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03.12.2016

BEING JOHN MALKOVICH (1999)

Wer die Filme Spike Jonzes und Charlie Kaufmans kennt, der wird wissen, dass der kleinen Inhltsangabe ein Meer an Ideen folgt, ist es doch geradezu typisch für ihre Filme, dass sie Stoffe für etliche enthalten, nicht etwa weil sie ihre Werke überstrapazieren und ihnen keine Luft zum Atmen geben, sondern weil sie voller wundervoller und verrückter Ideen stecken, mit denen sie ihren Filmen Leben einhauchen. Für den Zuschauer werden diese Werke zu wahren Erlebnissen, und der geistreiche Zuschauer darf sich zudem daran erfreuen, dass die Autoren über eine analytische Beobachtungsgabe und über psychologische Kenntnisse verfügen, so dass jedes noch so groteske Szenario aus einem intellektuellen Verständnis und einem empathischen Mitgefühl geboren und begleitet wird.

Während Jonzes und Kaufmans reifere Werke „Her“ und „Vergiss mein nicht“ gefühlvoll erzählt sind, so dass der Zuschauer sich geradezu in ihnen verlieren kann, da orientiert sich der früher entstandene „Being John Malkovich“ noch hauptsächlich an seinem bizarren Grundszenario und die Wechselwirkung der Macht zwischen den Protagonisten. Angefangen mit kleinen Gimmicks, wie dem 7 1/2. Stockwerk, weitergeführt mit der eigentlichen Idee einer Tür in den Kopf Malkovichs, bis hin zur Frage was passiert wenn der Eigentümer besagten Kopfes durch besagte Pforte tritt, wird mit Ideen kreativ herumjongliert, so dass es für den Zuschauer so einiges zu staunen gibt.

Dennoch soll „Being John Malkovich“ kein bloßer Hinguckerfilm sein. Seine schrillen Attraktivitäten werden nicht einzig wie auf einem Jahrmarkt zur Schau gestellt. Die Geschichte nutzt diese kuriosen Geschehnisse um einen Blick auf eine recht tief charakterisierte Schar von Menschen zu riskieren, um zu sehen wie diese mit Macht umgehen. Wo Politkomödien sich mit wahrlich mächtigen Persönlichkeiten auseinandersetzen, da interessieren sich Kaufman und Jonez für den kleinen Mann, dem sie die Alltagslügen entziehen, indem sie hinter ihre Fassade schauen. Craig dominiert seine Ehfrau, während er selbst von seiner attraktiven Kollegin dominiert wird. Selbst der dusselig wirkende Chef wird von seiner Sekretärin dominiert. Im Laufe des Filmes kommt es aufgrund des Törchens zu Malkovichs Bewusstseins zu einem ständigen Wechsel darüber wer über wen Macht besitzt.

Für die Frage woher das Törchen kommt und ob jeder Mensch ein solches besitzt, interessieren sich die Autoren lange Zeit nicht, haben sie mit diesem Themenbereich, den andere Autoren viel früher belanglos verfeuert hätten, doch ganz eigene Pläne, die für die Geschichte und gerade auch für die Schlusspointe geradezu wichtig werden. Geistvoll, wie die pointensichere Groteske erzählt ist, orientiert sich dieser zunächst vernachlässigte Themenstrang an einer anderen Form von Macht und Gier, um auch deren Vielfältigkeit im Blick zu behalten. „Being John Malkovich“ grast viele Bereiche ab, vertieft sie, spielt mit ihnen, wirft sie wieder um, experimentiert mit ihnen, während andere für die Geschichte gar nicht mal so unwichtigen Elemente einfach rausgehauen werden ohne sie näher zu beleuchten. Das gibt dem an sich überraschend durchdachten Werk eine zusätzliche Schrulligkeit und somit einen weiteren Sympathiepunkt.

Wer Cameron Diaz in ihrer ungewöhnlichen Rolle erkennen möchte, der muss schon genau hingucken, ist „Being John Malkovich“ doch in ihrer mutigen Zeit entstanden, relativ zum ersten Hoch ihrer Karriere hin, als sie diese noch mit gewagten Rollen zu stürzen riskierte. Der Mut zur Hässlichkeit lässt sich hier nicht abstreiten, und wenn dann noch jegliche Öko-Eigenschaft, die ein naiver Charakter besitzen kann, von dieser guten Frau verkörpert wird, dann bleibt zunächst kaum noch ein sympathischer Aspekt an diesem Charakter übrig, was sich im Laufe der Zeit allerdings ändern wird, sind Kaufman und Jonze doch schließlich Magier ihres Fachs und schenken gerade dieser Rolle zum Ende hin die kleine Dosis Mitempfinden, die sie in den beiden oben erwähnten späteren Werken zum Mittelpunkt ihrer Erzählungen machen.

John Malkovich hingegen genießt es in den relativ wenigen Szenen, in welchen er Herr seiner Selbst sein darf, ein eigenes Klischeebild seines angeblichen Ichs zu zeichnen. Wo ein Bill Murray in „Zombieland“ und Bruce Campbell in "My Name is Bruce" verschmitzt einen eingebildeten, sich selbst liebenden Schauspieler aus sich machten, da geht Malkovich subtiler vor, zeigt die hoch intellektuelle Variante wie sich mancher Tunnelblickdenker den Charakter erfolgreicher Theatermimen vorstellen, eine Idee die von den Verantwortlichen der deutschen Synchronisation auch bestens verstanden wurde, und kreiert aus seinem Phantom-Ich den reinen Künstler mit feiner Etikette im Auftreten, intellektuellem Interessengebiet und pingeligster Vorstellungskraft dessen was er möchte.

Jeder weitere Schauspieler macht seine Sache ebenso gut wie die beiden von mir hervorgehobenen Persönlichkeiten. Auch der oft ähnlich spielende, mir aber immer sympathische, John Cusack wird diesmal geradezu herausgefordert mit seiner Figur zu spielen und schauspielerische Grenzen auszuloten. Ihm wie all den anderen sieht man die Spielfreude an, die am Set, trotz aller zwingender Maßen erforderten Konzentration und Professionalität, geherrscht haben muss. Kein Wunder, das einfallsreiche Drehbuch hat viele interessierte Mimen gelockt, ob in Gastauftritten oder in Hauptrollen. Für eine Geschichte wie diese wurde das Medium Kino überhaupt erfunden.  OFDb

12.09.2015

HER (2013)

Das tolle an „her“ ist, dass man ihn auf zwei Ebenen gucken kann. Entweder erlebt man ihn als romantische Tragikomödie, in welche man mitfühlend eintaucht, oder man schaut ihn sich als intelektuelles Warnbild dessen an, wie sehr die Gesellschaft in ihrer Isolation entgleisen kann, um neue Formen einer Geisteskrankheit herbei zu führen. Beides funktioniert wunderbar dank eines Drehbuches welches nie den erhobenen Zeigefinger demonstriert, sondern schlicht und einfach seine Idee konsequent erzählt, die auf Beobachtungen heutiger Situationen beruht.

Das heißt wir haben einen Stoff der trotz seiner Zukunftsperspektive stark im Jetzt verankert ist und uns eine gar nicht so fremdartige Welt von Morgen präsentiert, die nicht all zu fern und durchaus denkbar ist. Dank eines hoch empathischen Drehbuchs und einer ebensolchen Regie (beides von Spike Jonez, der auch für „Being John Malkovich“ verantwortlich war) sind wir immer nah am Gefühlsleben von Theodor dran, der höchst glaubwürdig und sensibel von Joaquin Phoenix verkörpert wird. „her“ kommt ebenso poetisch wie philosophisch daher und ist somit jener Glücksfall mit dem Tagträumer ebenso glücklich werden wie Realisten.

Im Idealfall schwankt man zwischen beiden Perspektiven hin und her. Dann kann man Samantha als Lösung und Problem zugleich erkennen. Zum einen isoliert sie einen fast anonym lebenden Menschen noch mehr, der im gesunden Zustand eigentlich kontaktfreudig wäre und äußerst intelligent, zum anderen fühlt sie sich so echt an, dass die Frage wie in „Blade Runner“ und „Ghost in the Shell“ aufgegriffen werden kann, ab wann ein Bewusstsein ein wirkliches Lebewesen ist. Wenn Samantha sich selbstständig entwickelt, zu Gefühlen fähig ist und eigenständig reagiert, warum kann sie dann keine Alternative für einsame Menschen sein?

Dieses Hin und Her zweier extremer Beobachtungsformen des hier Erlebten macht den Stoff so unglaublich aufregend, der nicht nur konsequent zu Ende gedacht wurde, sondern auch etliche zusätzliche Ideen präsentiert, aus denen man locker ein Dutzend Filme hätte entwerfen können. „her“ läuft dabei nie Gefahr überfrachtet zu wirken und hat immer etwas neues zu erzählen, wenn die Geschichte droht auf der Stelle zu treten.

Letztendlich gibt der Film durch die Entwicklung Samanthas selbst eine Antwort darauf, ob es für den Menschen gesund sein kann sich emotional auf eine künstliche Intelligenz einzustellen. Denn während Menschen sich halbwegs überblickbar unterschiedlich weiterentwickeln, stößt die körperlose Samantha auf Dimensionen weiterer Möglichkeiten ihres Zustandes, die für den menschlichen Geist, und noch viel mehr für das menschliche Herz, nicht mehr greifbar sind, was kurz vor Schluss zu einer Erkentniss für Theodor führt, wie sie schmerzhafter kaum sein könnte - konsequenter für die hier ausgelebte Idee jedoch auch nicht, und allein dafür kann man das Drehbuch einfach nur lieben.

„her“ ist ein großer Film, der trotz seiner Traurigkeit, bzw. unter anderem auch aufgrund dieser, ein lebensbejahendes Werk geworden ist, das einen nachdenklich und emotional zart berührt zurücklässt, ähnlich wie „Vergiss mein nicht“, den Jonzes Kumpel Charlie Kaufman geschrieben hat. Beide stehen sich in nichts nach, sind große Werke ihrer Zeit, die es schaffen den Intellekt des Zuschauers ebenso zu füttern wie sein Seelenleben, indem die schwachen und verletzlichen Seiten des Menschseins ehrlich und gut beobachtet wiedergegeben werden ohne falschen Stolz, aufgebauschten Kitsch oder störenden Scham.  OFDb

26.03.2014

ADAPTION. (2002)

Nicolas Cage, nein, was wird er immer Opfer von Gespött, weil er es liebt zu übertreiben, selbst dann wenn man es nicht sollte. Somit passt er hervorragend in diesen Film hinein, einen den man gesehen haben sollte, wenn man nicht glauben kann oder will, dass dieser Mann auch anders kann. Er tut etwas das er nicht darf, jedoch nicht in diesem Film und deswegen passt er hinein? Was für ein wirres Zeug schreibt Schlombie da?

Drehbuchautor Charlie Kaufman arbeitet zunächst an einem Drehbuch zu einem Buch, im nächsten Schritt schreibt er hierfür über sich selbst. Der Drehbuchautor von „Adaption.“ ist Charlie Kaufman, der für diesen Film also über sich schreibt, bzw. über ein Fake-Ich, so wie Malkovich in „Being John Malkovich“ sein eigenes Fake-Ich spielte, in einem Film der übrigens auch aus der Feder Kaufmans stammt. Ein Erfolgsrezept wird damit nicht plump wiederholt, auch wenn zudem der Regisseur beider Filme der selbe ist. „Adaption.“ geht als Tragikomödie in eine völlig andere Richtung und zeigt anhand authentischer Monologe und eigentlich recht belanglos wirkender Passagen, was in Menschen vorgeht, speziell im Kopf eines einfallsreichen Autors ohne Ideen.

Kaufman ist der Mann wilder Ideen. Seine Filme treten gängige Erzählstrukturen mit den Füßen, Strukturen für die Theoretiker morden würden um ihre Richtigkeit zu unterstreichen. Und Kaufman stellt uns im hier besprochenen Streifen einen solchen Mann seinem eigenen Ich gegenüber, einer der glaubt zu wissen wie ein Drehbuch auszusehen habe, und der den Bruder Kaufmans (auch von Cage gespielt) inspiriert ebenfalls ein Drehbuch zu schreiben. Der eigene Bruder verlässt sich auf vorgekaute Formeln, während Kaufman, berühmt für seine schrägen Ideen, diesmal so wenige hat, dass selbst das braven Mustern folgende Drehbuch seines Bruders besser ausfällt als seine bisherigen Entwürfe zum aktuellen Projekt.

„Adaption.“ erzählt davon dass man anders sein muss als das was angeblich richtig ist. Er erzählt davon dass man sich verändern muss, oder es tut ohne es zu wollen, was auch immer. Aber auf jeden Fall dass es kein richtig oder falsch gibt. Und damit passt Nicolas Cage hervorragend in diese Geschichte, zumal er gegen seinen Ruf besetzt ist und stille Töne in Mimik und Gestik einbaut anstatt wie verhasst überzuagieren. Er pfeift auf das Erwartete ebenso wie der Fake-Kaufman, der innerhalb der Geschichte nicht nur ein Seminar seines mentalen Feindes aufsucht, sondern auch noch einen seiner Ratschläge beherzigt, der so unsinnig klingt, der Geschichte aber Recht geben soll. Somit wird das grundlegend Falsche richtig wenn es in der Ausnahme der tut, der sich sonst dem richtigen zuwendet. Alles läuft konsequent gegen den Strich in einer Erzählung, die uns vorgaukelt man wäre als Zuschauer gerade bei der wahren Entstehung jenen Drehbuches beteiligt, dessen Film man gerade sichtet.

Das ist alles nur halb so verwirrend umgesetzt wie es sich in diesem Text lesen mag, und es ist auf seine ganz eigene Art einfallsreich, tiefsinnig und keineswegs gewöhnlich. Und doch hat „Adaption.“ nicht das Kaliber eines „Being John Malkovich“ oder „Vergiss mein nicht!“, beides Werke die vor Ideen nur so übersprudeln und beide auf ganz eigene Art zu bewegen wissen. Der eine als bösartige Satire, der andere als lebensbejahende Satire mit einem ungewöhnlichen Mix aus Science Fiction und Lovestory. „Adaption.“ ist im direkten Vergleich zu gewöhnlich, lässt auf ruhigere Art die kreativen Wellen höher schlagen, und ist damit im Vergleich zu den anderen Kaufman-Werken ein Abbild dessen wovon er erzählt: das Gegenteil servieren zum Entgegensetzen von Erwartungen.

Hier spiegeln sich Ebenen wieder aus Filmrealität, Buchrealität, Traumsequenzen und eine uns vorgegaukelte Realität, die wir freilich nicht sichten, da wir einen Film sehen. Kaufman provoziert mit diesem Realitätskarussell, provoziert gleichzeitig mit Banalität und damit dass sein Film vordergründig nichts erzählt bevor er gegen Ende ins absichtlich Reißerische abgleitet, um einem vorzugaukeln nun würde doch etwas passieren. Und dabei passiert das Eigentliche versteckt, versteckt und doch offen vorgetragen per Off-Kommentar, ein Stilmittel das von Theoretikern, zumindest laut Film, als billiges Stilmittel eines Autors gilt, ist ein Off-Kommentar doch der leichteste Weg etwas unkreativ auszudrücken.

Doch auch wenn ich das eigentliche Herzstück des Streifens in der zweiten, bzw. fast dritten Reihe parkend für mich entdeckt habe und damit für mich herausgefunden habe wie tief „Adaption.“ tatsächlich geht, mehr als ein sich wohlfühlend gekitzelter Intellekt kommt für mich dabei nicht heraus. Kino, das eigentlich aufwühlen und bewegen könnte, so wie es Kaufman mit seinen in dieser Review erwähnten Vergleichsfilmen geglückt ist, ist „Adaption." nicht geworden, solche Gefühle kommen in mir beim Sichten von der hier besprochenen Tragikomödie nicht auf, ebenso wenig wie ein Identifizieren mit Situationen und Figuren. Letztendlich guckt sich der Film einfach zu theoretisch, vielleicht etwas vergleichbar mit „Human Nature“, der, ebenfalls aus der Feder Kaufmans stammend, ebenfalls vor Ideen nur so übersprudelte, als Komödie zudem mit hervorragendem Humor versehen war und doch zu distanziert blieb, da er keine wirklichen Emotionen beim Zuschauer duldete.

Dass Kaufman-Filme aufgrund ihres kreativen Geistes auch in der distanzierten Ausfertigung interessant sind und unterhaltungstechnisch einen gewissen Spaß versprühen, will ich ihnen gar nicht abstreiten. Trotzdem ist es verglichen mit seinen Werken die dies zulassen traurig wie viel Potential dabei verloren geht, wenn man den Zuschauer nicht tief genug eintauchen lässt. „Adaption.“ ist ein interessantes Werk, weit weg vom Durchschnitt. Aber er ist mir zu theoretisch um ihn wirklich als Empfehlung empor heben zu können. Der intellektuelle Geist eines Filmes bleibt eben doch nur ein Gerüst, wenn die Figuren, die Emotionen und die Situationen nicht zu Fleisch werden. Klingt das jetzt zu sehr nach Cronenberg?  OFDb

28.11.2012

JACKASS - THE MOVIE (2002)

Jeff Tremaine, Johnny Knoxville und Co experimentieren auf eigene Gefahr. So benutzen sie Sylvesterraketen als Rollschuh-Antrieb, verschlucken Spielzeug, hangeln über Krokodile und vieles mehr. Hin und wieder spielen sie ihren Mitmenschen Streiche...

Was aus Aufmerksamkeitsdefiziten entstehen kann...
 
Nun habe ich mir dieses peinliche, fragwürdige Werk auch einmal angetan und muss ehrlich eingestehen, dass mir doch der ein oder andere Schmunzler beschert wurde. Ich komme aber nicht umhin zu sagen, dass ich das meiste im groben bereits in meiner mehrjährigen Arbeit im Kindergarten gesehen habe: mutwillige Zerstörung, in die Hose machen, Verletzungen, Streiche spielen, miteinander kämpfen, erbrechen, ...

Nur weil der Rahmen dieser Aktionen extremer ist (und das ist er nur aus Erwachsenensicht, wenn man vergessen hat wie gewagt die Kindheit mit all ihren Experimenten war), muss man nicht gleich den großen Wind drum machen. Also! Leute die durch diesen Film den großen Kick erfahren, sollten unbedingt Erzieher oder Kinderpfleger werden!!!

Kurz gesagt sehen wir in diesem Film wie einige Idioten sich wie Kinder verhalten. Und ja, das kann mal witzig sein, Kinder sind mit ihrer Art schließlich belustigend und dies sicher nicht durch anspruchsvolle Komik. So muss sich jeder ehrlich fragen, an welchen Stellen von Jackass er lachen musste. Man lacht nun einmal aus dem Affekt heraus, selbst wenn man zu verspiest ist hinterher dazu zu stehen an welchen Stellen das nun war.

Gelacht habe ich selbst u.a. über folgende Ideen und Aktionen: die alten Männer in ihrem Elektrorollstuhl, dem Typen der in einem Sanitärgeschäft ins Vorführklo scheißt, den Sprung in den Ventilator, die Attacke auf den Vater auf dem Klo und die Tröte auf dem Golfplatz, also quasi meistens, wenn Streiche gespielt wurden.

Nur noch peinlich oder unwitzig wurde es bei folgenden Beiträgen: tanzen im Tanga (gähn, kann nur ein Spießer drüber lachen), Urin mit Schnee essen, tätowieren lassen während einer wilden Autofahrt, Sylvesterrakete im Po, Alligator in Mamas Wohnung, Spielzeugauto im Po, dicker Typ setzt sich auf Bank (da hätte vielleicht noch mein Uropa drüber gelacht, so neu war der Gag) und noch einiges mehr, an das ich mich grad nicht erinnern kann.

Ideen, die sogar recht interessant waren, gab es in der Ausnahme auch zu sehen. Da war zum einen das Experiment mit den Sylvesterraketen an den Rollschuhen und der Seiltanz über dem Alligatorengehege. Uninteressant, da langweilig, sind solche Aktionen wie die Autocrashs, das auf sich schießen lassen, das ständige anderen heimlich den Kopf Anrasieren (schon beim ersten mal nicht lustig), Kämpfe mit (Kick-)Boxern usw.

Sollte die deutsche Synchronisation passend zum mir unbekannten Originalton sein, kommt man nicht umhin zu sagen wie strunzdoof die Typen hier sind. Alles ist mit „krass“ oder ähnlich hohem Vokabular betitelt, Dummheit siegt! Und dann muss mir noch wer erklären was der Fettsack in der Truppe zu suchen hatte. Der durfte ein paar mal zeigen wie ekelig fett sein ist (na toll!), einen einzigen Stunt erlebt er durch Assistenz mit (er wird bei einer Form des Extremtauziehens umgeworfen), und ansonsten machen immer die anderen die harten Jobs. Im Pandakostüm umher laufen während die anderen das selbe treiben, sich dabei im Gegensatz zu ihm allerdings absichtlich weh tun, ist auch nicht gerade die Krönung seiner Auftritte. Dass auch er dennoch ebenso dumm ist wie der Rest, zeigt sich in seiner ständigen Partylaune bei ultrapeinlichen Aktionen.

Selbst wenn man die Position vertritt, dass ein derartiger Film tolle Unterhaltung bietet, würde mich ein Punkt dennoch an diesem Werk speziell nerven: die Schnitte! Wenn man zeigen will, wie real solch gewagte Aktionen sind, dann sollte man auch weniger Kamerapositionen einbauen und des öfteren auch länger draufhalten. So könnte man z.B. nach einem Sturz warten bis der Selbstgeopferte aufsteht, oder man könnte nach erfolgtem Streich die Reaktion/Mimik des Betroffenen filmen.

Besonders missglückt fand ich die Aufnahmen während einer Rollschuhparty in einem fahrenden Kleinlaster. Anstatt draufzuhalten und in Echtzeit die Stürze aus einer Perspektive zu zeigen, werden einem nur die Highlights präsentiert (wahrscheinlich weil die Verantwortlichen glaubten das ist hipp und dass der Teen von heute durchs ständige Zapping ohnehin verlernt hat einer längeren Kameraeinstellung Interesse zu schenken). Immer wieder wird zur optischen Abwechslung Fettie gezeigt, der stolz den Laster fährt. Davon hätte eine kurze Aufnahme gereicht, um sich dann dem wesentlichen zu widtmen.

Im Fazit bleibt also nur das selbe zu sagen wie zu Beginn der Review: peinlicher, fragwürdiger Film (wenigstens zum Glück erst ab 18 Jahren freigegeben), der immer dann schocken will, wenn das passiert, was im Kindergarten Alltag ist. Wer diesen Film liebt, sollte sich Arbeit in einer Kindertagesstätte suchen und nicht zu ungeduldig sein. Ansonsten muss man diesem Schund aber auch den ein oder anderen Lacher und das öfter unfassbare Hingucken (je nach Extreme der Situation) eingestehen. Im Fazit kann ich aber von mir behaupten, dass ich diesen Pseudokick auf keinen Fall benötige.  OFDb