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03.08.2023

STROMBERG - STAFFEL 5 (2011)

Während bislang jede Staffel besser ausfiel, als ihre vorangegangene, ist Staffel 5 erstmals schlechter, und dies nicht nur bezüglich Staffel 4, das fünfte Jahr geht qualitativ auf ein schlichtes Niveau zurück, das bislang in der Serie nicht herrschte (nicht einmal in mäßigeren Folgen) und glücklicher Weise im darauf folgenden "Stromberg - Der Film" auch nicht wiederholt werden sollte. Der Grund im weniger geglückten Gelingen liegt in der Willkür, welche die komplette Staffel ausstrahlt, sowie in der weit weniger psychologisch cleveren Ausführung. Dass eine kaum auszumachende Handlung nicht schadet, zeigte uns Staffel 3, Staffel 5 pendelt zusätzlich jedoch orientierungslos hin und her, macht aus Stromberg wen Ranghöheres als bisher, dann wechselt er zur Schiffskasko (die übelste Episode von allen), ist wie gehabt irgendwann auf seinem Posten nicht mehr gern gesehen, weil er der Schirrrmann beweisen will, dass Job nicht alles ist, und schließlich endet alles in einer ganz dünnen Schlussfolge, die das nervige Bäumchenwechseldich-Spiel, dass jeder Mal der Chef sein darf (was in Staffel 4 mit Tanja noch mit einem Highlight begann), mit Berthold auf die Spitze der Unglaubwürdigkeit hievt, da es Nübel nicht würdig ist, derartiges zu entscheiden. Dem ergeht es wie Becker, dessen Charakter ebenfalls respektlos verändert wird, wie es den Autoren für die anvisierte Situation gerade passt. 

Hier ist wenig durchdacht, man setzt auf das Stammpublikum, das schon alles fressen wird, und das ist bei einer so hoch qualitativen Serie wie "Stromberg" sehr enttäuschend. Aber ja, die Serie ist beliebt, nicht nur bei jenen die sie vollständig verstanden haben, und wer um sinnvolle Wechselspiele zwischen Ursache und Wirkung und das Verstehen von Charakteren nichts gibt, der lacht weiter über ein diesmal viel oberflächlicheres Ergebnis, als zu erwarten war. Das heißt nicht dass Staffel 5 lediglich aus Fehlern besteht. Folge 4 und 5 bieten sogar das gehobene Niveau in Sachen Unterhaltung und Intelligenz, welches man sonst von kompletten Staffeln kannte. Aber die sind leider Ausnahme inmitten der Orientierungslosigkeit um Strombergs Bemühen Schirrmanns Herz zu erobern, gleichzeitig mit der Chefetage mithalten zu können und Ulf beim Versuch Karriere zu machen zuzusehen. Berthold nervt, wie man es von Staffel 3 an gewohnt ist, bekommt aber die gute Idee beschert, nun für die Kirche tätig zu sein (auch die Idee warum seine Beteiligung an der Jugendfreizeit beendet wird, gehört zu den guten Momenten). Dass Ulf den Schlüssel zum Büro nicht erhält, die kompletten Sitzungen in der Chefetage, Tanjas soziale Inkompetenzen beim Beistehen ihres Mannes, das sind alles Pluspunkte dieser Staffel. 

Aber ein schrecklicher Praktikant (und dies nach dem so toll besetzten aus Staffel 4), das dämliche Schusswaffenspiel im Büro, das billige Abarbeiten von Standards (um Leute wie den Kantinenmann untergebracht zu bekommen), das Überspringen von Szenen, damit nicht zu sehr auffällt wie konstruiert gerade alles ist (wie hat Tanja Jennifer bitte dazu bekommen mit shoppen zu gehen?) und besagte große Schnitzer im Handlungsverlauf und der psychologischen Glaubwürdigkeit machen aus dem fünften Jahr nicht nur eine schwächere Staffel, sondern tatsächlich eine derart schlechtere, dass sie des öfteren zum Fremdschämen einlädt und einen somit nicht einmal mehr entspannt zu unterhalten weiß. Für den weit besseren Kinofilm, der final folgen sollte, wurden die meisten Ereignisse dieser plumpen Serienphase ignoriert.  Wiki

24.07.2023

STROMBERG - STAFFEL 1 (2004)

Wenn man einmal bedenkt welch blasse Blaupause die US-Version "The Office" im Vergleich zur britischen ist, ist es umso schöner zu sehen wie geglückt die deutsche Variante ausgefallen ist. Auch sie kommt nicht an die geniale Originalserie "The Office" heran, ist aber ebenfalls eine weit überdurchschnittliche Serie, die unterschiedlichste Humorrichtungen integriert und jede Menge feine, wie grobe Gesellschaftsbeobachtungen vorweist, um diese satirisch durch den Kakao zu ziehen. Mag es auch hier um die Zusammenlegung zweier Abteilungen eines Büros gehen, Stromberg verlegen die Krawatte streicheln, so wie es David Brent im Original tat, und zwei Kollegen, die nebeneinander sitzen, eine Fehde austragen, unterschiedlicher könnten die Serien trotzdem kaum ausfallen, so verankert wie die Mentalität des jeweiligen Landes in beiden Serien ist, und so anders wie die Figuren hier charakterisiert sind.

Ulf kommt als Mobber seines Sitznachbarn und als Flirtender mit der attraktivsten Bürokraft der Abteilung seinem britischen Original noch am nächsten, ist aber selbtbewusster als dieser charakterisiert und hat im Laufe des ersten Jahres bereits Erfolg mit der Annäherung an die Love Interest (wobei hier eher das instinktive Baggern, anstatt ein Verliebtsein, zur Motivation wird). Tanja, so ihr Name, ist im Gegensatz zu ihrer britischen Vorlage eher karrierebewusst und frisch Single. Berthold, der Außenseiter der Firma (was sich schon in der von ihm ungewollten Namensgebung Erni seiner Kollegen widerspiegelt),  ist im Gegensatz zur Version aus England ein kindisches, auf sich fixiertes, ewiges Mobbingopfer und dies schon lange vor seiner Arbeit im Büro. Zwar wird auch er mit Chefallüren ohne Chef zu sein charakterisiert, wie sein britisches Gegenbild, dies aber ohne Rückgrat versehen, optisch zum schwitzenden Dämlack gemacht und ohne den militärischen Hintergrund versehen, der für die Vorlage so wichtig war. 

Am deutlichsten wird der Unterschied zum Vorbild, welches man erst nach einer Klage von Ricky Gervais ab der zweiten Staffel im Abspann offiziell zugestand, in Bezug auf die Hauptrolle. Stromberg ist kein Entertainer wie David, er ist ein Überlebenskünstler. Er beherrscht nicht einmal die grundlegenden Anforderungen an seinen Beruf, geschweige denn jene seiner Untergebenen, hat sämtliche Entwicklungen seit seinem Aufstieg verschlafen, bislang eine ruhige Kugel geschoben, und nun, aufgrund besagter Zusammenlegung, rückt er plötzlich ins Visier der Vorgesetzten, wo er zwar nicht sein Können beweisen kann, aber strategisch über Leichen gehend versucht sich anderweitig über Wasser zu halten. In seinen Worten und seinem Tun spiegeln sich Dreistigkeit, Verzweiflung, Inkompetenz und Selbstüberschätzung weit mehr ab als gekonnte Strategie. Im Kampf um den Erhalt seiner Position wird keine Rücksicht auf wen anders genommen, während er dem Fernseh-Team, das ihn auf Schritt und Tritt begleitet ("Stromberg" ist ebenso wie "The Office" als Fake-Doku angelegt), weiß machen möchte, was für ein sozialer Team-Player er sei und welche Stärken und Fähigkeiten er im Gegensatz zu jedem Vorgesetzten und seinem direkten Konkurrenten besitzt. 

Gerade in den Monologen Richtung Kamera beweist Stromberg seine Fahne nach dem Wind, seinen ständigen Wechsel von Meinungen, Strategien, Mentalitäten und Charaktereigenschaften, Methoden die zum Leid seiner Mitarbeiter führen und zum Ärger seines Konkurrenten, der Vorgesetzten, ja sogar des Kochs der Kantine. Dass eine Person wie Stromberg ausgerechnet eine Frau zur Vorgesetzten hat, wird nicht ganz so ausgekostet, wie im Original, dies etwas subtiler und nebensächlicher eingebracht, als in der ansonsten weit feinfühligeren Vorlage "The Office", dafür aber die Linientreue der Position stärker hervorgehoben als dort, was die Chefin Strombergs zum noch unangenehmeren Charakter als die Hauptfigur selbst macht. Dies gibt den Autoren die Chance Stromberg auch berechtigte Momente des Ärgers und der Verzweiflung zu bescheren, denn trotz jeglicher absichtlich übertriebenen Comic-Komik bleibt er ebenso Mensch, wie die restliche Figurenschar, mit Ecken, Kanten, Graustufen, guten und schlechten Seiten, was wichtig ist für eine Serie, die das tatsächliche kaufmännische Berufsleben trotz satirischer Spitzen lebensecht per Fake-Doku aufs Korn nehmen möchte. 

Eher plump fällt im ersten Jahr die Figur der Erika aus, die kein Vorbild aus dem britischen Vorgänger besitzt, und eingebaut wurde, um die klassisch gesellige Bürokraft zur Unterstreichung der anvisierten Authentizität mit an Bord zu haben. Abgesehen vom Running Gag zum letzten Drittel der acht Folgen lang laufenden Staffel 1, dass ihr ständig gekündigt wird, darf sie als mollige Person stets für Witze rund ums Essen herhalten und zum Gegenstück der attraktiven Tanja werden. Aber nicht nur sie reift im Laufe der kommenden Staffeln, die komplette Serie findet sich lange Zeit von Staffel zu Staffel immer mehr selbst. Umso erstaunter darf man sein, wie grandios schon das erste Jahr ausgefallen ist. Einzig Berthold erlebt bereits hier und im Folgejahr seinen Höhepunkt, bevor Fehlentscheidungen seinen Part in der Serie immer mehr zum Störfaktor machen. Aber davon berichte ich ein andermal.  Wiki

13.01.2018

GELD HER ODER AUTSCH'N (2013)

Puppen als alternative Lebewesen in der Menschenwelt können, ebenso wie die Zeichentrickalternative, zu einem funktionierenden Vergnügen werden, wie diverse Produktionen rund um die Muppets herum beweisen. Dem Konzept seine familientaugliche Herkunft zu berauben, um der Chose einen Anarcho-Touch zu bescheren, war ein Versuch an dem sich bereits Ende der 80er Jahre Peter Jackson heranwagte. Der traf mit seinem „Meet the Feebles“ nicht zwingend meinen Humor, eben weil er einzig auf Provokomik setzte, aber immerhin mangelte es ihm nicht an Ideen und dem Charme der von ihm eingesetzten Puppen. Der wesentlich später erschienende deutsche Versuch ähnliche Wege zu beschreiten, der unter dem wenig wirksamen Titel „Geld her oder Autsch‘n“ erschien, kommt schon wesentlich einfallsloser daher.

Ich habe nicht so ganz verstanden was dieses „Maulwurfn" oder „Autsch‘n" ist, worauf dieser Film basiert. Es gab da wohl mal Fernsehauftritte der Puppen, oder gar eine komplette Serie, aber was auch immer dem Film voraus ging, der Streifen soll für sich allein stehen können, das merkt man dem Konzept an. Dieses setzt jedoch ebenfalls wie Peter Jacksons Werk lediglich auf Provo-Komik und ruht sich einzig darauf aus, dass Puppen sich kriminell verhalten. Der eine nimmt Drogen und ist ein Arschloch, andere werden zu Erpressern und sind ebenfalls Arschlöcher. Man sollte meinen, dass der Aspekt es u.a. mit klassischen Puppen eines Kasperletheaters zu tun zu haben, dem ganzen Treiben mehr Sympathie bescheren würde, aber dem ist leider nicht so. Star des Films ist der halbwegs optisch wirksame Eisbär und sein berliner Dialekt.

Wie so oft bei Anarcho-orientierten Stoffen aus der Animations- und Puppentrickwelt ist das Ergebnis zu infantil ausgefallen, um jemanden nach der Pubertät ernsthaft zu interessieren. Bemühte Versuche politische Seitenhiebe, wie den Kampf um die R.A.F., per Kurzerwähnung in die sich ansonsten wenig für gesellschaftliche Belange interessierende Story zu integrieren, scheitern und ernten lediglich ein müdes Schulterzucken. Und selbst das belustigende Spiel von Christoph Maria Herbst kann sich unter einer mittelmäßigen Regie nicht richtig entfalten, was ganz extrem in jener temporär schlecht inszenierten Szene auffällt, in welcher Herbsts Figur beim Essen einer Suppe gestört wird.

Der schlichte Einsatz simpler Puppenanimation und mancher Versuch zusätzliche optische Reize ins Geschehen zu integrieren, z.B. in einer animierten Alptraumsequenz, helfen dabei im zu müden Treiben trotzdem einen gewissen Grad Restsympathie zu entdecken, zumal allein der Versuch ein solches Projekt in der müde gewordenen deutschen Filmindustrie anzugehen einen gewissen Respekt verdient. Aber auch mit viel Wohlwollen und Augenzudrücken ist das eintönige Ergebnis maximal als müdes Routineprodukt zu bezeichnen. Da wäre es schön gewesen kreative Menschen mit an Bord zu haben, die über das nötige Humorverständnis verfügt hätten. So aber bleibt „Geld her oder Autsch‘n“ lediglich eine theoretisch nette Idee in zu braver und infantiler Umsetzung, so dass die FSK 12 gut gewählt ist.  OFDb

06.05.2017

ANGRY BIRDS - DER FILM (2016)

Der auf einem Computerspiel und der darauf gefolgten TV-Serie „Angry Birds“ basierende Kinofilm „Angry Birds - Der Film“ versteht sich zu großen Teilen seiner Geschichte als Appell ans kritische Denken. Er fordert auf Dinge zu hinterfragen. Und das scheint heutzutage wichtiger denn je, geht das Infragestellen vorgesetzter Normen doch immer mehr verloren. Vielleicht könnte man es deswegen gut heißen, dass eine solch wichtige Thematik in einen Mainstreamfilm gesteckt wird, jenem Ort, wo man genau jene erreicht, die das kritische Denken verlernt zu haben scheinen, so sehr wie sie sich auf alles stürzen was in den Massenmedien für gut befunden wird.

Was strategisch einfallsreich und wirksam klingt, erweist sich jedoch als eine Botschaft ertränkt in Party-Action, Klamauk und bunten Bildern, so dass ohnehin nur jene die Botschaft ernst nehmen oder erkennen, die zu diesem Thema ohnehin schon aufgeklärt sind. Der Rest kann sich vom oft geistlosen Getue der Kultvögel zudröhnen lassen, wie ein Seehund mit den Flossen klatschend, wenn starre wiedergekäuerte Erfolgsrezepte von sicher gehen wollenden Produzenten Einfallsreichtum ersetzen und Stangenware getarnt als Provokation servieren. Die kommt freilich so weichgespült daher wie das komplette Genre des familientauglichen 3D-Zeichentrickfilms mittlerweile geworden ist, eine Warnung also für jene die hofften „Angry Birds“ könne der Ausnahmefilm in diesem Meer an übertriebenem Liebreiz, pflichtmäßigem Abarbeiten eines formelhaften Drehbuchs und dem Preisen einer unreflektierten Spaßgesellschaft sein.

Elemente die das Gegenteil suggerieren sind durchaus vorhanden, das zeigt bereits besagter Appell ans kritische Denken. Manche Gags am Rande sind tatsächlich intelligent ausgefallen, Reds zynischer Umgang mit der arglos fröhlichen Gesellschaft zu Beginn treffen den Nerv der Zeit. Und für Deutsche wirkt die hier aufkommende Thematik der Einwanderung aktueller denn je, egal ob man sie gut heißt, verachtet oder ihr kritisch gegenüber steht. Doch wohin führt diese Rezeptur innerhalb eines Filmes, der sich ansonsten gnadenlos den Regeln seines Genres unterwirft, eines das nichts mehr mit dem sympathisch albernen „Shrek“, dem erwachsenerem Humor von „Antz“ oder dem klassischen Zeichentrickcharme von „Toy Story“ zu tun hat, sondern zu einer Filmgattung verkommen ist, welche die Hohlen nährt, den Realitätsverweigerern dabei hilft sich von der Wirklichkeit immer mehr zu entfernen und deren Denken mit den immer wieder propagierten, fragwürdigen, wiederkehrenden Aussagen prägt, zumindest bei jenen die ergänzende (pop)kulturelle Medien ignorieren?

„Angry Birds - Der Film“ ist ein Wolf im Schafspelz, der so tut als ob er aufklären wolle, angepasster aber kaum sein könnte. Das zeigt sich bereits animationstechnisch wenn die zeitgemäß angepassten, innovationslos animierten, kunterbunten 3D-Vögel so gar nicht zum grundlegenden Appell des Films passen wollen (ganz im Gegensatz zu der kurz aufkommenden Sequenz im klassischen Zeichentrickstil, der dem Film gut gestanden hätte). Die nett anzuschauenden grünen Schweine (neben der Vogelbabys das optische Highlight in der Figurenwelt von „Angry Birds“) bekommen einen leicht bitteren Nachgeschmack aufgrund des plumpen Versuches die einfallslos animierten Minions zu kopieren, die von den Stammzuschauern familiengerechter Trickfilme längst zum Kult erklärt wurden (warum kann besagtes Fan-Publikum sicherlich nicht einmal argumentativ erklären, der Kult lebt vom Impuls, warum etwas als gut oder schlecht empfunden wird, wird nicht hinterfragt).

Unterhaltungstechnisch funktioniert „Angry Birds“ zwischendurch trotzdem immer wieder. Das Ärgernis über die von mir angesprochenen Themen bremst den Film nur leider immer wieder aus und lässt einen verärgert (passend zum Film) die Augen verdrehen, denn man erkennt was alles mit diesem Stoff möglich gewesen wäre, wenn man sich nicht dem Massengeschmack hingegeben hätte. Vielleicht schaut sich auch deswegen das geistloser ausgefallene Finale wesentlich entspannter und unterhaltsamer als der lange Mittelteil, kommt einem das Szenario dort doch nicht so geheuchelt vor wie der Rest der Geschichte, so dass die ohnehin fortlaufend enthaltenden sprudelnden Ideen einmal kompromisslos funktionieren können. Somit lässt sich „The Angry Birds Movie“ (Originaltitel) zumindest halbwegs amüsant gucken.  OFDb

21.11.2016

ER IST WIEDER DA (2015)

Wer „Er ist wieder da“ eine echte Chance geben will, der muss die Buchvorlage, sofern er sie gelesen hat, ignorieren. Nicht nur dass bis auf die Grundlage der Geschichte und kleinere Passagen nichts mehr von der Vorlage übrig blieb, auch der Schwerpunkt wird anders gesetzt. Wo das Buch aus dem Blick Adolf Hitlers die Situation Deutschlands auf vielen Ebenen hinterfragte, da geht es den Verantwortlichen des Filmes darum das erneute Wachsen braunen Denkens in der Bevölkerung zu entlarven und auszuhebeln. Ob das Buch nicht verstanden wurde oder bewusst eine solche Änderung vorgenommen wurde, lässt sich nur schwer beantworten, ist der Film doch nicht halb so intelligent umgesetzt wie das Buch.

Autor Timur Vermes verfügt über ein enormes geschichtliches wie auch politologisches Hintergrundwissen. Er versetzte sich mit diesem Wissen gekonnt in den Menschen Adolf Hitler hinein, den er durch ein Deutschland schreiten lässt, welches zuvor von Vermes genaustens kritisch beobachtet und analysiert wurde. Der Film präsentiert uns im Gegenzug das ewige Monster Adolf Hitler, so wie es gerne in britischen Verarbeitungen propagiert wird. Alles Menschliche in ihm ist ausgelöscht. Und dieses unheimliche Wesen schreitet nun durch ein Deutschland, das von AFD, Pegida und NPD geprägt ist. Meist auf Privatfernseh-Komik wandelnd trifft der Film manches Mal perfekt anvisierte Satire-Ziele, aufgrund der Anbiederung an eine massenkompatiblere Thematik rutscht man hin und wieder aber auch in die Unglaubwürdigkeit ab. In solchen Momenten riskiert man die Glaubwürdigkeit Hitlers Charakter für den schnellen Witz, so z.B. in der Eingangssequenz geschehen.

Dementsprechend hin und her gerissen bin ich von dem fertigen Projekt, weiß es doch losgelöst von der Buchvorlage so manch gekonnte Szene zu präsentieren und auch insgesamt zu belustigen, es weiß aber weder wachzurütteln, noch hält es das Niveau der geglückten Szenen konsequent bei. Dinge die im Buch wichtig waren, werden in der veränderten Situation sinnlos eingebaut. Unlustige Szenen reihen sich an große Lacher. Treffsichere Kritik trifft auf unreflektiertes Massendenken. „Er ist wieder da“ ist nichts Halbes und nichts Ganzes, braucht einige Zeit um in die Gänge zu kommen, unterhält aber eher, als dass er enttäuscht - wohlgemerkt losgelöst vom Buch.

Dabei sind es im Groben zwei Faktoren die den Film stemmen. Das ist zum einen Oliver Masucci als Adolf Hitler, der zwar körperlich viel zu groß geraten ist, aber geradezu eine Wucht in dieser Rolle ist. Er beherrscht das Klischee Adolf Hitler perfekt. Er erntet Abscheu und Respekt. Seinen Hitler würde man nie für einen Clown halten. Dieser Mann ist ein gekonnter Rhetoriker und eine brodelnde Gefahr. Der zweite Faktor der dem Film gut tut, ist einer der mich einige Zeit davon abhielt David Wnendts Komödie zu sichten, hielt ich es doch für keine gute Idee halbdokumentatorisch vorzugehen, um Menschen auf der Straße und an anderen Orten mit Adolf Hitler zu konfrontieren. Aber genau dies weiß zu wirken, egal ob in der NPD-Parteizentrale, in der Fußgängerzone beim Porträtieren von Mitbürgern, oder im Abspann, wenn ein im offenen Wagen durch Deutschland fahrender Hitler dem Volk zuwinkt, und wir die Reaktionen der Passanten dazu sichten dürfen.

Christoph Maria Herbst, der im Hörbuch den Hitler sprechen durfte, ist in einer Nebenrolle anderweitig besetzt, verpufft jedoch in einem eher unwichtigen Nebenplot. Herbst kämpft schauspielerisch dagegen an, arbeitet gekonnt wie man es von ihm kennt, aber er hat keine Chance sich gegen seine schlecht geschriebenen Szenen zu behaupten. Eine Überraschung im Schauspielbereich ist hier die mich meist wenig überzeugende Katja Riemann, die ihre Rolle glaubwürdig prägt und neben Masucci die beste Leistung aller Mitwirkenden abliefert. Die restlichen Darsteller sind ohnehin egal, lebt der Film doch eher von einzelnen Szenen als von der arg zusammengeflickten Gesamtgeschichte, und diese Szenen sind immer jene mit Hitler, egal ob komplett gespielt oder auf das Volk losgelassen.

Leicht sympathisch wirkt die Meta-Idee, die gegen Ende aufkommt, wenn Hitler ein neues Buch schreibt und es Cover-technisch und inhaltlich angehaucht jenes von Timur Vermes ist. Und auch das Spiel mit dessen Verfilmung verdreht die Realität manches Mal verspielt charmant. Insgesamt bringt dies den Film nur nicht vorwärts und hilft ihm lediglich dabei sich gegen Ende davonzustehlen, um überhaupt ein Ende zu besitzen. War die Buchvorlage clever genug Hitlers Erscheinen in unserer Zeit nie zu erklären, so erzählt der Film von jemandem, der begreift dass wir es mit dem echten Hitler zu tun haben, und der nun inmitten des Metaebenen-Wirrwarrs recherchiert und agieren muss. Gut tut es dem Film nicht, aber der hatte zuvor bereits so viele Schwächen über die man gnädigst hinweggucken muss, dass es darauf auch nicht mehr ankommt.

„Er ist wieder da“ ist leichte Unterhaltung anstatt gekonnte Satire. Er rutscht immer wieder in seichte Privatfernseh-Komik ab, kritisiert im Gegensatz zur Buchvorlage ein Denken in Deutschland, welches die meisten Bürger ohnehin schon von selbst kritisieren und lebt vom Monster Hitler anstatt vom Menschen Hitler. Umso überraschter darf man darüber sein wieviel des Gezeigten humoristisch funktioniert, in der Ausnahme auch als zum Nachdenken anregende Satire fruchtet, und darüber dass ein solch oberflächlich bleibender Film den Zuschauer trotzdem noch lange Zeit nach Sichten mit der hier angegangenen Thematik zu beschäftigen weiß.  OFDb

16.07.2016

NEUES VOM WIXXER (2007)

Nachdem „Der Wixxer“ bereits allerhand Verweise, Storyfragmente, Klischees, Schauspieler, Stereotype, Stilmittel und Handlungsorte der Wallace-Geschichten, welche die hauptsächlich in den 60er Jahren entstandene Rialto-Reihe erzählte, durch den Kakao gezogen hatte, war das Wichtigste zu Parodiezwecken eigentlich schon verarbeitet. Nicht dass bei über 30 Filmen nicht trotzdem noch einiges an Material vorhanden wäre, aber „Neues vom Wixxer“ guckt sich eher im Grundton wie eine Wallace-Parodie, teilt sich inhaltlich jedoch den Bereich des humoristisch Nachgeahmten mit der kunterbunten Welt der TV-Hits und Kinoerfolge, die zur Erscheinungszeit der hier besprochenen Komödie gerade von sich reden ließen.

Obwohl nun also vergleichsweise weniger Wallace durch die Fortsetzung weht, hat man nach vergeblicher Mühe bei Teil 1 für Teil 2 nun endlich Wallace-Legende Joachim Fuchsberger für eine große Nebenrolle gewinnen können, der sichtlich in die Jahre gekommen ist, aber eine wunderbare Plattform versteckter Anspielungen auf die Originale bietet, inklusive eine „Der Zinker“-Verwechslung mit Heinz Drache. Auch mit an Bord ist Chris Howland, den man seinerzeit aber nur in Konkurrenzprodukten der berühmten Wallace-Reihe erleben durfte. Da diese aber nicht nur finanziell vom großen Kuchen mitnaschen wollten, sondern auch stilistische und inhaltliche Ähnlichkeiten zu Rialtos Geldkuh aufwiesen, geht das schon in Ordnung.

Zumal wie erwähnt diesmal nicht nur die Wallace-Filme ihr Fett weg kriegen. Da wird über Klassiker wie „Winnetou“ ebenso gekalauert wie über zur Entstehungszeit moderne Kino-Hits wie „Drei Engel für Charlie“ oder Quoten-Hits wie „7 Tage 7 Köpfe“ und „24“. Mit den Handlungsorten Kloster und Irrenanstalt konnte man zudem mit anderen Elementen vergangener Wallacefilme spielen als bisher, was mit ein Grund dafür ist warum „Neues vom Wixxer“ nicht nur wie ein wiedergekäuertes unnötiges Anhängsel des ersten Teils wirkt, sondern stattdessen wie eine kraftvolle Weiterführung. Mit dazu bei tragen die Stars, die im Vorgänger nicht mit an Bord waren, als da wären der unglaublich komische Christian Tramitz, die wie immer toll schauspielernde Christiane Paul und Judy Winter in einer mimisch großartig gemeisterten Rolle als Nonne.

In Nebenrollen und Gastauftritten tummeln sich zudem Hella von Sinnen, Martin Semmelrogge, Frank Zander, Roberto Blanko, Michael Kessler, Achim Mentzel und manch andere Prominente mit herum, während zudem auch die wichtigsten Gesichter des Originals für das Projekt zu gewinnen waren, einschließlich Christoph Maria Herbst, dessen Rolle als Hatler aufgefrischt wird durch seine Position als Leiter einer Nervenheilanstalt. Pastewkas Mimiken mögen nicht ganz so gekonnt humoristisch ausgefallen sein wie im Vorgänger, sind aber noch immer eine Wucht, und Oliver Kalkofe schlägt sich wacker inmitten der professionellen Schauspieler, so dass ich hier wie in Teil 1 nicht verstehe was die Leute an seiner Leistung stets zu meckern haben.

Sein grenzwertiger Humor, der nicht so recht in „Der Wixxer“ hineinpassen wollte, wird in der Fortsetzung auf ein Minimum reduziert, was dem Film sichtlich gut tut, und da jeder der erstmals auftauchenden Mimen zudem seinen eigenen Humor mit einbringt, guckt sich auch dieser zweite Teil frisch und angenehm und bietet gekonnter Weise so viel zu Lachen wie sein Vorgänger. Sicherlich fällt eine schnell nachgereichte Fortsetzung nie so liebevoll detailreich aus wie ein erstes Projekt, für das man in der Regel mehr Zeit besitzt und in das man Ideen einbauen kann, die einem schon lange im Kopf herumspuken. Der Feinschliff des ersten Teils fehlt und einen pompösen Moment wie die wundervolle Gesangseinlage des Originals gibt es nicht zu sichten.

Stattdessen überrascht das Drehbuch jedoch mit einem interessanten Aufhänger, einem einfallsreichen Szenario, welches trotz wirrer, irrer Ideen, die manches Mal auch die physikalischen Gesetze aus den Angeln heben, doch immer zusammenhängend und durchdacht ist, sowie einer Mörderaufdeckung, die so pointensicher wie schwachsinnig genial ist, dass sie auf ganz eigene Art Wallace-Klischees aufs Korn nehmen kann. „Neues vom Wixxer“ ist somit der würdige Nachfolger eines geglückten Nummer 1 und auch mit weniger Edgar Wallace im Gepäck noch immer eine klare Empfehlung für Freunde deutschen Humors.  OFDb

08.07.2016

DER WIXXER (2004)

Auch wenn „Der Wixxer“ selbst für meinen Geschmack typisch Kalkofe an mancher Stelle zu unnötig vulgär daher kommt, so ist das Ergebnis an sich doch eine liebevolle, detailreiche und sympathische Verulkung und Verbeugung zugleich vor der deutschen Rialto-Wallace-Reihe, die man nicht zwingend kennen muss um seinen Spaß mit dem von Tobi Baumann inszenierten Film zu haben, den Sehwert jedoch bereichert.

Die Autoren Pastewka, Kalkofe und Welke zaubern einen schmackhaften Mix aus Wallace-Elementen, Albernheiten, deutscher Mentalität, dem Humor der Zucker/Abrahams/Zucker-Filme und einem Hauch Amateurfilm-Niveau, was ich als positive Eigenschaft verstanden haben will, schaut sich „Der Wixxer“ doch (am Anfang mehr als im weiteren Verlauf) teilweise wie selbstgedreht. Es ist ein schwer zu erklärender Charme für eine eigentlich professionell produzierte Produktion, aber ein wichtiger Bestandteil zum Funktionieren des Streifens, was auch im unglaublich sympathisch ausgefallenem Abspann spürbar wird, in welchem nicht einzig Patzer den Blick hinter die Kulissen bestimmen, sondern auch andere herzliche und solidarische Momente einer scheinbar wunderschönen Drehzeit.

Mag man auch die wirklich große Wallace-Prominenz von einst vermissen (Fuchsberger ließ sich erst für die Fortsetzung „Neues vom Wixxer“ locken), so weiß doch gerade die Besetzung aus mal mehr mal weniger bekannten Mediengesichtern die Komödie zu bereichern, zumal alle, bishin zur kleinsten Rolle, wie jene überraschende und gut pointierte von Achim Mentzel, mit Spaß an der Freude dabei zu sein scheinen. Neben der professionell lustigen Leistung von Anke Engelke und Olli Dittrich, einem in vielen Filmbesprechungen schauspielerisch unterschätzten Oliver Kalkofe und dem wunderbaren Overacting eines Christoph Maria Herbst, fällt in erster Linie Bastian Pastewka mit seinem gekonnten Mimenspiel auf, welches ihn in den besten Szenen zu einer zu Fleisch gewordenden Comicfigur werden lässt, Momente die den Zuschauer selbst beim x-ten Schauen noch laut auflachen lassen.

Ohnehin ist die Pointensetzung in „Der Wixxer“ sehr gekonnt ausgefallen. Da mag sich immer auch mal manch weniger gut funktionierender Humor eingeschlichen haben, aber die dominierende Menge an brauchbaren bis guten Witzen macht daraus keinen störenden Negativpunkt. Einzig die größte Fehlentscheidung des Streifens, die Besetzung der beiden Söhne des Earl of Cockwood, hinterlässt einen Riss im sonst so positiv ausgefallenem Film. Der mir völlig unbekannte Lars Rudolph trumpft als treffsichere Klaus Kinski-Parodie, Wolfgang Völz tritt würdevoll würdelos in die Fußstapfen von Siegfried Schürenberg als Sir John, lediglich die weibliche Rolle der Miss Pennymarket ist etwas undankbar ausgefallen, was aber sicherlich auch an den Vorlagen aus den 60er Jahren liegt, an denen sich „Der Wixxer“ nun einmal orientieren muss.

Das Drehbuch erweist sich als höchst einfallsreich, wenn es gekonnt die Schwarz/Weiß-Phase der Rialto-Reihe von einst mit jener der Buntphase vereint. Und wie man es so charmant, witzig und wirksam zugleich schafft Richtung Finale ein Element in den Vordergrund zu setzen, das mit den Wallace-Filmen nicht das geringste zu tun hat, ich spreche von der unglaublich gelungenen Musikszene, in welcher Cockwood um die Hand von Miss Pennymarket anhält, werden nur die wenigsten Filmschaffenden verstehen. Dieser Moment macht einem deutlich, dass es eigentlich schade ist, dass Gesangsszenen in einer nicht Musical-orientierten Komödie keinen Platz mehr finden, eine verloren gegangene Tradition, die lange Zeit den Erfolg an den Kinokassen mitbestimmte.

Wie man herausliest hat „Der Wixxer“ viel zu bieten, Kreatives wie Lustiges, und allein deshalb finde ich es schade, dass man Kalkofe, Engelke und gerade den so unglaublich lustigen Pastewka heutzutage immer noch im Fernsehen anstatt auf der großen Leinwand antrifft. Wo sind die Produzenten von einst, die dem talentierten Hallervorden zurecht eine Kinokarriere bescherten? Wo sind die Geldgeber die damals selbst blassen Mimen wie Mike Krüger, Thomas Gottschalk und Otto Waalkes den Weg auf die Leinwand ermöglichten? Gibt es in der heutigen Generation von Filmfinanzierern keine Menschen mehr die Vertrauen in die Komik von jenen Menschen haben, deren Talent weit über jenes der TV-Comedy hinaus geht? Wir brauchen mehr Projekte wie „Der Wixxer“ und „Jerry Cotton“, aber keiner gibt der Komödien-Elite Deutschlands scheinbar eine Chance. Schade, aber das macht den hier besprochenen Film und seine fast genauso sympathische Fortsetzung um so wertvoller inmitten einer Komödienlandschaft aus peinlichen Otto-Filmen, dämlichen Bully-Werken und dem Proleten-Kino a la „Fack ju Göhte“.  OFDb

23.02.2016

WILLKOMMEN BEI DEN SCH'TIS (2008)

Viele Jahre versuchten mir diverse Lehrer die französische Sprache ins Hirn zu hauen, und hätten sie es geschafft hätte ich „Willkommen bei den Sch‘tis“ im Originalton sichten können, was sicherlich die vorzuziehende Variante ist, wenn sich ein Großteil der Handlung um einen ungewöhnlichen Dialekt aus Nord-Frankreich dreht. Man sollte meinen, dass es kaum möglich ist die Komik auf eine andere Sprache umgemünzt zu bekommen. Aber auch wenn ich von diversen Quellen vernommen habe, dass der Deutschton nicht komplett die Qualität des französischen Originaltons erreicht, so kann man bei der Synchronisation doch trotzdem von einem überraschend gelungenem Ergebnis sprechen, welches u.a. dadurch erzielt wurde, dass man sich für keinen wirklichen deutschen Dialekt entschied, sondern einen eigens für den Film erfunden hat.

Es funktioniert wunderbar, auch wenn man als Zuschauer die Sch‘tis besser versteht als die Hauptfigur selbst. Ich wage es zu behaupten, dass Dany Boons Film sogar dann noch eine Empfehlung wäre, wenn der künstliche Dialekt nicht funktioniert hätte, gehen die Sympathien welche der Streifen ausstrahlt doch weit über die Sprachenkomik hinaus, zumal sie sich das Zentrum der Komik mit den Vorurteilen über Nord-Franzosen teilt, ein menschlicher Aspekt, der glücklicher Weise ohne erhobenen Zeigefinger aufgefangen wird. Anstatt moralisch zu werden zeigt uns Boon die Freuden des Lebens auf, die man erlebt wenn Fremde zu Freunden werden.

Aufgrund einer kitschfreien Umsetzung diesbezüglich innerhalb eines angenehm humorvollen Rahmens, der nie in irgend eine Form von umstrittener Extremkomik abgleitet, erschafft Boon mit seinem Rezept einen herzlichen Wohlfühlfilm, der durch gute Beobachtungen des Alltäglichen und trotz comicartiger Übertreibungen stets realistisch und gefühlsecht bleibt, so dass der Zuschauer sich schnell von der guten Laune und der seichten Dramatik anstecken lässt. „Bienvenue chez les Ch‘tis“ (Originaltitel) schafft dies ohne den Zuschauer trivial zu unterfordern. Es sind die stillen Töne, die das fertige Werk so liebenswert machen. Und dank gut aufgelegter und sehr talentierter Darsteller und einer wunderschönen Optik  schaut sich das auch alles so toll wie es klingt.  OFDb

18.02.2016

MÄNNERHORT (2014)

In unserer nach weiblichem Moralbild orientierten Gesellschaft, in welcher der Mann sein Geschlechterbild immer mehr verweichlicht, wäre es schön gewesen eine intelligente Komödie zu sichten, die sich dieses Themas ernsthaft annimmt, um die Problematik zu beleuchten die automatisch aufkommt, wenn Selbstlüge und Untergebenheit zur besseren Überlebenstechnik im Alltag wird als das offene Austragen von Konflikten zweier Geschlechter unterschiedlicher Auffassung. Die Geschichte zu „Männerhort“ könnte die Grundlage für einen solch diskussionswürdigen Stoff bereithalten, aber wirklich erwartet habe ich dies bei einem deutschen Kommerzfilm aus dem Jahre 2014 freilich nicht.

Franziska Meyer Prices Film ist aber leider im Gegenzug auch nicht die locker flockige Alternative geworden, die sich dieses schwierigen Themas mit Schwerpunkt auf den Unterhaltungswert des Stoffes nähert. Wo das Spiel mit Geschlechterklischees, ihrer Entlarvung und ihrer Unterdrückung hätte lauern können, da serviert uns „Männerhort“ das selbe peinliche Gesellschaftsbild, welches uns auch die Privatfernsehsender stets andrehen wollen, so dass der Film nicht nur extremst in Geschlechterklischees badet, sondern diese trotz absichtlicher Überzeichnung ernst genug nimmt, um sogar die Dramatik des Stoffes auf diesen zu stützen.

Price scheint sich mehr an ihren Anfängen zu orientieren, als sie für Serien wie „Ritas Welt“ und „Berlin, Berlin“ gearbeitet hat, anstatt zu der unverkrampften, sympathischen Handschrift zurück zu finden, mit welcher sie uns die locker flockige Unterhaltung „Ich bin ein Berliner“ beschert hat. Orientiert an den einfachsten Sehgewohnheiten des Proleten- und Hausfrauenpublikums wird im hier besprochenen Werk eine Idee regelrecht ruiniert, die das Potential zu wesentlich mehr gehabt hätte. Weder Christoph Maria Herbst noch Detlev Buck können dem Desaster trotz ihrer Talente positive Züge verleihen. „Männerhort“ ist für ein Dummvolk konzipiert und verweigert sich in seiner verkrampften Art jeglichem realistischen und intelligentem Aspekt.

Hirnloses Herumgeblödel auf dem Rücken veralteter Klischees zum Fremdschämen ist das Zentrum dieser Komödie, der es an Mut und Denkanstößen fehlt, um zumindest als alberne Protest-Komödie zu funktionieren. Somit wurde mit dieser interessanten Ausgangssituation nicht einmal das simpelste zu funktionierende Ergebnis erreicht, welches ein komödiantischer Stoff bieten könnte. Über „Männerhort“ können sicherlich die Freunde schrecklicher, deutscher TV-Comedy lachen und jene die Mario Barths „Männersache“ zum Schreien komisch fanden. Aber jeder der auch im Herumalbern zumindest einen Hauch Niveau und Selbstachtung erwartet wird mit diesem Schundfilm nicht glücklich werden.  OFDb

13.09.2014

STROMBERG - DER FILM (2014)

Stromberg“ war ein Phänomen im deutschen TV und überraschte als Ableger der noch genialeren britischen Serie „The Office“ 5 Staffeln lang mit einer gewissen deutschen Eigenständigkeit gegenüber dem Original und 4 Staffeln lang mit einem hohen Niveau, das erst mit einer erschreckend schlecht geschriebenen und mau inszenierten 5. Staffel sein Ende erfuhr, trotz gleicher Autoren und gleicher Regie. Mit entsprechend geringen Erwartungen bin ich an den abschließenden Stromberg-Film herangegangen. Aber meine Sorge war unbegründet. Nach der Enttäuschung der letzten Staffel erreicht der Film fast wieder das Niveau der Serie und erzählt eine großartige letzte Geschichte, die zwar Staffel 5 nicht rückwirkend sanieren kann, dafür aber weitestgehend ignoriert.

Einzig ein kurzer Verweis auf das religiöse Leben Heisterkamps, die neue Chefposition Strombergs und der ehemalige Auszubildende erinnern an den Tiefpunkt der Serie, und es ist auch einzig besagter Auszubildender, der dem Film leicht schadet. Da hätte man mal lieber den Azubi aus Staffel 4 einbauen sollen. Aber was sich nach solchen Überlegungen wie ein für Außenstehende undurchsichtiger Film mit Serien-internem Wissen anhören mag, ist überraschender Weise durchaus für Neulinge guckbar, auch wenn es freilich als Kenner der Serie mehr zu lachen gibt, inklusive zahlreicher Insiders im Abspann, von welchen der Verweis auf „The Office“, vorgetragen vom Chef-Autor der deutschen Serie, zu den Highlights zählt.

Wieder geben sich Realitätsnähe und comichafte Übertreibung die Hand, Albernheiten und Tragikomik ebenso, und wieder blickt der Humor kritisch auf die Realität in Deutschland und begeht damit Kritik am System, am deutschen Denken und Tun und ganz besonders am Arbeitsmarkt. Mit einer völlig unerwarteten aber konsequenten Wendung Richtung Finale ruft „Stromberg - Der Film“ gar zur Gegenwehr auf, macht den deutschen Angestellten und Arbeitern Mut, zeigt bewusst aber auch den Stinkefinger, wissentlich dass es immer die gedankenlosen Schwätzer sein werden, die zum Zugpferd einer Bewegung werden.

Was den übertriebenen Comicbereich betrifft: der war eigentlich immer Ernies Revier, ist es freilich bezogen auf die Extreme der Rolle immer noch, aber den wirklich realitätsfernsten Part haben diesmal die sonst so lebensnahen Ulf und Tanja beschert bekommen, deren übertriebenes Abenteuer bezüglich eines Pflegekindes so lustig eingebaut wird, dass man sich an der künstlich geschaffenen Grundlage Tanja könne je so tief sinken gar nicht mehr stört. Die Geschichte um ein gerade zwanghaft zusammenwachsendes Trio weiß zu wirken, und da Tanja und Ulf innerhalb der Serie ohnehin schon jegliche Basis durch hatten kalte Partnerschafts-Bilder der Moderne zu parodieren, ist zwischen den beiden ohnehin alles erzählt gewesen. Im Vergleich zur Serie rutschen sie deswegen auch ein wenig in den Hintergrund.

Aber das ist streng genommen der Leidensweg einer jeden Nebenfigur, denn „Stromberg - Der Film“ setzt verstärkt auf die Hauptfigur, und das wird um so dominanter, je mehr sich der Film Richtung Ende arbeitet. Ähnlich wie bei „Die Simpsons - Der Film“ tut das dem Werk jedoch erstaunlich gut. Und da man jegliche Figur und Situation mit dem nötigen Respekt und der für die Serie typischen verstandenen Psychologie versieht, kommt trotz geringerer Screentime keiner wirklich zu kurz.

Trotz einiger lauter Momente, z.B. wenn Stromberg mal wieder zum Entertainer seiner Firma wird, kommt der stille, subtile Humor der Serie nicht zu kurz. Auch die mimischen Kleinigkeiten und weitere versteckte Verweise sind wie gehabt enthalten. „Stromberg - Der Film“ bleibt wie die Serie und ihr britisches Vorbild ein Meer unterschiedlichster Humor-Formen und lebt von der professionellen Besetzung in so ziemlich jeder Rolle. Positiv hervorstechen tut als Neuzugang der neue Vorgesetzte Strombergs, und einige längst überfällige Ehemalige erfahren im Kinofilm eine Wiederkehr, welche die lange Wartezeit ihrer Rückkehr ins Stromberg-Universum wieder wett macht.

Kennern wie Nichtkennern der Serie sei „Stromberg - Der Film“ ans Herz gelegt. Zwar hinkt der Film den gelungenen 4 Staffeln leicht hinterher, aber nach der enttäuschenden 5. Staffel ist es eine Erleichterung zu sehen, dass sich Autor und Regie doch noch einmal zu einer Höchstleistung motivieren konnten und dabei nicht nur ein Werk geschaffen haben, welches lediglich die TV-Serie auf die große Leinwand transferiert, „Stromberg - Der Film“ ist auch von der Geschichte her großes Kino, auch wenn es eine Zeit lang dauert bis man den Unterschied zur TV-Erzählung bemerkt.

„Stromberg - Der Film“ gilt zu Recht als das letzte Kapitel. Zumindest würde meiner Meinung nach eine Weiterführung der Geschichte keinen Sinn mehr ergeben. Der Kinofilm zieht einen großartigen, intelligenten und konsequenten Schlussstrich der kompletten Erzählung seit Staffel 1 und schafft es damit die vor 10 Jahren in Angriff genommene Grundidee zu einem sehr gelungenen Schluss zu führen.

Für den Nichtkenner der Serie ist „Stromberg - Der Film“ eine intelligente Satire auf die Welt der Großkonzerne, versehen mit vielen lauten Lachern, noch mehr kleineren Lachern und einer Schar interessanter Figuren, die man schnell kennen gelernt und liebgewonnen hat. Viele werden sich sicherlich hinterher interessiert der Serie zuwenden, welche den Großteil der Zuschauer ursprünglich erst in den Film gelockt hat. Schön dass die durch Zuschauer mitfinanzierte Kinoproduktion in beide Richtungen funktioniert.  OFDb