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04.08.2023

SCREAM 6 (2023)

Ja, "Scream 6" ist etwas anders ausgefallen als der Rest der Reihe, da haben die Leute vom Marketing nicht gelogen, und er ist in aufregenden Dingen anders. Die ersten beiden Kills werfen bereits allerhand Fragen auf, so dass die Geschichte rätselhafter wirkt, als sie eigentlich ist. Und der Killer geht selbstbewusster und härter vor als bislang und macht auch nicht vor Bluttaten in der Öffentlichkeit vor Zeugen Halt. Das kommt so krass herüber wie es klingt, sorgt für bedrohliche Situationen, die wiederum dem Spannungsgehalt des Streifens gut tun. Zudem mordet der Killer nicht zimperlich, da wird x-fach zugestochen und auch sonst ziemlich pervers gemordet. Das wiederum führt zu den Negativpunkten des Streifens, denn da wo besonders hart gekillt wird, da sind Wunden zu extrem, um mal eben am Ende als "hat doch überlebt" aus dem Zauberhut gezogen zu werden. Das nervte bereits im Vorgänger beim ersten Opfer in seiner (selbst für diese Art Film) Unglaubwürdigkeit, und das geschieht diesmal inflationär, kaum ein Sympathiecharakter der nicht überleben darf, egal wie hart er attackiert wurde. Blutige Szenen dürfen extrem sein, aber das Seelenleben des Zuschauers darf dann doch nicht leiden und wird in Watte gepackt, schade. 

Ohnehin ist der sechste Teil der von Wes Craven begonnenen "Scream"-Reihe psychologisch schlecht umgesetzt. Die Auflösung ist zu geschwätziger Art, bedient sich am schlechten Beispiel des ansonsten geglückten "Scream 2", und bietet uns zudem würdelose Weichei-Killer, von denen man keinem die hart ausgeführten Auftritte, wie jene im Supermarkt, zutrauen würde. Die Mörder passen nicht zu dem vorher Gesehenen, die Auflösung enttäuscht somit in mehrfacher Hinsicht. Das könnte wie bei Teil 2 großzügig akzeptiert werden, wenn der Rest so gut ausgefallen wäre wie die Positivbeispiele zu Beginn der Besprechung, aber was außerdem enorm an Teil 6 nervt ist der bereits in "Scream 5" von den beiden Hauptdarstellerinnen blass gespielte und wie vorgelesen klingende Seifenopern-Part der Geschichte. Jeglicher Gefühlsmoment in Form von Dialogen und Monologen schaut sich stumpf, empathielos, einfach nur theatralisch vorgetragen, anstatt zu berühren. Und diesmal gibt es derartiger Momente mehr als im Vorgänger, so dass das interessante und packend erzählte Treiben rund ums Überleben immer wieder verwässert wird. 

Leider betrifft dies auch Szenarien wie der erste Auftritt von Gale Weathers und die völlig unsinnig anmutende Versöhnung mit ihr (die aber zumindest zur Naivität und Dummheit der beiden Protagonistinnen passt). Derartige Szenen wirken unglaubwürdig. Schade, denn die Idee dass Gale doch noch ein Buch schrieb und alles auslöste, ist eine tolle, ebenso wie die Internetpropaganda, die Heldin des Streifens sei der wahre Mörder des vorangegangenen Abenteuers. Die anderen jugendlichen Randfiguren wirken da schon mehr als die Heldinnen, sind bis auf den Stillen, der ewig von der Filmerfahrenen verdächtigt wird, auch gut besetzt. Ihr weit weniger aufdringliches, da besser gespieltes und als Randfigur freilich reduzierteres, zwischenmenschliches Szenario nervt nicht, bereichert sogar manchmal das Geschehen. Die Wiederkehr einer Figur aus "Scream 4", die keiner je vermisste, weiß zu gefallen, eben weil sie dort der einzig sympathische Teenager war, jedoch verschenkt man ihr Potential meiner Meinung nach, da hätte ich mir mehr erhofft. So schlecht sich das alles liest, die spannenden Szenen (wie jene mit der Leiter) sind herausragend umgesetzt und kitzeln gekonnt die Nerven. Die Auftritte des Killers erstaunen und werden immer wieder reizvoll eingesetzt, ganz besonders in der aus dem Trailer angedeuteten U-Bahn-Sequenz. 

Insgesamt ist "The Last Scream" (unsinniger Alternativtitel, da Teil 7 als Schluss einer neuen Trilogie bereits eingeplant war) zwar kein überzeugender Film, aber zumindest ein dümmlicher, unterhaltsamer, der somit etwas besser ausgefallen ist als der Tiefpunkt "Scream 3". Nach dem schlicht angenehmen Teil 5 ist man aber vielleicht auch einfach großzügiger, als nach den ersten beiden Vorzeige-Horrors, mag sein dass der Vergleich unfairer Natur ist. Aufgrund der großartigen Szenen freue ich mich trotzdem auf "Scream 7", auch wenn die beiden Heldinnen freilich nach wie vor keine brauchbaren Zugpferde sein werden. Aber da eine von beiden durch "Wednesday" nun ohnehin ein Star ist, braucht man nicht drauf zu hoffen, dass sie nicht noch einmal in den Vordergrund rücken werden. Zumindest kehrt im nächsten Teil Sidney zurück, die hier erstmals pausierte.  Wiki

03.09.2022

SCREAM (2022)

Wieso "Scream" und nicht "Scream 5"? Das beantwortet sich im Laufe des Films und dies humoristisch treffsicher und reflektiert. Und da, trotz ansonsten spürbar ernsterer Herangehensweise, auch die anderen Bereiche mit letztgenannter Eigenschaft trumpfen, kann man den Verantwortlichen ruhig zugestehen verstanden zu haben, was der mittlerweile verstorbene Vater der Reihe, Wes Craven, mit seinem Werk gemeint hat, so dass dieses im Geiste respektvoll fortgesetzt wird. Freilich erreicht man nicht ganz das Niveau der guten Teile der Reihe (und den genialen Teil 1 ohnehin nicht), aber großteils weiß es zu gefallen, was man hier geboten bekommt, und somit ist der fünfte Teil besser ausgefallen als der magere "Scream 3". Die Altstars der Reihe werden zurückhaltend, aber mit genügend Präsenz ins pseudo-frische Geschehen gesetzt. Zwar gefiel mir die Positionierung der beiden ursprünglichen Hauptfrauen im Finale nicht, da fragt man sich zurecht wo ihre Natürlichkeit geblieben ist bei derart viel Kampfbitch-Mentalität, aber das ist die Ausnahme von der Regel, dass ansonsten gut abgeguckt von den Vorgängern vorgegangen wird. 

Das brauchbare Ergebnis ist jedoch nicht nur erzielt durch das Abgucken von Vorgegebenen, eigene Ideen bereichern den Plot ebenso. Da man zudem zum Mördermitraten eingeladen wird, es an spannenden Szenen nicht mangelt und die Grundatmosphäre des Streifens ebenso zu gefallen weiß, wird man zumindest unterhaltungstechnisch befriedigend bedient. Zudem weiß der Kniff zu gefallen, dass "Scream" sich nicht nur an uns bekannten Filmen orientiert, wenn über das Horror-Genre diskutiert wird, sondern sich zu einem guten Teil auch an der seit "Scream 2" in der "Scream"-eigenen Welt existierenden fiktiven "Stab"-Reihe bedient. Immerhin leben die Figuren des Streifens in einer Welt, in welcher "Stab" zur Endlosreihe herangewachsen ist, mit all den Krankheiten die eine solche befallen kann. Und das wird nicht einzig der augenzwinkernden Spielerei wegen genutzt, es wird zu einem wichtigen Eckpunkt der Ereignisse. Manch psychologisch gewolltes Spiel fällt hingegen weniger raffiniert aus, als von den Autoren scheinbar vermutet. So verdächtigt man beispielsweise nie das erste Opfer Täter zu sein, eben weil man mit ihr die Eingangssequenz aus dem Original variierte und sie es somit nicht sein kann. 

An derartigen Stellen baut man wahrscheinlich auf die Vergesslichkeit einer sich nicht mehr sonderlich gut konzentrierenden Generation, denn diese ist im Gegensatz zu "Scream 4" Zielpublikum, anstatt der Stammzuschauer, aber selbst der wird mit nicht all zu hohem Anspruch solide unterhalten. Ja, "Scream 5" (Alternativtitel) ist nicht der Leckerbissen, den man sich nach dem überraschten geglückten vierten Teil elf Jahre später gewünscht hat, und die Fortsetzungsart, welcher er sich diesmal annimmt, ist so konstruiert wie jene aus Teil 3, so dass nur extreme Filmfreunde darin tatsächlich eine eigene Art Fortsetzung erkennen werden (jene, für die "Creed" kein "Rocky 7" ist), aber darüber zu stolpern und sich davon den Sehspaß verderben lassen, wäre nicht minder engstirnig. Da man zudem Gefallen an den neuen Figuren finden kann und auch die Dramaturgie nicht vernachlässigt wurde (die in zwei Szenen allerdings kurzfristig aufgrund ihrer Theatralik eher wie eine Seifenoper anmutet), kann man auch als älteres Semester zu Genüge mitempfinden und sich für die Geschehnisse interessieren, anstatt das Ganze nur theoretisch mitverfolgen zu können. 

Gerne kann es so weiter gehen, das vorhandene Niveau reicht mir für kommende Fortsetzungen. Hauptsache sie fühlen sich weiterhin als Teil des Ganzen an, so wie es "Scream 5" geschafft hat. Im Gegensatz zu den Teilen 2 und 3 weiß zudem die Mörderauflösung zu gefallen, auch in ihrer (überraschend nicht störend geschwätzigen) Begründung.  OFDb

11.04.2015

SCREAM 3 (2000)

Wenn es nach dem „Scream"- und „Scream 2“- Autor Kevin Williamson gegangen wäre hätte die drei Jahre nach Teil 2 fertiggestellte zweite Fortsetzung des Slashers von Wes Craven erneut an der Universität gespielt. Williamson blieb aufgrund eines anderen Projektes jedoch nur noch als einer der Produzenten mit an Bord, und der neue Drehbuch-Autor Ehren Kruger wollte der Reihe etwas frischen Wind bescheren und noch weiter als der Vorgänger die Idee des Films im Film ausbauen und verlagerte die Story ans Set von „Stab 3“. So treffen diesmal die Überlebenden der ersten Teile mit ihren Filmdoubles häufiger zusammen, recherchieren teilweise sogar mit ihnen gemeinsam, und auch die an Originalschauplätzen orientierten Set-Bauten lassen Realität und Fiktion aufeinander treffen.

Um auch auf der Ebene der auf Filme bezogenen Morde für frischen Wind zu sorgen wird uns „Scream 3“ nicht nur als weitere Fortsetzung vorgestellt, immerhin wurde bereits im Vorgänger zu genüge über Fortsetzungen debattiert, sondern als letzter Teil einer Trilogie, die laut dem Film anderen Gesetzen unterliegt. Im Filmbereich kann man das Wort Trilogie wohl als Modebegriff sehen. Zumindest weiß ich nicht wieviel Sinn es macht etwas das ewig fortgesetzt werden kann als Trilogie darzustellen, das eigene Gesetzmäßigkeiten hätte, nur weil es drei Teile beschert bekommen hat.

Mit einer Geschichte ist nur offiziell Schluss wenn kein weiterer Teil gedreht wird. Jede Geschichte kann man weiter erzählen, wirklich jede. Und spätestens „Scream 4“ beweist, dass das ewige Reden über Trilogien Unsinn ist. George Lucas selbst erweiterte seine „Krieg der Sterne“-Trilogie um drei weitere Filme, drei weitere folgen nun produziert von den Disney Studios. Und wer eine Unterscheidung zwischen klassischer Fortsetzung und Trilogie damit untermauert in Trilogien würde etwas zum Abschluss kommen, das zwei einzelne Teile nicht erreicht haben, der kann auch gerne einen Blick auf Tarantinos beide „Kill Bill“-Filme werfen, der einen Teil weniger dazu benötigte.

Und darin liegt eines der Probleme von „Scream 3“. Trilogie, das klingt so unglaublich wichtig, aber es existieren keine Gesetzmäßigkeiten die eine solche von einer regulären Fortsetzung trennen. Wie mutig eine Fortsetzung ist entscheiden Autoren und Produzenten. Das ist alles. Und da „Scream 3“ der Teil eines lukrativen Franchises war, kann man sich denken wie mutig Autor und Produzenten hier waren - nämlich gar nicht. Bis auf die Tatsache dass es ungeahnte Hintergründe im Familienleben der Prescotts gab, entlarvt sich der Film mit dem Nichtanwenden der aufgesagten Regeln selbst mit der Unsinnigkeit seiner Thesen.

Das wäre ein toller Kniff für eine solch Kino-reflektierende Reihe. Nur leider ist dieses Entlarven der Trilogie-Lüge in Teil 3 gar nicht beabsichtigt. Und das macht die Anwendung eines Pseudo-Faktes den man vertiefen will selbstverständlich unausgegoren. Somit kann man mit lästerndem Unterton behaupten, dass die ebenso unausgegorene Inszenierung des kompletten Streifens trefflich an diesem Fehler orientiert ist. Zu ruhige Passagen bremsen den Film immer wieder aus. Parallelen zwischen Realität und Nachahmung beginnen spätestens dann zu nerven, wenn die Kino-Gale Weathers viel zu schrill eingesetzt wird, so als wolle man diesmal doch endgültig zur Horror-Komödie werden, was der Rest der Inszenierung in seiner ernsteren aber weiterhin augenzwinkernden Art glücklicher Weise aber dann doch zu verhindern weiß.

Im Gegensatz zu den Hintergründen der beiden ersten Teile, die man mit viel Wohlwollen noch als halbwegs glaubwürdig annehmen kann, wenn auch nur angewendet in der Welt des Kinos, wird das Konstrukt das in „Scream 3“ erschaffen wird, um sich an die Pseudo-Trilogie-Regel zu halten dass etwas nicht Gewusstes in der Vergangenheit schlummert, nie glaubwürdig und bedient sich zudem noch dreist an den Hintergründen von Teil 1, verändert dessen Auflösung auf lächerlichste Art und serviert uns zusätzlich schon wieder wie in Teil 2 einen Täter, der im Laufe des Films kaum von Bedeutung war. Wie unsinnig dessen Beweggrund ist weiß Sidney zumindest selbst zu äußern, da geht der Film ehrlich mit sich selbst um, aber zu befriedigen weiß selbst diese selbstkritische Positionierung nicht.

Es reicht eben nicht nur mit sich selbst und reflektiert mit den Regeln des Genres zu spielen. Und es reicht auch nicht das bisherige Geschehen damit zu bereichern, dass der Anrufer von nun auch Stimmen immitieren kann. Ich gebe zu dass diese Idee für manch tolle Szene gesorgt hat, und ohnehin hat „Scream 3“ manch gut inszenierte Szenen vorzuweisen. Aber er ist zu sehr Produkt geworden und in seiner eigenen Welt gefangen, sich selbst einen immer enger werdenden Strick bindend mit jedem Herumspinnen mit Metaebenen. Da wird teilweise fruchtbar herausgeholt was diesbezüglich aus ihnen herauszuholen ist, leider aber auch darüber hinaus in ihnen geschwommen, so sehr bis man sich selbst für viel zu clever hält. „Scream 3“ will so viel sein und vergisst darüber hinaus leider den Charme einzusetzen, den seine beiden Vorgänger stets ausgestrahlt haben.

Um so mehr darf es einen verwundern, dass die neu hinzugefügten Figuren zu interessieren wissen und interessante mögliche Täter sind. Auch die bereits von den Vorgängern bekannten Figuren erscheinen wieder in einem verdächtigen Licht, und wäre das Drehbuch so mutig wie eine der Pseudo-Regeln für Trilogien lautet, wären sie auch glaubwürdig verdächtig. Aber „Scream 3“ setzt lieber auf Nummer sicher, will das Stammpublikum nicht verschrecken indem wer Sympathisches plötzlich zum Täter wird oder zumindest sterben darf, und diese Mutlosigkeit ist schon sehr schade.

Klar, „Scream 3“ hat durch seine beiden Vorgänger eine große Konkurrenz denen er gegenüber steht. Als Film für sich kann er aufgrund der Vorkenntnisse die man besitzen muss um mit dem Inhalt etwas anfangen zu können jedoch leider nicht existieren. Und als solcher wäre er auch nur als lediglich „ganz nett“ ausgefallen. Manch einer mag ihn auch so sehen, aber dafür muss man einige Ärgerlichkeiten herunterschlucken. Bei einer Zweitsichtung klappt das besser. Da weiß man an welchen Ecken es krieselt. Und da macht die zweite Fortsetzung als überzogenes Konstrukt zumindest teilweise Spaß, mitunter weil für den Zuschauer die Geschichte um seine liebgewonnenen Charaktere weiter geht. Aber das sollte 11 Jahre später in „Scream 4“ auf angenehmere Art funktionieren. Der badete zwar auch tief in Metaebenen und der Gedankenwelt von Film-Freaks, mit der Thematik „Remake“ hatte er im Gegensatz zur Thematik „Trilogie“ aber zumindest eine wahrlich existierende Filmform vorliegen über die er sich hermachen konnte und keine krampfhaft theoretisch erstellte. Das war ein ungemeiner Pluspunkt für ihn.  OFDb

SCREAM 2 (1997)

Hatte ich in meiner Review zum ersten „Scream“ noch behauptet die Fortsetzung klammere sich arg brav an die Formel des ersten Teils und sei eher mittelmäßig ausgefallen, so muss ich das nach erneuter Sichtung großteils doch revidieren. „Scream 2“ erzählt die Geschichte des ersten Teils interessant und mit anderen Schwerpunkten versehen gekonnt weiter, nimmt sich Zeit die bereits bekannten Figuren psychologisch näher zu vertiefen, vernachlässigt darüber hinaus aber neue Figuren so gut kennen zu lernen wie die alten in Teil 1. Das ist schon etwas schade, schadet dem Streifen aber nicht wirklich.

Dass die Intensität der Eingangssequenz vom Vorgänger nicht so leicht ein weiteres Mal einzufangen ist, geschweige denn getoppt werden kann, ist klar, aber sie kann sich sehen lassen, die Eröffnungssequenz von Teil 2, die einem vernachlässigten Thema zu den Überlegungen der Gesetzmäßigkeiten eines Horrorfilms nachgeht. Auch sie ist packend inszeniert, doch das ist nichts gegenüber manch spannender Sequenz die uns im Laufe der Story noch erwartet. In Sachen Spannungsgehalt toppt Teil 2 den Vorgänger sogar, innerhalb einer Inszenierung die ebenso flüssig ohne Stolpersteine daher kommt wie Teil 1.

„Scream 2“ könnte mit all seinen neuen Ideen (alles zum Thema Fortsetzungen) und Erweiterungen alter Ideen (Cotten in die Haupthandlung einzubauen), sowie mit dem Luxus sich Zeit für ausgefallene Suspense-Momente zu nehmen (die Theater-Probe) locker mit dem Erstling mithalten, wenn... ja wenn die Auflösung nicht völlig enttäuschend ausgefallen wäre. Da wird geredet und geredet um der Begründung für die Morde einen Sinn zu geben, aber das ist vergebens, weiß das alles doch nicht wirklich zu überzeugen, zumal die Figur, soviel sei verraten, zuvor nur hin und wieder unbedeutend durchs Bild huschte und deswegen eine Zuschauerverarsche als der aufgedeckte Täter ist.

Zudem ist das Finale nach der Aufdeckung zu lang geraten, ohne mit ausgefallenen Überraschungen eine solch ausgedehnte Sequenz zu legitimieren. Hier hatte Teil 1 die Nase um Längen vorn, konnte noch einmal als individuelles Produkt trumpfen, welches den Kult-Status zurecht verdient, während das Gebrabbel in Teil 2 ziemlich viel vom eigentlich positiven Restergebnis kaputt macht. Schade, aber wenn man drauf eingestellt ist macht der Streifen trotzdem viel Spaß. Mit „Scream 4“ kann er, entgegen dem was ich zuvor behauptet habe, also doch locker mithalten.  OFDb

09.04.2015

SCREAM (1996)

Es war der Erfolg von „Scream“ der 1996 jene Horrorwelle los löste, die bis heute noch anhält. Zuvor war Horror für etwa ein Jahrzehnt im Kino für Tod erklärt worden, und ausgerechnet ein parodistisch angelegtes Stück augenzwinkernde Ironie brachte frischen Wind ins Genre. „Scream“ wurde ein eigener Klassiker, der unzählige Werke wie „Muttertag", „Blutgericht in Texas" und „Halloween - Die Nacht des Grauens" zitierte, umgesetzt von einem Regisseur, der mit „Nightmare - Mörderische Träume“, „The Last House on the Left“ und manch anderem Genre-Beitrag bereits selbst einige Klassiker abgeliefert hatte.

„Scream“ ist so sehr kopiert, rezensiert und parodiert worden, dass er sich nie mehr so flüssig guckt wie damals. Ein Großteil ist selbst zum Zitat geworden. Die hier gekonnte Art Ironie mit echtem funktionierendem Horror zu vereinen hat viele Nachahmer inspiriert, die es für irre intelektuell hielten stets die Ironiefahne weit hoch zu halten, sodass mancher Kino-Hit es gar nicht mehr wagte mutig auf puren Horror zu setzen. Diesbezüglich war „Scream“ lange Zeit Fluch und Segen zugleich für den Horrorbereich, der es irgendwann aber dann doch schaffte ein breit gefächertes Sortiment dessen was alles unter Horror fällt abzudecken.

Wie gesagt funktioniert der augenzwinkernde Umgang in „Scream“ bestens. Schwächen des Genres werden aufgedeckt, ihre Wichtigkeiten für diese Art von Geschichten gleichzeitig aber auch demonstriert. Dabei geht man meist recht subtil vor. Ohnehin verkommt Wes Cravens Überraschungs-Hit nie zur reinen Horror-Komödie. Wahre Witzchen, wie eine offensichtliche Anspielung an den Killer Freddy Krueger, sind die Ausnahmen in einer Geschichte, die es sogar schafft glaubwürdig die Tragik der Rolle der Sidney auszuarbeiten, die von Newcomerin Neve Campbell gekonnt verkörpert wird.

Kennt man „Scream“ erst einmal als vierteilige Reihe, fällt einem kaum noch auf, dass beim ersten Sichten eigentlich so ziemlich jede Figur als Mörder in Frage kommt. Sprich das Mörderraten macht in Cravens Teil 1 unglaublich viel Spaß, spielt aber auch falsch wie die Auflösung zeigt, die irgendwo zwischen Traditionen brechend und Traditionen befolgend schwankt, der man aber so oder so nie bös wäre bei solch einem vielschichtigen Finale, welches auf endlose Erklärungen verzichtet und auch gerne Mal den Spieß dessen was man erwartet umdreht.

Meiner Meinung nach ist „Scream“ zu Recht ein Klassiker geworden. Er ist unglaublich spannend in Szene gesetzt, präsentiert eine Vielzahl an interessanten Figuren und weiß ehrlich zu zitieren, anstatt lediglich anbiedernd zu zeigen wie toll man sich im Genre auskennt. Freilich geht es im Tunnelblick-Land USA lediglich um amerikanische Filme, aber das ist schon okay, da es schließlich um den Slasher-Bereich geht der in diesem Land nun einmal zu Hause ist.

Wer sich an „Scream - Schrei“ (Alternativtitel) heranwagt wird schnell überzeugt sein, zieht einen doch allein schon die recht lange und drastische Eingangssequenz in seinen Bann, in welcher Drew Barrymore einen Gastauftritt absolviert. Danach lässt der Film einen nicht mehr los, zumal er nach besagter Szene weiterhin zügig genug inszeniert ist, immer etwas zu erzählen hat, den Horror nie in der zweiten Reihe parkt und es gleichzeitig trotzdem schafft sich genug Raum zur Charakterentfaltung frei zu halten.

Leider habe ich mittlerweile bei fast jeder Szene die Parodie „Scary Movie“ im Kopf, die „Scream“ fast 1 zu 1 aufs Korn nimmt. Dass es der Film trotzdem schafft auch beim x-ten Schauen noch immer relativ spannend zu wirken, zeigt um so mehr wie viel Stärke Wes Cravens Wiederbelebung des Genres doch besitzt, auch wenn er sich von Mal zu Mal immer theoretischer guckt. Auch mein Bonus von einst ist dahin, empfand ich Neve Campbell damals doch als unglaublich süß, was ich heute nach der letzten Sichtung nicht mehr verstehe. Oder sagen wir es mal so: ihren Depri-Stil in Teil 2 fand ich rückblickend dann doch süßer. Da die gute Frau ihre Rolle der Sidney aber sehr glaubwürdig verkörpert, ist es sowieso egal ob ich sie nun niedlich finde oder nicht.

Die meisten Fortsetzungen schafften es nicht mehr das Niveau des ersten Teils auch nur ansatzweise zu erreichen. Teil 2 war eine annehmbare Kopie mit mauer Auflösung und sich zu sicher ans vorgegebene Konzept klammernd. Teil 3 war eine eher unbefriedigende Angelegenheit, die zwar neue Aspekte mit einbrachte, aber doch ziemlich mutlos daher kam. Erst Jahre später mit „Scream 4“ fand Craven zur alten Form zurück, übertrieb es vielleicht das ein oder andere Mal mit dem Spiel der Metaebenen, schaffte es aber eine intelligente Fortsetzung abzuliefern, die zwar verkopft aber trotzdem unterhaltsam war. Spaß hat man mit diesem Teil freilich nur, wenn man die zu routinierten „Scream 2“ und „Scream 3“ ebenfalls geguckt hat. Aber egal was man von den Fortsetzungen auch haltem mag, Teil 1 sollte man unbedingt gesehen haben - und dies nicht nur als Fan des Genres.  OFDb