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18.06.2015

SCARY MOVIE 4 (2006)

Bereits mit „Scary Movie 3“ lieferte Regisseur David Zucker nicht mehr das Niveau jener Film-Parodien ab, mit denen er im Trio mit Jerry Zucker und Jim Abrahams einst berühmt wurde. Und mit „Scary Movie 4“ geht es noch eine Nummer weiter nach unten, wird die Reihe nun doch noch mehr zur reinen Zoten reißenden, Filme zitierenden Nummern-Revue als ohnehin schon, der man aufgrund einer Vielzahl unnötiger Fäkal-Gags und billiger Hau drauf-Komik zu Recht kritisch gegenüber stehen mag. Tiefsinn blitzt nicht einmal mehr leicht auf, der Kern der zu parodierenden Genres wird nicht einmal mehr erörtert. Bekanntes soll lediglich erkannt werden und durch einen schlichten Gag humoristisch verarbeitet.

Trotzdem muss man den Autoren zugestehen, dass es gar nicht so einfach ist die völlig unterschiedlichen Filme „Saw“, „The Village - Das Dorf“, „Krieg der Welten“ und „The Grudge - Der Fluch“, welche neben einer Vielzahl anderer Werke hauptsächlich verarscht werden, unter einen Hut zu bringen. Der rote Faden, der eine erzählte Geschichte vortäuscht, ist hauchdünn zu nennen, und doch ist es faszinierend wie alles zu einem pseudo-sinnvollen Cocktail vermischt wird. Kunst ist das nicht, aber herrlich schräg mit anzuschauen durchaus.

Dank einer wie immer gut aufgelegten, verspielten und mutigen Anna Faris weiß dieses plumpe Rezept gerade noch auf schlichter Ebene aufzugehen. Trotz allerhand Rohrkrepierer kann man über viele Gags noch herzhaft lachen, wenn man bereit ist sich auch einmal unter Niveau zu amüsieren. Wenn ein Vater sich mit vorgeheuchelter Art als Nichtkenner seiner Kinder entpuppt, gebranntmarkte Flüchtlinge für Zombies gehalten werden, hinter einer Schweinemaske ein Mann namens Pigface steckt oder ein in Ketten Gefangener sich das falsche Bein beim Befreiungsversuch absägt, dann ist das durchaus lustig. Im Gegensatz zum ersten „Scary Movie“ kann man die Fehltritte jedoch nicht mehr ignorieren, sie verwässern sehr deutlich den Unterhaltungswert des Streifens in ihrer arg vulgären Art.

Selbstverständlich bleibt ein Extrem-Werk wie „Scary Movie 4“ reine Geschmackssache, so provokativ wie er sich absichtlich in schlechtem Geschmack suhlt. Aber man darf auch nicht zu engstirnig an einen Film herangehen, der lediglich simpel unterhalten will während er die erfolgreiche Geldkuh melkt. Besser funktionierend als jeglicher seelenlose Blockbuster a la „Terminator 4“, "Man of Steel" oder „Transformers“ ist diese Horror-Komödie noch immer. Wie weit es Niveau-mäßig hierfür bergab gehen darf bleibt Ansichtssache, viele rümpften bereits beim anspruchsvolleren Teil 1 die Nase oder bei der Rezeptveränderung Zuckers durch Teil 3.

Spätestens an der letzten Szene werden sich die Geister endgültig scheiden, muss man zum Verstehen der Szene doch zur Ausnahme einmal tatsächlich das Original gesehen haben, in diesem Falle den Liveauftritt von Tom Cruise in einer populären Talkshow, und selbst dann bleibt die hauptsächlich improvisierte Szene aufgrund grenzdebilem Humors reine Geschmackssache. Brilliant, wie es Regisseur Zucker formulierte, ist die Performance des Cruise-Parodisten, der mit dieser Rolle die zweite Hauptrolle des Streifens spielte, keineswegs zu nennen, dafür fehlt der Nummer die Tiefe. Aber so sehr sich der werte Herr auch zum Affen macht, immer wieder gelingen ihm kurze Momente, welche das Herumgealber zu jener Groteske macht, welche die Szene im Gesamten hätte werden müssen um als gelungen betrachtet werden zu können.

Ich konnte mich damals erst beim zweiten Sichten mit „Scary Movie 4“ anfreunden, war ich nach erster Sichtung doch wie erschlagen von der Plumpheit des Dargebotenen. Gibt man dem etwas zu bemühtem Herumgealber jedoch eine faire Chance, sich wissentlich gerade unter Niveau unterhaltend, wissen die positiven Momente das Gesamtwerk doch noch zu stemmen. Sicherlich nicht mit so kräftigen Armen gehalten wie es ein Schwarzenegger oder Hercules könnte, aber als Wackelkandidat sich gerade noch im Bereich des angenehmen Durchschnitts haltend. Allein die stark ans Original angelehnten Örtlichkeiten verdienen einen Sympathie-Bonus.  OFDb

09.05.2015

SCARY MOVIE (2000)

„Scary Movie“ mag nicht die Königsübung in Sachen Filmparodie sein, da er lieber zitiert anstatt das veralberte Genre wohlüberlegt an der Wurzel zu packen und zu entlarven, aber er ist in seiner recht infantilen Art überraschend treffsicher ausgefallen, inszeniert in einer entspannten Weise, welche den meisten Fortsetzungen und anderweitigen Ablegern („Fantastic Movie“, „Ghost Movie“, "Superhero Movie", ...) aufgrund noch höherer Gag-Quote, noch plumperem Getue und noch größerer Anzahl parodierter Filme fehlte.

Regisseur Keenan Ivory Wayans, dessen Bruder Marlon u.a. das Drehbuch verzapfte, hat es hauptsächlich auf „Scream“ abgesehen und zitiert diesen teilweise Satz für Satz und einzelne Szenen fast eins zu eins. Deswegen ist es auch so lustig, dass der Film nach dem Arbeitstitel von Wes Cravens Überraschungshit benannt wurde, als Kern aller Geschehnisse, um die herum sich freilich auch andere meist große Filmereignisse aus dem Radius der Herstellungszeit mit eingeschlichen haben. Zwar liegt hierbei das Hauptaugenmerk auf Horrorfilmen wie „Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast“, „The Sixth Sense“, „The Blair Witch Project“ und „Scream 2“, mit an Bord sind aber außerdem Genre-fremde Werke wie „Matrix“, und „Titanic“.

Zur selben Zeit wie „American Pie“ erschienen überraschte „Scary Movie“ ebenso wie dieser mit einer sexuellen Freizügigkeit, wie sie für Amerika bis dahin in einem regulären Kinofilm als unmöglich galt. Ein aus der Hose hängender Hodensack, ein Sexualpartner der von einer Spermafontäne an die Decke gepresst wird, oder der extreme Schamhaarbüschel einer Jungfrau sind nur einige Beispiele einer Extremkomik, die sich nicht um biedere Zurückhaltung kümmert, die bislang als stille Abmachung in Kinofilmen eingehalten wurde. Ganz im Gegenteil, anhand der Hauptfigur Cindy wird diese bislang typische sexuell weltfremde Art auf wunderbare Weise veralbert, so kindlisch naiv diese von der schauspielerisch gern unterschätzten Anna Faris verkörpert wird.

Man muss nichts schön reden. Die meisten Witze des Streifens sind simpelste, gern auch geistfreie, Flachköpper, aber sie funktionieren in ihrer Umsetzung, Anordnung und Darstellung. Hin und wieder schleicht sich gar wahre Beobachtungsgabe ein, z.B. wenn Wayans gekonnt mit den Erwartungen des Zuschauers spielt, der nun einmal weiß dass er sich in einer Parodie befindet. Wissendlich dass zunächst etwas verarscht werden muss, bevor ein echter Bezug zum Thema oder zum Genre angegangen wird, lässt er z.B. den verhörenden Sheriff Cindy einige anzügliche Fotos von sich selbst zeigen, nur um ihr nach diesem Kalauer ein Foto zu zeigen, welches ihr aus der Reihe der anzüglichen Sheriff-Fotos bereits zuvor gezeigt wurde. Das ist aufgrund der ernst gespielten Art des Gesetzeshüters, der Form dessen Fragestellung und der bereits erwähnten durchkreuzten Erwartungshaltung des Zuschauers einer der köstlichsten Momente des Streifens.

Zur Hochform kommt „Scary Movie“ auch immer dann, wenn er die bereits im Originalfilm so tolpatschige Figur des Mörders wie eine Comicfigur wirken lässt. Mag die Masse auch über kiffende Alternativmimiken der Maske lachen, am komischsten ist der Killer doch dann, wenn er z.B. wie ein Gegner Bugs Bunnys auf einer Treppe vor einem Klavier flüchten muss. Oder dann, wenn Wayans uns zeigt was im in Horrorfilmen stets ausgeblendeten Moment passiert zwischen jenem Moment in welchem das zukünftige Opfer den Killer sichtet und jenem, in dem sie noch einmal hinguckt und der Killer verschwunden ist.

In diesen Ausnahmeszenen wird wahrlich mit den Elementen der Vorlagen und mit Methoden von Film und Komik gespielt, die man im Großteil des Streifens ansonsten verzweifelt suchen darf. „Scary Movie“ ist kaum vergleichbar mit tiefer greifenden Parodien wie „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ und „Frankenstein Junior“. Er konzentriert sich lieber auf Albernheiten wie es „Spaceballs“, „Hot Shots“ oder „Loaded Weapon 1“ vorgemacht haben. Sprich er ruht sich auf das Bekannte des Originals aus, um dessen Ereignisse auf eher zotenhafte und klamaukige Art noch einmal zu erzählen. Damit erreicht man zwar keinen großartigen Vorzeigefilm, unterhaltsam ist es aber definitiv. Und so lange ein solch simpler Streifen den Zuschauer zum lachen bringt, kann er ja nicht völlig verkehrt angegangen sein.  OFDb