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05.07.2020

DER FEUERTEUFEL (1984)

"Der Feuerteufel" gehörte in der ersten, längeren Phase der Stephen King-Verfilmungen zu den weniger beliebten Beiträgen, ist er doch nicht so dynamisch ausgefallen, wie die meisten anderen Buchumsetzungen des beliebten Horror-Autors. Ganz im Gegenteil kommt der Streifen zunächst etwas zäh erzählt daher und verwendet Rückblicke, wo eine zeitlich klassisch angeordnete Vorgeschichte die bessere Wahl gewesen wäre. Der Film wirkt in seiner zu monotonen und dramaturgisch unterkühlten Art etwas zu hölzern inszeniert. David Keith, der wie ein magerer Kurt Russell-Abklatsch aussieht, wirkt in seinem passablen Spiel zu bemüht und versteift. Und die kleine Drew Barrymore ist eher niedlich, als dass sie schauspielerisch beeindrucken würde. Beide spielen gerade so, dass es dem Film nicht vollends schadet, zumindest passt diese Routine zur durchschnittlichem Umsetzung von "Die Klasse von 1984"-Regisseur Mark L. Lester. Da sich der Grundton des Streifens jedoch eher dem trockenen 70er Jahre-Stil, anstatt dem poppigen 80er Jahre-Stil, zuwendet, ist er zumindest in einem erwachsenen und bedrohlichen Ton erzählt, was das theoretisch etwas arg plumpe Geschehen reifer wirken lässt, als es tatsächlich ist.

Deutlich besser wird "Firestarter" (Originaltitel) zur zweiten Hälfte, wenn die Geschichte durch die Gefangennahme beider und den Experimenten, die an ihnen durchgeführt werden, interessanter wird. Je mehr es Richtung Finale geht, desto mehr bekommen die Verantwortlichen der Spezialeffekte zu tun. Und glücklicher Weise geht diese Entwicklung Hand in Hand mit einem Szenario, für das man sich endlich wirklich interessiert. In der letzten halben Stunde wird "Der Feuerteufel", der 2002 eine Fortsetzung beschert bekommen hat, dramatischer, bösartiger, spannender und wuchtiger. Vielleicht ist die Schluss-Sequenz vor dem Abspann etwas zu optimistisch ausgefallen, andererseits hatte man damals ein anderes Verhältnis zu dem dort eingebundenen Medium. Und für das älterer Farmer-Paar, das sich immer schon eine Tochter wünschte, freut man sich, umgeht der Regisseur, der für seinen harten und direkten Ton bekannt ist, doch glücklicher Weise hierbei so gut wie möglich den Kitschbereich. Ein Action-reiches Finale, das an Sehwert nichts zu wünschen übrig lässt, lässt einen ohnehin milder mit diesem Schluss umgehen. Auch der Mangel an psychologischem Einfühlungsvermögen, der im kompletten Drehbuch spürbar ist, hilft dabei den Schluss nicht all zu kritisch zu sehen. Dass der Stoff eine deutliche Nähe zu "Carrie - Des Satans jüngste Tochter" aufweist, gerade gegen Ende, kann man wohl eher der Buchvorlage vorwerfen, anstatt dem Film. Aber es ist verständlich, dass man nach Jahren des großen Erfolges von Brian De Palma an diesen anschließen wollte.  OFDb

17.05.2020

BATMAN FOREVER (1995)

Nach dem düsteren Fetisch-Film "Batmans Rückkehr" wendet sich Folge-Regisseur Joel Schumacher von der Vision Tim Burtons ab und steuert die Reihe wieder mehr in Richtung der 60er Jahre Serie "Batman", welche die Comicvorlage nicht all zu ernst nahm. Es mag zwar keine Geräusche-Sprechblasen mit Piff und Puff geben, und eine gewisse Ernsthaftigkeit liegt noch immer in der Luft, gerade in den Szenen des Titelhelden, aber "Batman Forever" ist sehr bunt und schrill ausgefallen und räumt viel Platz für Humor und Budenzauber ein. Das passt zur Zirkusherkunft Robins, der mit diesem Teil eingeführt wird, und da er zu einer der, meiner Meinung nach, naivsten Ideen des Batman-Universums gehört, ist es wohl besser so den im Vergleich etwas erwachseneren Weg der Vorgänger hinter sich zu lassen. Die Zusammenkunft der beiden Partner wird überraschend glaubwürdig innerhalb eines fantastischen Popkorn-Kino-Szenarios umgesetzt, sie weiß sogar die Geschichte interessant zu halten und wird somit keine der Schwächen innerhalb des mit Val Kilmer in der Hauptrolle überzeugend besetzten Streifens.

Interessanter Weise zeigen sich die Schwächen eher im zu extremen Überagieren der beiden Bösewichter. Jim Carrey gehört zu meinen liebsten Mimen, aber hier geht er selbst mir auf den Senkel, so wie er hier frei jeder Mystik einen meiner Lieblingsgegner Batmans verkörpert. Doch damit nicht genug, selbst Tommy Lee Jones, der Mann mit der eisernen Mine, spielt ausgerechnet hier gegen den Strich ebenfalls auf zu schrille Art. Eine alles überblickende Umsetzung, ein wunderbares Popkorn-Comic-Feeling und eine nicht an erzählenswerten Elementen mangelnde Geschichte lassen den Film, an dessen Stil man sich nach den beiden Vorgängern erst einmal gewöhnen muss, dennoch zu einem amüsanten, kurzweiligen Erlebnis werden, ohne dabei jenes große Kino zu sein, das die Produzenten scheinbar anstrebten. Damit ist "Forever" (Alternativtitel) zumindest noch keine Katastrophe geworden, wie sein Nachzügler "Batman und Robin", der das Franchise einige Zeit, bezogen auf die große Leinwand, auf Eis legte (welche Ironie beim gewählten Gegner Mr. Freeze). Eine unnötige Liebesgeschichte fällt im großen Wirrwarr der Geschichte kaum negativ auf, tolle Spezialeffekte gibt es zu sichten, und ein Schluss-Gag in der Irrenanstalt weiß als beste Carrey-Szene innerhalb des Streifens zumindest mit dem Schauspieler zu versöhnen.  OFDb

23.09.2018

MITTEN INS HERZ - EIN SONG FÜR DICH (2007)

"Mitten ins Herz" beginnt direkt mit einem Paukenschlag, wenn der fiktive Erfolgssong "Pop Goes my Heart" von der fiktiven Erfolgsband Pop den Vorspann begleitet und sich nicht nur wie ein tatsächlicher Song aus diesen vergangenen Tagen anhört, sondern auch wirklichen Ohrwurmcharakter besitzt. Vorgetragen wird diese herrlich augenzwinkernde Pop-Perle mittels eines Musikvideos, das ebenfalls so gedreht wurde, als wäre es in den 80ern entstanden, und da darf nicht nur jedes Klischee und jede sympathische wie unsympathische Pflicht aus alten Zeiten Einzug halten und den Zuschauer zum Schmunzeln bringen, auch Hauptdarsteller Hugh Grant beweist bereits hier seinen Zugang zum Stoff und darf so verspielt agieren, wie man ihn nur all zu selten erleben darf. Man sieht ihm seine Spielfreude dabei an möglichst schlecht, aber TV-tauglich zu schauspielern, während ihm gleichzeitig die Kunst gelingt sich nicht in den Mittelpunkt des Spots zu setzen. 

Auch im weiteren Verlauf beweist "Music and Lyrics" (Originaltitel) seine Treffsicherheit im Umgang mit der Musikszene. Damals zur Entstehungszeit des Films moderne Popsongs und ihre Livedarbietungen a la Britney Spears und Co werden ebenso gekonnt treffsicher komponiert und parodistisch umgesetzt, stets den lästernden Spott respektvoll einsetzend, so dass man dem Film beim Veralbern diverser Musikrichtungen nie bös sein kann. Und das muss auch so sein, sind doch all diese Elemente nur Teil einer diesen übergeordneten Love Story, einer (ich hasse diese Bezeichnung) RomCom, eines Feel Good-Movies, und meine Fresse, das ist "Mitten ins Herz - Ein Song für dich" wahrlich geworden. Man schmilzt nur so dahin bei der locker leicht erzählten Geschichte, die inhaltlich sicher keinen Innovationspreis verdient hat, sich aber unglaublich gut und kurzweilig anfühlt. Wichtig ist, dass der romantische Aspekt ohne zu dick aufgetragener Theatralik und Kitsch eingefangen wird, und selbst wenn das Finale mit einem soften Schmusesong eingeleitet wird, so gelingt doch selbst hier der exakte Treffer die zu erzählenden Gefühle richtig einzufangen und damit auf den Zuschauer zu übertragen.

Amüsante, leichte Wortgefechte begleiten die Arbeit der beiden Songwriter. Sie sind ebenso wie die Musikparodie dabei niemals wirklich bissig, sondern sogar arg soft eingefangen. "Mitten ins Herz" ist kein "Harry und Sally", weiß in dieser braven Art jedoch überraschend gut zu funktionieren, was freilich auch an den beiden Hauptdarstellern liegt, die selten derart hochgradig sympathisch wirkten wie hier. Beide spielen so natürlich wie es ihre Rolle zulässt, und die auch nicht mehr völlig junge Drew Barrymore (immerhin bereits 32 Jahre damals) schafft es bezaubernder als je zuvor auszusehen, und das soll schon was heißen bei dieser niedlich anzuschauenden, attraktiven und talentierten Frau. Die beiden Mimen versprühen den nötigen Charme damit man in die humorvolle Liebesgeschichte eintauchen kann, welche das Drehbuch trotz des Abarbeiten typischer Pflichten dieser Art Stoff überraschend unverkrampft serviert. Und Regisseur Marc Lawrence, dessen zuvor gedrehter "Ein Chef zum Verlieben" (ebenfalls mit Hugh Grant in der Hauptrolle) mir nicht wirklich zusagte, schafft es diesem theoretischen Stück Routine die richtige Tonlage zu bescheren, so wie die Protagonisten des Film es mit dem zu kreierenden Lied schaffen, welches schlussendlich tatsächlich ein schöner Song geworden ist.

Sicherlich muss man mit dem Genre der Liebeskomödie etwas anfangen können, immerhin erfindet "Mitten ins Herz" das Kino nicht neu, sondern setzt auf Jahrzehnte erprobte Elemente. Dennoch ist der Streifen kein reines Formelkino geworden, guckt er sich dafür doch viel zu natürlich, in seinen Musikbereichen treffsicher augenzwinkernd, und in den romantischen Szenen mutig genug zum Ernst, intensivst lebend von den beiden Hauptdarstellern, diese jedoch eingebracht in einen Film voll von vielschichtigen anderen Seh- und Hörwerten. Einzig der Inder und ansatzweise auch der konkurrierende Komponist als schrullige Randfiguren wirken zu gewollt, ansonsten weiß alles, auch das was sich eigentlich falsch anfühlen müsste, in diesen unterhaltsamen Film hinein zu passen und das positive Ergebnis zu unterstützen. Mir hat "Music and Lyrics" derart gut gefallen, dass ich ihn mittlerweile schon einige Male gesehen habe. Und auch jetzt bei meiner letzten Sichtung ging es mir hinterher wie währenddessen einfach wieder gut. Und selbst ein Hauch von Langeweile kam trotz der Gewöhnung an den bereits oft gesehenen Stoff wieder einmal nie auf.  OFDb

09.04.2015

SCREAM (1996)

Es war der Erfolg von „Scream“ der 1996 jene Horrorwelle los löste, die bis heute noch anhält. Zuvor war Horror für etwa ein Jahrzehnt im Kino für Tod erklärt worden, und ausgerechnet ein parodistisch angelegtes Stück augenzwinkernde Ironie brachte frischen Wind ins Genre. „Scream“ wurde ein eigener Klassiker, der unzählige Werke wie „Muttertag", „Blutgericht in Texas" und „Halloween - Die Nacht des Grauens" zitierte, umgesetzt von einem Regisseur, der mit „Nightmare - Mörderische Träume“, „The Last House on the Left“ und manch anderem Genre-Beitrag bereits selbst einige Klassiker abgeliefert hatte.

„Scream“ ist so sehr kopiert, rezensiert und parodiert worden, dass er sich nie mehr so flüssig guckt wie damals. Ein Großteil ist selbst zum Zitat geworden. Die hier gekonnte Art Ironie mit echtem funktionierendem Horror zu vereinen hat viele Nachahmer inspiriert, die es für irre intelektuell hielten stets die Ironiefahne weit hoch zu halten, sodass mancher Kino-Hit es gar nicht mehr wagte mutig auf puren Horror zu setzen. Diesbezüglich war „Scream“ lange Zeit Fluch und Segen zugleich für den Horrorbereich, der es irgendwann aber dann doch schaffte ein breit gefächertes Sortiment dessen was alles unter Horror fällt abzudecken.

Wie gesagt funktioniert der augenzwinkernde Umgang in „Scream“ bestens. Schwächen des Genres werden aufgedeckt, ihre Wichtigkeiten für diese Art von Geschichten gleichzeitig aber auch demonstriert. Dabei geht man meist recht subtil vor. Ohnehin verkommt Wes Cravens Überraschungs-Hit nie zur reinen Horror-Komödie. Wahre Witzchen, wie eine offensichtliche Anspielung an den Killer Freddy Krueger, sind die Ausnahmen in einer Geschichte, die es sogar schafft glaubwürdig die Tragik der Rolle der Sidney auszuarbeiten, die von Newcomerin Neve Campbell gekonnt verkörpert wird.

Kennt man „Scream“ erst einmal als vierteilige Reihe, fällt einem kaum noch auf, dass beim ersten Sichten eigentlich so ziemlich jede Figur als Mörder in Frage kommt. Sprich das Mörderraten macht in Cravens Teil 1 unglaublich viel Spaß, spielt aber auch falsch wie die Auflösung zeigt, die irgendwo zwischen Traditionen brechend und Traditionen befolgend schwankt, der man aber so oder so nie bös wäre bei solch einem vielschichtigen Finale, welches auf endlose Erklärungen verzichtet und auch gerne Mal den Spieß dessen was man erwartet umdreht.

Meiner Meinung nach ist „Scream“ zu Recht ein Klassiker geworden. Er ist unglaublich spannend in Szene gesetzt, präsentiert eine Vielzahl an interessanten Figuren und weiß ehrlich zu zitieren, anstatt lediglich anbiedernd zu zeigen wie toll man sich im Genre auskennt. Freilich geht es im Tunnelblick-Land USA lediglich um amerikanische Filme, aber das ist schon okay, da es schließlich um den Slasher-Bereich geht der in diesem Land nun einmal zu Hause ist.

Wer sich an „Scream - Schrei“ (Alternativtitel) heranwagt wird schnell überzeugt sein, zieht einen doch allein schon die recht lange und drastische Eingangssequenz in seinen Bann, in welcher Drew Barrymore einen Gastauftritt absolviert. Danach lässt der Film einen nicht mehr los, zumal er nach besagter Szene weiterhin zügig genug inszeniert ist, immer etwas zu erzählen hat, den Horror nie in der zweiten Reihe parkt und es gleichzeitig trotzdem schafft sich genug Raum zur Charakterentfaltung frei zu halten.

Leider habe ich mittlerweile bei fast jeder Szene die Parodie „Scary Movie“ im Kopf, die „Scream“ fast 1 zu 1 aufs Korn nimmt. Dass es der Film trotzdem schafft auch beim x-ten Schauen noch immer relativ spannend zu wirken, zeigt um so mehr wie viel Stärke Wes Cravens Wiederbelebung des Genres doch besitzt, auch wenn er sich von Mal zu Mal immer theoretischer guckt. Auch mein Bonus von einst ist dahin, empfand ich Neve Campbell damals doch als unglaublich süß, was ich heute nach der letzten Sichtung nicht mehr verstehe. Oder sagen wir es mal so: ihren Depri-Stil in Teil 2 fand ich rückblickend dann doch süßer. Da die gute Frau ihre Rolle der Sidney aber sehr glaubwürdig verkörpert, ist es sowieso egal ob ich sie nun niedlich finde oder nicht.

Die meisten Fortsetzungen schafften es nicht mehr das Niveau des ersten Teils auch nur ansatzweise zu erreichen. Teil 2 war eine annehmbare Kopie mit mauer Auflösung und sich zu sicher ans vorgegebene Konzept klammernd. Teil 3 war eine eher unbefriedigende Angelegenheit, die zwar neue Aspekte mit einbrachte, aber doch ziemlich mutlos daher kam. Erst Jahre später mit „Scream 4“ fand Craven zur alten Form zurück, übertrieb es vielleicht das ein oder andere Mal mit dem Spiel der Metaebenen, schaffte es aber eine intelligente Fortsetzung abzuliefern, die zwar verkopft aber trotzdem unterhaltsam war. Spaß hat man mit diesem Teil freilich nur, wenn man die zu routinierten „Scream 2“ und „Scream 3“ ebenfalls geguckt hat. Aber egal was man von den Fortsetzungen auch haltem mag, Teil 1 sollte man unbedingt gesehen haben - und dies nicht nur als Fan des Genres.  OFDb

30.05.2013

50 ERSTE DATES (2004)

Endlich trifft Tierarzt Henry Roth die Liebe seines Lebens, aber das Schicksal meint es nicht gut mit ihm. Lucy leidet seit einem Unfall daran kein Kurzzeitgedächtnis mehr zu besitzen und die kann sich schon einen Tag später nicht mehr an Henry erinnern. Der nimmt die Herausforderung an und versucht Lucys Herz jeden Tag aufs neue zu erobern, mal mit mehr und mal mit weniger Erfolg. Zunächst sieht Lucys Vater das gar nicht gerne...
 
50 blöde Fehler...
 
Manchmal möchte man sich Adam Sandler einfach greifen um ihm mal ein paar Ohrfeigen zu verpassen, so ärgerlich sind manche Negativpunkte an Filmen mit seiner Beteiligung, die eigentlich gelungene Werke sein könnten. Ganz vorne an bei dieser Art Ärgernis steht „50 erste Dates“, der eine wunderbare romantische Komödie sein könnte, angereichert mit Elementen aus so wunderbaren Filmen wie „Und täglich grüßt das Murmeltier“ und „Vergiss mein nicht“, und der auf völlig unerklärliche Weise einen Humor beherbergt, der im Film eigentlich nichts zu suchen hat.

Neben der Vermenschlichung von Tieren, über die man noch gnädig hinwegsehen kann, da der Held Tierarzt ist und der Film ohnehin eine blauäugige Hollywood-Geschichte erzählen möchte, tauchen Figuren im fertigen Film auf, die weder für die Geschichte wichtig sind, noch die Atmosphäre des Streifens zu unterstützen wissen. Ein alter Opa in einem Restaurant sitzt herum um ständig abfällige Bemerkungen der unkreativen Art zu machen. Eine russische Gehilfin des Tierarztes steht nur für untersten Humor und der beste Freund des Helden bietet neben manch halbwegs nettem Gag immer wieder Fremdschämen, fast im Stil des eben erwähnten Opas.

Richtig unangenehm wird es, wenn Gast-Star Dan Aykroyd hin und wieder auftaucht, einst ein Meilenstein im US-Komikerangebot und Meister der Improvisation. Der ist sich mittlerweile für nichts mehr zu schade und darf nach einem gelungenen ersten Auftritt ein weiteres Mal vorbeischneien, um ähnlich schlechte Sprüche von sich zu geben wie die anderen drei Figuren des Filmes. Nimmt man nun noch ein kotzendes Walross dazu und den krampfhaften Versuch schräge Figuren wie einen Transsexuellen für einige Sekunden mit in die Story zu integrieren, lediglich um sie als Freakshow wirken zu lassen, dann könnte man dem Film voreilig den Zettel an den Zeh hängen und urteilen, der Patient sei am verfehlten Rezept verstorben.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Was sich in den ersten 5 Minuten fast komplett unangenehm guckt erfährt dann eine positive Wende, wenn Drew Barrymore mit ihrer Rolle Lucy ins Spiel kommt, und die Geschichte sowohl jede Menge Pfiff als auch ein süßes Gesicht beschert bekommt. Im ernst, welcher Mann fühlt sich nicht von dieser wunderschönen Frau angezogen, und selten sah die gute Drew süßer aus als im hier besprochenen Film, der diesbezüglich nur noch von „Mitten ins Herz“ getoppt wird. Zudem ist sie eine gute Schauspelerin, und im gemeinsamen Spiel mit ihr kommen auch wieder Sandlers positive Seiten ans Licht, der, wenn er denn mal will, ebenfalls gar nicht so schlecht spielen kann. Zu schade dass er sein Potential nur selten offenbart.

Inmitten der eben erwähnten Negativpunkte der besonders aufdringlichen Art, schafft es Regisseur Segal tatsächlich, dass der romantische Teil der Geschichte aufblüht, so immens weiß das Paar vor der Kamera zu wirken und so stark ist die Geschichte, welche die beiden erleben. Klar, Realität wird hierbei ausgeblendet, aber „50 erste Dates“ soll eine RomCom sein, ein Film zum Träumen, und würden die anfänglich aufgezählten Alptraumsequenzen einen nicht immer wieder hochschrecken lassen, könnte der Film auch genau dies leisten.

Die ohnehin schon gute Geschichte erfährt immer wieder einige interessante Wendungen, die weder humoristische noch dramatische Seiten umgehen. Ohnehin ist es dem Film hoch anzurechnen, dass seine dramatischen Szenen so intensiv zu funktionieren wissen, wohingegen die humoristischen häufig, auch in ihren guten Momenten, sicherlich Geschmackssache bleiben. So würde manch einer sicherlich auch den Bruder Lucys zu den Negativpunkten zu Beginn der Review mit aufzählen, wohingegen ich ihn auf geglückte Art als absichtlich stillos empfinde. Und dank einer deutschen Lispelstimme ist auch die Vertonung in Sachen Humorwirkung auf seiner Seite.

Die Komik, die mit der Geschichte automatisch einhergeht, ist zudem Selbstläufer, kann also nur funktionieren und dürfte phasenweise auch beim völlig enttäuschten Publikum ankommen. Auf dem Regiestuhl sitzt ohnehin kein völlig untalentierter Mann. Peter Segal durfte schon mit seinem ersten Langfilm „Die nackte Kanone 33 1/3“ beweisen was er drauf hat, trat er mit dieser Fortsetzung doch in große Fußstapfen großer Erwartungshaltung und lieferte er doch eine recht gute Arbeit mit einem längst verschlissenen Leslie Nielsen ab. Während sein erstes Projekt mit Sandler, „Die Wutprobe“, eher negativer Natur war, weiß „50 erste Dates“ zumindest recht gut zu unterhalten, selbst mit den angesprochenen dominanten Negativseiten. Eine richtig gute Arbeit sollten beide zusammen als Team aber erst mit „Spiel ohne Regeln“ abliefern. Mit diesem endete die Zusammenarbeit mit Sandler auch leider schon. Das ist schon schade, hätte ich mir persönlich doch eher gewünscht Sandler hätte sich mal von seinem Hausregisseur Dennis Dugan getrennt. Aber das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert.

Und genau dies lässt „50 erste Dates“ den Freund romantischer Filme immer wieder spüren. Klar kommt dieser Aspekt auch in der Hauptgeschichte herüber, aber selbstverständlich spiele ich wieder auf den Bereich an, über den ich schon seit Beginn der Review nörgle, und wer den Film gesichtet hat wird sicherlich wissen, dass ich damit nicht einmal übertreibe. Zu gerne würde ich eine Art Director‘s Cut sichten, in welcher etwa 5 Minuten Laufzeit fehlen, besagte Figuren und Szenen nicht mehr auftauchen, um am Ende einen Film zu haben, den man am liebsten freundschaftlich drücken möchte, so gut ist das Gefühl dass er einem hinterlässt, selbst mit seiner gewagten Schlussidee, welche die Phantasie des Zuschauers einige Zeit zu beschäftigen weiß.

Sicherlich könnte man sich auch eine Neuverfilmung wünschen, aber dann wäre ja die Besetzung eine andere, und von dieser lebt „50 erste Dates“ dann doch zu sehr, als dass man die wichtigsten Personen da mal eben ausgetauscht bekäme. Leider bleibt dem interessierten Cineasten also nichts weiter übrig als weiterhin in den sauren Apfel zu beißen, um diese zuckersüße, sehenswerte Liebesgeschichte konsumieren zu können. So unangenehm der Beigeschmack auch ist, ich stelle mich alle paar Jahre immer wieder dieser Herausforderung, weil ich weiß wie sehr es sich für die eigentliche Geschichte lohnt.  OFDb