Posts mit dem Label Terence Fisher werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Terence Fisher werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

11.03.2023

DAS PHANTOM DER OPER (1962)

Wer Dracula und Frankenstein erfolgreich modernisiert hat, den lässt man auch auf das Phantom los, welches die Oper heimsucht. Also engagierten die Hammer Studios ihren Stamm-Regisseur Terence Fisher, der die beiden klassischen Vergleichsstoffe inszenierte, und herausgekommen ist ein eher im Umgang miteinander, anstatt durch Gewalttaten und andere Quantitäten, moderner Ton. Eher schelmisch erzählt, wenn es darum geht einem Narzissten das ein oder andere Beinchen zu stellen, anstatt hart oder gruselig angegangen, gewinnt "Das Rätsel der unheimlichen Maske" (Alternativtitel) auf ganz andere Art und Weise wie zunächst erwartet Sympathie. Im groben hält man sich an die Handlungsabfolge der Vorlage. Und neben der klassischen Hammer-Pluspunkte in Sachen aufwendige Dekoration und Kostüme, macht sich zudem die Mühe aufwendiger Kompositionen bemerkbar, häufig genug eingebracht um dem Thema Oper gerecht zu werden, reduziert genug integriert, um dem Filmfreund, der sich mit derartiger Musik schwer tut, nicht vollends auf den Senkel zu gehen. 

Es ist das überraschend feinfühlig inszenierte, auf Drama anstatt auf Horror achtende, Finale, in welchem uns die Musik ausführlicher nahe gebracht wird, und das weiß meiner Meinung nach emotional zu funktionieren. Dies freilich immer nur auf Trivialniveau, denn "The Phantom of the Opera" (Originaltitel) ist weder Kunstfilm noch wahre Literaturverfilmung, soll lediglich simpel unterhalten und verzichtet dafür auf Innovationen und liefert lieber das ab, was das gewonnene Stammpublikum in etwa sättigt. Mag die Maskerade, bzw. die Verwundung der dramatischen Titelfigur auch eher schlicht anmuten, so weiß im Gegenzug doch z.B. die theoretisch völlig unrealistische Behausung des Phantoms zu gefallen, gerade wenn es in dieser unangenehmen Umgebung am höchsten Punkt positioniert am Klavier sitzt und darauf musiziert. Der Betrogene mag nicht so wahnsinnig ausfallen wie erwartet, aber die meisten Gräueltaten werden ohnehin vom Gehilfen vollzogen. Lediglich der scheußliche Umgang erzwungener Proben mit der weiblichen Hauptfigur, zeigt den klassischen Bezug von Genie und Wahnsinn und steht etwas arg im Widerspruch zum versöhnlichen Schluss. 

Ohne gleich das große Überwerk geworden zu sein, ist "Das Phantom der Oper" in der Hammer-Version ein charmantes Filmchen mit sympathischen Mimen (u.a. Michael Gough und Herbert Lom), gepackt in nette Optik, dargeboten in seichter Dramatik und verschmitzter Umgangsform.  OFDb

25.07.2020

THE DEVIL RIDES OUT (1968)

"The Devil Rides Out" mag zu den verehrten Kult-Hits der legendären Hammer-Studios schlechthin gehören, ich persönlich tue mich mit Genre-Werken, die den Okkultismus ins Zentrum setzen, jedoch meist schwer, muss man in einem solchen meist doch arg viel Hokuspokus ertragen, so auch hier. Sicherlich besitzt dieser britische Beitrag, der bei uns auch unter dem Titel "Die Braut des Teufels" erschien, nicht solch extreme Schwachpunkte, wie sie beispielsweise viele mexikanische Produktionen zu diesem Thema bieten, so ernst wie vorgetragen kann ich diese spezielle Regie-Arbeit Terence Fishers, der auch den gelungenen "Insel des Schreckens" inszenierte und manch berühmtere Klassiker besagten Produktionsstudios, jedoch nicht nehmen. Das überzeugende Spiel der meisten Mimen und ein Gefühl einer wahr existierenden Bedrohung, sorgen dafür, dass der Streifen sich nie zu sehr der Lächerlichkeit preis gibt.

Einer der Höhepunkte ist zweifelsohne das Verharren im geschützten Kreis, während das Böse mit allerlei Täuschung versucht die Personen im Kreis dazu zu bringen, dass sie diesen durchbrechen. Ansonsten ist trotz äußerst professioneller Herangehensweise viel Augenzudrücken angesagt, in diesem naiven, da sehr direkt und intensiv auf sich überholt anfühlende, klassische Grusel-Zutaten zugreifenden, Streifen. Ihm fehlt es am deutlichen Signalisieren einer verschmitzten Mentalität, obwohl ich mir sicher bin, dass er im Zeitgeist seiner Entstehung augenzwinkernd gemeint ist. Die Musik bauscht das Geschehen extremst auf, Kleinigkeiten sorgen bei den Figuren bereits für großes Entsetzen - nein, ernst nehmen kann ich "The Devil's Bride" (Alternativtitel) beim besten Willen nicht. Sympathische, Kurzweile bot er jedoch durchaus.  OFDb

23.02.2017

BLUT FÜR DRACULA (1966)

Während Christopher Lee und mit ihm die Figur des Dracula in der ersten Fortsetzung von „Dracula“, „Dracula und seine Bräute“, pausierte, kehrt er nun in Teil 3 der Reihe zurück. Dafür müssen wir diesmal auf Dr. van Helsing und somit auf Peter Cushing verzichten, der uns nur zu Beginn in Rückblicken aus dem Finale des Originalfilms über den Weg läuft. Inklusive des hier besprochenen Teils blieb Regisseur Terence Fisher bis zu diesem Zeitpunkt der Reihe treu, und es ist gut dass er die Wiedererweckung des titelgebenden Grafen umsetzen durfte, scheint er doch der einzige zu sein, der Christopher Lee zu jener schrecklichen Bestie animiert bekommt, die er auch in seinem ersten Auftritt 1958 verkörperte.

Aufgrund ungünstiger Umstände habe ich zunächst die beiden Fortsetzungen des hier besprochenen Streifens gesichtet bevor ich einen Blick auf "Blut für Dracula" werfen konnte, und musste in diesen ein wenig enttäuscht feststellen, dass die Filme zwar durchaus passabel ausgefallen sind, Lee in der Rolle des Grafen Dracula jedoch nicht mehr halbwegs den unheimlichen Eindruck machte, der ihm in Teil 1 so hervorragend gelang. Mag sein Treiben auch in „The Bloody Scream of Dracula" (Alternativtitel) nicht mit dieser Leistung mithalten können, so ist sie doch trotzdem nah dran, so unmenschlich wie Christopher Lee die Figur des Dracula anlegt, und so legendär mystisch wie die Rolle bei einem zweiten Auftritt noch wirken darf.

In den noch folgenden Fortsetzungen sind Worte wie die in Teil 3 eingangs erwähnten längst vergessen, die betonen Dracula habe über ein Jahrhundert über sein Land geherrscht und viele hätten versucht ihn zu töten, ohne dies zu schaffen. Dracula ist ein mächtiges Wesen und konnte erst mit Hilfe der Forschung endlich besiegt werden. Während die immer leichter zu bewerkstelligenden Mordmethoden der zukünftigen Helden immer mehr an die späteren Finalkämpfe gegen Freddy Krueger und Jason Vorhees erinnerten, was an der Glaubwürdigkeit der Unbesiegbarkeit Draculas nagte, darf hier noch das nur einmal besiegte Grauen auferstehen. Aber schon das Finale von „Dracula 3“ (Alternativtitel) wird zeigen, dass es hiermit zu Ende ist, wird der Graf doch bereits hier auf recht schlichte und etwas zu unspektakuläre Art getötet, zudem eher dem Zufall geschuldet als der Heldenhaftigkeit seiner Gegner.

Dies ist aber dann auch der einzige nennenswerte Schwachpunkt von „Revenge of Dracula“ (Alternativtitel), der seine Geschichte von Beginn an sehr stimmig erzählt. Als Zuschauer taucht man dank interessanter und schnell liebgewonnener Charaktere schnell ins Geschehen ein und vermisst aufgrund der versprühenden Kurzweile auch den Grafen nicht wirklich, der erst sehr spät ins Geschehen tritt. Aber das Warten lohnt sich, spielt Lee, wie erwähnt, den Vampir doch noch mit Herzblut, zumindest in den meisten seiner Szenen, so dass diese Momente tatsächlich ihm allein gehören, so stark wie er seine Präsenz in diesen entfaltet.

Dennoch muss angemerkt werden, dass Lee nicht der einzige Trumpf dieser wundervollen Fortsetzung ist. Die Art wie heimtückisch seine Gehilfen agieren, weiß zu gefallen. Die Schloss-Location ist so beeindruckend ausgefallen wie man es von den Hammer-Studios gewohnt ist, und der Aufbau der Geschichte, in all seinen einzelnen Phasen, ist professionell ausgefallen. Durch die dichte Atmosphäre, die der Film trotz aller nostalgischen Leichtigkeit versprüht, lässt es Terence Fisher nie zu, dass so etwas wie Langeweile oder Stillstand Einzug halten könnte, dafür sind die einzelnen Szenarien viel zu gut ausgearbeitet und die Geschehnisse zu abwechslungsreich konzipiert.

Zwar darf es aus der Sicht sonst typisch angegangener Horror-Klischees ein wenig verwundern, dass schwarze Pferde nur von den Guten geritten werden, während Dracula braune, manchmal gar weiße bevorzugt, und auch manche zu deutlich bei Tageslicht abgefilmte Nachtszene sorgt für leichte Abstriche, schaden können diese winzigen Kritikpunkte dem stark inszenierten Streifen jedoch nicht. Die Harmlosigkeit seines direkten Vorgängers fehlt dem dritten Teil völlig. Fisher baut diesmal nicht mehr auf dessen naivem Charme. Dracula soll ein ehrfürchtiger Gegner sein, und dafür war eine ernstere und düstere Fortsetzung auch zwingend nötig. So sehr mir Teil 2 auch gerade wegen seiner braven, klassischen Art gefallen hat, so sehr begrüße ich es andererseits auch diesmal, dass mit der Wiederkehr Draculas die Naivität großteils über Bord geworfen wurde.  OFDb

20.02.2017

DRACULA UND SEINE BRÄUTE (1960)

Die erste von insgesamt acht Fortsetzungen des legendären Hammer-Erfolges „Dracula“ mit Christopher Lee sollte ebenfalls wieder, ebenso wie die zweite Fortsetzung „Blut für Dracula“, von Terence Fisher umgesetzt werden, der bereits das Original von 1958 schuf. Auch wenn sowohl der deutsche, als auch der englische Originaltitel „The Brides of Dracula“ den getöteten Grafen des ersten Filmes im Titel erwähnen, so taucht dieser in der ersten Fortsetzung doch gar nicht auf. Er ist nicht einmal relevant für die weiblichen Nachkommen im Titel, werden diese doch durch den bereits viele Jahre als Vampir infizierten jungen Grafen Meinster zu Geschöpfen der Nacht, womit sie seine Bräute sind und nicht die seiner berühmteren Konkurrenz.

Ein wirklicher Konkurrent ist David Peel als Meinster freilich nicht, legt er seine Rolle doch weit weniger düster an als es Christopher Lee tat. Ob das eine Entscheidung von ihm oder von Terence Fisher war, lässt sich schwer feststellen, zumindest passt sein Stil der Darbietung zur Restinszenierung, die sich sehr dem klassischen, fast schon naiven, Vampirstoff hergibt. Modern ist es nicht, was man hier zu sehen bekommt. Wie die Vampire erwachen, mit ihren spitzen Zähnchen die Menschen anzischen, wie Meinster per Hypnose verführt, vor Kreuzen zurückschreckt und die Vampire in ihren Särgen hausen, „Dracula und seine Bräute“ ist höchst klassisch und harmlos ausgefallen, keinesfalls gruselig oder zumindest so düster ausgefallen wie der Vorgänger, zieht meiner Meinung nach aber gerade daraus seinen eigenen Reiz.

Einzig jene Szene ist etwas moderner ausgefallen, in welcher Dr. van Helsing völlig unerwartet selbst von einem Vampir gebissen wird, und er daraufhin zu drastischen Mitteln der Selbstheilung greift. Ohnehin hat es diese Phase kurz vor Schluss in sich, ist doch auch die Methode mit welcher es der gebildete Vampirjäger schließlich schafft Meinster endgültig ins Jenseits zu befördern eine sehr interessante, und besonders schön für unvorbereitete Menschen wie mich zu schauen, die sich bei dem Handlungsort einer Windmühle nichts weiter gedacht haben.

Wie auch immer, so naiv der Plot dieses wunderschönen Vampirfilmes auch ausgefallen ist, die Optik dieser etwas schlichter angegangenen Fortsetzung bietet das was man sich von einem Genrebeitrag der legendären Hammer-Studios grundsätzlich erhofft: stimmige Studioaufnahmen, reichhaltige Dekorationen, und klassische Handlungsorte wie Schloss, Friedhof, Kutschfahrt durch den Wald und final wie erwähnt eine Windmühle. Das kann sich alles sehen lassen, sorgt für eine stimmige Umsetzung, wie bereits betont zwar frei von Grusel, aber durchaus mit gotischem Charme umgesetzt. Wem das reicht und wer auf die Härte des Vorgängers verzichten kann, der wird auf klassische Art bestens unterhalten.  OFDb

17.02.2017

DIE RACHE DER PHARAONEN (1959)

Sehr geachtet sind sie nicht, die vier Mumienfilme der Hammer-Studios, gelten sie doch allgemein hin als Schwachpunkt der sonst so geschätzten britischen Schmiede des Horrorfilms. Während ich noch meine Freude mit „Das Grab der blutigen Mumie“ und „Der Fluch der Mumie“ hatte, und somit den Argwohn gegen diese Filme nicht nachvollziehen konnte, sollte es gerade der erste Hammerfilm zu diesem Thema sein, der auch mich nicht überzeugte. Als Neuverfilmung der ersten von vier Fortsetzungen des 30er Jahre „Die Mumie“ anvisiert, von der leider nicht eine einzige in Deutschland erschienen ist, scheitert sie an allerlei Punkten, ohne dass man zum Vergleich das (mir nicht bekannte) Original herauskramen müsste.
 
Bereits die Einleitung ist lieblos angegangen, wenn der olle Ägypter mangels mystischer Betonung lächerlich auf Rache sinnt, und die Grabkammer sich weder als schmutzig, noch staubig, noch frei von Atemluft herausstellt. In der Hoffnung in England angekommen würde die mangelnde Atmosphäre durch glaubwürdigere Bilder verspätet aufkommen, muss man, von einer schlichten Rahmenhandlung um die geistige Erkrankung eines Archäologen einmal abgesehen, erst viel zu lange Rückblicke über sich ergehen lassen, die alle an den selben Schwächen scheitern wie die Einleitung: unglaubwürdige Locations, theatralisches, leider nicht ernst zu nehmendes Schauspiel, und mitten drin ein sonst so brillanter Christopher Lee, der seine Rolle, warum auch immer, mit ängstlichem Blick verkörpert, selbst dann noch, wenn er als Mumie durchs Geschehen stampft, ohne dabei ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie die Bewegungen einer Mumie auszusehen hat.
Zwar bleibt auch nach Beendigung der Rückblicke die Glaubwürdigkeit der Geschehnisse höchst naiv und unglaubwürdig, aber durch den leichten Krimi-Touch der nun aufkommt, weiß das Ganze zumindest endlich einen gewissen Charme zu versprühen. Zwar macht der Gesinnungswandel des Kommissaren keinerlei Sinn, wenn er nach ersten, verständlichen Zweifeln, nur deswegen an die Existenz eines lebenden Toten glaubt, weil seine (sehr kurz angegangenen) Untersuchungen nichts Gegenteiliges beweisen konnten, aber wenn die Rolle des stets charmant spielenden Peter Cushing mit dem Kriminalisten endlich an einem Strang zieht, dann bereitet auch „Die Mumie“ (Alternativtitel) endlich Freude.

Höhepunkt des Filmes ist dann allerdings nicht das putzig ausgefallene Finale, sondern der Besuch von Cushings‘ Figur bei seinem Erzfeind, der einen langen Dialog verlogener Herzlichkeit und aufgesetzter Höflichkeit hervorbringt, bei dem es eine Freude ist dran teilnehmen zu dürfen. Hier weiß der Darsteller des Ägypters zumindest diesen Part der ihm zugeteilten Rolle zu erfüllen, wenn er auch sonst wie ein Flüche und Gebete vor sich herplappernder Kasper wirken mag. Dass das Klischee der jungen Frau, die der Prinzessin von einst bis aufs Haar gleicht, auch noch krampfhaft mit ins Geschehen gestoßen wird, würde nur dann stören, wenn wir es bei „Terror of the Mummy“ (Alternativtitel) mit einem guten Film zu tun hätte. So reiht sich diese Idee zumindest in die Schlange der charmant lächerlichen Ideen ein, welche das maue Produkt zumindest in der letzten halben Stunde noch halbwegs gerettet bekommen.  OFDb

25.07.2015

INSEL DES SCHRECKENS (1966)

Ein Aufhänger der zu gefallen weiß in einem Film von Terence Fisher („Schlag 12 in London“) und mit Peter Cushing besetzt, was soll da schon schiefgehen? Nun, der ein Jahr nach „Insel des Schreckens“ erschienende „Brennender Tod“ wäre tatsächlich ein Beweis dafür, dass diese Grundlage nicht automatisch zu einem befriedigendem Ergebnis führen muss. Der hier besprochene Film ist jedoch wesentlich unterhaltsamer ausgefallen als das inhaltlich recht verwandte Folgewerk, das ebenfalls auf einer Insel spielt und uns putzige Monster beschert.

In „Insel des Schreckens - Todesmonster greifen an“ (Alternativtitel) sehen die Monster mit denen wir es zu tun haben wie ein Haufen grüner, fester Schleim aus, die einen Rüssel besitzen, also so eine Art glibberiger Staubsauger. Das sieht unglaublich niedlich aus, und man kann ein Schmunzeln nicht zurückhalten, wenn die Viecher über Menschen herfallen, die daraufhin brutalst schreien. Klar, der Tod den die Kreaturen bringen ist besonders fieser Natur, aber rein optisch ist das alles unfreiwillig komisch. Der Clou: Fisher schafft es dennoch eine bedrohliche Stimmung aufkommen zu lassen, und dies obwohl die Monster sogar recht häufig zu sehen sind.

Dank logisch handelnder Menschen, die in einem anregenden Dialog zueinander stehen, steht die Geschichte nie still. Neue Erkenntnisse werden geschaffen, Versuche sind gerne einmal erfolgloser Natur und steigern den Spannungsbogen aufgrund der Hilflosigkeit. Und der finale Plan hängt von zu vielen Faktoren ab, um als wirklich funktionsfähig angesehen zu werden. Selbstverständlich befinden wir uns in einem 60er Jahre-Film und müssen nicht ernsthaft um ein Happy End bangen, aber es wird den Protagonisten nicht leicht gemacht und so manche Opfer gehen dem Sieg gegen die im Labor gezüchteten Wesen voraus. Ebenso sicher wie das Happy End ist jedoch auch der angehangene Schluss einer möglichen Fortsetzung, die sich zwar zu krampfhaft zugehörig zum Rest anfühlt, aber zumindest aufgrund zuvor gesprochener Worte ein ungutes Gefühl beim Zuschauer entfacht.

Eine von der Außenwelt abgeschottete Insel, eine Stromversorgung die kurz vor dem Ende steht und viele Menschen auf engem Raum umzingelt von Wesen, welche den Menschen die Knochen aus dem Körper saugen, hier wird schon einiges aufgefahren, damit sich ein Gefühl der Bedrohung auftut, und ein paar effektive Direktaufnahmen auf die „ausgelutschten“ Leichen wissen ebenfalls zu gefallen.

Von daher ist „Island of Terror“ (Originaltitel), von dem es so herrliche Alternativtitel wie „Night of the Silicates“, „The Night the Silicates Came“ und „The Creepers“ gibt, trotz optisch nicht ernstzunehmender Angreifer jedem Freund von 60er Jahre-Monsterfilmen und Werken mit Peter Cushing zu empfehlen, ist er doch flott inszeniert, interessant erzählt und spannend ausgefallen. Welchem Horror-Nostalgiker sollte solch ein sympathischer Unfug bitteschön nicht gefallen?  OFDb

09.01.2015

DER FLUCH VON SINIESTRO (1961)

Ich hatte mich sehr auf „Der Fluch von Siniestro“ gefreut, klang es doch interessant dass sich die Hammerstudios zu ihrer Bestzeit der Werwolf-Thematik widmeten und dieses Projekt auch noch Regisseur Terence Fisher überließen, der solche Meisterwerke hervorbrachte wie den ersten „Dracula“ mit Christopher Lee oder die tolle Jekyll und Hyde-Verfilmung „Schlag 12 in London“. Der hier besprochene Film gehört jedoch leider zu seinen missglückten Ausnahmen wie „Brennender Tod“ oder „The Earth Dies Screaming“, auch wenn der Vergleich zu letztgenanntem Streifen dann doch etwas hart ausfällt.

Das Problem an „Der Fluch von Siniestro“ ist noch nicht einmal das von fast jedem Schauspieler zelebrierte Overacting. Dies weiß gerade zu Beginn sogar zu wirken und bindet einen emotional an das tragische Schicksal des Bettlers, mit dem alles losgehen wird. Auch die fast schon komödiantische Darstellung des Grafen, wenn dieser sein greises Alter erreicht hat, besitzt ihren Charme und verdeutlicht eine gewisse Distanz des Werkes her wie ein Comic für Erwachsene wirken zu wollen anstatt wie ein all zu sehr auf Realität schielendes Horror-Drama.

Leider ist „The Curse of the Werewolf“ (Originaltitel) zu sprunghaft erzählt. Ständig wechselt er Zeiten und Orte und damit die Personen im Mittelpunkt. Dies lässt ihn jedoch aufgrund der jeweils nur angerissenen Geschichte nicht wie einen Episodenfilm schauen, sondern einfach nur wie eine unsensible Erzählung, die krampfhaft versucht ihre Vorgeschichte möglichst kompakt vorzutragen. Dass hierfür auch Hintergrundinformationen durch zeitlichen Stress in Erklärungsnöte geraten und uns nur notdürftig die für den weiteren Verlauf obligatorischen Informationen mit auf dem Weg gegeben werden, ist nicht nur aufgrund der Hetze und Lückenhaftigkeit unangenehm zu nennen, sondern auch aufgrund der damit einhergehenden fehlenden Glaubwürdigkeit, die auch ein Comicfilm bis zu einem gewissen Grad einfangen muss.

Alle Figuren können sich schnell mit ihrem unheimlichen Wissen anfreunden. Selbst der Pfarrer schlägt nicht Alarm bei dem von einem fremden Wesen besessenen kleinen Jungen. Dieser hält sein Treiben nur für einen Traum, sein Ziehvater hingegen zieht viel zu schnell die wahren Schlüsse. Aus kaum nachvollziehbaren Gründen legt man den Mantel des Schweigens auf den Fluch, hauptsächlich in der Hoffnung dass er nie wieder ausbrechen möge.

Im Jetzt angekommen, wo die Hauptgeschichte etwa zur zweiten Filmhälfte endlich in Angriff genommen wird, wird das Niveau jedoch nicht besser. Zu distanziert ist das Spiel des Helden, mit dem man einfach nicht warm werden möchte. Zu gehetzt wirkt auch hier der Aufbau eines Grundgerüstes für kommende Ereignisse, das uns im Schnellverfahren zum einen den Wunsch zur Selbstverwirklichung nahe bringt und uns dafür eine lange Reise suggeriert, die im nachhinein doch nur in ein benachbartes Dörfchen führt, und uns zum anderen viel zu plötzlich die Information zuspielt, dass der junge Mann ein Verhältnis mit der Tochter seines Chefs hat. Aber so ist das halt, wenn man für den Haupterzählstrang nur einen halben Film lang Zeit hat.

An Charme der Figuren mangelt es auch im Hauptteil immer noch komplett, und das bleibt auch so bis zum hektischen Schluss, in welchem zwar endlich einmal die Post abgeht, der Film aber inkonsequent auf ein dramatisches Finale zusteuert, ohne zumindest ein mögliches Happy End vorzutäuschen, wo dies doch möglich gewesen wäre, da Leons wahre Liebe vor Ort des Massakers, welches der Werwolf anrichtet, anwesend ist. Die Kulisse weiß zu gefallen, das tat sie im übrigen schon den ganzen Film über und konnte zumindest in diesem Punkt das übliche Niveau der Hammer-Studios halten. Letztendlich spielt sich das Finale aber auf viel zu engem Raum ab, weshalb eine wahre Bedrohung gar nicht aufkommen mag.

Auch der Werwolf weiß optisch zu gefallen, ist aber auf die Geschichte gesehen eine Mogelpackung, hält man sich doch nicht an die klassische Vorgeschichte eines Werwolfs. Ginge es nach der Logik von „Curse of the Werewolf“ würde er in jedem von uns schlummern und käme dann heraus, wenn wir über viele Jahre in einen Kerker eingesperrt wären. Zumindest lässt sich ein moderner Glaube an die Genetik erkennen, wird der Fluch doch quasi vererbt. Warum das ganze dann trotzdem in einem Gespräch mit einem Gottesmann einen dämonischen Hintergrund zugedichtet bekommt weiß der Geier, zeigt aber nur auf ein neues wie unausgegoren die komplette Geschichte erzählt ist.

„Der Fluch von Siniestro“ ist weder charmanter Comic, noch emotionales Horror-Drama, noch ein spannungsgeladener übernatürlicher Thriller. Wäre die Erzählung nicht so holprig, spätestens der nervende Soundtrack würde eine emotionale Identifikation mit den zentralen Figuren verhindern. Der Film ist ein Stückwerk, das in der gewählten Erzählform nicht zu funktionieren weiß und nur in Ausnahmeszenen, sowie anhand von Randfiguren zu überzeugen weiß. Für eine Hammerproduktion ist das schon ein Armutszeugnis. Terence Fisher kann es wahrlich besser, wie auch ein Blick auf seinen „Sherlock Holmes und das Halsband des Todes“ oder sein „Der Hund von Baskerville“ zeigen. Von dem Talent welches er in seinen guten Werken an den Tag legte, ist hier nichts zu bemerken. Das ist so traurig wie erstaunlich.  OFDb

29.12.2012

BRENNENDER TOD (1967)

Auf einer Insel steigen die Temperaturen auf über 40 Grad Celsius an, während das Festland für die Jahreszeit den richtigen Wert unter 0 Grad hat. In letzter Zeit nehmen viele Bewohner ein merkwürdiges, fremdartiges Geräusch wahr. Ein Wissenschaftler behauptet zu wissen was mit der Insel los ist: sie soll ein Test-Invasionsort für Außerirdische sein...

Im Schweiße ihres Angesichts...
 
Aliens, welche die Erde ihre Atmosphäre anpassen, Wissenschaftler kommen dem Geheimnis auf der Spur, auf dem Boden kriechende Kreaturen, ein zunächst kleiner Testort auf der Erde, das sind alles Parallelen zum Science Fiction-Klassiker „Die Teufelswolke von Monteville“, der von 1958 ebenfalls aus Britannien stammt. Dieser war auch wesentlich flotter zu gucken, auch wenn er keine Stars aufweisen konnte.

Christopher Lee hat hier eine von zwei Hauptrollen. Und dafür dass er im Vorspann als Gaststar genannt wird, hat auch Peter Cushing eine recht große Rolle erwicht. Beide spielen gekonnt, sind Profis ihres Fachs, und auch die meisten Schauspieler um sie herum sind brauchbar gecastet. Doch das allein reicht nicht. „Brennender Tod“ ist schlichtweg viel zu lahm.

Es passiert zu wenig, ewig will man ein spannendes Rätsel aufrecht erhalten, und das ominöse Surren, das jeder hört, ist ein derart penetrantes Geräusch, das immer mehr nervt, je häufiger man es hören muss. Und das ist nicht gerade selten.

Auf der Insel wird es immer heißer, den Bewohnern macht dieser Temperaturanstieg sehr zu schaffen (auch wenn fast jede Nebenfigur nie verschwitzte Kleidungsstücke trägt), psychologisch passend versucht man das durch die Hitze dröge Denken auf den Zuschauer zu übertragen, in dem man auch die Filmatmosphäre schleppend umsetzt. An sich eine gute Idee, doch wegen Ermangelung an Geschehnissen geht die Rechnung leider nach hinten los.

„Brennender Tod“ lief in der Arte Trash-Reihe, und hier gehört er meiner Meinung nach auch hin. Die Außerirdischen, wenn man sie gegen Ende ab und an zu sichten bekommt, sehen lustig aus. Lees Rolle ist völlig überzogen, soll mysteriös wirken und ist schlichtweg nur unhöflich. Ewig versucht man Erotik ohne Nacktheit einzubauen, was allein schon deshalb nicht prickelt, da diese nur von einer Person ausgeht, deren Charakter nicht nur komplett dumm und dreist ist, sondern vom Drehbuch auch nur bedingt so gewollt.

Die Teufelswolke von Monteville“ hatte die unfreiwillig komischeren Monster, er erzählte seine Geschichte trotz einiger Dialogszenen jedoch wesentlich kurzweiliger und ab und an auch pfiffiger als „Brennender Tod“, der nur brav dem gängigen Muster ohne Höhepunkte folgt. Guckbar ist dieser Mix aus Horror und Science Fiction trotzdem. Von Langeweile würde ich hier nicht sprechen, der Film steht eher einen Schritt davor, er ist anstrengend. Hartgesottene Genrefans könnten auch hier glücklich werden.  OFDb

20.10.2012

DRACULA (1958)

Jonathan Harker kommt auf Schloss Dracula, um die Bibliothek des Grafen zu sortieren. Er entpuppt sich jedoch als Vampirjäger und tötet eine von Draculas Gefährtinnen. Nachdem Harker beseitigt ist, sinnt der Blutsauger auf Rache und nimmt sich Harkers Verlobte vor. Dadurch wird Vampirjäger Van Helsing auf den Grafen aufmerksam...

Kampf den Vampiren...
 
Wer im Tonfilm-Bereich eine gelungene Verfilmung der „Dracula“-Thematik sucht, kommt um Terence Fishers Version nicht herum, meiner Erfahrung nach die beste Verfilmung bislang neben dem Stummfilm „Nosferatu“. Zwar setzt Fisher viel auf äußeren Effekt, vernachlässigt aber deshalb nicht andere Elemente, die zu einem positiven Ergebnis führen.

Durch den Start der damaligen „Frankenstein“-Reihe mit „Frankensteins Fluch“ war das Team Fisher-Cushing-Lee bereits aufeinander eingespielt. Im Jahr der gemeinsamen Fortsetzung „Frankensteins Rache“ entstand auch „Dracula“, und der weiß den Zuschauer auch flink in seinen Bann zu reißen, stimmt atmosphärisch doch von Anfang an so viel. Die Musik reißt einen mit, das Schloss Draculas ist eine Augenweide, die Kulissen sind in jenem gotischen Stil gehalten, für den die Werke der Hammer-Studios heute so berühmt sind, und die Geschichte stimmt flink ins Geschehen ein, überrascht aber auch mit einem anderen Schwerpunkt als Murnaus Stummfilm oder Tod Brownings „Dracula“.

Fishers „Dracula“ besitzt so viele Trümpfe und einer ist sicherlich Christopher Lee in der Titelrolle, der im Vorspann erst nach dem Titel genannt wird. Ersterwähnter ist der Held Peter Cushing, der Van Helsing mimen darf, ein weiterer Trumpf des Filmes, so individuell diese Figur von Cushing verkörpert wird und weit mehr ist, als der stocksteife, forschende Wissenschaftler aus Brownings Version.

Dracula selbst jedoch stiehlt Van Helsing die Show. Christopher Lee spielt ihn bitter böse, zeigt uns für kurze Augenblicke den Gentleman, um sich flink in die Bestie zu verwandeln, die nichts menschliches mehr in sich trägt. Fortan stolziert er als Gentleman-Hülle umher, getarnt unter Menschen, aber nie erst im Äußersten dazu bereit sein wahres Gesicht zu zeigen.

Fishers „Dracula“ hält nicht hin wie der gewöhnliche Horrorfilm seiner Zeit, er hat immer was zu erzählen, umgeht auch keine Rückschritte der Helden, wenn z.B. die Harker-Verlobte den Tod findet, und das Finale erst über die Ehefrau des Vaters der Verlobten eingeleitet wird.
Während die Story flott voranschreitet, arbeitet Fisher auf der anderen Seite geduldig an dem Prozess von Vertrauen und Misstrauen zwischen dem Vater der Verstorbenen und dem Vampirjäger Van Helsing, dessen unkonventionelle Hilfe er benötigt. Ist die Zusammenarbeit zwischen beiden ermöglicht, geht der Prozess über auf den Bereich der Abhärtung und Gewöhnung, kann Van Helsing den guten Mann theoretisch doch nicht auf alles seelisch vorbereiten und besitzt der Vater doch noch manch ethische Hürde, die es für den Kampf gegen die Blutsauger zu überwinden gibt.

„Dracula“ ist stimmig, flott, und er bietet dem Horrorfilm-Fan das, was meist ausgeblendet wurde. In Großaufnahme wird der Oberkörper eines Vampirs gepfählt. In langen Einstellungen darf der Blutsauger sein Gebiss als Bedrohung zur Schau stellen, und beißt er zu, ist nicht nur sein Opfer blutig, sondern auch das Ungeheuer, dem selbst der menschliche Anstand fehlt die Spuren seiner Mahlzeit zügig aus dem Gesicht zu wischen. Auch der obligatorische Tod des Grafen ist eine Augenweide, zum einen durch seine drastischen Bilder, zum anderen durch die hervorragende Tricktechnik für diese Zeit.

Fisher weiß welcher Schauwert sich lohnt und welcher nicht. Kreuze brennen sich in die Haut der Monstren, Lächerlichkeiten wie Brownings fliegende Gummi-Fledermäuse umgeht er komplett, schafft neue Vampirgesetze, in welchen die Blutsauger ihre Figur nicht mehr wandeln können und weiß auch ganz genau warum er dies tut: auf diesem Weg hat es der Regisseur geschafft jegliche unfreiwillige Komik beiseite zu räumen. „Dracula“ ist trotz seines Alters von über 50 Jahren zu keinem Zeitpunkt peinlich oder nur aus augenzudrückender nostalgischer Sicht zu ertragen, ein Zustand der aufgrund seines Alters nicht unwahrscheinlich gewesen wäre.

„Dracula“ weiß heute wie damals zu begeistern und zeigt Filmen von heute, dass es nicht extremster Modernisierungen bedarf, um sein Pferd zum Ziel zu geleiten. Fisher setzt viel mehr auf ein zügiges Voranschreiten der Geschichte und sorgt dafür, dass diese nie einen Hänger, geschweige denn eine längere Durststrecke, oder eine Wiederholung der Ereignisse erfährt. Hierfür muss er zwar des öfteren das Hauptaugenmerk der Figuren wechseln, womit schließlich auch die Figur des Dracula im Vergleich etwas weniger Auftritte beschert bekommt, aber das ist ein Preis den man für solch einen gelungenen Film gerne bezahlt.  OFDb

12.09.2012

THE EARTH DIES SCREAMING (1964)

Aliens wollen die Erde erobernt mit Hilfe von Robotern. Ein Pilot, der gerade zur Erde heimgekehrt ist, schließt sich mit Überlebenden der Invasion zusammen. Gemeinsam überlegen sie, wie man der Situation Herr werden kann...

The Quiet Earth...
 
Roboterfilme wurden in den 50er und 60er Jahren so allerhand gedreht, und einige davon erhielten keine Veröffentlichung in deutschen Landen. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: der immer weiter wachsende „Kronos“, der Superhelden-artige „Tobor the Great“, oder jener Film, der dem Inhalt von „The Earth Dies Screaming“ am nächsten kommt: „Target Earth“, ein anfängliches Weltuntergangszenario, das in Langeweile endete.

War das Ende der Zivilisation im letztgenannten Vergleichsfilm nur Blende, so steht die Menschheit in Terence Fishers Film tatsächlich kurz vor dem Ende. Überlebende gibt es kaum noch, eine Situation, die zur Entstehungszeit beliebt war. Ob „Slime People“ oder „Target Earth“, oder berühmtere Vertreter wie „The Last Man on Earth“ und später auch „Die Nacht der lebenden Toten“, Menschen in der Minderheit, kurz vor dem Wegfegen ihrer Existenz, daraus waren Stoffe dieser B-Film-Dekade gemacht. Und so konsequent bedrohlich, bzw. gar unheimlich diese Ideen im Vergleich zu den Riesenmonstren, die ebenfalls im gleichen Zeitraum die Kinoleinwände heimsuchten, auch klingen mögen, das Ergebnis fiel meist mager aus, wenn nicht langweilig, dann unfreiwillig komisch.

Wer über die von außerirdischen gesandten Roboter in „The Earth Dies Screaming“ zu Recht schmunzeln will, der muss sich schon ein wenig besser im Science Fiction-Bereich auskennen. Während die Konkurrenz aus „Target Earth“ dem klassischen Maschinenmenschen-Stil a la „WWF-Club“ entsprach, wirken die „Batterie auf Rucksackgröße“-tragenden Maschinen aus Fishers Werk eine Spur simpler, dadurch optisch nur bedingt lächerlich, eher nostalgisch, für den Kenner jedoch trotzdem belustigend. Was wie ein kreativer Ausnahmestil wirkt, kleidete bereits Jahrzehnte zuvor die Printmedien-Welt und ist somit im Jahre 1964 längst überholt gewesen, scheinbar jedoch auch keine tatsächliche Ausnahme, da in den 60er oder 70er Jahren ähnliches doch noch auf Covern der Groschenheftreihe „Perry Rhodan“ zu sehen war.

Leider teilt „The Earth Dies Screaming“ im Unterhaltungswert das Schicksal von „Target Earth“. Er ist sehr langweilig, die Roboter kommen zu selten vor, sind jedoch häufiger vorhanden als im Konkurrenzprodukt. Um von diesem Umstand etwas abzulenken, dürfen getötete Menschen zur Verstärkung als von Aliens wiedererweckte Zombies durch die Gegend laufen, ähnlich der Geschichte aus „Invisible Invaders“. Zur optischen Verstärkung bekommen sie weiße, leere Augen beschert, so wie man es aus „Das Dorf der Verdammten“ kennt, von dem man dreist auch gleich das Anfangsszenario geklaut hat, wenn Menschen urplötzlich aus unerklärlichen Gründen einfach umkippen.

Dass „The Earth Dies Screaming“ trotz allen zur Zeit populären Elementen nicht zu Potte kommt, ist schade und wäre mit Blick auf die Regie auch gar nicht nötig gewesen, saß mit Terence Fisher doch jemand auf dem Regiestuhl, der im Gruselfach dem Horror-Fan so manche Perle beschert hat. Sei es der berühmte „Dracula“ mit Christopher Lee, die sehr gelungene „Jekyll und Hyde“-Version „Schlag 12 in London“, die Holmes-Verfilmungen „Der Hund von Baskerville“ mit Peter Cushing und „Sherlock Holmes und das Halsband des Todes“ mit Christopher Lee in der Titelrolle, der Mann hatte sowohl ein Händchen für gute Filmstoffe als auch für ihre Umsetzung.

Im Falle des hier besprochenen Werkes war es leider nur Ersteres, aber scheinbar war der Grusel im Science Fiction-Bereich schlichtweg seine Schwachstelle, wollte doch auch sein Werk dieses Sub-Bereiches „Brennender Tod“ nicht funktionieren. Im Gegensatz zu „The Earth Dies Screaming“ war der jedoch im Mittelmaß zu Hause. An der Invasion der Alienroboter und wiedererweckten Toten will so gar nichts gefallen.

Bis es zum überaus lächerlichen und viel zu einfachen Weg kommt, sich der Invasoren zu entledigen, darf man eine Gruppe uninteressanter Menschen bei ihrem Tun zuschauen, die im Gegensatz zum Protagonisten aus „The Last Man On Earth“ nie den Eindruck erwecken, dass ihnen der Untergang der Menschheit bewusst ist. Darüber wird zwar geredet, aber Hoffnungslosigkeit steht ihnen nicht gerade ins Gesicht geschrieben.

Es ist zwar schön, dass die Verantwortlichen der Geschichte den Situationen der Menschen untereinander mehr Touch bescheren wollen, indem beispielsweise ein Krimineller mit dabei ist, der u.a. den weiblichen Hauptpart entführen darf, aber was auch unternommen wird, um Zeit zu strecken, es bleibt gestreckte Zeit und damit Langeweile, von der nicht richtig abgelenkt wird.

So wundert es also nicht, dass der Film mit theoretisch interessantem Inhalt nicht nach Deutschland kam, obwohl der Regisseur eine Perle nach der anderen geschaffen hat, die auch in unserem Land sehr geschätzt wurden und werden. Somit ist „The Earth Dies Screaming“ nur den Komplettisten zu empfehlen. Dass anbei der reißerische, aber so sympathische Filmtitel nicht der Wahrheit entspricht, ist eigentlich egal. Dass kaum geschrien wird und sich sogar die Frauenwelt diesbezüglich ungewohnter Weise ebenfalls zurückhält, ist trotzdem eine Erwähnung wert und straft den Titel Lüge. Die Wahrheit wäre eher ein „Quiet Earth“ gewesen, doch den gibt es seit der 80er Jahre nun auch, lustiger Weise mit einer vergleichbaren Anfangssituation, auch wenn er etwas völlig anderes erzählt.  OFDb