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04.10.2022

DIE SAAT DES TEUFELS (1990)

Was uns da auf der Fulci-Box präsentiert wird, obwohl Lucio Fulci nur nicht genannter Mit-Regisseur war und Giovanni Simonelli stattdessen im Vorspann steht, ist ein billig heruntergekurbeltes Stück Auftragsarbeit für das Fernsehen, welches weder inszenatorisch überzeugen kann, noch inhaltlich. Unsinnige Dialoge (von denen sicher einige besonders ärgerliche der äußerst schlechten deutschen Synchronisation zuzuordnen sind), ungruselige Geisterauftritte, wenig überzeugende Sequenzen des Ablebens, eine wenig förderliche Opferreihenfolge, eine umständlich erzählte simple Geschichte, hanebüchene Ermittlungen und Befragungen und untalentierte Kinder, die ihr Unvermögen selbst dann demonstrieren, wenn sie nur düster drein blickend herumstehen sollen (das Mädchen muss einmal sogar lachen, anstatt dass es schockiert guckt, wenn ihr Bruder vor ihren Augen betäubt wird), an "Die Saat des Teufels" gibt es wahrlich nichts schön zu reden. Die menschlichen Bestien sind zu harmlos besetzt, die Ethik des Streifens fragwürdig zu nennen, die offenen Arme, mit denen die völlig unerfahrene und merkwürdig ins Geschehen geschubste Polizistin, von den Tätern empfangen wird, überraschen komplett, so unerwartet, unglaubwürdig und urplötzlich, ja geradezu selbstverständlich das Ganze zusammenfindet. Dass die Kinder, wie der Originaltitel "Hansel e Gretel" bereits verrät, nach berühmten Figuren der Gebrüder Grimm benannt wurden, ist so schwachsinnig wie der Rest des Streifens, gibt es doch keinerlei Bezug zum Märchen aus dem man sich die Namen entlieh, mit der Ausnahme dass die Kinder verkauft wurden, wenn auch von ihrem Stiefvater anstatt von den leiblichen Eltern. Der ganze Unsinn ist in seiner uninspirierten Inszenierung äußerst dröge und langweilig ausgefallen, motivationslos wird ein Ableben nach dem anderen präsentiert, unterbrochen von schlechten Dialogen desinteressiert wirkender Mimen. Einzig die stimmige Hintergrundmusik weiß so einige Male zu wirken, aber die ist bei all dem restlichen Schrott freilich Perlen vor die Säue.  OFDb

DIE UHR DES GRAUENS (1989)

Drei Jahre bevor in "Amityville - Face of Terror" ein Gebäude unter Uhreneinfluss ebenfalls die Zeit manipulieren konnte, drehte Lucio Fulci einen ähnlichen Stoff. Der deutsche Titel des hier besprochenen Streifens hätte jedoch eher zum Vergleichsfilm gepasst, denn in "Die Uhr des Grauens" sind mehrere Uhren tätig, weswegen der italienische Titel "La casa del tempo" (übersetzt "Das Haus der Zeit") besser passt. Aber Titelgeber unseres Landes habe ich ohnehin noch nie verstanden, also was soll's. Interessanter ist da schon der Aspekt, dass Fulci ein sympathischer, kleiner Genre-Beitrag gelungen ist, der unauffällig und fast unbeachtet sein Dasein fristet, sicher auch nicht zu den großen Werken des Kult-Regisseurs gehört und auch einige Schwächen besitzt, jedoch nicht uncharmant ausgefallen ist. 

"The House of Clocks" (Alternativtitel) kommt in seiner kostengünstig produzierten, unscheinbaren Art wie eine TV-Produktion daher, scheint dies jedoch nicht zu sein. Die Besetzung fällt bescheiden, aber überzeugend genug aus, was man von der deutschen Synchronisation leider nicht behaupten kann, die gerade in der Besetzung der Sprecher der jungen Leute negativ auffällt. Aber das macht dieses kleine bizarre Produkt, das sich herzlich wenig um Logik schert, nicht kaputt. Die konfusen Zeitspielereien wissen zu gefallen, werden uns dargeboten als eine Art Rache der Uhren. Und dass deren Rückwärtsgeschehen niemals aufgehoben wird, ist den Autoren, welche die Idee Fulcis zu einem Drehbuch niederschrieben, durchaus bewusst. Das beweisen zwei Pointen am Schluss, von welchen ich die des alten Ehepärchens etwas besser finde als die zu aufgesetzte der jungen Leute. Aber auch sie ist als reißerisches Element inmitten eines alptraumhaften Szenarios durchaus wirksam, weiß man am Schluss angekommen doch ohnehin längst, dass sich hier Sinn und Unsinn stets die Hand geben. 

Die Geschichte weiß durch ihre geglückten Wendungen zu gefallen, einige wenige morbide Elemente hat "Die Uhr des Grauens" ebenfalls zu bieten, und selbst deftigere Goreeffekte sind enthalten, wenn auch nicht viele und nicht so extrem ausgeartet wie z.B. in Fulcis "Die Geisterstadt der Zombies". Ein wenig hat mich die verzauberte Stimmung, gefangen in einem mysteriösen Haus, in welchem ein altes Pärchen voller Geheimnisse wohnt, an Stuart Gordons zwei Jahre zuvor erschienen "Dolls" erinnert, freilich ohne dessen Intensivität zu erreichen. Zudem sind die Tricks im Uhrenhorror simpler ausgefallen als in jenem um Puppen, das Highlight ist von der Idee her die stehen gebliebene und später rückwärts laufende Sanduhr. Aber selbst der Anblick dieser erreicht bei den hohlen Identifikationsfiguren, die wie jede andere Person dieses Filmes zwielichtig charakterisiert sind, kein Bemerken des Übernatürlichen. Somit können sie auch nicht auf Lösungssuche gehen, was der Geschichte einige Chancen beraubt. Hier geht es lediglich um das Gefangensein und die Flucht, etwas vergleichbar mit "Das Haus der Vergessenen", könnten die Besitzer des Uhrenhauses doch in ihrem Irrsinn durchaus die Vorfahren der reichen Wahnsinnigen von dort sein.

"Die Uhr des Grauens" läuft mit seinen 79 Minuten recht kurz, ist auch auf der 18er Jahre Freigabe-Version der Fulci-Box in Deutschland nur gekürzt erhältlich, unterhält aber auch in dieser nicht optimalen Variante, obwohl Schnitte deutlich zu erkennen sind. Da der Film letztendlich aber hauptsächlich von seiner bizarren Situation und der Atmosphäre des Mysteriösen und Zauberhaften lebt, ist das Fehlen dieser Sequenzen nicht ganz so schlimm. Und wie erwähnt sind ein paar härtere Effekte erhalten geblieben. Die 16er-Version besagter Fulci-Box lässt wie zu erwarten noch mehr Federn. Wer diesen Horrorbeitrag ungekürzt auf Deutsch erleben möchte, muss zur österreichischen Version der Fulci-Box greifen. Zum Schluss sei noch erwähnt, dass dieses Werk einer vier Filme umfassenden Reihe um verfluchter Häuser angehört, von denen Fulci zwei umsetzte (der andere ist "Das Haus des Bösen") und die beiden weiteren, unsinniger Weise in Deutschland als Teile 3 und 4 des Filmes "Ghosthouse" betitelten, Beiträge von Umberto Lenzi sind.  OFDb

25.10.2020

DIE SIEBEN SCHWARZEN NOTEN (1977)

"Die sieben schwarzen Noten" ist ein Thriller mit der übernatürlichen Zusatzthematik um Visionen, dessen Titelgebung ich nicht verstehe. So śehr mich diese im Nachhinein auch verwundert, so ändert es doch nichts daran mit diesem Giallo-ähnlichen Stoff Fulcis einem durchschnittlichen, aber interessantem Werk beigewohnt zu haben. So konstruiert im Rückblick nach dem Sichten auch manches scheinen mag, das Verwirrspiel um trügerische Erkenntnisse und die Freilegung der Wahrheit, die sich tatsächlich dahinter verbirgt, weiß zu gefallen, gibt sich zwar raffinierter aus als es letztendlich in Wirklichkeit ist, verfehlt aber nichtsdestotrotz nicht seine Wirkung, und darauf kommt es letztendlich an. Die Thematik der Visionen kommt relativ frei von Esoterik daher, das weiß zu gefallen, zudem dient dieser Aspekt nicht der Hinhaltetaktik bis tatsächlich etwas passiert, so wie es in vergleichbaren Werken gerne mal der Fall ist, stattdessen wird dieser Aspekt zum wichtigen Hauptelement, das auch von den Eingeweihten dieser Fähigkeit noch erforscht werden muss. Somit stehen mehrere zusammenhängende Rätsel im Raum. Was kann die Heldin? Glaubt sie es nur zu können? Was ist passiert? Wer ist der Mörder? Warum widersprechen sich einige Fakten, wo doch so viele Übereinstimmungen an anderer Stelle vorhanden sind? 

Diese Fragen halten einen auf Trab, auch wenn "Sette Note in Nero" (Originaltitel) nicht immer frei von Durchhängern erzählt ist. Ein gelegentlich erhöhter Spannungsbogen entschuldigt für manchen Langlauf, der Spaß an der Suche auf Antworten entschuldigt für manch zu konstruierte Ablenkung. So ist doch beispielsweise der Zufall zweier hinkender Personen zum idealen jeweiligen Zeitpunkt etwas arg unglaubwürdig ausgefallen, wird aber benötigt, damit das Täuschungsmanöver funktionieren kann. Letztendlich ist "The Psychic" (Alternativtitel) zu trivial ausgefallen, als dass man sich über derartige Ungereimtheiten oder Unglaubwürdigkeiten ernsthaft ärgern würde, zumal sie dem Unterhaltungswert keinen Strich durch die Rechnung machen. Für einen Thriller relativ geringer Ansprüche überrascht "Murder to the Tune of the Seven Black Notes" (Alternativtitel) hingegen mit einer unaufgeregten Erzählweise (der hysterische Ton vieler anderer italienischen Vergleichswerke klingt nie an), die Geschichte wird recht sachlich voran getrieben, übertreibt nicht mit Schauwerten (auch wenn es Fulci nicht lassen kann die wenigen Blutmomente extremer in Szene zu setzen als nötig) und bietet genügend interessante Figuren und Situationen, mit denen der Zuschauer sich auseinandersetzen kann. 

Welche Motivation steckt hinter den Taten? Selbst wenn man mit seiner Verdächtigung richtig liegt (zumal die Täteraufdeckung meiner Meinung nach sehr nahe liegt), so ergeben sich bis zu diesem Ziel doch auch für den Früherkenner unter den Zuschauern genügend andere neue Erkenntnisse und Erklärungen für das was man vermutete, so dass "Seven Notes in Black" (Alternativtitel) auch in diesem Zustand interessant genug bleibt, um gut unterhalten dran zu bleiben. Mag Fulci auch nicht der große Wurf gelungen sein, "Die sieben schwarzen Noten" kommt, gerade auch trotz seiner Visionen-Thematik, angenehm bodenständig und unaufgeregt daher, mit genügend Spannungsmomenten versehen und mit genügend Interesse weckenden Rätseln, sodass der inhaltlich eigentlich gar nicht so innovative Thriller genügend Vorteile besitzt sich gegenüber anderen Durchschnittswerken ein wenig abzuheben. Der Zusatzaspekt um das eigentlich selbst hervorgerufene Schicksal der Heldin, ausgelöst durch den Antrieb der Ermittlung, ist der einzig wahre raffinierte Punkt an diesem sympathischen Werk.  OFDb

02.04.2020

EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL (1980)

"Ein Zombie hing am Glockenseil" kann man als eine Art Übung Fulcis für den konsequenter umgesetzten "Die Geisterstadt der Zombies" betrachten, mit dem der hier besprochene Film zusammen mit "Das Haus an der Friedhofsmauer" die "Gates of Hell"-Trilogie bildet. Während der Mittelteil in seiner komplett surrealen Art in tiefer Atmosphäre getunkt lose Elemente nahezu perfekt zusammen halten kann, merkt man dem auf ähnlichen Pfaden wandernden "Ein Zombie hing am Glockenseil" noch an, dass er, aufgrund des Versuchs eine Geschichte mit direkterem rotem Faden zu erzählen, oftmals lückenhaft und sprunghaft erzählt wirkt. Dass dies trotzdem zu keiner nennenswerten Schwäche des Streifens wird, liegt mitunter an der unheilvollen Atmosphäre, in die Fulci alles zu tauchen vermag. Der Grundton des Films ist bedrohlich und unheimlich, reißt in seiner kompletten Laufzeit nie ein, und weder arg extrem geratene Goreeffekte wissen das Entfachen dieser zu verhindern, bzw. zu unterbrechen, sondern ganz im Gegenteil sogar zu stützen, noch die auf jeglichen deutschen DVDs enthaltene, gelegentliche Neusynchronisation der besonders schlechten Art. Es wäre wünschenswert der Film käme einmal ohne diese auf einer silbernen Scheibe heraus, aber selbst in solch niveauloser Veröffentlichung weiß sich die düstere Atmosphäre durchzusetzen, ein Beweis für die konsequente Umsetzung des Streifens.

An nennenswerten Momenten mangelt es nicht in einem Film, der mit Geistererscheinungen, Vorahnungen okkulter Medien, Zerstörten Hauseinrichtungen, Hexensagen und auferstehenden Toten alles und nichts zugleich erzählt. Selbst inmitten dieses Mosaiks bizarrer Elemente aufkommende Momente, die innerhalb dieses Zutatencocktails der dünnen Geschichte so gar keinen Sinn ergeben wollen, wissen aufgrund der konsequenten Durchführung in ihrer direkten und ironiebefreiten erwachsenen Umsetzung zu schocken und selbst dem hartgesottenen Dauergast im Genre ein flaues Gefühl im Magen zu hinterlassen. Und das meine ich keinesfalls einzig aufgrund des Blutgehalts solcher Momente, sondern aufgrund der Gesamtinszenierung solcher Szenen, inklusive das Hinarbeiten dahin. Als Paradebeispiel einer solch unsinnigen und dennoch funktionierenden Szene dient der Bohrermord in der Werkstatt. Zu den wahrhaft großartigen Höhepunkten des mit "Die Stadt der lebenden Toten" (Alternativtitel) besser betitelten, da nicht zwingend Zombies suggerierenden, Titels, gehört meiner Meinung nach hingegen die Friedhofsszene, in welcher ein Reporter eine lange Zeit benötigt zu bemerken, dass er sich nicht im Wahrnehmen von Geräuschen irrt, die eine lebendig begrabene Frau hinterlässt. In dieser angespannten, geradezu nervenkitzelnden Situation, möchte man der Frau zu brüllen, sie möge doch endlich laut schreien, damit der Mann, der sich immer weiter vom Grab entfernt, sie endlich hören kann. Diese Szene guckt sich auch deshalb so intensiv, weil man anhand der bisherigen Geschichte nicht mit Gewissheit erahnen kann, wie sie endet, ebenso wie man Fulci als sadistischem Regisseur knallharter Filme locker zutraut, die Szene hoffnungslos und damit tödlich enden zu lassen.

Beeindruckend wird "Ein Kadaver hing am Glockenseil" (Alternativtitel), den es auch als "Eine Leiche hing am Glockenseil", "Eine Leiche hängt am Glockenseil" und "Ein Toter hing am Glockenseil gibt, wohingegen es mit letztgenanntem Titel eine Verwechslungsgefahr mit dem Christopher Lee-Film "Ein Toter hing am Glockenseil" aus dem Jahr 1964 gibt, immer dann, wenn er es schafft harte Gore-Momente innerhalb der bedrohlichen Atmosphäre gewinnbringend zu integrieren, ohne sie, wie es so oft im Genre passiert, losgelöst vom Rest für sich stehen zu lassen. Wenn eine Frau am Fahrersitz eines nicht mehr anspringenden Autos in Anwesenheit ihres Lovers ihre kompletten Gedärme auskotzt, während der tote Priester ihr derart intensiv in die Augen schaut, dass sie Bluttränen vergießt, dann ist das mit Sicherheit abartig anzusehen und eine Wohltat für den nimmersatten, blutgeilen Gorehound unter den Zuschauern, aber dieser Moment lebt auch den bedrohlichen Grundton des Streifens aus und wird somit Teil des Gesamten. Im Vergleich zum Mittelteil der Trilogie sind derartig harte Szenen noch nicht derart inflationär eingebaut, aber dennoch zu genüge, und dann nicht gerade zimperlich dargeboten.

Während "Die Geisterstadt der Zombies" definitiv als Mogelpackung in seinem Titel daher kommt, da von Zombies nicht wirklich die Rede sein kann, nähert sich "Fear in the City of the Living Dead" (Alternativtitel) dieser Kreaturen schon eher. Sie erstehen zumindest auf und bewegen sich wie Zombies, lediglich ihr geisterhaftes Erscheinen aus dem Nichts macht sie zu anders gearteten Kreaturen des Horrorbereichs, man kann sich also uneins sein, ob sie den Namen Zombies verdienen oder nicht. Letztendlich ist es ohnehin nur aufgrund des Erfolgs von Fulcis "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies" dazu gekommen, dass in deutschen Titeln anderer Fulci-Filme stets von ihnen die Rede ist. Für die erzählte Geschichte in "Pater Thomas" (Alternativtitel) ist es ohnehin völlig egal, sorgt dieser in seiner effektiv angegangen Art doch nicht für Enttäuschungen, wenn man keine für seine Zeit typischen Zombies vorgesetzt bekommt. Deswegen ist die oft geführte Debatte unter Fanatikern auch unnötiger Natur. So oder so ist "Paura" (Alternativtitel) nur dem Stammzuschauer des Genres zu empfehlen, für diesen wird der Beginn der Trilogie Fulcis jedoch zum Leckerbissen.  OFDb

10.03.2019

WOODOO - DIE SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES (1979)

Als George A. Romero mit "Zombie", seiner drastischen Fortsetzung von "Die Nacht der lebenden Toten", einen erfolgreichen Film vorlegte, da versuchte sich auch Lucio Fulci an dem Stoff, zwar die Ur-Thematik des Voodoo, wie die Zombies in Klassikern wie "Ich folgte einem Zombie" und "White Zombie" manipuliert wurden, einbauend, im allgemeinen jedoch auf die neuen Regeln Romeros setzend. Hier wird niemand totenähnlich fremdgesteuert, hier wandeln tatsächlich Tote auf Erden, angetrieben durch Hunger. Fulcis Werk wurde in Italien dann auch gleich dreist als "Zombi 2" herausgebracht. Bis zum tatsächlichen dritten Teil von Romeros Reihe dauerte es noch bis zur Mitte der 80er Jahre, als schließlich endlich "Zombie 2" erschien, aber wenn schon ein Imitat sich dreist als Fortsetzung des amerikanischen Erfolgsfilmes ausgeben darf, dann gebührt diese Ehre "Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies", könnte man ihn aufgrund gleicher Gesetzmäßigkeiten doch als Vorgeschichte zu diesem verstehen.

Fulci geht der Ursache der Seuche auf den Grund, ohne Antworten zu liefern. Von Voodoo ist wie im Titel die Rede. Ein ortsansässiger Arzt will den Humbug nicht glauben. Er forscht, doch er findet nichts heraus. Kurz vor seinem Ableben betont er, dass er noch immer an eine logische Ursache glaubt. Und dann zählt er all die Möglichkeiten auf, die er erforschte und die es nicht gewesen sind. Ob doch etwas an dem Aberglauben dran ist? Immerhin wandeln nicht nur Opfer der Krankheit tot umher, auch erheben sich die vor langer Zeit beerdigten Toten wieder aus ihren Gräbern, aufgezeigt in einem stimmigen Szenario, welches ich mir im modernen Zombiefilm, der sich lieber auf Virenepidemien konzentriert, des öfteren wieder wünschen würde. Fulci zeigt zumindest wie man es richtig macht. Modrige Leichen erheben sich auf einem alten, vergammelten Friedhof. Manche von ihnen tragen Würmer im Gesicht. Zunächst greifen Arme aus der Erde nach unseren Helden, dann entsteigen sie komplett dem Erdboden, mal in Nahaufnahme festgehalten, mal aus der Ferne für den düsteren Gesamteindruck. Die Szene kommt spät, aber auch die bis dahin eingebauten Untoten sind herrlich modrig anzusehen und wissen den Horror-Freund definitiv zu gefallen.

Ohnehin ist es schön zu sehen, dass Fulci nicht einzig die Werke Romeros nachahmt, er entwickelt seinen eigenen Stil, allein schon aufgrund der Haupthandlung auf einer Insel, die von Beginn an herrlich trist eingefangen ist und zu keinem Zeitpunkt wie ein wunderschöner Urlaubsort wirken will. Was bei Romero global passiert, das geschieht hier auf kleinem Raum. Der Film zeigt recht drastisch, wie selbst auf kleinem Raum eine solche Epidemie chaotisch und unübersichtlich verlaufen kann. Dass Zombies selbst im kleinen Rahmen und langsam umher schleichend, so gut wie gar nicht besiegt werden können. Er nutzt diesen zentralen Aspekt für den finalen Schock, der, wie ich oben bereits erwähnte, eine wunderbare Überleitung zu Romeros Untoten-Fortsetzung liefert und heute fast noch genau so zu schocken weiß wie einst. Zugegeben, wir sind heutzutage mit der Thematik um Zombies vertrauter, aber Fulcis rohe und direkte Art lässt viele noch so blutige Vertreter von heute blass aussehen, eben weil sie nicht in voller Konsequenz den Zuschauer mental attackieren. Meist wird man per Übertreibung oder Vorhersehbarkeit in Watte gepackt. Nicht bei Fulci! Dessen Spezialeffekte sind in ihrem Blutgehalt zwar auch völlig übertrieben und trotz sympathischer Umsetzung alles andere als realistisch ausgefallen, aber der raue Grundton, mit welchem die eigentliche Geschichte erzählt ist, lässt sie erschreckender erscheinen - und den Film als Gesamtwerk ebenso.

Es ist nicht so dass in Fulcis Film immer alles logisch vonstatten gehen würde. Allein das Unterschätzen der Seuche und die mangelnden Versuche von der Insel zu verschwinden wirken nicht gerade glaubwürdig. Dennoch entwickelt die Geschichte zu keinem Zeitpunkt eine Lächerlichkeit, so ernst wie der Film umgesetzt ist und so bedrohlich wie Fulci die Grundatmosphäre einzufangen weiß. Selbst wenn in einer völlig unnötigen Szene ein Zombie während eines Tauchgangs einen Hai attackiert, entsteht keine unfreiwillige Komik. Zwar sieht man deutlich wie zahm der Hai umher schwimmt, während der Zombiedarsteller sich an ihn heftet um ihn zu beißen, aber die Umsetzung ist derart überraschend geglückt ausgefallen, dass die theoretisch zu reißerische und sich schwachsinnig anfühlende Szene tatsächlich zu funktionieren weiß. Dem Film selbst beschert sie kein Weiterkommen, und ein tauchender Zombie ist aufgrund des Eingangsszenarios des Streifens auch nicht nötig um den finalen Angriff auf New York zu erklären. Aber es sind diese Unnötigkeiten die Fulcis Werk eher bereichern, anstatt es zu stören. So auch die extremen Gewaltszenen, die sich nicht damit ausruhen, dass Zombies Menschen attackieren, ausweiden und auffressen. Da darf auch mal in Großaufnahme ein Auge aufgespießt werden, langsam zelebrierend und per professionellen Schnitt detailgetreu eingefangen. Ohnehin erweist sich Fulci immer dann als Profi, wenn per Schnitt ein gezeigtes Erlebnis ohne Anschlussfehler und mit interessanten Perspektivwechseln eingefangen wird. Die Auferstehung eines begrabenen Toten, beobachtet von einer der zentralen Nebenfiguren, ist ein weiteres Beispiel hervorragender optischer Umsetzung.

So banal die eigentliche Geschichte von "Island of the Flesh-Eaters" (Alternativtitel) auch ausgefallen sein mag, Fulcis Handschrift macht aus diesem makaberen Reißer der Quantitäten ein stimmiges Filmerlebnis und den Prototyp dessen, wie der klassische moderne Zombiefilm zu funktionieren weiß. Ein guter Soundtrack, der sich mit etwas zu nervigem Voodoo-Getrommel abwechselt, unterstützt das Feeling der Ausweglosigkeit. Und ohne auf tatsächliche Dramaturgie oder Empathie zu setzen, ohne psychologische Zusammenhänge sinnvoll aufzuzeigen und Charaktere tief zu durchleuchten, gelingt es Fulci ein auf Schundfilmbasis hohes Niveau zu erzeugen, eben weil der Weitblick ernüchtert, das übertrieben Gezeigte schockiert und man schnell merkt, dass es eigentlich keine Hoffnung gibt der Situation zu entkommen.

Fulci gönnt seinem Werk zudem keinen Anflug von Komik, weswegen der Film besser zu Argentos Europa-Version von "Zombie" passt, als zur eigentlichen US-Version, die sich erlaubte aufgrund des Satire-Gehalts auch humorvolle Momente einzubauen. Man muss den Mann, der nun wahrlich kein Genie seines Fachs war, einfach dafür respektieren "Woodoo" so konsequent ernst und staubtrocken umgesetzt zu haben auf die Gefahr hin zu scheitern. Doch weder unfreiwillige Belustigung noch Langeweile kommt auf, wenn man sich vorurteilsfrei dem kostengünstigen Werk nähert. Und bei solch wunderbar modrigem und sich nach Endzeit anfühlenden, dreckigen Ergebnis braucht es nicht wundern, dass innerhalb Europas, und ganz besonders in Italien selbst, von Fulci eine Zombiewelle ausgelöst wurde, die sich mehr an sein Werk, als an die von Romero orientierte. Mag der Mann den Ruf des Zombie-Regisseurs auch nie losgeworden sein, er sei ihm positiv gemeint auf jeden Fall gegönnt.  OFDb

11.04.2016

NACKT ÜBER LEICHEN (1969)

Hinter dem reißerischen Titel „Nackt über Leichen“ verbirgt sich ein eigentlich recht routiniert erzählter Kriminalfilm, der gerne raffinierter wäre als er eigentlich ist, was spätestens das Ereignis deutlich macht, welches das Schicksal Dr. Dummurrier am Ende besiegelt. Dies wird zwar unauffällig in der Reststory eingebettet vorbereitet, dennoch wirkt der finale Twist zu zufällig, als dass man ihn als akzeptablen Schluss anerkennen könnte.

Wirklich schaden tut dies Lucio Fulcis Film nicht, ist diesem unangenehmen Twist doch kein großer Film voraus gegangen. Aber solide ist die in Italien gedrehte Geschichte, die in Amerika spielt, durchaus inszeniert. Mit ruhiger Hand lässt sich Fulci genau jene Zeit welche die Geschichte braucht um sich zu entwickeln ohne gehetzt zu wirken oder zu langweilen. Eine Besetzung, die weder zum Überagieren neigt noch hochgradig gekonnt schauspielert, bietet eine überzeugende Vorstellung innerhalb eines Plots der nicht all zu konstruiert ausgefallen ist. Zwar benötigt die Täteraufdeckung einige Minuten der Erklärung, aber das ist in diesem Falle sogar hilfreich, um als Zuschauer überprüfen zu können ob man auch alle Zusammenhänge richtig verstanden hat.

Zwar erzählt „Perversion Story“ (Alternativtitel) nichts was es nicht spätestens durch Hitchcock bereits schon einmal gegeben hätte, aber mir gefällt der trockene Stil in welchen die Kriminalstory gekleidet wurde, deren wirklich gekonnter Kniff darin liegt, dass zunächst der Doktor und dessen unterkühlte Freundin recherchieren, später der Blickwinkel auf die ermittelnde Polizei jedoch wichtiger wird. Bis es zur Auflösung kommt, die eine recht naheliegende Überraschung mit einer unverhofften mischt, baut Fulci die ein oder andere falsche Fährte mit ein, so dass der Zuschauer tatsächlich Interesse für die eigentlich recht routinierte Story entwickeln kann.

Wer aufgrund der verschiedensten Titel unter denen der Film in den unterschiedlichsten Ländern vermarktet wurde glaubt einen für Italien typisch amourös angehauchten Thriller vorliegen zu haben, der täuscht sich, ist „Una historia perversa“ (Alternativtitel) trotz seiner inhaltlichen Abstecher in die Stripperszene doch recht züchtig ausgefallen. Auch mit Horroreinlagen braucht man aufgrund des für seine harten Horrorbeiträge bekannten Regisseurs nicht zu rechnen. Der Verzicht auf beides sorgt dafür, dass „Nackt über Leichen“ nie in irgendeiner Art sleazy wirkt. Nie streift der Film den Bereich des Schundfilmes.

Vielleicht wirkt er auch deshalb trotz seiner handwerklich ordentlichen Umsetzung ein wenig austauschbar und innovationslos. Trotzdem weiß Lucio Fulcis kurzweiliges Werk schlichte Gemüter gut zu unterhalten, gerade wenn man Freund des 60er und 70er Jahre-Italien-Kinos ist. "Nackt über Leichen“ erfindet weder das Genre neu, noch wird er als besondere Filmerfahrung im Gedächtnis haften bleiben. Aber für eine einmalige Sichtung ist er in seiner nüchternen und lobenswert sachlichen Art zumindest atmosphärisch dicht genug ausgefallen um recht gut zu unterhalten. Manch optisch reizvolle Idee wertet das Ganze zudem noch ein wenig auf.  OFDb

09.07.2015

ZOMBIE 3 (1988)

Ich weiß nicht was in einem Produzenten vorgehen muss, der als Ersatz-Regisseur zu Bruno Mattei greift, wenn Lucio Fulci aus welchen Gründen auch immer (es gibt im Netz diverse Spekulationen) nach einem halb fertigen Film wegfällt. Sein „Die Hölle der lebenden Toten“ zählt nicht zu den besten Italo-Streifen des Zombiefilms, und auch was er in den 00er Jahren zu dem Thema so abgeliefert hat (z.B. „Zombies - The Beginning“) war nicht gerade frei von unfreiwilliger Komik inszeniert. Wieviel vom Ergebnis von „Zombie 3“ nun Mattei oder Fulci angerechnet werden kann (in der OFDb wird zudem auf Claudio Fragasso als dritter Regisseur hingewiesen, der immerhin den recht putzigen „Horror House 2“ drehte), ist unklar, eigentlich aber auch egal, denn der fertige Film funktioniert ohnehin nur als Nummern-Revue.

Inhaltlich stellt „Zombie Flesh Eaters 2“ (Alternativtitel) eine Mixtur aus „Zombie 2“, den ersten beiden „Return of the Living Dead“, Romeros „Crazies“ und „Die Hölle der lebenden Toten“ dar, bedient sich also bei allerhand Vorgängern, um am Ende doch nur eine wirr zusammen gezimmerte Story zu präsentieren, in welcher Menschen in einem Quarantäne-Gebiet zwischen die Fronten von Zombies und dem Militär gelangen, während Wissenschaftler verweifelt nach einem Gegenmittel forschen. Wirklich kennen lernen tut man keinen der vielen Charaktere, die in der Regel ohnehin nur als Futter für die Untoten dienen.

In den Zombie-Momenten, von denen es nicht gerade wenige gibt, schaut sich „Zombie 3“, der je nach Fassung manchmal auch die Beititel „Die Bakterie des Grauens“ oder „Ein neuer Anfang“ trägt, am angenehmsten. Die Untoten sehen auf billige Art sympathisch vermodert aus, ihre Attacken sind hart und mancher Auftritt (z.B. jener im Wasser) weiß inszenatorisch zu gefallen. Wer also einen Zombiefilm genießen kann, indem man sich von Zombiemoment zu Zombiemoment hangelt, und den wirren Irrsinn an Pseudo-rotem Faden der diese Szenen zusammen halten soll, ignorieren kann, der kann tatsächlich gut unterhalten werden. Da die Zombies mal schlurfen wie in „Die Nacht der lebenden Toten“ und in manchen Szenen zu der schnellen Sorte wie in „Großangriff der Zombies“ gehören, ist auch für jede Art Zombie-Fan etwas mit dabei.

Als Gesamtwerk kommt „Zombie 3“, dessen Titel sich nicht auf Romeros „Zombie 2“ bezieht, sondern auf Lucio Fulcis „Zombi 2“, der bei uns zunächst als „Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies“ heraus kam, also eher mittelmäßig daher, da es kein wahres Mitfiebern mit den austauschbaren Figuren gibt. Und das bisschen zusätzlich angehangene Umwelt- und Militärkritik ist auch nicht gerade dazu geeignet ein solches Werk aufzuwerten, zumal es den Verantwortlichen des Streifens eher um Zombie-Action als um ein stimmiges Grusels-Feeling ging, ein Schwerpunkt der Horrorfilmen nur sehr selten gut tut.

„Zombi 3“ (Originaltitel) ist austauschbare Ware, die sich als Spätwerk der 80er Jahre Zombie-Welle für Freunde dieser Dekade Film aber durchaus gucken lässt, zumal einige Ausnahmeszenen recht schräg ausgefallen sind. So darf man beispielseweise die Attacke eines fliegenden Zombiekopfes noch vor Charles Bands „Shrunken Heads“ sichten, und eine Frau wird durch den Bauch einer Schwangeren heraus von der Nabelschnur eines Zombie-Babys attackiert, noch bevor „The Suckling“ auf der Bildfläche erschien. Und wer jetzt aufgrund dessen glaubt der Film sei eine Horror-Komödie: nein, selbst in diesen Szenen gibt sich „Zombie 3“ todernst.  OFDb

07.05.2015

AMULETT DES BÖSEN (1982)

Wer die berühmten Werke Lucio Fulcis kennt und sie womöglich auch aufgrund ihrer Andersartigkeit mag, wird von „Amulett des Bösen“ wohl eher enttäuscht werden, ist er doch arg konservativ erzählt und soll im Gegensatz zu den sonst so bizarren Welten Fulcis ein geradezu klassischer Genre-Beitrag sein. Wieso eigentlich nicht? Es klingt doch gut wenn jemand aus seinem Schatten heraustreten will, in welchen der Ruf ihn gefangen hat. Nur leider gelingt es dem Vielfilmer nicht mit der x-ten Verfilmung um die unbekannte Grabkammer eines bösartigen ägyptischen Herrschers einen interessanten Film abzuliefern.

Lag die Stärke in Werken wie „Geisterstadt der Zombies“ und „Ein Zombie hing am Glockenseil“ darin eine surreale Story atmosphärisch dicht zu präsentieren und damit eine wirre Erzählweise in etwas Faszinierendes zu verwandeln, so lässt ein Blick auf „Manhattan Baby“ (Alternativtitel) vermuten, dass Fulci gar nicht erst Horror entwickeln kann ohne wirr und sprunghaft zu wirken. Wo ein surrealer Stoff über Schwächen hinwegtäuschen kann, da fallen sie in einer regulär erzählten Geschichte um so mehr auf. „Amulett des Bösen“ ist sprunghaft erzählt. Er zeigt uns etwas, nimmt es wieder zurück, überspringt Informationen oder lässt sie dem Zuschauer zu spät zukommen, als dass Überraschungen zum Vorteil für die Erzählung werden könnten.

Der rote Faden ist sehr dünn. Zu merkwürdig sind die Ereignisse, als dass sie noch zur vollen Zufriedenheit erklärt werden könnten, und da Fulci auf ein ruhiges Tempo setzt, ist es einem irgendwann auch egal was „Evil Eye“ (Alternativtitel) eigentlich wirklich erzählen möchte. Ist man am Ende eingeweiht, ist des Rätsels Lösung lediglich über Dritte zu erreichen. Warum sich gegen Ende dann jene Person opfert, damit die Familie des Archäologen seine Ruhe hat, wird ebenso wenig klar wie die Frage warum vermisste Personen lediglich von den Hauptfiguren vermisst werden.

„Amulett des Bösen“ ist arg langatmig ausgefallen, zudem zu gewöhnlich präsentiert, als dass seine wenig feinfühlige Umsetzung als Alibi eines gewollten Stilmittels herhalten könnte, sodass er sich letztendlich wie ein Scheitern Fulcis schaut bei dem Versuch klassisches Kino abzuliefern. Ein Zugeständnis an seine Fans gegen Ende in Form einer brutalen Effektorgie wirkt völlig deplatziert, aber das macht zu diesem Zeitpunkt den Kohl auch nicht mehr fett.

Sicherlich gibt es im Bereich des Horrorfilms wesentlich schlechteres zu sichten, „L‘ Occhio del male“ (Originaltitel) lässt sich auf etwas zähe Art durchaus gucken, letztendlich ist er aber eigentlich eher auf theoretische Art interessant anzusehen, wenn man einen Film wie diesen mit den geglückten Werken des umstrittenen Meisters italienischen Horrors vergleicht. Sein ein Jahr zuvor abgedrehter Versuch mit „Das Haus an der Friedhofsmauer“ auf klassische Erzählmethoden zu setzen, weiß wesentlich besser zu funktionieren, da er nicht völlig konservativ ausgefallen ist wie der hier besprochene Streifen. Guckt also lieber den!  OFDb

06.11.2014

DER NEW YORK RIPPER (1982)

Lucio Fulci, der Anfang der 80er Jahre mit „Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies“ und „Ein Zombie hing am Glockenseil“ zum Aushängeschild des italienischen Horrorfilms wurde, war als Regisseur schon immer in vielerlei Genres unterwegs. „New York Ripper“ mag das Gebiet des Horrorfilmes streifen, ist aber eigentlich ein Giallo, sprich ein harter Kriminalfilm und eines der berühmtesten Werke Fulcis. An die Qualität eines „Das Haus an der Friedhofsmauer“ und „Geisterstadt der Zombies“ mag dieser kleine Schundfilm nicht heran reichen können, aber er weiß definitiv zu unterhalten ohne die klassischen Leerläufe zu besitzen, welche die oftmals zu durchschnittlich ausgefallenen Giallos so mit sich tragen.

Fulci zeigt uns New York als ungeschönten Ort. Er zeigt uns das was wir tagsüber gerne übersehen oder in unserer Wahrnehmung weg blenden, moralisiert das was er zeigt jedoch nicht. Ein dominanter Teil dessen ist das Erotik-Milieu, ob in Shows, gekauftem Sex oder Schmuddelheftchen, und Fulci macht kein Geheimnis daraus, dass diese Seite jeden betrifft. Auch der Ermittler und sein Helfer werden als Kunden gezeigt. Fulci geht natürlich mit diesen Seiten des Menschseins um, und begeht dabei nicht den Fehler aufgrund absichtlich fehlender Moral im Gegenzug zu verschönern. Der Blick bleibt neutral.

Mehr noch: Gut und Böse, sowie Lust und Unlust lassen sich nicht immer klar trennen. Ebenso nicht zwingend der gesunde Umgang mit dieser Branche vom ungesunden. Und genau darauf baut Fulci die Verdachtsmomente des Zuschauers auf. Er nutzt diesen Schwebestand und die Vorurteile des Publikums um zu täuschen, wenn auch gerne mal zu offensichtlich. Aber immerhin kommt sein „New York Ripper“ verspielt daher und leiert seine Geschichte nicht einfach nur lustlos herunter. Da kann man manche Offensichtlichkeit gerne verzeihen.

Etwas weniger verspielt hätte er in der Darstellung der Gewaltszenen sein können, die in dieser Extreme nicht nötig gewesen wären. Kaputt machen sie den Streifen freilich auch nicht, aber durch diese harten Goreszenen bekommt „Manhatten Ripper“ (Alternativtitel) zu sehr Beachtung von falscher Seite, wird aufgrund der Gewaltperversionen verehrt und von Tunnelblick-Intelektuellen aufgrund dieser verschmäht. „Der New York Ripper“ mag kein Kunstwerk sein, dafür sind die Szenen dann doch noch zu billig abgefilmt, aber Stil besitzt er definitiv. Allein Fulcis Gespür für gute, gerne dreckige oder beunruhigende Handlungsorte, machen viel an der düsteren und schmuddeligen Atmosphäre des Streifens aus.

Dass man um die psychologische Hilfe des Professors an der Seite des Lieutenant nichts geben kann und auch die Ermittlungen fast aus Nichtstun und auf den Zufall warten bestehen, ist nicht schön zu reden, aber eigentlich eine klassische Zutat des Giallo-Bereichs. Wer nun wirklich der Ripper ist will man eigentlich auch nicht wirklich wissen - Grund und Aufdeckung können bei so mangelnder Psychologie nur halbgar ausfallen, was auch ein häufiges Element in Giallos ist. Aber so gravierend solche „Fehler“ in der Theorie klingen mögen: sie sind auch nicht die Haupteckpfeiler eines Giallos.

Der Weg ist das Ziel. Und die dreckige Ambiente des Streifens, der Zwiespalt es sowohl mit einem Schmuddelfilm als auch mit mehr Talent zu tun zu haben, als manch einer dem Streifen zugestehen würde, dies alles macht „Lo Squartatore di New York“ (Originaltitel), an dessen Drehbuch Fulci mitbeteiligt war, zu einem sehenswerten und unterhaltsamen Film, der zwar nicht zur Pflichtkost interessierter Cineasten wird, sich für Freunde alternativen Kinos aber auch nicht als Fehler herausstellt.  OFDb

21.12.2013

DAS HAUS AN DER FRIEDHOFSMAUER (1981)

Wenn es um die großen Erfolge des Regisseurs Lucio Fulci geht, werden zwar auch immer wieder seine Werke „Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies“ und „Der New York Ripper“ erwähnt, die drei Filme „Ein Zombie hing am Glockenseil“, „Geisterstadt der Zombies“ und „Das Haus an der Friedhofsmauer“ werden jedoch gerne im direkten Zusammenhang zueinander genannt. Da die ersten beiden dieser drei Streifen auf ähnliche Art surreal schräg, aber auch atmosphärisch dicht, erzählt waren, bin ich automatisch davon ausgegangen „Das Haus an der Friedhofsmauer“ sei auch in diesem Stil erzählt. Um so überraschter war ich beim Sichten einen Film vorzufinden, der im Kern zunächst einmal klassisch erzählt ist, auf den ersten Blick sogar geradezu konventionell.

Wir bekommen eine klassische Ausgangslage präsentiert, wie es sie im Bereich des Horrorfilms recht häufig zu sichten gibt: eine Familie zieht um in ein Haus, welches ihnen im Laufe ihres Aufenthalts nicht ganz geheuer ist. Im Gegensatz zu den wirr erzählten Vergleichsfilmen Fulcis folgt der Regisseur hier einem deutlich erkennbaren roten Faden innerhalb der Erzählung, der sich sogar an den typischen Verlauf dessen hält wann eine Geschichte geradezu typisch ruhigere Geschütze auffährt, wann sie es krachen lässt und wann der Höhepunkt der Ereignisse zu erfolgen hat.

Dass sich „Quella villa accanto al cimitero“ (Originaltitel) trotzdem nicht wie der kleine Mainstream-Grusler aus der Masse guckt, ist u.a. Fulcis Unvermögen als Regisseur zuzuschreiben. Trotz der übersichtlichen Handlung verliert er schnell den Überblick, beendet manch angefangenen Erzählstrang nicht, oder lässt manch anderen zu spät, ja geradezu den Zuschauer überrumpelnd sinnlos einsetzen, so z.B. die finale Erkenntnis des Forschers die Hintergründe der sonderbaren Geschehnisse betreffend.

Dieser Kritikpunkt soll jetzt aber nicht heißen, dass Fulci über kein Talent verfügen würde, dies besitzt er durchaus. Aber die Vorzüge seiner Arbeiten bessern lediglich das Unvermögen auf der anderen Seite aus. Schöner wäre es freilich für den Zuschauer, wenn der gute Mann beides beherrscht hätte, sowohl die typischen Grundlagen einer guten Regie, als auch die eher bizarren Vorzüge, die Fulci seinem Publikum so oft zu schenken weiß.

Was „Das Haus an der Friedhofsmauer“ mit „Ein Zombie hing am Glockenseil“ und „Geisterstadt der Zombies“ gemein hat, ist die dauerhaft aufrechterhaltende dichte Atmosphäre, die Fulci wie aus dem Nichts zu schaffen scheint. Da passiert in manchen Szenen nicht wirklich etwas, Effekte wirken aufgesetzt und/oder Darsteller spielen routiniert, und doch besitzt eine solche Szene ein atmosphärisches Hoch, sicherlich auch beeinflusst durch den stimmigen, monotonen, dumpfen Soundtrack, der bei jeglicher Szene wie die Faust aufs Auge passt, aber eben auch wegen Fulcis Gespür schlichte Komponenten gekonnt ineinander greifen zu lassen, die stimmige Atmosphäre, ob nun in spannungsgeladenen Szenen oder in gemütlichen, konstant oben zu lassen und trotz künstlerischem Bemühen doch scheinbar immer zu wissen, dass man sich im Schundbereich befindet. Dieser Schund wird jedoch ernst genug genommen, um ihn innerhalb der Geschichte konsequent zu verfolgen und sich entfalten zu lassen. Der Grundton des Films sorgt dafür, dass daraus kein unfreiwillig komisches Etwas entsteht.

Das gibt dem Streifen etwas ehrliches, und damit weiß er trotz kleinerer Makel zu funktionieren. Diese stören den Zuschauer nicht wirklich, taucht der doch in einen Filmstil ein, der eben keine Massenware ist, und dafür nimmt man Mankos in Kauf, die für diese Art Schund-Kunst gar nicht mehr Manko sind. Dass diese Rezeptur ideal für ein surreales Werk ist, liegt auf der Hand. Dass Fulci mit diesen Stärken jedoch auch innerhalb einer grundlegend konventionellen Erzählung die typischen Fehler seiner Regiekunst mit links überspielen kann, das darf verwundern, hätte ich ihm diesen Zaubertrick doch ehrlich gesagt gar nicht zugetraut. Da habe ich den Regisseur aber mal ganz gewaltig unterschätzt. Was gibt es besseres, als auf diese Art, sprich durch das Gucken eines so wundervollen Filmes wie „Das Haus an der Friedhofsmauer“, eines besseren belehrt zu werden? Danke Fulci für diesen stimmigen Genre-Beitrag!  OFDb

24.08.2013

DIE GEISTERSTADT DER ZOMBIES (1981)

Wer nach einem tieferen Sinn in „Die Geisterstadt der Zombies“ sucht, einem der größten Erfolge des italienischen Kult- und Schund-Regisseurs Lucio Fulci, der steht auf verlorenem Posten, ergibt doch so ziemlich alles was wir hier erleben keinen, oder zumindest wenig Sinn, zumal uns alles etwas zusammenhanglos präsentiert wird. Da man auch keine wirkliche Identifikationsfigur präsentiert bekommt, dadurch dass einem jeglicher Charakter zu fremd bleibt, kann man schon etwas orientierungslos werden. Scheinbar soll man das sogar, denn nur mit dieser Absicht lässt sich eine Art Sinn in Fulcis Werk erkennen. Gibt man sich also einfach mal dieser Orientierungslosigkeit hin, kann einem mit „Über dem Jenseits“ (Alternativtitel) ein ähnlich angenehmes Filmvergnügen wiederfahren, wie mit dem ein Jahr zuvor erschienenen „Ein Zombie hing am Glockenseil“.

Fulci erschafft in dem Nichts an Story eine unglaublich starke Atmosphäre, die man einfach auf sich wirken lassen muss, sofern man kann. Dann reißen Soundtrack und die grauenhaften Bilder mit, die Fulci uns zumutet. Erstaunlich: die völlig unnötig in Blut getränkten Abartigkeiten unterbrechen die dichte Atmosphäre des Streifens nicht, sie unterstützen diese sogar. Da mögen noch so sinnlos Spinnen ein Gesicht zersetzen, ein Mensch mit heißem Kalk gefoltert werden und einem Kind das halbe Gesicht weggeschossen werden (wohl der Tabubruch seiner Zeit schlechthin), der Film wirkt, und das obwohl Fulci die Ekelschraube nach dem bereits unappetitlichen „Ein Zombie hing am Glockenseil“ noch einmal ordentlich aufdreht.

Ebenso wie der spielen die im Titel genannten Zombies lediglich eine Nebenrolle. Ein zweiter „Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies“ ist der Film inhaltlich somit nicht. Wer einen echten Zombiefilm vom italienischen Meister des B-Films sehen wollte, der musste damals bis 1988 warten als „Zombie 3“ erschien. Im hier besprochenen Film geht es eher um Spuk und um alternative Welten. Es geht um alles und nichts. Und da wird sich fleißig an mal mehr mal weniger Klischee-artigen, altbekannten Horrorzutaten bedient, wie ein geisterhaftes Läuten, ein mystisches Buch, Prophezeiungen einer Blinden, eine Lynchmeute mit Fackeln, uvm. Aber es blitzen auch Ideen auf, die große Genre-Werke später ins Zentrum rücken sollten, so z.B. die kurzzeitig geglückte Flucht aus dem Jenseits, die später im Mittelpunkt von Clive Barkers „Hellraiser“ stand.

Höhepunkt von „Im Jenseits der Zombies“ (Alternativtitel) ist dann tatsächlich auch sein Finale, in welchem die Zombies in den Mittelpunkt rücken, gefolgt von der Abschluss-Szene, in welcher die Musik ein atmosphärisches Zusammenspiel mit der billigen aber wirkungsreichen Kulisse bildet. Es ist eine Szene, die wenigstens einen Teil der offenen Fragen beantwortet. Glücklicher Weise ist man kurz vor diesem Szenario doch noch halbwegs warm mit den beiden Helden der Geschichte geworden, zumindest genug, damit der einfallsreiche Schluss zu wirken weiß.

„Eibon - Die 7 Tore des Schreckens“ (Alternativtitel) ist das Paradebeispiel dafür, dass ein Horrorfilm auch als loses Stückwerk mit wenig Sinn und mittelmäßigen Mimen funktionieren kann, zumindest dann wenn die Atmosphäre und die einzelnen Einfälle gut genug zu wirken wissen. Ob das Zusammenspiel der einzelnen ineinandergreifenden Fragmente tatsächlich dem Regisseur zu verdanken sind oder bloßes Glück waren ist die große Frage, die den Film umweht. Immerhin war Fulci nicht der begabte Regisseur für den ihn viele halten. Das meiste was ich von ihm sichten durfte war eher dürftiger Natur. Da aber bereits „Ein Zombie hing am Glockenseil“ auf ähnliche Art funktionierte, mag es vielleicht doch ihm zu verdanken sein. Vielleicht hatte er genau in den Jahren 1980 - 1981 ein intuitives Händchen, das nötige Gespür oder einfach nur freies Spiel das ihm vorher/später kein Produzent mehr ermöglichte. Wer weiß, wer weiß...  OFDb

17.09.2012

DIE ABENTEUER DES KARDINAL BRAUN (1967)

Trottelige Gauner planen einen großen Coup im Vatikan...

Auch Filme können ein Verbrechen sein...
 
Nach zwei wundervollen Pater Brown-Verfilmungen mit Heinz Rühmann, folgte diese angebliche zweite Fortsetzung. Aber was uns hier geboten wird ist eine bewusste Zuschauertäuschung, die wirklich so grottenübel umgesetzt wurde, dass schwer nachvollziehbar ist, was Rühmann bewegt haben soll mitzuspielen.

Nach dem Vorspann, begleitet von grässlicher Musik, ist man zunächst einmal verdutzt einen italienischen Namen zu sichten. Lucio Fulci übernahm die Regie, jener durch seine drastischen Horrorfilme bekannt gewordene Mann, einer der stets geteilte Meinungen entfacht. Mit „Die Abenteuer des Kardinal Braun“ beweist er zumindest, dass Komödien ihm scheinbar gar nicht liegen. Dabei klingt die Grundlage doch zunächst einmal interessant, dass unser, durch zwei Filme liebgewonnene, Brown nun einen Kriminalfall im Vatikan lösen darf. Das wäre wirklich eine schöne Idee gewesen, vorausgesetzt der Erzählstil wäre der selbe geblieben. Nun ist aber nicht nur dieser anders, das hier besprochene Werk ist eigentlich kein Pater Brown-Film, der deutsche Titel ist somit Betrug. Nach zwei zurückhaltend klingenden Titeln entpuppt sich ausgerechnet jener an Pater Brown eng angelehnte angebliche dritte Titel als Lüge. 40 Minuten dauert es bis Rühmann auf der Bildfläche erscheint. Das ist alles andere als eine Hauptrolle. Und wenn er endlich einmal auftaucht, kommt er dennoch zu kurz. Das Hauptaugenmerk legte Fulci auf die Gegenseite, die zeigt wie eine Bande dummer Ganoven versucht einem erfolgreichen Verbrechen nachzugehen.

Löst man sich von dem Gedanken eine Fortsetzung von „Er kann's nicht lassen“ zu sichten, sollte man meinen dass ein netter Film trotzdem möglich wäre. Wie der Name in der Regie allerdings bereits verrät, haben wir hier eine Co-Produktion mit Italien. Vom deutschen Einfluss ist so gut wie nichts mehr zu spüren, eigentlich gar nichts mehr, lediglich ein Hauch Besetzung verweist auf die Beteiligung Deutschlands. Und italienische Komödien, und dazu auch noch aus dieser Schaffenszeit, gehören in meinen Augen ohnehin nicht zu den italienischen Perlen. Typische Peinlichkeiten, wie beispielsweise aus der grottigen „Flotte Teens“-Reihe bekannt, sind auch hier zu sichten. Gute Witze gibt es gar nicht, nicht einen einzigen. Ein großer Teil des Klamauks baut wieder, wie so oft in Italien, auf den Sexualtrieb der Idioten und ihr Zusammentreffen auf verführerische Frauen auf, die ihre Reize für ihre Zwecke nutzen und sie gleichzeitig jedem Unattraktiven hinterher schmeißen.

Das zotige Etwas ist gähnend langweilig, in jedem Punkt überzogen gespielt und zudem auch noch schlecht besetzt. Dies ist weder eine Pater Brown-Fortsetzung noch ein deutscher Film. „Die Abenteuer des Kardinal Braun“ ist unerträglicher Italien-Nonsens zum Abgewöhnen und der absichtliche Täuschungsversuch, dem Kinozuschauer unseres Landes Geld aus den Taschen zu stehlen.  OFDb