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02.11.2018

GESCHICHTEN AUS DER SCHATTENWELT (1990)

Sechs Jahre nachdem die Serie "Geschichten aus der Schattenwelt" startete, drehte John Harrison die Spielfilmvariante davon, die ebenfalls diverse Horrorepisoden beinhaltete. Zusammengehalten werden sie durch die Rahmenhandlung eines von einer Hexe gefangengehaltenen Jungen, der die drei Hauptgeschichten aus einem Buch vorliest. Sicherlich darf man sich fragen, ob ein solches Vorhaben Sinn macht, wenn bereits die TV-Serie nicht miteinander verbundene Horrorgeschichten präsentiert, aber vielleicht lag der Reiz im finanziellen Umfeld. Ich kenne die Serie nicht, auf welcher der hier besprochene Film beruht, aber an Geld für tolle Spezialeffekte schien es nicht zu mangeln, lassen diese doch nichts zu wünschen übrig. Mit John Harrison hatte man zudem jemanden für die Regie verpflichtet, der innerhalb der Serie bereits mehrfach tätig war, und sein Gespür für Stil ist es dann auch, der "Tales from the Darkside - The Movie" (Originaltitel) so wundervoll funktionieren lässt.

Denn auch mir als jemand, der sich mit Episodenfilmen ein wenig schwer tut, hat dieser Ausflug in harmlose, kleine Horrorideen durchaus gemundet. Wahre Highlights präsentiert uns der Film nicht, aber alle drei Geschichten sind eine wunderbare Ablenkung von der grauen Realität. Der fast schon familiengerechte Touch wird nie zu extrem zelebriert, als dass das Ergebnis zu harmlos ausfallen würde. "Geschichten aus der Schattenwelt" schwankt zwischen blutleer, aber morbide. Seine Geschichten umweht ein düsterer Touch. Und schwarzhumorige Pointen weiß jede der vier Erzählstränge aufzuweisen. Wie bei einem Episodenfilm üblich fehlt jeder Geschichte eine entscheidende Zutat, und so kann jede von ihnen aufgrund ihrer begrenzten Spielzeit nicht sein volles Potential ausschöpfen. Um so verwunderter darf man darüber sein, dass die sich oft halb anfühlenden Erzählungen gelungen genug umgesetzt wurden, selbst dann, wenn sie wie in Geschichte Nummer 1, so gut wie keine eigenen Ideen aufweisen, die es nicht anderswo bereits gegeben hätte.

Der einzige wirkliche Schwachpunkt des Streifens liegt in der Rahmenhandlung, die zwar eingangs, wenn der Vorspann läuft, liebevoll und augenzwinkernd umgesetzt ist, mit der Auflösung der Identität der Frau und ihrer Pläne jedoch die letzte schöne Idee dieser Zwischensequenzen präsentiert, da von da an nur noch stur vorgelesen wird. Und auch die Schlusssequenz lässt Einfallsreichtum kläglich vermissen. Manch nette Pointe steckt zumindest in den Dialogen zwischen Kind und Hexe, und da die Sequenzen recht kurz ausgefallen sind, macht es die angenehm routinierte Qualität des Restfilmes auch nicht kaputt. Während die Mumiengeschichte trotz ihres Mangels an Innovationen verspielt und düster ausgefallen ist, besetzt mit Christian Slater und Steve Buscemi, ist es ausgerechnet sie, die zum Höhepunkt des Streifens wird, obwohl sie die banalste Geschichte erzählt. Der sehr interessant klingende Aufhänger der zweiten Geschichte, dass ein reicher Mann einen Auftragskiller engagiert um eine angebliche Killerkatze zu töten, wird leider nicht vollends genutzt (hier gefiel mir die Katzenhorror-Kurzgeschichte aus "Der Makler" besser), aber bis man erkennt, dass aus der hervorragenden Grundidee zu wenig herausgeholt wurde, lebt sie immerhin von ihrer hervorragenden Grundidee (von den tollen Settings, die jede der drei Geschichten zu bieten hat, einmal ganz zu schweigen).

Die letzte der drei Geschichten, besetzt mit der kurzfristig berühmteren Rae Dawn Chong, fängt sehr interessant an, konzentriert sich aber zu sehr auf die Schlusspointe, als dass sie im Mittelfeld mit den stimmigen zwei Geschichten zuvor mithalten könnte. Das Monster hat mir optisch wenig zugesagt, die Charakterzeichnung des Künstlers war mir nicht interessant genug angegangen, aber die Schlusspointe gibt der Geschichte recht, und ein stimmiger Einstieg, in einer dunklen Gasse spielend, ist besonders düster inszeniert. So hat jede der hier erzählten Geschichten ihre Schwachpunkte, aber das Restergebnis weiß zu gefallen, so dass "Geschichten aus der Schattenwelt - mehr als ein Film" (Alternativtitel) dem neugierigen Horror-Fan für zwischendurch trotzdem schmecken müsste. Immerhin bietet er solides Grundlagenprogramm, in welchem die inszenatorischen Aspekte mehr beachtet wurden als die Innovation der Geschichten. Wirklich schade ist es aber eigentlich nur um den Katzenhorror, den ich gern woanders noch einmal neuverfilmt sichten möchte, das volle Potential ausschöpfend, welches in ihm schlummerte.  OFDb

22.03.2018

ALIENKILLER (1991)

Oh nein, wir Menschen kommen wahrlich nicht gut weg in „Alienkiller“. Das beginnt bereits damit, dass es im Weltall als Strafe angesehen wird Mensch auf der Erde zu sein, und das zeigt sich des weiteren in den zahlreichen Figuren, die für die Story von Bedeutung sind. Es sind Freaks, fragwürdige Gestalten, selbst auf Seiten der Polizei, und die Gegenden in denen alles spielt sind meist düstere, dreckige Stadtbilder, die somit auch unsere Art zu leben nicht gerade positiv zeichnen. Trotzdem liegt es „Henry - Portrait of a Serial Killer“-Regisseur John McNaughton fern all zu moralisch und gesellschaftskritisch tiefgehend zu werden. Der Film soll eine ätzende Satire sein und besitzt trotz seiner düsteren Art dementsprechend auch recht nüchternen, grotesk gehaltenen Humor. Trotz des Erscheinungsjahres 1991 badet man noch mitten in den Erzählgewohnheiten der 80er Jahre, was zum einen am Vorbild „The Hidden - Das unsagbar Böse“ liegt, den man bis hin zur Hundetarnungsidee hier etwas arg dreist kopierte, aber auch daran dass der Film erst einige Jahre nach dem anfänglichen Dreh beendet werden konnte, da seiner Zeit die Geldgeber abgesprungen sind.

Etwas wirklich Aufregendes wäre uns nicht entgangen, wenn „The Borrower“ (Originaltitel) nicht fertiggestellt worden wäre, aber auch wenn ich den Streifen nicht wirklich mag, so bin ich doch trotzdem froh, dass es ihn gibt. Halb fertige oder auch im Giftschrank versauernde Filme machen mich immer traurig, zumal ich auch Freude an nur theoretisch funktionierenden Werken habe. Es ist spannend zu beobachten, dass „Alienkiller“ nicht wirklich funktionieren möchte. Es ist aber auch etwas rätselhaft den Grund dafür zu finden, da sich von der Idee her alles ziemlich nett anhört. Da hat man ein köpfewechselndes Alien im dreckig düsteren Actionthriller-Look der 80er Jahre, man bekommt besagten grotesken Humor vorgesetzt, den manch einer vielleicht gar nicht wahrnehmen wird, und mit Rae Dawn Chong hatte man zudem einen „Star“ aus der zweiten oder dritten Reihe mit am Start, jene Frau, die sich 1985 zum vercoolten Affen im herrlich blöden „Phantom Kommando“ gemacht hat, schon wesentlich sympathischer in „Der Prinzipal“ neben Großmaul James Belushi wirkte und 1987 eine unheimlich süße Darstellung im sympathischen „Soulman“ ablieferte.

Aber auch sie gehört nur zu den theoretisch guten Ideen, denn zu wirken weiß die hier arg blass spielende, stets auf cool getrimmte, Rae Dawn Chong in ihrer unterkühlten Rolle nie, zumal sie auch nur wenig Chancen bekommt innerhalb der schrägen, ereignisreichen Story hervorzustechen. Die Geschichte selbst, so bemüht sie um Abwechslung und skurrile Ideen auch ist, schaut sich arg schleppend, teilweise bruchstückartig und lässt es aufgrund der Distanz zu ihren Figuren nie zu wirklich ins Geschehen einzutauchen. Selbst das aus Menschensicht schräge Verhalten des Aliens wirkt zu bemüht, als dass man wirklich drüber schmunzeln könnte. Und letztendlich verhalten sich die Figuren rund um das Alien herum selbst ebenfalls zu weltfremd, als dass die Idee seines merkwürdigen Verhaltens tatsächlich Wurzeln schlagen könnte.

Wie man es auch dreht und wendet, „Alienkiller“ will einfach nicht funktionieren, so sehr man vieles von dem Gesehenen als wohlwollender Cineast auch mögen möchte. Letztendlich ist das magere Ergebnis aber nicht schlimm, da dem Filmfreund immer noch der Griff zu „The Hidden“ bleibt, der seiner Kopie doch um einige Nasenlängen voraus ist. Aufgrund der Schwierigkeiten beim Dreh mag es vielleicht ein etwas ungerechter Vergleich sein, aber das Ergebnis des hier besprochenen Filmes ist nun einmal so ausgefallen wie geschehen, also warum sollte man da tatsächlich etwas schön reden, nur weil McNaughton zuvor einen Kultfilm ablieferte und im Folgefilm versuchte das 80er Jahre Kino einzufangen, für die Art wie wir es heute noch lieben? Doch so vergeigt auch der blass mittelmäßige „Alienkiller“ ausgefallen sein mag, zumindest bescherte uns der Regisseur später noch Werke wie „Wild Things“ und „Sein Name ist Mad Dog“, und letztendlich freut es mich völlig selbstlos für den guten Mann, dass er die Chance bekam seinen „Alienkiller“ doch noch gegen alle Erwartungen fertigstellen zu können.  OFDb

17.12.2017

SOULMAN (1986)

Steve Miner schafft es dank eines guten Drehbuches eine gekonnte Balance zu halten um „Soulman“ niemals würdelos, anbiedernd, zu klamaukig oder zu schwermütig erscheinen zu lassen. Der Unterhaltungsfaktor steht im Vordergrund, wird aber mit der nötigen Ernsthaftigkeit, die das Thema zwingend mit sich bringt, gestützt. Man will für das anvisierte Ziel weder all zu gesellschaftskritisch werden, noch soll die Schwere einer solchen Thematik in den Mittelpunkt rücken. Mark ist ein Teenager der Mist gebaut hat. Es geht im Film um seine persönlichen Erfahrungswerte, um seine eigenen Lektionen, nicht um die Erziehung des Publikums, nicht um mahnende Worte an den Zuschauer, nicht um eine Kurskorrektur der amerikanischen Realität der 80er Jahre.

Dies lässt den amüsant zu schauenden Film unverkrampft wirken, ohne dabei gedankenlos zu erscheinen. Wenn der Film gegen Ende aufgrund seiner Rassenthematik und der parallel laufenden Lovestory ernste Töne anschlägt, dann tut dies dem Film nicht nur  gut weil er sich eben in einer solchen umgeschwungenen Thematik befindet, das Verhindern eines Gagfeuerwerks zuvor, wie es manche Teenie-Komödien zu ihrem Funktionieren benötigen, stützt zukünftige Schwerpunkte bereits zuvor, so dass der humorvollere Part kompatibel mit dem ernsteren ist.

„Soulman“ guckt sich lustig,  jedoch nie albern oder humoristisch überfrachtet. Er erntet seinen eher stillen Humor aus Situationen und Personen, ohne übertriebene Begebenheiten herbeizuzwingen. Nur gelegentlich erlaubt man sich klamaukige Ausrutscher, was durchaus legitim ist, wenn man sich in einem solchen Film in die Psyche eines Teenagers hineinversetzen möchte. Herumzualbern gehört zu dieser Lebensphase nun einmal zwingend mit dazu, so dass auch der Film hin und wieder darauf zurückgreifen muss, um das Lebensgefühl seiner Hauptfigur glaubwürdig wiedergeben zu können.

Wie erwähnt machen an dem sympathischen Ergebnis dieses damaligen Kinoerfolges in vielen Punkten auch die Figuren etwas aus, die auch in ihren absichtlich unsympathischen Phasen doch stets menschlich erscheinen. „Soulman“ springt zwischen greifbaren Charakteren und Comicfiguren ebenso hin und her, wie er es im emotionalen Bereich thematisch tut. Dass Rassisten dabei oftmals lediglich zu Witzfiguren werden, tut der entspannten Atmosphäre gut, und die mögliche Einseitigkeit einer solchen Vorgehensweise verhindert man, indem prinzipielle Weltenretter zusätzlich ihr Fett abbekommen.

„Soulman“ ist diesbezüglich ein Kind der 80er Jahre. Das heuchlerische Getue heutiger Tage liegt ihm fern. Wer sich den Minderheiten zu sehr anbiedert, wird ebenso veralbert, wie der Rassist selbst. Und da „Soulman“ ohnehin auf alles schießt, was überhaupt erst aufgrund einer zu starken Extreme entsteht, so z.B. auch das Vorortleben reicher Spießer und die Gedankenlosigkeit verwöhnter Teenager, dreht sich der Mikrokosmos des Films auch nie nur um das eine Thema, ein weiterer Punkt der am fertigen Produkt so zu gefallen weiß. Dass „Soulman“ am Ende nur der nette kleine Film für zwischendurch ist und keinesfalls ein Geheim-Tipp, stört wenig. Miners Film weiß in seiner schlichten Art zu gefallen, steckt mit seiner Romantik gar mehr an als mit seiner seichten Komik und schafft es einfach stets den richtigen Ton zu treffen, fern jener Theatralik zum zentralen Thema, wie sie in heutigen irrationalen Tagen oft legitim in Diskussionen eingebunden wird.  OFDb

12.07.2016

JEFF, DER NOCH ZU HAUSE LEBT (2011)

Mit dem Titel „Jeff der noch zu Hause lebt“ habe ich eine völlig andere Thematik vermutet als mir präsentiert wurde, dachte ich doch die Geschichte eines noch bei seiner Mutter lebenden Mannes würde mir das bieten, was ich seinerzeit bei „Zum Ausziehen verführt“ vermisst habe und was mir mit „Fatso“, auch wenn dieser in einer eigenen Wohnung  lebte, für meinen Geschmack etwas zu radikal präsentiert wurde, auch wenn er meinen Erwartungen zu dem Thema am nächsten kam: ein Film zu dem heutzutage recht häufig vorkommenden Phänomens, dass Menschen im Erwachsenenalter sich der Reife verweigern und den Arsch nicht hochkriegen um ihr Leben zu leben und sich infantilen Beschäftigungen hingeben.

Das trifft zwar alles auf Jeff zu, aber alles zu diesem Thema bildet nur den Grundcharakter jenen Menschens, den wir nun durch eine völlig andere Geschichte begleiten dürfen, die sich mit der ewigen Frage danach ob es ein Schicksal gibt oder nicht beschäftigt. Dies fällt überraschender Weise frei von Kitsch aus, was sehr untypisch für dieses Thema ist. Zwar wirkt „Jeff, Who Lives at Home“ (Originaltitel) in seinem Handlungsablauf orientierungslos, aber genau darum geht es in der Komödie der Gebrüder Duplass, die keine Antwort auf die zentrale Frage geben und den Zuschauer selbst entscheiden lassen, ob das, an was er vor dem Bildschirm teilgenommen hat, nun unter Schicksal oder unter Zufall fällt.

Genau diese entspannte Haltung ohne Auflösung und frei von Kitsch macht „Jeff, der noch zu Hause lebt“ zu einem angenehmen Erlebnis. Es ist vielleicht etwas ungewöhnlich zwei Menschen bei einer Art Road Movie zuzusehen, die sich menschlich wie auf den Ort bezogen immer nur im Kreis dreht, aber genau das soll ja der Reiz an der Geschichte sein. Jeff hört auf das Universum, und irgendwie führt es ihn immer wieder zu seinem Bruder, der von diesem Geschwafel rund um Schicksal nichts hören will. Warum auch? Er hat gerade ganz andere Probleme zu meistern. Das wirkt wirr und orientierungslos, und das ist Jeffs Welt.

Vielleicht hätte „Jeff, der noch zu Hause lebt“ ein wenig Pointen-reicher inszeniert werden können, letztendlich plätschert er nur entspannt vor sich hin. Aber das passt zur Einstellung Jeffs, der sich einfach treiben lässt, und das Ende des Tages soll ihm mit seiner Einstellung auch noch Recht geben. Auch die Parallelhandlung um die Mutter der beiden Söhne schwankt zwischen Realität und Tagtraum, Täuschung und Phantasie, und auch sie wird in Jeffs Augen Teil der Schicksalserfüllung, fühlt sich die Familie am Ende des Streifens doch enger verbunden als zuvor. Zugegeben, damit suggeriert der Film zwar dass er insgeheim an Jeffs Weltsicht glaubt, aber er spricht es nicht aus. Er lässt uns das Geschehene entweder als Wunder begreifen, oder einfach als schöne Geschichte, die der Zufall zusammengezimmert hat.

Wie auch immer ist „Jeff, der noch zu Hause lebt“ damit keinesfalls das geworden was ich erwartet hatte. Aber das war nicht weiter schlimm, denn auch wenn ich ein in der Realität verankerter Tagträumer bin, der mit Spiritualität, Religion, Schicksal und Esoterik nichts anzufangen weiß, so wussten die Duplass-Brüder doch wie sie selbst jemanden wie mich für das Thema eingespannt bekommen, so dass ich zwar nicht gerade behaupten kann mit dem hier besprochenen Werk ein besonderes Erlebnis erfahren zu haben, aber immerhin eine akzeptable Ablenkung von der gestressten Alltagswelt auf Spielfilmlänge.  OFDb