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14.09.2023

LIEBE, TANZ UND 1000 SCHLAGER (1955)

In diesem recht frühen Werk mit Peter Alexander ist der Musiker bereits ein bekannter Star, und darf sich selbst spielen. Dass er in der hier erzählten Geschichte als Schlüpferstürmer so berühmt ist, dass man sich nicht mehr traut ihm eine erwachsene Frau zur Seite zu stellen, was zu einem ähnlich verjüngenden Aufhänger wie in "Die Feuerzangenbowle" führt, könnte man voreilig als riskant, da rufschädigend bezeichnen, zumal Peter Alexander in der Realität den Ruf einer treuen Seele genoss. Aber wir reden von einer Zeit, in der es fesch und keck war alles Attraktive zu begatten, und man sieht dem guten Mann an, wie sehr er es genießt diese Rolle auf seine üblich charmante Art auszufüllen. Allerdings fällt seine Anwesenheit weit geringer aus, als man vermuten würde, denn vordergründig geht es um einen bislang erfolglosen Talentsucher und seine neue Entdeckung. Und so naiv diese Filmzeit in Deutschland, und insbesondere das Genre des Musikfilms, geradezu typisch war, so sehr wird doch genau dieser Bereich überstrapaziert. 

Die Art wie Talentsucher und zukünftiges Talent zusammen finden, das eher stillose Herumgehoppel der Dame, wenn sie freien Herzens singen darf, wie es ihre Natur geradezu verlangt, der Trick mit welchem man per Radio auf sich aufmerksam macht, und ganz besonders der angeblich kindliche Look einer offensichtlich erwachsenen Frau, das ist alles zu viel der Blauäugigkeit und raubt "Liebe, Tanz und 1000 Schlager" einiges von seinem Potential, trotz flotter Erzählung mit sympathischem Touch. Letztendlich ist der Streifen dann doch etwas zu austauschbar ausgefallen, um auf diese höchst naive Art zu funktionieren, angereichert mit arg viel Musik, selbst für diesen Typ Film, und zu wenig Peter Alexander bietend in für die dünne Story oft weniger entscheidenden Szenen. Etwas Herumgealber darf nicht fehlen, gerade bezüglich des neumodischen Campers mit Elektrofunktionen, aber gerade in solchen Szenen hätte ich lieber Alexander gesichtet, anstatt den Talentsucher. Unterfordert wirkt ebenfalls Hubert von Meyerinck als engstirniger Leiter einer Plattenfirma, der aber immerhin das Beste aus seinen Szenen macht, die ganz deutlich ihm gehören. Letztendlich interessiert man sich nicht wirklich für die Geschichte, und für eine Annäherung zwischen Caterina Valente und uns Peter leider auch nicht. Da gibt es definitiv romantischere Werke. Fans der hier anwesenden Prominenz oder des Genres an sich werden hingegen auf banaler Ebene zufrieden mit "Love, Dance and 1000 Songs" (Alternativtitel) sein.  Wiki

09.12.2020

HURRA, DIE SCHULE BRENNT (1969)

Ich mag Filme mit Peter Alexander ebenso wie die "Lümmel von der ersten Bank"-Reihe an sich, zu welcher der hier besprochene "Hurra, die Schule brennt" als Teil 4 gehört. Ich mag sie trotz und wegen aller Schwächen und gelebten Naivität und betrachte sie nicht mehr, wie früher in intoleranteren Zeiten, als lediglich unfreiwillig komischen Schund. Eine Ausnahme bildet jedoch die hier besprochene Komödie, die einfach derart schlecht ausgefallen ist, dass es wahre Freude bereitet ihr beim offenherzigen Scheitern zuzuschauen. Was in Teil 1 der Reihe noch relativ nachvollziehbar und sachlich bezüglich des verständnisvollen Lehrers thematisiert wurde, wird in der x-ten Kopie zu einem lächerlichen Unterfangen eines unreifen Pädagogen, dessen Motivation weder nachvollziehbar, noch lobenswert zu nennen ist. Er provoziert nicht minder als die Teenager, besitzt keine charakterlichen Eigenschaften, kein fachmännisches Wissen oder keine empathische Motivation, die dieses Verhalten legitimieren könnten, er besitzt nicht einmal ein nennenswertes Konzept seiner Arbeit, irgendeine Fähigkeit der Reflexion, oder ausgearbeitete Pläne, nicht einmal dann, wenn er taktisch auf Rache sinnt. Was inmitten einer Trivial-Komödie nicht weiter wild wäre, um trotzdem heiter zu funktionieren, wird ertränkt in Peinlichkeiten, die nur selten funktionierende Witzigkeit auf jene Art wie gewollt ausstrahlt. Sei es der mehr schreiende, anstatt singende, Nackedei-Heintje unter einer Gießkannen-Dusche (die scheinbar endlos Wasser parat hält), einen Song über das Verlassen des Elternhauses als 9jähriger singend, sei es seine Sorge sein Onkel könne keine Frau abkriegen, oder sei es die extreme Fröhlichkeit, die er nicht nur im Lehrplan des Gesangsunterrichts in der Stadt vermisst, sondern auch mit seinem Onkel Peter teilt, "Hurra, die Schule brennt" wirkt, passend zum Titel, derart hirnverbrannt, dass allein der Gedanke weh tut, irgendwer im realen Leben könne diese Mentalität tatsächlich leben und teilen.

Für den Zuschauer wird dieser Schwachsinn zur Party, sofern er Freude mit schlechten Filmen haben kann. Die Geschichte macht keinerlei Sinn, stolpert von einer Aktion zur nächsten, ohne erkennbaren roten Faden und übertrumpft sich diesbezüglich am Schluss, wenn völlig ohne Grund und ohne tatsächlichen Bezug des vorangegangenem Treiben die Taufe eines Fliegers zelebriert wird, eine Szene die sich wie für einen anderen Film geplant guckt und lediglich den Zweck erfüllt Peter endlich mit seiner neuen Flamme zu vereinen. Mit der Schülertruppe des Momsen-Gymnasiums hat das alles nur noch zweitrangig zu tun, ist der Streifen doch mehr Peter Alexander-Film, als ein "Lümmel von der ersten Bank". Das traf erstaunlicher Weise schon auf den ebenfalls mit Peter Alexander und Heintje besetzten "Zum Teufel mit der Penne" zu, welcher der zweite Teil der Reihe ist. Die Produktionsgeschichte dieser erfolgreichen Kinoserie würde mich diesbezüglich einmal interessieren. Teil 2 und 4 heben sich derart von den restlichen fünf Filmen ab, dass man meinen könnte eine andere Firma habe mitgemischt. Werner Jacobs war jedoch nicht nur der Regisseur der beiden Peter Alexander-Teile, sowie von "Morgen fällt die Schule aus", in welchem trotz Kompatibilität mit der Hauptreihe zumindest noch Heintje mitbesetzt war, er war auch jener des ersten Teils, der sich mit den Folgen 3, 5, 6 und 7 einheitlich schaut. Blicke da einer durch, letztendlich kann es egal sein, da inhaltlich ohnehin stets nur Altbekanntes variiert und nicht aufeinander abgestimmt wurde, rätselhaft ist die Produktionsgeschichte aber allemal.

Zwar kann ich "Hurra, die Schule brennt", mit Szenen wie dem Staubsauger-Gitarre-spielenden Heintje, nie außerhalb der Trash-Perspektive gucken, liebgewonnene Charaktere der Reihe und vereinzelt nette Gags werten den Streifen trotzdem noch im Vergleich zu anderen unfreiwillig komischen Rohrkrepierern auf. Zudem sind Theo Lingen und Rudolf Schündler als Talente ihres Fachs mit am Start, und auch Peter Alexander beweist mit seiner Hans Moser-Parodie, dass er mehr drauf hat, als seine restlichen Auftritte hier offenbaren. Als "Lümmel von der ersten Bank"-Teil ist der Film eine Unverschämtheit, so sehr wie er Pepe und Co vernachlässigt. Und diese Mentalität lebt der Streifen offenherzig aus, in einer wunderbar unfreiwillig komischen Szene mündend, in welcher Peter als Lehrer während eines Theaterstücks zum selbstgesetzten Mittelpunkt wird, obwohl es sich eigentlich um eine Schulaufführung handelt, in welcher die Schüler im Vordergrund stehen müssten. Deutlicher kann man sich nicht versehentlich selbst kritisieren und entlarven. Ein zu schrill gesungenes Titellied, ein hohes Tempo an Peinlichkeiten, grottenschlechte Lieder, die selbst innerhalb dieser fröhlichen deutschen Film-Schlager-Zeit ihresgleichen suchen und jede Menge verkrampftes Bemühen um Dialoge, Charaktere und Situationen, die einfach nicht lustig sein können, machen den Streifen zum Freudenfest für den Trash-Fan, auch wenn sich diese chaotisch-hektische Chose voll von Überagieren und Dilettantismus nicht einfach mal eben so locker herunter gucken lässt. Etwas anstrengend ist das Ganze streckenweise selbst dann noch ausgefallen, wenn man mit Gleichgesinnten zusammen einen Trash-Abend zelebriert. Aufgrund der hohen Trefferquote fremdschämenden Schundes ist der Streifen diesen Aufwand allerdings wert.  OFDb

11.10.2019

DER MUSTERKNABE (1963)

Sichtlich von "Die Feuerzangenbowle" inspiriert, ist "Der Musterknabe" die erste Zusammenarbeit von Werner Jacobs mit Peter Alexander und Gunther Philipp, dem die ebenfalls amüsanten "... und sowas muss um acht ins Bett" und "Hilfe, meine Braut klaut" folgen sollten. Das lockerleichte Lustspiel nimmt Elemente aus "Klassenkeile" und "Die Lümmel von der ersten Bank" vorweg, bietet mit Blick auf Letztgenannten sogar bereits Theo Lingen in der Rolle des Schuldirektors. Die Erinnerung an die prominente Reihe wird zudem verstärkt durch den Umstand, dass auch hier der Klassenlehrer nah an den Wahnsinn getrieben wird, und durch Peter Alexanders Anwesenheit, erst recht durch seine Szene als Stimmenimitator, die er später in "Zum Teufel mit der Penne" und "Hurra, die Schule brennt" alternativ wiederholen sollte. Das Ergebnis kommt jedoch weniger verkrampft und mit weniger Fremdschäm-Elementen daher, als besagte Lümmel-Serie, gehört aber freilich ebenfalls jener Kategorie ehemaliger deutscher und österreichischer Komödien an, mit denen sich Cineasten von heute häufig schwer tun.

Sicherlich wird hier keine hohe Kunst geboten, und selbst für einen Trivialfilm sind Sprünge, wie der Übergang von der Feindschaft zur Freundschaft beim zentralen Liebespaar, billig, einfallslos und situativ nicht nachvollziehbar vom Drehbuch ausgearbeitet. Aber ein Werk wie "Der Musterknabe" guckt man immer ein wenig blauäugig, und ich mag diese Naivität mit der solche Filme erzählt sind, bzw. ihr unverkrampfter Umgang sich weder an angepasster Coolness, noch an professionelle Filmregeln halten zu müssen, um gelassen albern und entspannt ihr Nichts an Story zu erzählen, um einen auf Spielfilmlänge amüsant zu unterhalten. Gunther Philipp dreht nur selten zu sehr auf und weiß ansonsten zielgenau pointiert zu agieren, Peter Alexander beweist sich erneut schauspielerisch zu mehr fähig, als ihm häufig angekreidet wird, und an Musikszenen wurde gespart, so dass Zuschauer, die von solchen schnell genervt sind, eine Chance bekommen hier trotzdem gut unterhalten zu werden. Die drei Musikszenen, von der nur eine kompatibel und heiter ins Geschehen eingebaut wird, werden in der Mitte des Films jedoch kurz hintereinander gesetzt präsentiert, was aber auch bedeutet, dass man vorher und hinterher seine Ruhe hat. "Der Musterknabe" ist leichte Kost, dem es weder um Logik noch um Tiefgang geht. Und in seiner treffsicheren Komik und mit den begabten drei Top-Komikern dieser Zeit in den wichtigsten Rollen besetzt, weiß er Menschen ohne cineastische Tunnelblick-Erwartungen definitiv locker leicht, naiv und trivial zu unterhalten. Damit erfüllt er seine selbst gesetzten Ziele.  OFDb

13.11.2016

ICH ZÄHLE TÄGLICH MEINE SORGEN (1960)

Im Gegensatz zu den meisten anderen Komödien in denen Peter Alexander einen Schelm spielt gerät die zentrale Figur einmal nicht aufgrund eigener Lügen in eine verzwickte Verwechslungssituation. Diesmal ist die Hauptfigur selbst das Opfer. Und dass die Wahrheit nicht all zu schnell ans Tageslicht rückt verdanken wir einem recht guten Drehbuch, welches die Irrungen und Wirrungen aufgrund stets neu aufkommender Beweggründe einzelner Beteiligter immer im Blick behält. Zwar ist den Beteiligten kein Wunderwerk der leichten Komödie geglückt, aber kurzweilig ist „Ich zähle täglich meine Sorgen“ durchaus ausgefallen.

Die Musikauswahl ist eher enttäuschender Natur, einzig der titelgebende Song weiß zu gefallen. Der Rest bewegt sich im Mittelmaß, wird oftmals aber durch einfallsreiche Tanzeinlagen aufgefangen. Gerade die imposante Gruppen-Tanzszene, welche das Finale einleitet, entpuppt sich als wahrer Hingucker, bevor die interessante, wie zum Schmunzeln anregende Choreographie in einer Massenschlägerei endet.

Zum positiven Gesamtbild trägt auch Peter Alexanders weibliche Begleitung Ingeborg Schöner bei, die nicht nur der niedliche Sidekick Alexanders sein darf, sondern in ihrer frechen Rolle verspielt aufblüht und sichtlich Spaß am Spiel und Tanz verspürt, was schließlich auch den Zuschauer ansteckt. Zudem ist ein Gunther Philipp an der Seite Alexanders stets ein Pluspunkt. Zwar sind seine Auftritte nicht so herrlich komisch ausgefallen wie in „...und sowas muss um acht ins Bett“ oder „Hilfe, meine Braut klaut“, aber auch als Schurke und eher unfreiwilliges Anhängsel Alexanders weiß er zu gefallen. Den ruppigen Part, den sonst er übernimmt, darf diesmal Paul Esser in der Rolle des Kapitäns spielen, der mit seinem Seemannsschimpfen einen eigenen recht interessanten Charakter entwickelt hat.

Ansonsten folgt alles dem üblichen Muster dieser Art Film, inklusive eines Happy Ends, in welchem sich alle Unwahrheiten schneller aus dem Weg schaffen lassen als man meinen sollte, wobei lediglich der Handlungsstrang um das nach Hollmann buhlende Modell nicht zu Ende gedacht wird. Wurde sie während der Hauptgeschichte noch als oberflächliche Person dargestellt, die lediglich der Karriere und dem Geld wegen etwas mit dem Modedesigner anfangen wollte, so scheint sie in ihrem stummen Auftritt während der Schluss-Sequenz glücklich mit ihrem falschen Hollmann zu sein, von dem wir nicht wissen ob er über eine erfolgreiche Vertragsvermittlung nun auch halbwegs reich geworden ist.

Wie auch immer, Freunde von Peter Alexander-Romantik-Musik-Komödien kommen auf ihre Kosten. Wer dies nicht ist wird auch mit „Ich zähle täglich meine Sorgen“ nicht viel anfangen können, dafür ist der Streifen zu innovationslos, bietet zu wenig wahre Lacher oder anderweitigen Sehwert. Erst wer den Charme der beiden Hauptdarsteller spürt wird auch mit diesem kleinen nostalgischen Ausflug in die 60er Jahre glücklich werden.  OFDb

14.12.2014

SO EIN MILLIONÄR HAT'S SCHWER (1958)

Wie könnte ich eine Komödie nicht mögen, in welcher Peter Alexander und Heinz Erhardt vereint auftreten? Ein solcher Film ist ein Muss für Freunde nostalgisch deutscher und leichter Unterhaltung, und da stört es den Bewunderer dieser Stars von einst auch nur bedingt, dass „So ein Millionär hat‘s schwer“ nicht so gut ausgefallen ist, wie er es mit den beiden prominenten Zugpferden an Bord hätte werden können.

Nachdem ein Off-Kommentator mit schlechten Wortspielen eine Art Werbetext für ein französisches Urlaubsgebiet losgelassen hat, beginnt auch endlich einmal die Geschichte, mit welcher der Film besser direkt begonnen hätte. Oder auch nicht? Für unfreiwillig komische Lacher war der Beginn zumindest schon einmal sehr unterhaltsam. Und auch Alexanders oftmals peinliches Herumgehampel, während seiner meist uninteressanten und in die Geschichte nicht integrierten Lieder, wird im Laufe der Komödie noch so manches Mal den Zuschauer auf eine Art zum Schmunzeln bringen, die so sicherlich nicht gedacht war. Aber das degradiert den Streifen noch nicht zu reinem Trash wie beispielsweise „Hurra, die Schule brennt“.

„So ein Millionär hat‘s schwer“ weiß auch aufgrund seiner Stärken zu gefallen, und das sind u.a. die Sympathie der Stars, ihre lockerflockige Spielfreude und der augenzwinkernde Grundgedanke, dass ein Tunichtgut daran glaubt als Millionär keine Chance gehabt zu haben so etwas wie Arbeit zu erfahren. Ein solches Beispiel zeigt wie verspielt man einen an sich trivialen Stoff mit einem etwas anderen Blick auf die Dinge bereichern kann. Der freche Umgang der beiden Stars mit ihren meist dekadenten Mitmenschen bietet genug Grundlage hierfür. Wieviel Einfluss Alexander und Erhardt auf ihre Texte hatten, ist mir nicht bekannt. Aber Erhardt klingt in seiner Art Humor zumindest so stark nach Erhardt, dass ein Grad Mitspracherecht oder gar Improvisation eigentlich mit an Bord gewesen sein muss.

Auch ein Blick auf das Drehbuch stützt eine solche Vermutung, ist der Stoff doch eigentlich arg plump zusammengezimmert und löst die Geschichte doch die aufgebauschten Probleme viel zu schlicht auf. Nicht einmal der Bösewicht des Streifens wird gelungen abserviert. Auch der Prozess wie Peter Collins und seine Angebetete zusammen kommen ist überstürzt erzählt und dabei keinesfalls so hinreißend ausgefallen wie es beispielsweise im ebenfalls leichtfüßig erzählten „Hilfe, meine Braut klaut“ der Fall war.

Es ist wie gesagt das Glück des Filmes, dass er seine beiden Stars besitzt, die immer genug zu retten wissen, um „So ein Millionär hat‘s schwer“ kurz vor dem Kentern zu retten. Dementsprechend leisten die beiden Promis jedoch nur Reperaturdienste, anstatt eine sympathische Grundlage zum glänzen bringen zu können. Schade, aber immerhin schaffen sie es, dass man auf die hier besprochene Komödie erfreut zurückblickt, auch wenn sie so manches Mal, hauptsächlich während der unangenehmen Musikmomente, genervt hat. Einzig das Duett „Tun sie‘s nicht“, in welchem Heinz Erhardt und Peter Alexander gemeinsam singen, hebt sich von den anderen melodischen Momenten erfreulich ab, was aber nicht nur an der Lustigkeit des vorgetragenen Songs liegt, sondern auch daran, dass dieser nicht nur billig heruntergeträllert wurde, sondern auch Situationskomik beinhaltet und zudem in den Handlungsverlauf integriert wurde.

Der geht gegen Ende gar mutige Wege, wenn die Geschichte freiwillig alberner wird als zuvor. Warum plötzlich von einem Gefängnisaufenthalt der sehr anderen Art erzählt wird, werden nur die Beteiligten des Filmes wissen, denn nötig und sinnvoll ist es für die Geschichte nicht - witzig aber allemale. Die Leichtigkeit, die der Streifen mit diesem Nonsens gewinnt, tut ihm sichtlich gut und sorgt dafür, dass kurz vor Schluss bei der ansonsten vorhersehbaren Geschichte nicht die Luft ausgeht. Somit schafft es der etwas wackelige „So ein Millionär hat‘s schwer“ bis zum Schluss unterhaltsam über die Ziellinie.  OFDb

19.10.2014

HILFE, MEINE BRAUT KLAUT (1964)

Im selben Jahr des sympathischen „...und sowas muss um acht ins Bett“ drehte Peter Alexander mit Regisseur Werner Jacobs und Schauspiel-Kollege Gunther Philipp „Hilfe, meine Braut klaut“. Anstatt Schlagersängerin Gitte Haenning agiert diesmal Schlagersängerin Cornelia Froboess an seiner Seite, und anstatt diesmal den Pennäler-Komödien a la „Die Lümmel von der ersten Bank“ vorzugreifen erleben wir die klassische Verwechslungs-Komödie a la „Schäm Dich, Brigitte“, jedoch versehen mit einem romantischem Schwerpunkt a la „Hilfe, ich liebe Zwillinge“.

Gesungen wird auch, jedoch erleben wir zuvor angenehme 51 Minuten in denen dies nicht getan wird. Ab dann gibt es kein Halten mehr. Ein Lied folgt dem nächsten, innerhalb von 12 Minuten 4 Lieder, und dann kehrt wieder Ruhe ein, und die Geschichte kann ohne die Unterbrechung eines kompletten Liedes fortgesetzt werden. Mit Gesang muss man in einem Peter Alexander-Film rechnen, so war die alte Zeit, und nicht jeder Song nervt.

So wird beispielsweise ein auf russisch getrimmtes Lied recht liebevoll in das tatsächliche Geschehen integriert, noch treffender wird ein Lied in das Szenario eines 50. Hochzeitstages eingebaut. Mancher Song, der erste zum Beispiel, wird jedoch nur vor sich hin geträllert ohne wirklich kompatibel mit dem Restfilm zu sein. Das ist schade. Ein heiteres Duett mit Gunther Philipp, der Höhepunkt von „...und sowas muss um acht ins Bett“, gibt es diesmal leider nicht zu erleben.

Wesentlich angenehmer sind jedoch die unbesungenen Szenen in einer Geschichte, die etwas zu sehr bemüht mit Verwirrungen um sich schmeißt und damit manchmal etwas zu extrem in den Klamaukbereich abrutscht. Das schadet dem ansonsten recht charmant gespielten und geschriebenen Film schon ein wenig, letztendlich bleibt „Hilfe, meine Braut klaut“ jedoch sympathisch genug um simpel unterhalten zu werden. Philipp spielt stur und starrsinnig wie gehabt, mit einer liebevollen Übertreibung zu seinem Beruf als Detektiv, was fast ein wenig an „Sledge Hammer“ zu erinnern weiß. Und Peter Alexander beweist mal wieder dass er mehr als nur der vor sich hin trällernde Schlagersänger in einem Spielfilm ist, setzt Mimiken treffsicher ein, tanzt choreographisch leichtfüßig und weiß auch sonst seine schauspielerischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

Etwas mager wirkt die Darstellung seiner Schlagerkollegin Froboess, die zwar austauschbar spielt, aber ohnehin nur das Anhängsel des männlichen Duos ist, welches für die wahren Lacher der Geschichte verantwortlich ist. Das sind dann zwar (mittlerweile?) eher kleine Schmunzler als große Lacher, aber sie wissen zu gefallen, wirken nur selten krampfhaft gewollt wie in dem Szenario um das Aneinandergekettetsein mit schlüssellosen Handschellen, sondern gefallen meist, so z.B. in der parallel zur Handschellensituation ablaufenden Szene, in welcher der mit Haase befreundete Detektiv in einem teuren Restaurant feststellen muss, dass seine Begleitung mit Vorliebe teuren Champagner trinkt, während er pleite auf seinen Kumpel wartet, der ihm Geld vorbeibringen wollte.

Der letzte Schliff zur wahrlich gelungenen Verwechslungs-Komödie fehlt, und die Grundlage warum die Millionärin lügt ist ein wenig dünn aufgetragen, aber „Hilfe, meine Braut klaut“ weiß auf klassische und damals zeitgemäße Art zu unterhalten und verkommt nicht zum pausenlosen Singsang, der manch anderen Peter Alexander-Film unerträglich macht. Der international benannte „Help, My Bride Steals“ ist der Zwischendurchverzehr für Freunde der leichtfüßigen 50er/60er-Jahre Phase deutscher und österreichischer Komödien. Wer als Cineast Gefallen an dieser Art nostalgischer Filmkunst hegt, kann bedenkenlos reinschalten.  OFDb

05.02.2013

HAUPTSACHE FERIEN (1972)

Da der Lehrer Peter Markus nicht bestechlich ist und die jüngste Tochter nicht versetzt werden soll, denkt sich der reiche Bauunternehmer Kannenberg eine List aus. Als angeblicher Wettbewerbsgewinn schenkt er dem Lehrer ein Fertighaus zur Selbstmontage. Damit der noch geheime Bestechungsversuch nicht zu früh auffällt, darf seine ältere Tochter Ursula die fröhliche Nachricht überbringen und den Aufbau begleiten. Erst nachdem sie sich in Peter verliebt hat (und er sich in sie) erfährt sie die wahren Gründe ihres Vaters. Doch da ist es schon zu spät...

Häusle bauen mit den Chaoscampern...
 
Peter Alexander als verständnisvoller Lehrer, Balduin Baas als böses Gegenstück, Schüler, die Lehrern Streiche spielen, Lehrer bestechende Eltern, Rachestreiche Peters, und da könnte man sicherlich noch viel mehr aufzählen, was als Rezeptur bereits aus diversen Teilen der „Lümmel von der ersten Bank“ bekannt ist, insbesondere aus „Hurra, die Schule brennt“ und „Zum Teufel mit der Penne“, da dies die einzigen Teile mit Peter Alexander waren.

Der Vergleich passt jedoch nur zum ersten Drittel, denn danach beginnt die Ferienzeit, ein Bereich der die Lümmelfilme nie interessiert hat. Ein Hintertürchen wegen des späten Erscheinungsjahres und dem Abflauen des Interesses an Pennäler-Komödien schien jedoch nicht der Grund zu sein, denn fröhlich wird nach Jahren der Schulklamotten im deutschen Kino augenzwinkernd ganz offiziell in „Hauptsache Ferien“ das Subgenre als solches innerhalb eines solchen Filmes erwähnt.

Das sind nicht die einzigen Seitenhiebe seiner Zeit. Peter Alexander darf manch derbe zweideutige Bemerkung machen, die entschlüsselt schon gar nicht mehr zu seinem schmalzigen Charme passen, den er stets versprüht. Doch sein Rezept bleibt erfolgreich: wie gehabt verzeiht man dem guten Mann alles, und im Gegensatz zu früheren Werken muss man ihm ohnehin weniger durchgehen lassen. Diesmal ist es Peter dem man übel mitspielt, und bis auf einige Aktionen (z.B. jene fragwürdige, in der er Manipulation mit Manipulation bekämpft) ist er der Unschuldige.

Die im Titel so in den Vordergrund gedrängten Ferien sind im fertigen Werk eigentlich nur Nebensache. Fröhliche Camper aus dem deutschsprachigen Raum helfen dem Peter beim Bau eines Fertighauses, was wiederum dem Hintergrund dient dass ein reicher, böser Bauunternehmer den Lehrer kaufen will, damit das Töchterchen bessere Noten bekommt.

Nicht nur Theo Lingens toll gespielte Rolle als Bauunternehmer ist eine Kritik an den damals aufkommenden Seiten des Kapitalismus, auch die Eingangssequenz weist dies auf, gemixt mit Kleinbürger-Kritik. Diese Einstiegsszene erinnert an Udo Jürgens berühmtes Lied „Das ehrenwerte Haus“ und handelt davon wie sich Nachbarn gegenseitig auf den Wecker gehen und ihre eigenen Nerven strapazieren, da die Rolle Lingens sie in einem aus Kostengründen sehr hellhörigen Haus wohnen lässt, in welchem es keine Privatsphäre gibt, während gleichzeitig Mieten erhöht werden.

Lediglich die leichte Art, mit der man hier auf Missstände aufmerksam machen will, lässt das Entstehungsjahr erkennen. Immerhin spielt der Film zu einer Zeit in der es den Deutschen gut ging und Optimismus in der Luft lag. So mag aufgrund der Humororientierung eher das comicartige Spiel mit dem bösen Unternehmer a la Dagobert Duck im Raum gestanden haben, als das ernste Anliegen auf eine Gefahr hinzuweisen, die in den 80er Jahren später Fuß fasste, in den 90er Jahren fruchtete und im (noch) laufenden Jahrzehnt langsam von allen bemerkt wurde.

Kann man Regisseur Peter Weck deshalb nun loben oder eben nicht? Wahrscheinlich letzteres, denn „Hauptsache Ferien“ soll ein fröhliches, musikuntermaltes Lustspiel sein, dass gute Laune machen soll. Da das Ziel erreicht wird, wenn auch auf trivialste Art, braucht man auf der Gegenseite auch nicht über etwas zu schimpfen, dessen Umfang damals noch nicht für jedermann ermessbar war.

Peter Weck hat übrigens keine Rolle übernommen. Der Schauspieler konzentriert sich hier komplett auf die Regie, und innerhalb des Bereichs der fröhlich deutschen Komödie der 60er und 70er Jahren scheint er auch Talent dafür zu besitzen. Immerhin zeigte bereits seine erste Regiearbeit „Hilfe, ich liebe Zwillinge“, dass mehr als reine Peinlichkeit in deutschen Komödien möglich ist. Zudem ist der gerade angesprochene Film wohl der einzig erträgliche Streifen mit Roy Black in der Hauptrolle. Peter Weck drehte noch bis 2007 Filme, das zeigt dass er in seiner Zweitkarriere ebenso unermüdlich war wie in seiner ersten.

„Hauptsache Ferien“ funktioniert eigentlich ganz gut. Die Lovestory ist nicht so aufdringlich wie typisch für das Subgenre (dafür sind Peters Anmachversuche dreist platt wie immer), Peter Alexander spielt die Rolle die er meistens spielt, Theo Lingen erweist sich als einzig herausragender Schauspieler, die Geschichte ist kurzweilig, die kürzen Anflüge der „Lümmel"-Filme angenehm erheiternd, insgesamt kann man also von einem gelungenen Werk sprechen.

Abstriche gibt es meinerseits jedoch im Musikbereich. Peter singt nicht seine besten Songs, aber sie sind durchschnittlich. Etwas das man von ihrer Inszenierung innerhalb der Geschichte nicht behaupten kann. Zwar passen die meisten Lieder zum gerade angegangenen Thema, sie wirken jedoch wie ein Fremdkörper innerhalb eines ansonsten funktionierendem Gesamten.

Kostümänderungen und Peters oftmals peinliche Tanzeinlagen wirken unsympathisch. Was man bei der kurzen Dauer eines Liedes jeweils gut verzeihen kann, wird zur Zerreißprobe für den nicht auf Peter Alexander-Musik abonnierten Zuschauer, der während eines Liebesgeplänkels ziemlich zur Mitte der Laufzeit einen Endlossong inklusive Nachzügler-Lied über sich ergehen lassen muss, mit einem Text, der leider nicht den kreativen Charme manch anderer im Film gesungener Textzeilen besitzt.

Hat man diesen Musikmarathon in der Mitte der Laufzeit überlebt, wird es wieder fröhlich und kurzweilig wie zuvor. Wer einen Peter Alexander-Film einschaltet weiß ohnehin was ihn da ungefähr erwartet, und wer ihn auf Zelluloid gebannt mag kann mit Peter Wecks Werk nicht falsch liegen.

Mir ist übrigens nur ein „gravierender“ Unterschied zu Vergleichsfilmen (oft mit Heintje) aufgefallen: das Kind, das bei Peter wohnt, ist kein Neffe sondern eine leibliche Tochter. Und diese sucht dem Herrn Single-Papa diesmal keine Frau. Das kann Peter diesmal sogar allein.  OFDb

08.12.2012

PETER SCHIESST DEN VOGEL AB (1959)

Peter, ein Hotelpage, erbt eine Menge Geld, schmeißt seinen Job und dreht endlich einmal den Spieß um. Er macht Ski-Urlaub und wird somit selbst einmal Gast in einem Hotel. Da es allerdings als Normalperson zu viel Wartezeit in Anspruch nimmt, um ein Zimmer zu bekommen, gibt er sich als berühmter Millionär aus. Ebenfalls vor Ort, und von Peter heiß begehrt, befindet sich eine junge Frau, die per Telefon schon des öfteren Ärger mit Peter in seiner Position als Page hatte. Der neureiche Held handelt sich mit jeder Lüge immer mehr Probleme ein. Und sein Geld wird mit der Zeit auch immer weniger...

Der Peter wird‘s schon richten...
 
Und wieder spielt Peter Alexander einen arroganten, lebensfrohen Egoisten, der sich als wen anders ausgibt als er ist, damit und mit anderen Dingen tausend Gesetze bricht, vor sich hinträllert und jedem Rock hinterher guckt, ganz besonders allerdings einem speziellen. Das gab es schon diverse Male und manchmal auch eine Spur aufregender, ja manchmal sogar lebensbedrohlicher. Die Story von „Peter schießt den Vogel ab“ ist auch innerhalb der belanglosen Geschichte eher einfallslos. Ohnehin erzählt das Werk nicht viel, stolpert von einer chaotischen Situation in die nächste, durch ein Gehampel und einer so infantilen Komik, wie man sie heutzutage wohl dementsprechend nur noch in Kinderfilmen einsetzen würde. Dabei wirkt der Hauptcharakter wie ein würdeloser Clown, wütet herum, macht alles kaputt, aber keiner ist unserem Peter ernsthaft böse. Das ganze Theater streckt sich dann über die erste Stunde hin, bis dann allerdings noch kleine Kriminalelemente mit eingespielt werden, womit der Film wenigstens zum letzten Drittel hin genügend Fahrt bekommt um immerhin als Routine durchzugehen. Denn bei aller Naivität, Dreistigkeit, Peinlichkeit und Eigenkopie geht es dem aufgeschlossenen deutschen Cineasten letztendlich doch genauso wie den Urlaubern im Film: Man kann Peter Alexander nicht ernsthaft böse sein. Das macht seine Werke so viel erträglicher als vergleichbare Produkte aus Deutschland und Österreich. Er ist einfach (wie immer) der schmalzige Schelm, ehemalige Frauenheld und Schlagerbarde, den man zwar zu Recht in den Bereich des Trash abstufen sollte, dem man aber sein Talent, auch wenn es aus einer fast unbrauchbaren Ecke zu kommen scheint, nicht absprechen kann. Musikfreunden sei allerdings gesagt, dass die Lieder Alexanders in diesem Werk nicht gerade zu den Lichtmomenten seiner Kariere gehören. Dass die komplette Story aus heutiger Sicht so ziemlich in jedem Punkt arg fragwürdig ist, macht „Peter schießt den Vogel ab“ immerhin zu einem halbwegs interessanten Dokument einer Zeit, von der ich behaupten möchte, dass sie individueller als die Gegenwart geprägt war.  OFDb

27.11.2012

MÜNCHHAUSEN IN AFRIKA (1958)

Peter, ein Nachfahre des berühmten Baron Münchhausen, ist ein Tunichtgut, der trotz vieler Talente, wie dem Musizieren z.B., nie eine Sache richtig zu Ende bringt und nie Verantwortung übernimmt. Nachdem ihm als Aushilfslehrer gekündigt wird, landet er versehentlich in einer Fernsehsendung als Afrikaexperte. Eine Bekannte von ihm sieht die Sendung und bittet ihn mit nach Afrika zu kommen, damit auch nichts passieren kann. Eigentlich hat Peter Angst vor der Wildnis, aber als er hört dass sein heimlicher Schwarm Josefine auch mitfliegt, willigt er ein. Unter wilden Tieren und Eingeborenen kommt es zu allerlei Abenteuern. Da ist es nicht gerade hilfreich, dass Peter unwissendlich zwei Gauner, die sich als Großwildjäger ausgeben, als Begleiter engagiert...

Der Titelgeber war ein Münchhausen... 
 
Wer sich hin und wieder an Filme mit Peter Alexander wagt, kennt das Problem. Man weiß nie was einen erwartet. Den großen, guten Film gibt es nie mit ihm, hat man Glück erwischt man einen, der angenehm und locker 90 Minuten zu unterhalten weiß (z.B. „Kriminaltango“). Hat man Pech erwischt man höchst peinliche Filmmomente, die man lieber nie gesichtet haben wollte („Charleys Tante“). Im Falle von „Münchhausen in Afrika“ verhält es sich ähnlich wie in „Die Abenteuer des Grafen Bobby“, dass sich beide Möglichkeiten mixen, wobei die unangenehme Seite dominiert.

Da nutzt es auch recht wenig, dass Peter Alexander selbst ein talentierter Entertainer ist, der nicht nur singen und tanzen kann, sondern auch schauspielerische Qualitäten aufblitzen lässt. Da er diese aber, wie gerade der hier besprochene Film zeigt, nur all zu gern für Peinlichkeiten nutzt, rutscht solch ein Pluspunkt viel zu häufig in den Negativbereich.

Eigentlich ist in allem der Wurm drin. Die Geschichte ist kaum eine, hat mit Münchhausen so viel zu tun wie „Inglourious Basterds“ mit „Der Untergang“, die Musik ist selbst für Peter Alexander-Verhältnisse arg fröhlich und damit eher nervig, und der Gesangsanteil ist diesmal auch enorm hoch.

Aufnahmen wilder Tiere gibt es zuhauf, und für einen ollen 50er Jahre Klamauk-Streifen wurde auch recht anständig getrickst, wenn die Tiere Menschen die Hölle heiß machen. Eine Scheu vor Tieren lässt Alexander dabei nicht aufkommen, was spätestens der Ritt auf einem Nashorn zeigt.

Geblödelt wird viel, und ab und an gibt es auch gelungene Witzchen und Sprüche, beispielsweise wenn Peter Münchhausen von einem Mann gebeten wird, sich doch bitte hinten in der Schlange anzustellen, und der damit kontert, dass da bereits wer steht. Das sollte man glatt mal im wirklichen Leben ausprobieren.

Was die Rolle Peters betrifft, das ist eigentlich die Rolle, die er immer spielt, und in der man ihn auch immer wieder sehen möchte, da man ihm dadurch vieles verzeihen kann. Peter spielt den charmanten Taugenichts, der auf egomanische und dreiste Art sein Glück sucht und sich dabeitollpatschig anstellt. Also denkt man sich, was soll’s, es ist doch nur unser Peter. Da kann ein Film nur sehr selten komplett schlecht und nervig werden. Irgendwie schafft es Peter Alexander das Übel mit seinem Charakter, und sei es nur der Künstlercharakter, halbwegs wieder aufzufangen.
 
Im Gegensatz zu „Kriminaltango“ wissen diesmal nicht einmal die Ganoven sonderlich zu überzeugen. Sie wirken zwar wie Schelme, aber eine besondere Persönlichkeit lernt man durch sie nicht kennen. Dabei wird einer von ihnen von Gunther Phillipp gespielt, der eigentlich auch nicht zu den untalentierten Schauspielern seiner Zeit zählt.

Wen es wundert, dass sein Name im recht nett animierten Vorspann vor dem einer Frau steht, dem sei gesagt, dass die obligatorische Lovestory diesmal sehr an den Rand gedrängt wird. Peters große Liebe bekommt relativ wenig Screentime beschert und ist für die Geschichte auch kaum von Bedeutung. Da lieben sich beide heimlich, kriegen sich auch am Schluss, aber selbst das wäre für ein Happy End nicht nötig gewesen, denn das erwartet dem arbeitslosen Peter mit einem Job, der auf ihm zugeschnitten ist.

Ob im Zuge der Spaßgesellschaft, die ja nun in jedem Alexander-Film propagiert wird, die kurze Nebenhandlung eines TV-Senders betreffend als eingebaute Gesellschaftskritik oder doch eher als Nebeneffekt der fröhlichen, nicht nachdenklichen Erzählweise solcher Gute Laune-Produktionen verstanden werden kann, überlass ich jedem Leser selbst. Ich tendiere zu letzterem. In dieser Szene entscheidet sich ein Fernsehsender den Lügner und Hirnlos-Entertainer einem hoch angesehenen Wissenschaftler und Afrika-Experten vorzuziehen, zur Gestaltung eines Kulturprogramms über den besagten Kontinent.

„Münchhausen in Afrika“ lässt sich mit etwas Geduld gucken. Seine zweite Hälfte schaut sich etwas flotter als die erste, aber insgesamt ist es schon ein unangenehmer Vertreter der Peter Alexander-Filme, der nur den wenigen Komplettisten von Alexanders Lebenswerk ans Herz zu legen ist. Wer die gute Laune-Musik dieses Entertainers mag, wird wesentlich weniger genervt reagieren als ich. Wer sich für die Münchhausen-Thematik interessiert braucht überhaupt nicht reinschalten. Dessen Name im Titel ist zwar keine Lüge, aber eine etwas unverschämte Ausrede.  OFDb

21.11.2012

...UND SOWAS MUSS UM ACHT INS BETT (1964)

Dr. Eddi Frank ist ein tolpatschiger Lehrer eines Jungeninternats und damit erste Wahl des Direktors, als dieser von einer Kollegin angeschrieben wird, dass sie dringend eine Aushilfe auf ihrem Mädcheninternat benötigt. Ohne zu wissen was ihm bevorsteht, übernimmt der mit dem weiblichen Geschlecht unerfahrene Mann eine rebellische Klasse aufsässiger Mädchen, die kurz vor dem Abitur stehen. Dr. Frank wird Opfer böser Streiche, will den neuen Job schon hinschmeißen, wäre da nicht eine attraktive Kollegin, die ihn bittet zu bleiben. Als Dr. Frank von dieser Kollegin Liebesbriefe erhält, wächst das Selbstbewusstsein in ihm, und er nimmt den Kampf mit der Klasse auf seine Art auf: mit Verständnis. Er ahnt nicht dass eine Mitschülerin adliger Abstammung für die Briefe verantwortlich ist, um Dr. Frank erneut einen Streich zu spielen...

Und sowas war ein Frauenschwarm...
 
War Peter Alexander in vergleichbaren Filmen von Anfang an der Sonyboy, bei dessen Charme Frauen und Mädchen nur so dahinschmolzen, so ist er in der Rolle des Dr. Frank das Gegenteil. Ein uncooler Scheitel, an dem er nervös herumspielt, eine Brille, die sein Gesicht versteckt und seine tolpatschige Art lassen ihn alles andere als lässig wirken. Und die Figur, die er spielt, ist zudem unerfahren in Frauensachen. Hier darf der olle Peter einmal etwas anders spielen als sonst, quasi ein Spiel mit seinem typischen Filmcharakter, der aus dem Grundcharakter des Dr. Frank erst herauswachsen muss, in diesem Punkt sicherlich vergleichbar mit jener Rolle von Terence Hill aus „Verflucht, verdammt und Halleluja“.

Ihm zur Seite stellte man Gunther Philipp als sein Gegenstück. Er ist hinter jedem Rock her, wenn auch meist mit gleichem Ergebnis. Sein Kontostand durch den Beruf eines Zahnarztes öffnet ihm Tür und Schoß des anderen Geschlechts, wegen seiner unsensiblen und egozentrischen Art bleibt es jedoch nur dabei. Dass Dr. Frank mit dem gegenteiligen Charakter des sensiblen und verständnisvollen Lehrers nicht lange in der Position des Mannes bleibt, dem sich die Frauen verweigern, dürfte klar sein. Und dass dieses Ergebnis auf einem Mädcheninternat nicht nur die erwachsene Weiblichkeit trifft, ist ein ebenso vorprogrammiertes Stück finaler Verwicklungen, wie so ziemlich der komplette Handlungsablauf des Gesamtfilmes vorhersehbar ist.

Doch ein Werk mit Peter Alexander schaut man gewiss nicht einer innovativen Geschichte wegen. Und so ist das auch gar nicht schlimm, zumal sich der Film einen Hauch erfrischend anders guckt, als so mancher Streifen, der seinen Fußstapfen folgte. „...und sowas muss um acht ins Bett“ ist nämlich ein Frühwerk der späteren Welle um Pennälerkomödien, die spätestens drei Jahre später durch „Die Lümmel von der ersten Bank“ so richtig in Fahrt kommen sollte. Mit dieser Filmreihe und seinen Nachahmern verglichen schaut sich „...und sowas muss um acht ins Bett“ recht anders, setzt dieser sein Hauptaugenmerk nach Tradition doch noch immer auf die Liebesgeschichte und nicht auf die rebellische Klasse. Das sollte in späteren Werken anders sein, selbst in jenen Filmen, in welchen der Lehrer und nicht die Klasse zum Mittelpunkt wurde (z.B. „Hurra, die Schule brennt“).

Trotzdem zeigt sich schon im reduzierten Teil der Geschichte um eine freche Klasse das typische Rezept der späteren Filme. Die Streiche sind teilweise schon recht hart, aufgrund des Alters der Mädels mit heutigem Blick aber auch sehr naiv. Der Lehrer findet auf dem selben Weg Gehör und Respekt der Rebellen, wie später so ziemlich jeder neue Klassenlehrer der berühmten Lümmel um Hansi Kraus. Auf der Gegenseite weiß auch die Hauptgeschichte um die Liebe zweier Lehrer zu funktionieren, wobei der weibliche Part freilich nicht mehr zu tun hat, als sympathisch und niedlich zu wirken.

Musikalisch gibt es zu Beginn einiges an Zurückhaltung, doch wenn das erste mal gesungen wird, braucht man nicht mehr lange auf ein zweites mal zu warten. Von da an geht es Schlag auf Schlag, bzw. Schlager auf Schlager, und da auch Gitte Henning in der Besetzung auftaucht, in der wohl wichtigsten Mädchenrolle des Films, ist es nicht Alexander allein, der vor sich hinträllern darf. Im Gegensatz zu späteren Filmen darf man die Bezeichnung vor sich hinträllern noch als treffend bezeichnen, denn nicht jedem Lied wurde eine Tanzszene oder imposante Spielszene beschert.

Interessantester Aspekt des Streifens dürfte wohl der Emanzipationsgedanke des Jahres 1964 sein, der sich trotz seiner Bemühungen noch stark frauenfeindlich gibt. Aber man erkennt die ersten Anzeichen weiblicher Rebellion Richtung Gleichberechtigung, die sich aber eher noch in kleinen Tricks und Spielereien zeigt und recht wenig im Verständnis von männlicher Seite aus. Zwar sind die Männer in ihren bösesten Momenten diesbezüglich betrunken, womit man die Extreme ihrer Worte noch halbwegs entschuldigen kann, aber auch sonst zeigen sie nicht gerade Toleranz vor der Eigenständigkeit geschweige denn der Würde und dem Charakter einer Frau.

Dass der Film jedoch mit diesem veralteten Rollendenken des Mannes spielt, zeigt sich nicht erst dadurch, dass überholtes Denken über das schwache Geschlecht über ein Lied von zwei Betrunkenen thematisiert wird. Es zeigt sich z.B. auch in einer eher versteckten Gegenüberstellung, wenn ein Mann darüber singt, dass die Frau erst über den Mann zu einem kompletten Charakter wird, auf der Gegenseite jedoch angebliche Liebesbriefe den später charmanten Charakter des Dr. Frank herauskitzeln, eine Seite, die ihn sympathisch für die Frauenwelt macht, und die er ohne die Hilfe des anderen Geschlechts nie entdeckt hätte. Und das geht weit über die modischen Tipps hinaus, mit denen das alles seinen Anfang nimmt.

Ein gut beobachtendes Auge muss den Ausruf Frauenfeindlichkeit also etwas relativieren, sind es doch zwischen den Zeilen ganz klar die Frauen, die hier die Hosen anhaben. Aber sie sind noch weit von dem entfernt, was in den 70er Jahren Gleichberechtigung werden sollte, jene Zeit, in der Emanzipation seinen ehrlichsten Höhepunkt erreichte.

„Und sowas muss um acht ins Bett“ bietet inhaltlich zwar nichts neues, aber ohne sonderlich erwähnenswerte Höhen und Tiefen weiß er auf schlichte Art bis zum Schluss zu unterhalten. Wer die Lieder mag oder sie im gegensätzlichen Falle zumindest zu ignorieren weiß, der bekommt eine kleine, lustige Komödie präsentiert, die neben manch böser Schülerstreiche auch manch lustiges Wortspiel zu bieten hat und einen seiner humoristischen Höhepunkte wohl im eben angesprochenen betrunkenen Lied findet, in welchem Dr. Frank und sein Kumpel, der Zahnarzt, ihre Ansichten über die Frauenwelt austauschen.

In schwarz weiß gehalten distanziert sich der Film von späteren Peter Alexander-Filmen. Dieser optische Unterschied tut ihm gut, zumal das Werk sich noch eher an vergangene, überholte Schwerpunkte orientiert und sich somit nicht so modern gibt, wie die späteren Filme mit dem österreichischen Frauenschwarm. Auch der Verzicht grober Albernheiten, die später zum typischen Stil deutscher Komödien werden sollten, tut dem Film sichtlich gut, was nicht heißt, dass Alexander keinen Weg finden würde, sich in der Rolle des Dr. Frank nicht trotzdem austoben zu können. Das wäre ja auch schade, schaltet man doch einzig und allein seinetwegen ein.  OFDb