerk, weitergeführt mit der eigentlichen Idee einer Tür in den Kopf Malkovichs, bis hin zur Frage was passiert wenn der Eigentümer besagten Kopfes durch besagte Pforte tritt, wird mit Ideen kreativ herumjongliert, so dass es für den Zuschauer so einiges zu staunen gibt.

Dennoch soll „Being John Malkovich“ kein bloßer Hinguckerfilm sein. Seine schrillen Attraktivitäten werden nicht einzig wie auf einem Jahrmarkt zur Schau gestellt. Die Geschichte nutzt diese kuriosen Geschehnisse um einen Blick auf eine recht tief charakterisierte Schar von Menschen zu riskieren, um zu sehen wie diese mit Macht umgehen. Wo Politkomödien sich mit wahrlich mächtigen Persönlichkeiten auseinandersetzen, da interessieren sich Kaufman und Jonez für den kleinen Mann, dem sie die Alltagslügen entziehen, indem sie hinter ihre Fassade schauen. Craig dominiert seine Ehfrau, während er selbst von seiner attraktiven Kollegin dominiert wird. Selbst der dusselig wirkende Chef wird von seiner Sekretärin dominiert. Im Laufe des Filmes kommt es aufgrund des Törchens zu Malkovichs Bewusstseins zu einem ständigen Wechsel darüber wer über wen Macht besitzt.

Für die Frage woher das Törchen kommt und ob jeder Mensch ein solches besitzt, interessieren sich die Autoren lange Zeit nicht, haben sie mit diesem Themenbereich, den andere Autoren viel früher belanglos verfeuert hätten, doch ganz eigene Pläne, die für die Geschichte und gerade auch für die Schlusspointe geradezu wichtig werden. Geistvoll, wie die pointensichere Groteske erzählt ist, orientiert sich dieser zunächst vernachlässigte Themenstrang an einer anderen Form von Macht und Gier, um auch deren Vielfältigkeit im Blick zu behalten. „Being John Malkovich“ grast viele Bereiche ab, vertieft sie, spielt mit ihnen, wirft sie wieder um, experimentiert mit ihnen, während andere für die Geschichte gar nicht mal so unwichtigen Elemente einfach rausgehauen werden ohne sie näher zu beleuchten. Das gibt dem an sich überraschend durchdachten Werk eine zusätzliche Schrulligkeit und somit einen weiteren Sympathiepunkt.

Wer Cameron Diaz in ihrer ungewöhnlichen Rolle erkennen möchte, der muss schon genau hingucken, ist „Being John Malkovich“ doch in ihrer mutigen Zeit entstanden, relativ zum ersten Hoch ihrer Karriere hin, als sie diese noch mit gewagten Rollen zu stürzen riskierte. Der Mut zur Hässlichkeit lässt sich hier nicht abstreiten, und wenn dann noch jegliche Öko-Eigenschaft, die ein naiver Charakter besitzen kann, von dieser guten Frau verkörpert wird, dann bleibt zunächst kaum noch ein sympathischer Aspekt an diesem Charakter übrig, was sich im Laufe der Zeit allerdings ändern wird, sind Kaufman und Jonze doch schließlich Magier ihres Fachs und schenken gerade dieser Rolle zum Ende hin die kleine Dosis Mitempfinden, die sie in den beiden oben erwähnten späteren Werken zum Mittelpunkt ihrer Erzählungen machen.

John Malkovich hingegen genießt es in den relativ wenigen Szenen, in welchen er Herr seiner Selbst sein darf, ein eigenes Klischeebild seines angeblichen Ichs zu zeichnen. Wo ein Bill Murray in „Zombieland“ und Bruce Campbell in "My Name is Bruce" verschmitzt einen eingebildeten, sich selbst liebenden Schauspieler aus sich machten, da geht Malkovich subtiler vor, zeigt die hoch intellektuelle Variante wie sich mancher Tunnelblickdenker den Charakter erfolgreicher Theatermimen vorstellen, eine Idee die von den Verantwortlichen der deutschen Synchronisation auch bestens verstanden wurde, und kreiert aus seinem Phantom-Ich den reinen Künstler mit feiner Etikette im Auftreten, intellektuellem Interessengebiet und pingeligster Vorstellungskraft dessen was er möchte.

Jeder weitere Schauspieler macht seine Sache ebenso gut wie die beiden von mir hervorgehobenen Persönlichkeiten. Auch der oft ähnlich spielende, mir aber immer sympathische, John Cusack wird diesmal geradezu herausgefordert mit seiner Figur zu spielen und schauspielerische Grenzen auszuloten. Ihm wie all den anderen sieht man die Spielfreude an, die am Set, trotz aller zwingender Maßen erforderten Konzentration und Professionalität, geherrscht haben muss. Kein Wunder, das einfallsreiche Drehbuch hat viele interessierte Mimen gelockt, ob in Gastauftritten oder in Hauptrollen. Für eine Geschichte wie diese wurde das Medium Kino überhaupt erfunden.  OFDb

02.08.2016

SHADOW OF THE VAMPIRE (2000)

Vielleicht spricht es nicht unbedingt für die Qualität von „Shadow of the Vampire“, dass er immer dann am beeindruckendsten ausgefallen ist, wenn er in Schwarz/Weiß gehalten sehr exakt den Original „Nosferatu“ zitiert. Aber genau das macht sehr deutlich welchen Meilenstein Murnau in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts geschaffen hat, zählt das stumme Frühwerk doch noch immer zu Recht zu den besten Filmarbeiten die es je zum Thema Vampirismus gegeben hat. Dementsprechend ist der hier besprochene Film von E. Elias Merhige als Verehrung und Verbeugung vor dem Klassiker gedacht, und auch wenn der Regisseur vielleicht manches Mal etwas zu anbetend aus dem Original ein optisches Zitat nach dem nächsten setzt und dabei fast sein eigenes Werk aus den Augen verliert, so weiß seine augenzwinkernde Hommage doch trotzdem zu gefallen.

Interessante Weise wurde das Thema trotz der dazu einladenden Grundlage nicht als Komödie umgesetzt. Verschmitzt ist „Burned to Light“ (Originaltitel) durchaus erzählt, ein unterschwelliger Humor schleicht sich immer wieder fast unsichtbar ein, aber an sich verfolgt der Autor Steven Katz die Idee ernsthaft. Er stellt Murnau als fanatistischen Künstler dar, der bereit ist wirklich alles für eine authentische Umsetzung zu tun, was gerade im Finale deutlich wird, wenn er unbeeindruckt von der Tragödie um ihn herum weiter dreht, auch wenn ein Plan sich vor Schreck abzusichern scheitert, was ihm bei Gelingen eine Art ethische Rückversicherung beim Publikum beschert hätte. Aber hier wird nun endgültig klar dass tatsächlich kein Gewissen und kein Mitgefühl vorhanden ist, eine Gefühlskälte die auch inszenatorisch auffällt, so dass sich das theoretisch vorhandene Genre Drama keineswegs beim Sichten so anfühlt.

Es mag sein dass dies ein eben solcher Inszenierungsfehler ist wie der Eingangs erwähnte, er bringt „Shadow of the Vampire“ jedoch nicht zum scheitern. Vielleicht liegt es daran, dass der von Nicolas Cage produzierte Film von der Spielfreude seiner Darsteller lebt, die es sichtbar mögen übertreiben zu dürfen, an der Dramaturgie des Stoffes liegt es jedenfalls nicht, darf sich doch so ziemlich jede Figur der Geschichte überhaupt nicht weiterentwickeln. Der Film schließt wenn Nosferatu zu Ende gedreht ist. Dafür ob da nun jemand auf das Geheimnis von Schreck stößt oder nicht interessiert sich die Geschichte kein bischen. Und über diese Gleichgültigkeit wird man automatisch an das Spiel Malkovichs und Dafoes gefesselt, die zwei Egomanen spielen, von Trieb, Gier, Visionen und Selbstverliebtheit getrieben, die sich ständig duellieren, so als dürfte man Klaus Kinski und Werner Herzog bei einer ihrer ständigen Kabbeleien zusehen, bis es schließlich zu einem Moment kommen muss, in welchem der eine über den anderen dominiert.

Daraus ergibt sich eine eigene Dynamik, die jeden theoretischen Schwachpunkt des Streifens irrelevant werden lässt, da dieser Motor, gestützt von der Detailtreue zum Originalwerk, dem authentischen Wiedererwecken einer vergangenen Zeit und der charmanten Idee Max Schreck wäre tatsächlich ein Vampir gewesen, „Shadow of the Vampire“ das besondere Etwas beschert. Von einem Meilenstein würde sicherlich niemand sprechen, aber Merhige ist, ob nun durch Zufall oder mit voller Absicht, ein interessanter Film geglückt, der auf ganz andere Art funktioniert als man es erwarten würde. Selbiges gilt für den Handlungsablauf und das tatsächlich vorgelegte Genre.

Denn wie bereits erwähnt hätte man eigentlich eine Komödie erwartet, zumal es die Verantwortlichen des Streifens lieben diverse Szenen des Originals dem Umstand zuzuschreiben, dass ein Vampir beim Dreh unkontrollierbar ist und die besten Momente aus „Nosferatu“ improvisiert abgefilmt wurden, da sich der Blutsauger nicht an Vereinbarungen hielt. Humorlose Menschen würden dies sicherlich nicht als Verbeugung vor Murnaus Talent betrachten, gerade in Anbetracht dessen dass er zudem charakterlich völlig negativ gezeichnet wird. Aber „Shadow of the Vampire“ will lediglich ein schelmisches Gedankenspiel sein, und da schließt das eine das andere nicht aus.  OFDb

06.03.2013

JOHNNY ENGLISH - DER SPION, DER ES VERSIEBTE (2003)

Da keine Alternativen vorhanden sind, wird der bisher unterforderte und zum Chaos neigende Agent Johnny English auf einen brisanten Fall angesetzt. Ein prominenter Franzose hat es auf die Kronjuwelen und den Thron von England abgesehen. Johnny muss ihn aufhalten...
 
Agent Bean...
 
Es ist erstaunlich wie gut "Johnny English" funktioniert, wenn man bedenkt wie viele Witze Rohrkrepierer oder schlichtweg vorhersehbar sind. Das sind so einige! Immerhin gibt es aber auch einige nette Schmunzler und vereinzelt sogar den großen Lacher (z.B. das Phantombild eines angeblichen Täters nach Englishs Beschreibung, die Verfolgungsjagd mit einem Abschleppwagen und deren Ende auf einem Autoanhänger).

Die vielen etwas zu gewollten Witze werden großteils überspielt von Atkinsons herausragendem, mimischen und komödiantischen Talent, dem Stile der Schauspielleistung Pastewkas im ersten "Der Wixxer" ähnlich. Die Rolle des English (talentlos, uneinsichtig, aufgeblasen, Fehler nicht zugebend) erinnert hingegen an Steve Martins Rolle in "Der rosarote Panther". Was dort mit Peinlichkeiten und einer Fehlbesetzung gescheitert ist, trägt hier Blüten. Das mag mitunter daran liegen, dass der Charakter des English in seltenen Fällen auch mal Talent durchfunkeln lässt.

Ein ebenfalls hervorragendes Spiel bietet John Malkovich in einer sehr comichaft angelegten Rolle. Aber da stehen ihm die Bösewichter aus den Bond-Filmen, die einem nach Sichten von "Johnny English" als erstes in den Sinn kommen, in nichts nach. Ihm kauft man den lässigen Franzosen in all seinen am Rande eingebrachten Eigenarten komplett ab. Seinen stillen Höhepunkt erreicht die Rolle meiner Meinung nach in der Sitzhaltung in jener Szene, in der English glaubt ungehört im Hauptquartier der Bösen einen Angriff planen zu können. Diese Körperhaltung gepaart mit der arrogant gelangweilten Mimik Malkovichs sorgt für einen köstlichen Lacher.

Den überschätzten britischen Humor trifft man hier selten an. In seiner Erscheinung hätte das Werk genau so gut aus Amerika stammen können. Das ist in diesem Falle ausnahmsweise nichts negatives. Und wundersamer Weise funktioniert hier sogar der Fäkalhumor, der sich an einigen wenigen Stellen eingefunden hat. Nun ist Fäkalhumor auch nicht immer Fäkalhumor, die Art wie er inszeniert wird ist entscheidend, und allein wie English nach dem Spruch "Stellen sie sich nicht so an, ist doch nur ein bisschen AA" unter die Dusche gezerrt wird, ist das Einbringen dieser ungeliebten Komik schon wieder wert.

Sehr glaubhaft ist die Geschichte nicht. Die Grundsituation erinnert an "King Ralph" und viele Gags zünden nicht. Dennoch ist "Johnny English" ein kurzweiliger Vertreter der Gattung Agentenfilm-Parodie geworden, der mit seinen Stärken weiß, wie er die Negativseiten wieder wett macht. Er ist wesentlich unterhaltsamer und kurzweiliger als der neue "rosarote Panther" und als der maue "Agent 00" mit Leslie Nielsen.  OFDb

04.02.2013

MUTANT CHRONICLES (2008)

In der Zukunft wird die Erde von Großkonzernen beherrscht, die gegeneinander Krieg führen. Eine vergessene Maschine aus dem Weltall wird unter der Erde wiederentdeckt, ein Apparat der Menschen in Mutanten verwandelt. Während jene, denen es möglich ist, den Planeten verlassen, geht der Mönch Samuel mit einem Trupp harter Männer und Frauen los, um den Untergang der Menschheit zu verhindern...

Anspruchsloseste Kost...
 
„Mutant Chronicles“ gehört mit zu den dümmsten Filmen, die ich seit langem gesehen habe. Die Geschichte wird ungeduldig vorwärts getreten, alles wird viel zu früh verraten, alles wird doppelt und dreifach erwähnt, damit man es auch ja begreift, und alles ertrinkt im Sumpf an Klischees und Heuchelei. Die Mutanten sehen recht billig aus und erinnern stark an die Viecher aus „Webs“. Ansonsten kann man über die Tricks nicht meckern. Sie sind halt computeranimiert und in düstere Bilder getaucht, trotz alledem bleiben sie aber völlig wirkungslos und stumpf. Aber so muss man sich wohl auch das Zielpublikum vorstellen: stumpf. Denn nur mit völliger Ignoranz in Sachen Logik und Ethik lässt sich das Filmchen gucken.

Da werden fragwürdigste Helden mit fragwürdigsten Taten gezeigt, das ganze wird angereichert mit jeder Menge Blut, Goreszenen aus dem Computer, die nur dafür da sind, voyeuristische Geilheit an eben solchen Bildern zu befriedigen. Auch ich mag Goreeffekte, am liebsten handgemachte. Wenn diese aber im Zusammenhang mit einer, wie in „Mutant Chronicles“, fragwürdigen Ideologie stehen, kann man ruhig mal die Seiten wechseln. Klar, eine fragwürdige Ideologie wurde auch schnell und dumm bei Werken wie „Starship Troopers“ diagnostiziert, aber irgendeine Form von Satire will mich im hier besprochenen Film einfach nicht anspringen, als dass ich diesen Vorwurf fallen lassen könnte.

So ziemlich alles was man zu sehen bekommt ist dumm. Eine der wenigen Ausnahmen bildet die Idee, dass in naher Zukunft Konzerne die Welt regieren werden. Neu ist das alles allerdings auch nicht. Bereits in „RoboCop“ wurde damit gearbeitet, und wer mit offenen Augen das Weltgeschehen verfolgt, braucht nicht bis drei zählen zu können, um dies als eine mögliche Zukunft der Menschheit zu sehen. Wenn man die Idee dennoch wohlwollend zu den positiven Aspekten zählen will, wird diese innerhalb des Filmes jedoch leider komplett kaputt gemacht.

Da erleben wir also eine scheiß Welt, auf der nur noch fragwürdige Menschen hausen. Gleichzeitig soll man zur Menschheit halten, sie müsse gerettet werden. Die Welt ist bevölkert von Prolls, ähnlich den Figuren aus „Doom“. Selbst ominöse Priester sind Prolls. Die unschuldigen und unterdrückten Leute haben keine Chance sich zu wehren. Die Welt ist kaputt, versinkt im endlosen Krieg, egal wer ihn gewinnen würde, die Kleinen würden weiter unterdrückt werden. Ein Sieg gegen die Mutanten würde nur erneut die Macht der Konzerne wiederbeleben, aber die Menschheit muss gerettet werden.

Sozialkritik findet nicht statt, auch wenn der vorangegangene Absatz anderes vermuten lassen würde. Den fragwürdigen Weltherrschaftskonzernen werden gute Seiten angedichtet, von denen sie dann auch meist gezeigt werden. Eine Gesellschaft, die von einer solchen Firma regiert wird dürfte zudem anders aussehen, als hier gezeigt. Das Gesamtbild der hier kreierten Zukunft zeigt nur, dass die Macher von der Materie, wie man ein glaubhaftes Zukunftsbild erstellt, überhaupt keine Ahnung hatten. Da werden nur Klischees an Klischees gereiht, die nur derjenige schluckt ohne zu maulen, der kein Talent besitzt, Zusammenhänge zu erkennen, die einem nicht auf die Nase gebunden werden.

Die Schauspieler gehen in dem ganzen Getöse völlig unter, was nicht weiter wild ist. Thomas Jane spielte schon in „Der Nebel“ etwas lahm, wusste dank guter Inszenierung aber dennoch zu überzeugen. Unter der schlechten Regie eines Simon Hunter geht er jedoch gnadenlos unter, spielt völlig eindimensional prollig und wirkt so austauschbar wie jeder Star einer Soap.

Ron Perlman ist ohnehin immer nur so gut, wie die Regie unter die er arbeitet, was unter Hunter natürlich sein Untergang bedeutet. Man müsste schon ein sehr guter Schauspieler sein, um an diesem Meer aus Idiotie und Klischee noch etwas herumreißen zu können. In seiner zu kleinen Rolle schafft dies nicht einmal John Malkovich. Wieso hat der sich für so etwas überhaupt hergegeben? In einen solchen Film gehört eigentlich ein Vin Diesel oder eine Lucy Liu, aber bestimmt niemand, der als anerkannter Theaterschauspieler gilt.

Filme wie „Mutant Chronicles“ sind das Paradebeispiel dafür, was am Hollywood-Kino zur Zeit nicht stimmt. Blockbuster in den Fußstapfen von „Krieg der Sterne“ und „Indiana Jones“ sind zu etwas mutiert, das eigenständiges Denken nicht nur komplett aussperrt, sondern sich auch noch jedweder Logik verweigert. Erschreckend, dass es für solche Werke überhaupt ein so großes Publikum gibt. Wer ohne wenn und aber auf Action und Effekte steht wird prächtig unterhalten, aber so niedrig sollte man seine eigenen Erwartungen vielleicht dann doch nicht ansiedeln. „Mutant Chronicles“ ist insgesamt einfach zu plump für ein nettes „Kopf ausschalten und unterhalten lassen“.  OFDb