Ich hatte ihn zwar etwas besser in Erinnerung, als er nun bei der zweiten Sichtung auf mich wirkte, aber "Iron Man 2" läuft definitiv runder als Teil 1, auch wenn er dem Superhelden-Universum inhaltlich herzlich wenig Neues zu bieten hat. Hier blitzen Elemente auf, die bereits in den 70er und 80er Jahren mit diversen "Superman"-Filmen und "RoboCop 2" mehr als nur gestreift wurden. Der Egoismus des Helden und die fehlende Anonymität machen aus Stark dennoch eine interessante Figur, und diese trägt den halben Film. Außerdem gehört die Fortsetzung von "Iron Man" zu den wenigen Beispielen, in denen es Freude bereitet im Finale Gleiches gegen Gleiches im heftigen Effektgewitter gegeneinander kämpfen zu sehen. Schon seit Jahrzehnten bot das Kino diverser Länder Roboterschlachten, das Rumgeballer hier macht trotz etlicher CGI tatsächlich Laune, wenn es Bilder und Szenarien in einer Schlagzahl bietet, die bisher kaum möglich waren. Ohnehin lebt "Iron Man 2" von seinem hohen Tempo, welches verhindert dass Ungereimtheiten zu sehr ins Gewicht fallen (das komplette Autorenn-Szenario, das schnelle Geständnis Hammers, nur weil er im Würgegriff einer Agentin ist, ...) und dass man sich zu sehr an plumpen Emotionsmomenten aufhängt, wie das Entdecken dass Starks Vater doch kein gefühlskalter Egomane war. Überraschender Weise weiß ein finaler Kuss trotzdem zu funktionieren, obwohl sämtliche Figuren zu oberflächlich bleiben. All zu kritisch sollte man sich dem Produkt nicht annähern, soll es doch lediglich gute Unterhaltung im verschwenderischen Stil bieten. Und wenn etliche Explosionen nicht weiter nach Opfern und anderweitigen Schäden hinterfragt werden, es nach dem Finale sogar nur noch um einen zu rettenden Menschen geht, obwohl der Stadt eine Explosionswelle bevor steht, dann doch bitte in einem Film, der ohnehin einen Narzissten zum Helden erklärt. Also Hirn aus und unterhalten lassen, mehr soll "Iron Man 2" nicht, mehr kann er aber auch nicht. Wiki
Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
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23.07.2023
IRON MAN 2 (2010)
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Action,
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27.08.2019
GET CARTER (2000)
Es ist kaum zu glauben, aber nach seiner großartigen schauspielerischen Leistung in "Cop Land", für die er selbst von Tunnelblick-Kritikern erstmals gelobt wurde, dauerte es drei Jahre, bis Sylvester Stallone wieder in einer Hauptrolle besetzt wurde. Ob es gut war, ihn ausgerechnet in der Neuverfilmung eines 70er Jahre-Klassikers zurückkehren zu lassen, darf angezweifelt werden, waren die Kritiken doch dementsprechend vernichtend. Wenn man sich mit der 00er Jahre Version von "Get Carter" anfreunden möchte, dann ist es sicherlich von Vorteil das Original "Jack rechnet ab" nicht zu kennen. Und selbst dann wird es für viele Filmfreunde schwer der Regiearbeit von Stephen Kay, der später den ersten "Boogeyman" inszenierte, eine echte Chance zu geben, ist sie doch anders ausgefallen, als die meisten vermutet haben, gerade wegen der Besetzung Stallones im Zentrum der Geschehnisse. Von einem klassischen Stallone-Film, egal aus welchem vorherigen Jahrzehnt, ist nicht mehr viel übrig geblieben. "Get Carter" weist weder die Härte der 80er Jahre Actionfilme auf, noch die Ruhe seiner 70er Jahre-Werke, und erst recht nicht die Ironie und reflektiertere Art seiner 90er Jahre-Filme. Einzig das belehrende Weltbild des erfolgreichen Actionstars ist noch vorhanden, die rückblickende Reue, die gut gemeinten Ratschläge, aber das ist immerhin etwas, was einem ein Stück Heimatgefühl eines Stallone-Filmes beschert.
Ein solcher ist "Get Carter" streng genommen ohnehin nicht, auf einem Buch basierend, von wem anders zum Drehbuch neu verfasst und mit wem anders auf dem Regiestuhl sitzend ist Stallone lediglich die Hauptbesetzung. Außerhalb seiner Rolle besaß er kein Mitspracherecht. Und schaut man sich das Ergebnis an, so ist er Teil einer kühl durchkalkulierten Produktion, der es lediglich darum geht sich gut zu verkaufen und in ihrer durchgestylten Art gut auszusehen. Kays Werk ist sowohl inhaltlich wie inszenatorisch oberflächlich ausgefallen, und ein moderner, hektischer Schnitt, soll das Produkt flott und up to date wirken lassen. Gerade der Schnitt ließ mich oft ratlos zurück. Was soll das hektische Ausblenden einer Szene, wenn darauf anknüpfend in selbige wieder angesetzt wird? Was soll das Auffahren des Tempos, indem simple Abläufe, wie ein Spaziergang zum Wagen, ständig per Schnittgewitter beschleunigt werden, so als besäße der Zuschauer keine Geduld? Das ist freilich ein Irrtum, es ist das Endergebnis und die Verantwortlichen des Stoffes, die keine Geduld hatten, und selbiges trifft auf ein Begreifen der schlicht dargebotenen Charaktere zu, denen man keine Nähe beschert, womit der Bezug für den Zuschauer fehlt. Die Motivation irgend einer Figur zu begreifen, wird für diesen so schwer, wie das Empfinden eines Innenlebens für irgendwen zu entdecken.
"Get Carter" soll halt in der damals so futuristisch und kühl technisch wirkenden Welt der digitalen Pornoindustrie und ähnlich neo-kriminellen Umfeldern spielen, so dass der Stil dieses kühle Feeling ebenfalls einfangen soll. Das klingt soweit in Ordnung, grenzt den Zuschauer nur völlig vom eigentlichen Geschehen aus, so sehr sogar, dass er sich eigentlich nur beiläufig für den aufzuklärenden Fall interessiert, an dem ohnehin nur eine handvoll wichtiger Gestalten beteiligt zu sein scheinen. Dementsprechend hüpft Carter stets von einer Figur zur nächsten und wieder zurück, wenn er gerade ein neues Detail der verworrenen Umstände um den Tod seines Bruders aufgedeckt hat, und immer reagieren die aktuell (wieder) angesprochenen Zwielichtigen wie eingeweiht, so als wüssten sie noch vor den Äußerungen Carters, an welchem Punkt der Ermittlung er gerade angekommen ist. Dass Kay es inmitten dieses kühlen und hektischen Umgangs mit einer an sich simplen Geschichte schafft, gelegentlich Herzenswärme zu vermitteln, gleicht einem Wunder. Carter stößt aufgrund der Familie, die er verlassen hat, stets auf Ablehnung, mit Ausnahme der jugendlichen Nichte, die er als Mann voll begangener Fehler mit guten Ratschlägen versorgen kann. Hier kommt es gelegentlich zu wahrlich dramaturgisch stimmigen Momenten, deren Erfolg auch in der guten Besetzung der Filmnichte mit Rachel Leigh Cook zu finden ist. Dass wiederum ausgerechnet der entscheidende Knackpunkt der Recherche, in welchen sie involviert ist, trotz erschreckendem Szenario emotional unterkühlt stattfindet, beweist nur wieder den zu distanzierten Stil des Streifens, dessen führende Hand Kays die gelungenen dramatischen Momente scheinbar nur Zufall erscheinen lässt.
Wie auch immer, ich kann jeden verstehen, dem das Dargebotene einfach zu plump ausgefallen ist. Aber ich muss gestehen, dass ich, warum auch immer, Sympathie zum Ergebnis hege. Diese durchgestylte Art mit einem optisch wirksamen Stallone im Zentrum wirkte bei mir. Im Originalton war freilich auch seine Stimme wieder Trumpf, die jeden Stallonefilm im Original bereichert. Und abgesehen von manch nervigem Schnitt gefiel mir überraschend auch die unterkühlte Art des Streifens, die mich als Zuschauer in einen Zustand versetzte, der mich für das oberflächliche Abarbeiten von Figuren und Situationen unempfindlich werden ließ. Ich genoss einfach den simplen Style, die plumpe Art, akzeptierte sie und hatte dementsprechend Spaß mit einem Film dessen Original ich nicht kenne. Aus diesem entlieh man sich die ehemalige Hauptbesetzung Michael Caine, der nicht nur kurz als Cameo durchs Bild hüpfen darf, sondern mit einigen Auftritten gesegnet mehr mit dem zu lösenden Fall zu tun hat, als manch Naiver zunächst denkt. Dass die Aufdeckungen Carters nicht all zu aufregend ausfallen und am Ende nur ein simpler Plot bleibt, stört nicht weiter, ist die Annäherung mit der Nichte doch weit wichtiger für die Wirkung des Streifens, als es der Kriminallfall je wäre. Dass dieser Aspekt wichtig für den Film ist, schien man zumindest zu erkennen, bekommt die Verabschiedung von der Nichte doch, wie manch andere Szene mit ihr, am Ende angekommen, genügend Raum zur Entfaltung, so dass sie auf schlichte Art zu berühren weiß, zumindest wenn man sich mit wenig Tiefgang zufrieden geben kann und sich auf naive Inhalte einlassen kann. Das ist ohnehin das Erfolgsrezept, um an "Get Carter - Die Wahrheit tut weh" (Alternativtitel) seine Freude haben zu können. Ob man das bei solch plumpen Filmergebnis überhaupt will, sei freilich einmal dahingestellt. OFDb
14.10.2012
DAS VERSPRECHEN (2001)
An seinem letzten Arbeitstag vor dem Ruhestand wird Kommissar Jerry
Black auf einen Kriminalfall um einen Kindermörder aufmerksam. Die
Polizei löst den Fall, Black glaubt jedoch, dass der wahre Täter noch
auf freiem Fuß ist und schon so manches Mal zugeschlagen hat. Der
Rentner mietet sich eine Tankstelle und bietet einer alleinerziehenden
Mutter an für ihn zu arbeiten und bei ihm zu wohnen. Ihr Kind nutzt er
als Lockvogel um den Triebtäter aus der Reserve zu locken...
Versprochen ist versprochen...
„Es geschah am hellichten Tag“ war seinerzeit ein wirklich hervorragender Film. Er schockte nicht nur mit einer düsteren Thematik, sondern auch mit einer zu seiner Zeit sehr düsteren Umsetzung. Mit Heinz Rühmann und Gert Fröbe waren die wichtigsten Figuren nicht nur sehr gut, sondern auch prominent besetzt.
Die Zeiten werden anders, das Kino und die Sehgewohnheiten des Publikums somit auch. Das macht Neuverfilmungen legitim. „Das Versprechen“ ist mittlerweile die 5. Verfilmung. Bereits in den 70ern gab es ein kaum beachtetes Remake, eine holländische Produktion (mittlerweile auf DVD unter dem Titel „Es geschah am hellen Tag“ zu erwerben) führte ebenfalls eine Existenz im Schattendasein der vielen anderen Produktionen zu Zeiten, in denen Filme dank Video zum Schnellverzehr wurden. Und erst als in den 90ern eine deutsche Neuverfilmung mit dem durch „Der bewegte Mann“ berühmt gewordenen Joachim Król erschien, gab es wieder ein größeres Publikum.
Bei so vielen Remakes ist es legitim wenn man vermutet, dass das „Das Versprechen“ mit Jack Nicholson lediglich wieder einer jener Filme ist, der für das amerikanische Publikum neu gedreht wurde, weil dieses sich nicht gerne mit europäischen Werken befasst. Dank berühmter Namen vor und hinter der Kamera (Schauspieler Sean Penn führte Regie) wurde diese nun mehr 5. Version berühmter als ihre Vorgänger.
Beim Sichten von „Das Versprechen“ fällt allerdings auf, dass Sean Penns Neuinterpretation mehr als der schnelle amerikanische Film für die breite Masse ist, wie es ein US-Remake in der Regel sonst ist. Der Film macht überhaupt nicht den Eindruck für den schnellen Dollar gedreht worden zu sein. Penn gibt sich Mühe eine trockene, unangenehme, leicht hypnotische Atmosphäre aufzubauen. Das Ergebnis ist ein sehr langsamer Film, meiner Meinung nach allerdings ein zu langsamer. Denn so sehr ich auch gerne trockener erzählte Werke konsumiere („Welt am Draht“ dürfte ein gutes Beispiel sein), vermisse ich in Penns Umsetzung doch Dinge, die den Zuschauer bei einer solch ruhigen Erzählweise bei der Stange halten.
Immer wieder mal atmosphärisch die Natur einzufangen, fliegende Vögel zu zeigen oder auch mal eine Blume in Nahaufnahme ist schön und gut, man wird mit der gut gewählten Umgebung allerdings wärmer, als mit der Figur des in Rente gegangenen Detectives. Jack Nicholson spielt ungewohnt zurückhaltend, er will sich der Story nicht aufdrängen. Trotz (oder vielleicht auch wegen) dieser guten Entscheidung, die vielleicht leicht im Widerspruch zu der Positionierung der Figur im Vergleich zu einem schlichten Krimi steht, bleibt Detective Jerry Black unglaublich blass. Man weiß nur, dass er auf alte Werte setzt, sprich sein Versprechen einhält, man kennt also seinen Beweggrund. Sonst weiß man allerdings nichts von ihm.
Als Kommissar in einem Thriller oder Kriminalfilm, in der die Hauptfigur einen Fall löst, ist so etwas unter guten Bedingungen machbar. Black ist allerdings in Rente, wir erleben ihn als Privatperson. Auch wenn auf der Feier gezeigt wird, wie wenig Privatmensch Black ist und wie sehr er den Detective lebt, ist das alles doch zu wenig Begründung, um uns einen derart dünnen Charakter vorzusetzen. Man versteht warum Penn die Figur so anlegt, ist die Schlusspointe damit doch so psychologisch griffig. Aber so sehr die Charakterzeichnung Blacks auch in die Story und in die Psychologie passt, sie ist keine echte Identifikationsfigur. Dieser psychologische Kniff würde sich in einer kurzweiligeren Umsetzung bezählt machen, aber trockenste Atmosphäre ohne den Hauch von Identifikation mit Black sind zu viel des guten.
Black bleibt einem fremd, und so betrachtet man „Das Versprechen“ lediglich, man lebt es auf Spielfilmlänge nicht mit. Das mag auch am völligen Verzicht von Spannungsmomenten liegen. Allein durch eine drückenden Atmosphäre bekommt man noch keinen Nervenkitzel hin. Dieser war scheinbar auch nicht unbedingt gewollt, wäre aber der letzte Rettungsanker gewesen den Zuschauer mit irgendetwas bei Laune zu halten.
So bleibt „Das Versprechen“ für den Zuschauer ein zu theoretischer Film. Er ist nicht völlig uninteressant, mir ist beim Gucken allerdings aufgefallen, dass er nur deshalb interessant ist, weil ich das Original aus den 50er Jahren kannte und vergleichen konnte. Ich kann mir nur schwer vorstellen wie „Das Versprechen“ auf einen Menschen wirken muss, der das Original nicht kennt, weil ich nicht weiß, was ihn dann noch halten soll. Erst der Vergleich macht Penns Werk interessant.
Und da haben wir nun drei Gebiete des Vergleiches. Zum einen hätten wir die Modernisierung des Stoffes. Sie ist gut zu beobachten, da Penn keinen flotten Actionthriller zauberte, sondern mit seiner ruhigen Erzählweise wenigstens etwas mit dem Original verwandt ist. Der Film spielt in der Gegenwart, somit sind alltägliche Neuerungen im Polizeialltag, das öffentliche Verhalten der Polizei und die Moderne der Methoden unvermeidlich aktuell. Dies betrifft allerdings auch die Thematik der Kinderschändung.
Ich wage zu behaupten, dass das Thema in den 50ern nicht so populär war wie heute. Klar kannte man diese Verbrechen, sie wurden aber nicht so öffentlich diskutiert wie heute. Das Thema ist auch heute noch ein unangenehmes Thema. Der Schock und das Extreme dieser Taten wird durch die häufige mediale Berichterstattung allerdings etwas gedämpft. Kindesmisshandlung gehört zum traurigen Alltag in der Medienwelt, in der wir leben. Obwohl die Anzahl der Opfer in den 50ern prozentual nicht geringer gewesen sein dürfte, war diese Art Verbrechen ein Tabuthema. Ein Tabuthema welches „Es geschah am hellichten Tag“ durch seine direkte Auseinandersetzung damit bricht.
Die aus heutiger Sicht schlichte Umsetzung war für damalige Sehverhältnisse grauenhaft und düster. In einer durch zu viele Informationen abgestumpften Gesellschaft wie heute, musste Penn also mit extremeren Mitteln arbeiten. Da wird die Leiche entdeckt, Polizisten eilen vor Ort und ich bin noch völlig positiv überrascht, dass das Verbrechen nicht zur Voyeursnummer verkommt wie die „Tagesschau“ heutzutage, da wird urplötzlich doch die erschreckend reale Leiche des übelst zugerichteten Kindes gezeigt. Extremer wird es später in der Geschichte, wenn Black Polizeifotos eines vergleichbaren Opfers sichtet. Die Kamera hält gnadenlos drauf. Der Weg mag plump sein, der Effekt fruchtet dennoch, eben weil der Film ansonsten ruhig dahinplätschert.
Neben der Moderne haben wir noch den Vergleich der kulturellen Unterschiede. „Das Versprechen“ ist das amerikanische Remake eines deutschen Filmes, da gibt es klare Unterschiede, weil der US-Film in seiner Heimat spielt. So wurde aus dem Vagabunden ein geistesgestörter Indianer. Zudem ist das Umfeld Blacks sehr religiös geprägt. Penn arbeitet mit dieser Tatsache kritisch. Der zum Zeitpunkt der privaten Ermittlungen zunächst verdächtige Mann, ist ein Mann Gottes. Der gesuchte Psychopath ist eine Gefahr für das Kind, wenn er es auf der Straße anspricht. Ein Gottesmann, der ein kleines, leicht beeinflussbares Kind in seine Kirche locken will, ist es nicht? Auch wenn Black erleichtert ist, wenn er glaubt seinem Schützling würde nun etwas angetan werden, und er das Kind stattdessen kerngesund in einer Kirche sitzen sieht, die Botschaft kommt dennoch an.
Religiöse Erziehung an Kindern gehört, aufgrund des fehlenden geistigen Entwicklungsstandes des zu Erziehenden zur Selbstüberprüfung des Gelernten, wohl zu den schlimmsten akzeptierten Verbrechen unserer Zeit. Und fast jeder weiß, wie viel extremer mit Religion in Amerika umgegangen wird als es in Deutschland der Fall ist. Blacks religiöses Umfeld sehen wir auch bei seinen Befragungen und bei dem titelgebenden Versprechen. Im Falle der amerikanischen Umsetzung hätte der Titel sich eigentlich nicht an Dürrenmatts Buch anlehnen dürfen, sondern „Der Schwur“ heißen müssen. Inmitten von Religionswahn reicht der Mutter des Opfers ein bloßes Versprechen nicht.
Als dritte Vergleichsmöglichkeit haben wir die rein grobe Handlung, Dürrenmatt verglichen mit Dürrenmatt. Er schrieb das Drehbuch zum 50er Jahre Original, zeitgleich schrieb er an dem Buch, das später den Titel „Das Versprechen“ bekam. Buch und Film waren nicht in allen Punkten gleich. Und Penns Film ist weniger eine Neuverfilmung von „Es geschah am helllichten Tag“, als viel mehr die Verfilmung Dürrenmatts Buches. Den wichtigsten Unterschied haben beide Werke am Schluss. Wo „Es geschah am helllichten Tag“ ein Happy End hat (was durch die Methode mit dem Kind als Köder dennoch düster blieb) geht die Buchvorlage, und somit auch Penns Film, einen anderen Weg, den ich hier nicht verraten werde.
Mit diesem Schluss bin ich allerdings nicht zufrieden. So sehr ich die Idee auch mag, sie ist in meinen Augen nicht glaubhaft umgesetzt. Der Wandel kommt zu ruppig und zu aufgesetzt. Frühe Erkennungsmerkmale baden im Klischee, und das finale Stadium steht im Widerspruch zur Intelligenz des Rentners und dem Ergebnis seiner Ermittlungen. Ich finde die Wandlung Blacks nicht glaubhaft, und dass sein Zustand in der ersten Filmszene bereits verraten wird, ist ebenso ärgerlich, wie die Tatsache, dass die Erzählung des Mädchens über die Begegnung mit dem Zauberer so plump eingearbeitet wurde.
So bleibt letztendlich ein lahmer Film in Erinnerung, der sich wegen des Vergleiches zur 50er-Verfilmung über Wasser halten kann, bei all seiner Andersartigkeit mit simplen Übereinstimmungen wie der Schokoigel zu überraschen weiß und dem seine lobenswerte psychologische Umsetzung sich in der gewählten Erzählweise selbst ein Beinchen stellt. So wird „Das Versprechen“ trotz guter Möglichkeiten nie mehr als Routine, und selbst die steht auf wackeligen Beinen. OFDb
Kategorien:
2000-2009,
annehmbar,
Drama,
Filmbesprechung,
Friedrich Dürrenmatt,
Helen Mirren,
Jack Nicholson,
Kriminalfilm,
Mickey Rourke,
Sean Penn,
Thriller,
USA
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